Als Pezhetairoi (, wörtlich „Gefährten zu Fuß“, Singular Pezhetairos) wurden im antiken hellenistischen Heerwesen die Soldaten der schweren Infanterie bezeichnet, die als „makedonische Phalanx“ aufgestellt in der Regel den Kern jeder Heeresformation bildeten. Sie waren also die regulären Phalangiten in den Heeren Makedoniens und seiner hellenistischen Nachfolgestaaten der Antigoniden, Seleukiden, Ptolemäer und anderer Dynastien. Ein mit ihnen vergleichbares Äquivalent waren die römischen Legionäre.

Terminus

Der griechische Begriff hetairos (Gefährte) fand bereits in den Epen Homers Anwendung, wo er das engere persönliche Gefolge der Heroen beschrieb. Die Gefährten wurden dabei in der Regel durch ein besonders ausgeprägtes Loyalitätsverhältnis zum Helden definiert, was im Heerwesen Makedoniens letztlich auch von den Kriegern zu ihren Heerführern vorausgesetzt wurde.

In der sozialen und staatlichen Ordnung des antiken Makedonien galten alle Männer, die das Bürgerrecht besaßen, als frei und gleichberechtigt auch ihrem König gegenüber, dessen Stellung damit eher dem eines Ersten unter Gleichen (primus inter pares) als dem eines Gebieters entsprach. Der makedonische Bürger empfand sich seinem Selbstverständnis nach nicht als ein Untertan des Königs und folgte diesem deshalb auch nicht als ein dienstpflichtiger Vasall, sondern als freiwilliger Gefährte in den Kampf.

Herkunft

In seiner um 350 v. Chr. verfassten zweiten olynthischen Rede bezeichnete der attische Redner Demosthenes erstmals die Pezhetairen mit diesem Terminus.Demosthenes, Zweite olynthische Rede (2), 17. Er beschrieb sie als hoch gewachsene und kräftig gebaute Leibwächter König Philipps II. von Makedonien. Damit geht er mit der Beschreibung des Historikers Theopompos konform, der ebenfalls die Pezhetairen als königliche Leibgarde beschrieb.Theopompos, Die Fragmente der griechischen Historiker. Nr. 115, Frag. 348. Erst Anaximenes wandte den Terminus als Bezeichnung für die Gesamtheit der makedonischen Infanterietruppen an.Anaximenes, Die Fragmente der griechischen Historiker. Nr. 72, Frag. 4. Er nannte dabei einen König Alexander als Erschaffer der Pezhetairentruppe, wobei dessen Identität in der Geschichtsforschung umstritten ist. Da Makedonien vor Philipp II. nicht als infanteristische Militärmacht hervorgetreten war und Alexander II. mit nur einem Regierungsjahr kaum gestalterisch gewirkt haben kann, wird in der Geschichtsschreibung mehrheitlich Alexander I. als Begründer der Pezhetairen angesehen, die den makedonischen Königen als kleine Truppe zunächst als Leibgarde gedient haben müssen.Vgl. Roisman/Worthington, 2010, S. 447. Die auf ein Vertrauensverhältnis verweisende Bezeichnung als „Gefährten zu Fuß“ rührt wahrscheinlich aus dieser Vergangenheit als königliche Leibgarde her.

Anaximenes beschrieb offenbar als erster das makedonische Heerwesen nach dessen Reformierung durch Philipp II. und die schwere makedonische Infanterie, also die „Gefährten zu Fuß“, von der schweren makedonischen Kavallerie (Hetairenreiterei) unterschieden, deren Reiter von ihm schlicht als „Gefährten“ bezeichnet wurden. Philipp II. benutzte also das von seinen Vorgängern übernommene Leibwächterkorps als Fundament zum Aufbau eines stehenden infanteristischen Heeres, versah dieses mit einer den Makedonen eigenen Bewaffnung und schulte es in einer entsprechenden Kampfweise. Im Endergebnis wurde damit die so genannte „Makedonische Phalanx“ (Μακεδονικὴ φάλαγξ) geschaffen, die sich in ihrer Kampfweise von der bis dahin bekannten Hopliten-Phalanx der griechischen Stadtstaaten deutlich unterschied und sich ihr als überlegen erweisen sollte.Diodor 16, 3, 2.

Rekrutierung, Ausrüstung und Organisation

Die Pezhetairen waren keine einfachen Wehrbürger, sondern Berufskrieger, die für ihren Dienst aus der königlichen Kasse besoldet wurden. Jeder Krieger erhielt einen Durchschnittssold von 30 Drachmen im Monat. Der Verdienst konnte durch Plünderung, Beutebeteiligung und Auszeichnung gesteigert werden. Rekrutiert wurden sie vornehmlich aus der einfachen Landbevölkerung Makedoniens, wobei die traditionelle Vätersitte und das ausgeprägte Kriegerethos der Makedonen für ein stets nachwachsendes Reservoir an kampfwilligen Männern sorgten. Der junge Rekrut (ephebos) wurde in der Regel einem mehrjährigen Training unterzogen, bevor er zum Kampfeinsatz kam. Dabei wurde er in strengster Disziplin und hartem Drill im Umgang mit den Waffen und vor allem im Formationsmarsch geschult. Das Training wurde auch während des Feldzugs in den Kampf- und Marschpausen regelmäßig fortgesetzt. Der ausgebildete Pezhetairos wurde bevorzugt nach seiner Verheiratung in den ersten Kampfeinsatz entsandt, wodurch ihm die Aussicht auf eine Vaterschaft eingeräumt wurde, denn schließlich mussten auch ausreichend Rekruten für die Zukunft zur Verfügung stehen. So entließ unter anderem Alexander der Große im ersten Jahr seines Asienfeldzugs die jung verheirateten Krieger über den Winter in die Heimat, um ihnen noch einmal die Gelegenheit zur Zeugung weiterer Söhne zu gewähren, bevor sie im folgenden Jahr den Feldzug durch Asien wieder aufnehmen mussten.Arrian, Anabasis. 1, 24, 1. Die Dienstzeit eines Pezhetairos war zeitlich unbefristet, denn je länger die Dienstzeit desto größer war der Verdienst. Außerdem war die mit fortschreitendem Alter erworbene Kampferfahrung bei den Feldherren ein begehrtes Gut. In der Regel blieb ein makedonischer Krieger solange im Einsatz, bis er sich von seinem Verdienst zur Absicherung des Lebensalters eigenes Land erwerben konnte. Im Zweifelsfall kämpfte er solange, wie er kriegstauglich war. Ein berühmtes Beispiel dafür ist von den Veteranen der Schildträger (hypaspistes) bekannt, die „Silberschilde“, die während der Diadochenkriege noch mit einem Durchschnittsalter von sechzig bis siebzig Jahren in die Schlacht zogen.Diodor 19, 41, 2. Und dass ein Ruhestand auf dem Altenteil zuweilen auch mit dem Ehrempfinden der Krieger nicht zu vereinbaren war, demonstrierten sie zum Beispiel mit ihrer Meuterei gegen Alexander in Opis 324 v. Chr., mit der sie sich gegen die Entlassung der Veteranen wehren wollten.

Die charakteristische Waffe eines Pezhetairos war eine lange Stoßlanze, die Sarissa, die durchschnittlich 12 Ellen (5,5 m) lang war, zeitweise aber auch eine Länge von bis zu 16 Ellen (7,3 m) erreichen konnte.Theophrast, Historia plantarum. 3, 17, 2. Polyainos, Strategika. 2, 29, 2. Ihr Schaft wurde aus dem Holz der Kornelkirsche gefertigt.Arrian, Anabasis. 1, 15, 5. Sie musste beidhändig geführt werden.Helmut Berve: Das Alexanderreich auf prosopographischer Grundlage. Band 1, München 1926, S. 113. Zu seinem Schutz trug der Pezhetairos über seine linke Schulter herab einen kleinen Rundschild, eine kleinere Version des Hoplon, der mit einem Lederriemen um seinen Hals befestigt wurde. Alternativ, besonders im Belagerungskampf, konnte der Pezhetairos aber auch mit einem 2,5 m langen Speer sowie einem Schild bewaffnet werden.Vgl. Hans-Joachim Gehrke: Alexander der Grosse. Beck, München 1996, ISBN 3-406-41043-X, S. 180, Anmerkung 18. In dieser Ausstattung ähnelte die Bewaffnung der eines Schildträgers. Unabhängig von seiner Hauptbewaffnung trug der Pezhetairos ständig Helm, Brustpanzer (vermutlich ohne Rückenteil), Beinschiene und Schwert.Bertram Kanstinger: Alexanders Asienfeldzug bis zur Schlacht am Granikos. 2002, S. 79.

Die kleinste militärische Teileinheit, der ein Pezhetairos angehörte, war das Glied (dekas), das ursprünglich aus 10 und spätestens seit Alexander dem Großen aus 16 Mann bestand. Angeführt wurde ein Glied von einem „Zehnerschaftführer“ (dekadarchos), dem drei Stellvertreter zur Seite standen. Der erste in der Aufstellung unmittelbar neben ihm stehende war der tapferste Krieger des Glieds, der einen doppelten und damit höchsten Monatssold empfing. An dritter Stelle folgte ein dekastateros, der seinem Rang nach 10 Stater zusätzlich zu seinem Monatssold erhielt. An ihm schlossen sich zwölf einfache Pezhetairen an. Das Glied wurde schließlich von einem zweiten dekastateros abgeschlossen.Arrian, Anabasis. 7, 23, 3–4. Ein Glied bildete zugleich eine Zeltgemeinschaft, die über einen Diener und einen Esel verfügte, der das Zelt und Nahrung für 30 bis 40 Tage transportierte. Sechzehn Glieder, die in einem Quadrat zu 16 mal 16 Mann (also insgesamt 256 Mann) angeordnet waren, bildeten einen militärischen Verbund, ein syntagma. Zwei solche Verbünde ergaben zusammen eine „Fünfhundertschaft“ (lóchos) als kleinste operative Einheit, drei solcher „Fünfhundertschaften“ wiederum eine 1536 Mann umfassende taxis als größten infanteristischen Verband. Eine Phalanxformation wurde in der Regel aus mehreren taxeis zusammengestellt.

Kampfweise

Der Pezhetairos war für den Kampf in der Phalanxformation spezialisiert, in seinem konkreten Fall in jener der so genannten „makedonischen Phalanx“, die bedingt durch die eigentümliche Bewaffnung ihrer Krieger eine Weiterentwicklung der klassischen Hopliten-Phalanx darstellte.

Anders als der klassische Hoplit führte der Pezhetairos seine Lanze nicht mit nur einer Hand über seine Schulter, sondern musste sie in beiden Händen tragend in Hüfthöhe halten. Die wesentlich größere Länge seiner Sarissa verhalf ihm dabei zu einem Vorteil gegenüber dem Hopliten, den er nun aus größerer Distanz mit seiner Lanzenspitze treffen konnte, ohne dabei einen unmittelbaren Zweikampf mit ihm ausfechten zu müssen. Dieser Vorteil setzte allerdings die Einbettung des Kriegers in die ihn schützende Geschlossenheit seiner Phalanxformation voraus, denn als Einzelkämpfer war er nur bedingt einsetzbar. Die Handhabung seiner langen Lanze gestattete ihm nur langsame schwerfällige Bewegungsabläufe und sein kleiner Schild bot nur geringen Schutz. Für den Nahkampf führte er ein kleines Schwert oder einen längeren Dolch mit sich, welche Waffen allerdings nur als allerletzte Notlösung zum Einsatz kamen. Auf dem Schlachtfeld suchte der Pezhetairos den Körperkontakt mit dem Gegner zu verhindern, indem er ihn mit seiner Lanze rechtzeitig aufspießte.