Werner Cee (* 18. September 1953 in Dorheim, Hessen) ist ein deutscher Komponist, Klangkünstler, Hörfunkautor und -regisseur.
Leben Er begann seine künstlerische Laufbahn mit dem Studium der Malerei an der Frankfurter Kunsthochschule (Städelschule) in den 1970er-Jahren und arbeitete bis in die 1980er-Jahre als freischaffender bildender Künstler, gleichzeitig als Musiker in der experimentellen Rockmusikszene und Free-Szene. Es folgten Arbeiten im Medienkunstbereich, Klang- und Lichtinstallationen, die eine Verbindung von visuellen und akustischen Medien, von Klang, Geräusch, Architektur und Musik herstellen.
Danach verlagerte sich der Schwerpunkt auf elektroakustische Komposition und Ars-Akustica-Produktionen für den Rundfunk. Mittlerweile wurden mehr als zwanzig große künstlerische Produktionen für das Studio Akustische Kunst des WDR, Deutschlandradio Berlin, für den Hessischen Rundfunk, für den SWR und den BR realisiert, daneben viele dokumentarische Sendungen über die akustische Umwelt, Soundscapes sowie musikethnologische Features. Er arbeitete im Vorstand der DEGEM (Deutsche Gesellschaft für Elektroakustische Musik). Lehrtätigkeit für Klangkunst an der Kunsthochschule Saarbrücken sowie Dozententätigkeit für audiovisuelles Gestalten an der Hochschule der Künste Bern folgten.
Cee lebt mit seiner Familie in Nordeck, einem Ortsteil der mittelhessischen Stadt Allendorf (Lumda).js: . In: Gießener Allgemeine, 28. September 2010, S. 37, archiviert am 29. September 2010.
Auszeichnungen 1991 Preisträger Musik kreativ 1993 Anerkennung Ars Electronica, Linz. 1993 Preisträger Bourges Prix de musique électroacoustique expérimentale.http://mediatheque.cite-musique.fr/masc/?url=displayNotice.asp?ID=0237089 1997 Acustica International (Auswahl für kurze Hörstücke) WDR Köln. 2000 Drift 1. Preis für radiophone Hörstücke. Radio Nacional de España/CDMC Madrid. 2001 Auszeichnung für Cities Drift 28. International Competition of Sonic Art. Bourges/F. 2002 Prix Ars Acustica Studio akustische Kunst WDR. 2002 Preis des int. Computermusikwettbewerbs "Pierre Schaeffer" Pescara It. 2002 1. Preis im Wettbewerb Computer-Space, Sofia Bulgarien. 2004 1. Preis für Musik bei Computer-Space, Sofia Bulgarien. 2005 Auszeichnung beim 32. International Competition of Sonic Art. Bourges. 2006 Deutscher Klangkunst-Preis, des WDR Köln und Skulpturenmuseum Marl.http://www.klangkunstpreis.de/pdf_download/Pressemitteilung_Vergabe.pdf Am 18. Juni 2006 in Marl 2007 1. Preis Stereophonic soundcapes, DigitalArtWeek DAW Zürich. 2010 Featuring Schuberts Winterreise (hr) gewinnt den Prix Italia 2020 When Weather was Wildlife (SWR) gewinnt den Prix Italia 2021 When Weather was Wildlife (SWR) nominiert für den Prix Europa
Tonträger DVD Filmmusik zu Dziga Vertovs Stummfilm von 1929 Der Mann mit der Kamera. Absolut Medien. LP Uludag: Mau Mau. Recommended Records. CD-ROM Klangkunst in Deutschland, Dokumentationsreihe der DEGEM Wergo/Schott. CD Cultures électroniques, Bourges, 21e concours. CD A guide to No Man’s Land. Recommended Records. CD Inventionen. 50 Jahre musique concrète, Berlin. CD Riverrun. Ars Acustica. WDR. Wergo. CD En Red O – Paisajes Sonoros VII. Simposio de Musica Electroacustica. CD Kontinuum...bruchlos CD7 der Deutschen Gesellschaft für elektroakustische Musik. CD Soundscape Compositions 2001 SonicArtsNetwork. UK CD Preisträger CD Computer Music Competition Pierre Schaeffer Pescara.
Hörspiele 2017: Gesänge des Charon
Radiophone Kompositionen Auswahl; Konzept, Musik, Regie und Realisation von Werner Cee
Agon DeutschlandRadio Berlin 2010, ca. 50 Min.
„Falls ich noch einen letzten Film drehen würde, dann über das Zusammenspiel von Wissenschaft und Terrorismus.“ (Buñuel) Kurz vor seinem Tod zieht sich Luis Buñuel gemeinsam mit Jean-Claude Carrière zum letzten Mal in sein mexikanisches Lieblingshotel zurück, um an einem Drehbuch zu arbeiten. Enttäuscht stellen beide fest, dass die Bar des Hauses verschwunden ist. Das Filmprojekt wird nie realisiert. 30 Jahre später konfrontiert der Klangkünstler Werner Cee das apokalyptische Manuskript mit dem Sound der Karfreitagsprozessionen aus Buñuels Heimatstadt Calanda: „Dieses Trommeln, ein unglaubliches, mächtiges, kosmisches Phänomen, das das kollektive Unterbewusstsein anrührt, lässt den Boden unter den Füßen beben.“ (Buñuel)
featuring Schuberts Winterreise Hessischer Rundfunk 2010, 54 Min.
Die Fremde bereisen und das Eigene finden – dieser Hoffnung folgt die Reihe »Des Wanderers Lied« über vier Wege. »Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus« mit diesen Versen beginnt die »Winterreise«, der wohl bekannteste Liederzyklus der Romantik, den Franz Schubert kurz vor seinem Tode 1827 für Gesangsstimme und Klavier komponierte. Ein Wanderer zieht aus ohne festes Ziel durch die Winternacht und erzählt von Liebesschmerz und enttäuschter Hoffnung auf politische Freiheit. Schuberts romantische Passionsgeschichte dient Werner Cee als Ausgangsmaterial für eine zeitgenössische Interpretation, in der die Original-Klavierstimme nur über das E-Piano von Norbert Grossmann zitiert wird: So wandeln bearbeitete Naturklänge, die Sounds des norwegischen Gitarristen Eivind Aarset und der vom Autor gespielten »e-ch′in« sowie die exzentrische, englisch gehaltenen Vortragskunst des australischen Puppen- und Theaterspielers Neville Tranter den Schubert-Zyklus zu seiner irritierenden und suggestiven Klangreise in durchaus heutige menschliche Abgründe.
Am Anfang der See DeutschlandRadio Berlin 2009, 53 Min.
Die Hardangervidda im südlichen Norwegen ist eine raue, von Gletschern abgeschliffene Hochebene. Hier trainierten die frühen Polarforscher für ihre Expeditionen, hier ermöglichte die Wasserkraft erstmals die Produktion von Schwerem Wasser, das für den Bau von Atombomben benötigt wird. Eine von norwegischen Wissenschaftlern errichtete Anlage in Rjukan wurde im Zweiten Weltkrieg heiß umkämpft und zerstört. Dieses Spannungsfeld zwischen urgewaltiger Natur und kurzlebigen menschlichen Eingriffen nutzt Werner Cee für ein akustisches Land-Art-Projekt. Der norwegische Perkussionist Terje Isungset setzt artifizielle Klänge in die Landschaft, bespielt vorgefundene Materialien, kommuniziert mit der vorhandenen Soundscape.
Owning the weather Hessischer Rundfunk 2008, 50 Min.
In Frankfurt haben sich für »The Artist’s Corner« der norwegische Jazz-Gitarrist Eivind Aarset – mit extended E-Gitarre und Laptop – und der Friedberger Soundkünstler Werner Cee mit Live-Elektronik, E-Bass und E-Chin (dem elektrifizierten chinesischen Zupfinstrument) für eine Session zusammengefunden, die Audio Art und musikalische Improvisation verknüpft. »Owning the weather by 2025« heißt ein vor Jahren veröffentlichtes Programm der US-Armee. Texte zum Thema treffen auf akustische Ambient-Manipulationen. Die Ergebnisse reichen vom psychedelischen Sonnenuntergang bis hin zum apokalyptisch dröhnenden Unwetter.
Die Zeit weht – Ränder der Musik DeutschlandRadio Berlin 2007, 48 Min.
Die Zeit weht ist ein Hörstück über Wolken – über das Formlose, Nichtige, Veränderliche und bodenlos Symbolische dieser Himmelserscheinungen, komponiert aus den wehenden Klangbildern zweier hybrider Instrumente: der E-Chin von Werner Cee und der E-Gitarre von Eivind Aarset. Ränder der Musik ist ein Hörstück über die Poesie des Ungewollten, des Nutzlosen, des Nichtausgedachten und Nichtgemachten. Es besteht aus den Geräuschen von Musikern vor und nach dem Musizieren. Eine Komposition, die die Klänge zeigt wie sie sind: scheinbar zufällig, mühelos. Beide Stücke treten in ein klangpoetisches Zwiegespräch über die Ränder zwischen Form und Auflösung und über die stetige Veränderung im Fortgang der Zeit.
Hippieallchemie Hessischer Rundfunk 2006, 45 Min.
Flower Power, das Stichwort der amerikanischen Hippiebewegung stand für ein gewaltfreies und sexuell tabuloses Leben, in dem Droge und Musik das Bewusstsein entgrenzen. In der deutschen Provinz kommt alles ein wenig später an und auch etwas anders. Die Lust an Veränderung war vergleichbar. Was ist aber aus all dem geworden? Der ehemalige Rockmusiker Werner Cee hatte nach Gießen ein großes Loft zu einer Wiedersehensparty nach über 30 Jahren geladen: Schulkameraden, Künstlerweggefährten und Freunde. Es wurde bis in die Morgenstunden geredet, gejammt, gefeiert... Mit Einwilligung der Beteiligten wurden alle Reden und Geräusche mitgeschnitten. Das vielstündige Ausgangsmaterial an O-Tönen – Sprache wie Musik – nutzt Werner Cee, um einen elektroakustischen Tripp zu komponieren, der Heute und Gestern ineinander webt.
Fire and Forget WDR Köln 2005, 54 Min.
Fire and Forget ist eine militärische Formel aus der modernen Waffentechnologie: Einmal abgefeuert, benötigt die Rakete bzw. Bombe keine weitere Steuerung. Werner Cees Hörstück "Fire and Forget" ist eine Salve von kurzen, extrem verdichteten und dramatisierten Text-Sound-Kompositionen, die akustische Trümmerlandschaften hinterlassen. Die Texte -Zitate aus Schnittberichten zensierter Horrorfilme, Waffenbeschreibungen, der Lebensgeschichte einen Waffenerfinders und Songtexte von Jimmi Hendrix – spricht ein einziger Sprecher, der Puppenspieler Neville Tranter vom Stuffed Puppet Theatre, der jedoch jeder Textebene eine eigene Stimme verleiht. Das Ergebnis ist ein surreal anmutender Monolog – krankhafte Hirngespinste oder doch sozial akzeptierter alltäglicher Wahnsinn? Die musikalischen Fragmente der Trümmerlandschaft bestehen aus Rockmusik-Zitaten (E-Gitarre, Bass, Schlagzeug, Live-Elektronik, E-Chin, Klavier). Ein absurder Liederzyklus aus dem „richtigen Leben“ im akustischen Niemandsland. Mitwirkende: Eivind Aarset, Neville Tranter, Peter Hollinger
Maschinerie der Polarlandschaft DeutschlandRadio Berlin 2004, 46 Min.
Casper David Friedrichs berühmtes Gemälde Eismeer gab den Anstoß zu diesem Projekt. Als Ikone der Fortschrittsskepsis wurde das Bild immer wieder zitiert. Für den Komponisten Werner Cee haftet einer Industrieruine in Bitterfeld, einem nie benutzten Wasserspeicher, eine ähnliche Symbolik an – besonders deutlich während der Flutkatastrophe im Sommer 2002. Werner Cee konfrontiert in dem nachhallreichen Klangspeicher Musiker mit dem Bild von Friedrich und lässt das Stück in Improvisationsprozessen entstehen. Verbindendes Klangelement ist eine elektronische chinesische Zither e-Ch’in. Durch den langen Nachhall entstehen Erstarrung und „Entschleunigung“ wie treibende Schollen im Eismeer von Caspar David Friedrich. Mitwirkende: Flöten: Beatrix Wagner, Violoncello: Gerhard Eckert, Horn: Vladimir Djambazov
Repercusión oder Die Hände de Che DeutschlandRadio Berlin 2003, 41 Min.
Kuba - Traumziel für Reisende, Mythos von der sozialistischen Revolution und Sehnsucht nach karibischer Leichtigkeit. Als Werner Cee 1998 nach Kuba reist, ist sein Bild unscharf. Drei Wochen lang erkundet er die Inselwelt mit dem Tonbandgerät. Er stößt auf die Geschichte von „Che“ Guevaras Händen, die von der bolivianischen Armee als Beweis ihres Sieges abgeschlagen wurden. Klänge und Geräusche führen in eine Welt zwischen den Zeiten, in der Autobahnen von Pferdekarren befahren werden und der Prunk vergangener Zeiten längst verfallen ist. Werner Cee verdichtet die Originaltöne zu einer poetischen Komposition, setzt die Klänge aus den Straßen Havannas zu einem surrealistischen Gemälde zusammen und lässt konkrete Geräusche zu klanglichen Metaphern werden.
Out of Area Hessischer Rundfunk 2003, 43 Min.