Die Familie Kleingedank zählte zu den bedeutendsten Dynastien des mittelalterlichen Köln und gehörte dem Kölner Patriziat an. Sie hatte die wichtigsten Positionen im Schöffenkollegium, in der Richerzeche und auch für lange Zeit im Rat inne.Ulrich S. Soenius, Jürgen Wilhelm, S. 284 mini|hochkant=1.20|Kleingedankstraße an der Kirche St. Paul, Köln

Der Name Kleingedank Adam Wrede versuchte, die Etymologie des Familiennamens durch eine Wortteilung des ursprünglichen Namens „Cleynengedanc“ zu erklären. Er bezog die niederhochdeutschen Begriffe „klein(e)“ und „gedanc“ auf einen überaus genau denkenden und hinsehenden, scharfsinnigen Menschen.

Nach Wrede nannte sich das Geschlecht zwischen 1135 und 1180 „cleinegedanc“, aus dem ab 1160 bis 1172 auch „cleinegedang“ wurde. Wrede stellte bei seinen genealogischen Nachforschungen fest, dass bis zum Ende des 15. Jahrhunderts verschiedene nur kleinere Abweichungen dieser Urform des Familiennamens erfolgten. Den Namensträgern waren anfänglich germanische und später christliche Vornamen gegeben worden, die sich in den einzelnen Generationen häufig wiederholten. Hermann Keussen, Wrede und andere Historiker stützten sich dabei auf die Auswertung der um 1130 aufkommenden Schreinsurkunden der Kölner Pfarrbezirke und auf die Aufzeichnungen des im 13. Jahrhundert lebenden Stadtschreibers Gottfried Hagen.

Nach Wrede fand sich der Name Kleingedank für 1211 auch in Straßburg, Siegburg und Mainz und wurde noch für die Zeit um 1500 in Arnsberg belegt.Adam Wrede, Band II, S. 47

Geschichte Das Patriziergeschlecht der Kleingedank lässt sich in den Quellen der Stadt Köln ab der Mitte des 12. Jahrhunderts nachweisen. Es verzweigte sich im Laufe der Zeit, jedoch sind nur zwei Linien der Kleingedank durch ihre in Urkunden festgehaltenen Aktivitäten belegt. Diese Familien unterschieden sich durch einen Namenszusatz, der wahrscheinlich Bezug auf den jeweiligen Erben eines Stammsitzes nahm. Es war der Haupthof der Kleingedank in der westlichen Schaafenstraße (weiterer Besitz wurde später veräußert) und der Hof Mommersloch an der Severinstraße im Süden der Stadt. Der Hofbesitzer im Bezirk Severin wurde in den Quellen vereinzelt auch mit dem Zusatz „Kleingedank, genannt Mommersloch“ oder auch nur „Mummersloch“ bezeichnet.Lacomblet, 1229 Hildegero de Mummersloch, Urkundenbuch II, 160, Qu. 2, 110 Der Historiker Paul Clemen konnte den in den Schreinsakten erwähnten Zweig Mommersloch (mit dem Geschlecht Hardef(v)ust verschwägert) bei seinen Recherchen zusätzlich belegen. Er beschrieb einen auf dem Elendskirchhof von St. Gregorius stehenden Grabstein eines Kleingedank, dessen Inschrift neben dem Todesjahr 1590 den Namen „Kaspar von Kleingedank, genannt Mommersloch“ trug.Paul Clemen, S. 314 ff

Macht, Niederlagen und familiärer Einfluss Machterhalt durch Verschwägerungen Bereits zum Ende des 12. Jahrhunderts waren die Kleingedank politisch aktiv. So war ein Heinrich Kleingedank im Jahr 1182 als Amtmann unter dem Stadtherrn Erzbischof Philipp I. von Heinsberg in der Richerzeche Kölns vertreten, und sein Nachfahre, ein späterer Heinrich Kleingedank, der mit Gertrudis Overstolz verheiratet war, bekleidete 1263 ein Schöffenamt. Ida Kleingedank heiratete 1255 Henricus Gryn und Gertrud Kleingedank 1265 Ludwig, den Sohn Dietrichs des Weisen von der Mühlengasse.

Wie diese drei Beispiele aufzeigen, waren Heiraten Mittel zum Zweck. Sie mehrten das Vermögen, steigerten das Ansehen und die politischen Einflussmöglichkeiten. Durch die entstandenen Verschwägerungen innerhalb der führenden Bürgermeisterfamilien blieb die Macht an der Spitze der Kölner Gesellschaft den Patriziern auch im Generationenwechsel erhalten.Friedrich Lau: Das Kölner Patriziat bis zum Jahre 1325 Tafel II in: Mitteilungen aus dem Stadtarchiv XXV. 1894

Machtverlust, Ächtung und erneuter Aufstieg mini|Siegelumschrift: „S• MELCHIOR MOMM ERLOCH • SCHEFFE“ Die später abgelöste Richerzeche war eine weltliche Bruderschaft und stellte einen Verband der Wohlhabenden, eine aus wenigen Familien bestehende Vereinigung dar und regierte durch selbsternannte Vertreter aus den eigenen Reihen die Stadt.

Obwohl sich auch diese Oberschicht der Stadt der Kirche tief verbunden fühlte, widersetzen sich auch die zu den etwa zehn führenden Geschlechtern gehörenden Kleingedank dem absoluten Machtanspruch des Kölner Erzbischofs, der zugleich ihr Landes- und Stadtherr war. An diesen Auseinandersetzungen mit dem Erzbischof, die seit den Emanzipationsbestrebungen der Bürgerschaft auftraten, waren Angehörige der Kleingedank in hohem Maße beteiligt. Ein Versuch der mächtigen Geschlechter, ihre nach dem „Großen Schied“ des Albertus Magnus von 1258 verlorene Macht zurückzuerhalten, endete mit Hinrichtungen, Inhaftierungen oder Ächtung der Anführer, die auf Geheiß von Konrad von Hochstaden durchgeführt wurden. Unter den von diesen Strafen betroffenen etwa 25 Familien waren allein fünf Mitglieder der Familien Kleingedank. Zu den Geächtetem gehörten Henricus, der im Jahr 1274, sowie Godefriedus, der im Jahr 1279 verstarb.

Erst nach der erzbischöflichen Niederlage in der Schlacht von Worringen, an der auch Patrizier wie Gerhard Overstolz teilnahmen, wurden auch die Kleingedank wieder politisch aktiv. Zusammen mit dem Schöffen Dietrich vom Hirtze amtierte Tilmann Kleingedank im Jahr 1317/18 erstmals als Bürgermeister der Stadt.Wolfgang Herborn 1334 war Hilger Kleingedank als Angehöriger des engeren Rates der Stadt Köln an einen Vertrag der Stadt mit Erzbischof Walram von Jülich beteiligt.Wilhelm Jansen (Bearb): Regesten der Erzbischöfe von Köln. 5. Band. 1977. Nr. 1493

Gumpert Kleingedank genannt Mommersloch wurde Schöffe des Hohen Weltlichen Gerichtes zu Köln. Er war verheiratet mit Richmud (Steck) von Beeck. Noch im Jahr 1534 wurde er in Prozessakten als Schöffe bezeichnet.Archive NRW, Prozessakten des Reichskammergerichtes, 3922 und 3924

Auch sein Sohn Melchior, der Christina von Rottkirchen geheiratet hatte, wurde Schöffe des Hohen Weltlichen Gerichtes in Köln. Melchiors überliefertes Siegel wies das Jahr 1547 aus. Die beiden Eheleute starben vor 1584.Sammlung Oidtmann, Mappe 841 mit Verweis auf Schreinsbuch Aposteln (porta ovina)

Zusammenhalt und Streit der Geschlechter Der Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung, die sich die verschwägerten Familien gewährten, ließ die Familien mächtig und einflussreich werden. Diese gegenseitige Hilfe, auch in finanziellen Belangen, verdeutlichte ein Beleg des Jahres 1327. In diesem Jahr verbürgten sich Johann Overstolz und Eberhard Kleingedank gegenüber Johann von Lyskirchen für Bela Kleingedank bei der Übertragung zweier Zinslasten von den Höfen Butze und Weidenbach.HAStK HUA U/1196

An den später ausbrechenden Konflikten innerhalb der Geschlechter waren die Kleingedank nicht beteiligt. Mit dem zu dieser Zeit als Ratsherr amtierenden Ingebrand Kleingedank nahm die Familie gegenüber den sich im Jahr 1396 gebildeten verfeindeten Parteien der „Greifen“ mit ihrem Führer Hilger Quattermart und der Partei der „Freunde“, die durch Konstantin von Lyskirchen angeführt wurde, eine neutrale Haltung ein.

Kirchliches Engagement In den oft kinderreichen Familien übernahm auch bei den Kleingedank im Erbfall in der Regel der älteste Sohn den Stammsitz. Geschwister gingen zumeist adäquate Ehen ein, die es ihnen im Einzelfall sogar erlaubten, auf das Erbteil oder eine Rente zu verzichten. So verzichteten 1290 Rigwin genannt Kleingedank (Clenegedanc), seine Ehefrau und ihre Kinder auf ihre Ansprüche in Höhe von 50 Mark cölnisch, die ihnen das Kapitel von St. Mariengraden aus einer Rente von 50 Maltern Hafer zu Flamersheim schuldete.Anne Dorothee von den Brinken (Bearb): Das Stift St. Mariengraden zu Köln. I. Teil in: Mitteilungen aus dem Stadtarchiv 57. Heft. Köln 1969. Regest U Mariengraden 28 Seite 16.

Einige strebten mit entsprechender Ausbildung ein Studium an und andere unter ihnen, die finanziell durch Erbteil oder Mitgift gut ausgestattet waren, wurden Beginen und Begarden,Herbert Grundmann, Religiöse Bewegungen im Mittelalter. Darmstadt 1970 (Erstauflage 1936), S. 48 oder wandten sich einem geistlichen Leben zu, indem sie Nonnen, Mönche oder Priester, aber auch Stiftsdamen und -herren wurden. Auffallend viele der Frauen der Familie Kleingedank wählten für ihr künftiges Leben den Eintritt in die Gemeinschaft der Zisterzienserinnen.

Beginen und Nonnen Etwa von 1275 bis 1303 traten aus der Familie Kleingedank neun der weiblichen Nachkommen in eine Gemeinschaft von Beginen ein. Weitere 15 schlossen sich einer klösterlichen Gemeinschaft an, davon zwölf den Zisterzienserinnen. Vier verließen die Stadt und wählten um 1275 den Eintritt in das Kloster Benden in Heide, eine in das Kloster Burbach. Fünf der Frauen traten zwischen 1260 und 1300 dem Ordenshaus Mariengarten bei. Je eine wählte sich das Kloster Seyn und Gertrud Kleingedank das Kloster zu Mechtern (Konvent zu den Märtyrern), in dem sie um 1336 von ihrer Gemeinschaft zur Äbtissin gewählt wurde.Archive NRW, Bestände: U 1/15, 1336 August 14, St. Apern, U 1/13 und U 1/15

Zwei entschieden sich für den Eintritt in das Prämonstratenserkloster Dünnwald und eine, Alstradis Kleingedank, für das Dominikanerinnenkloster St. Gertrud am Neumarkt, in dem sie von 1320 bis 1322 als Priorin wirkte.Friedrich Lau in: Das Kölner Patriziat bis zum Jahre 1325 Tafel I bis III in: Mitteilungen aus dem Stadtarchiv XXV. 1894

1321 stiftete Bela (Sybille) von Mommersloch in der Stolkgasse des Niederich den Konvent „Zum Mommersloch“, der 1476 zum Kloster Apollonia der Augustinerinnen wurde.Hermann Keussen, B. I, S. 152 mini|St. Aposteln, im Vordergrund die nach 1200 errichteten Stiftsgebäude. (Justus Finkenbaum um 1665)

Geistliche Herren Tilmann Kleingedank war 1278 Benediktinermönch zu Groß St. Martin in der Rheinvorstadt Im Jahr 1291 stiftete Henricus, Clericus Cleyngedanc, den „ad portam“ genannten Konvent an der Straße „In der Höhle“. Die im Jahr 1313 auf 20 Personen angewachsene Gemeinschaft siedelte auf die Breite Straße um.Hermann Keussen, B. I, S. 151 Im Jahr 1302 war ein Hermann Kleingedank Pfarrer an St. Johann Baptist in der Vorstadt Oversburg tätig Richolfus Kleingedank war 1315 Predigermönch (Dominikaner) 1322 wirkte Hubert Kleingedank als Kanonikus zu St. Aposteln.Wilhelm Kisky (Bearb): Regesten der Erzbischöfe von Köln. 4. Band. 1915. Nr. 1353 Im Zusammenhang mit dem Haus seiner als „natürliche Tochter“ (filia naturalis) bezeichneten (wohl unehelichen) Tochter, wurde „Huperti Cleynegedanx“ als can. eccl. s. Aposteln in den Jahren 1342 und 1371 erneut angeführt.Hermann Keussen, B. 2, S. 133 b, S. 134 b Um 1362 war ein Johann Kleingedank (Cleyngedanc) Kanonikus zu St. Severin. Er und weitere Kanoniker des Stiftes kamen überein, dem Dekan Otto von Gennep freiwillig einen Anteil aus ihren Präsenzgeldern zu zahlen, obwohl dieser darauf keinen rechtlichen Anspruch hatte.Wilhelm Jansen (Bearb): Regesten der Erzbischöfe von Köln. 6. Band. 1977. Nr. 1493

Grundbesitz der Kleingedank Die Kleingedank zählten hinsichtlich ihres in den Schreinsakten angeführten Besitzes zu den großen privaten Grundbesitzern der Stadt Köln. Ihr Gewinnstreben schien, im Gegensatz zu den im Handelswesen reich gewordenen Geschlechtern, vornehmlich auf Immobiliengeschäfte ausgerichtet gewesen sein. Obwohl ihr Name an Orten alter Handelsrouten überliefert wurde, konnten Handelsaktivitäten der Kleingedank bis auf eine Ausnahme nicht nachgewiesen werden.