mini|350x350px|Equal-Earth Projektion. 15° Gitter. Die Bilddarstellung ist eine Ableitung der zusammengesetzten Sommermonatsaufnahme „Blue Marble“ der NASA, wobei die Ozeane zur Verbesserung der Lesbarkeit und des Kontrasts aufgehellt wurden. Das Bild wurde mit der Kartografiesoftware Geocart erstellt.
Eine Karte (aus „steifes Blatt Papier“ von „Papyrusblatt, [aus Papyrus hergestelltes] Schreibmaterial, Schriftstück, Brief, Urkunde“, einem Lehnwort zu „Blatt der Papyrusstaude“) ist ein digitales oder analoges Medium zur Darstellung der Erdoberfläche oder anderer Himmelskörper. Sie ist ein eingeebnetes, verkleinertes und generalisiertes, mit Beschreibungen und Zeichen versehenes Abbild der Erdoberfläche oder anderer Himmelskörper. Beim Karteninhalt unterscheidet man zwei Hauptgruppen von Karten: topografische Karten (Landkarten, Seekarten …) und thematische Karten. Bei der Herkunft wird zwischen amtlichen und privaten Karten unterschieden.
In ihnen werden raumbezogene Gegenstände, Sachverhalte oder Prozesse maßstäblich generalisiert und mit Hilfe eines Zeichensystems grafisch in ihren Raumbeziehungen dargestellt. Im weitesten Sinne veranschaulicht eine Karte abstrakte, raumbezogene Daten und nur schwer formulierbare räumliche Zusammenhänge mit dem Ziel, diese für den Betrachter leicht verständlich zu machen.
Darstellungsräume einer Karte sind vor allem die Erde und die Erdteile. Aber auch andere Himmelskörper, der Sternhimmel oder fiktive Welten können Gegenstand einer Kartendarstellung sein. Die Wissenschaft und Technik zur Darstellung der Erdoberfläche in topografischen und thematischen Karten ist die Kartografie.
Traditionell wird eine Karte auf Papier gedruckt, wobei ihre thematischen Ebenen (engl. Layer) wie Gelände, Flüsse, Straßen, Wald usw. im Mehrfarbendruck aufgebracht werden. Heute werden die Layer nicht mehr als Druckfolien archiviert, sondern in einer Datenbank (siehe Geoinformationssystem) gespeichert. Die Karte kann dann auf einem Bildschirm präsentiert und auch leichter aktualisiert werden. Eine digitale Karte erlaubt darüber hinaus die Einbeziehung weiterer, beispielsweise bildlicher und akustischer Medien sowie die interaktive Kommunikation mit dem Benutzer.
Der kartografische Prozess Die Karte ist das Ergebnis eines komplexen Arbeitsablaufs. An seinem Anfang stehen erfasste oder bereitgestellte Daten mit Raumbezug, sogenannte Basisdaten oder Geodaten. Sie repräsentieren die darzustellenden Raumphänomene wie Gelände bzw. Geländepunkte, Meerestiefen, Küstenverläufe, Gewässer, Verkehrswege, Siedlungsgebiete oder räumliche Eigenschaften (Sachverhalte) wie Bodenarten und Bodennutzung, Bewuchs, Niederschlagsmengen und Wasserstände, Klimadaten, Einwohnerdichte, örtliche Wirtschaftsdaten usw.
Diese Primärdaten werden durch Vermessung der Erdoberfläche (Geländeplan, Luftbilder usw.) bzw. durch spezielle Messungen, Erhebungen oder Zählungen erfasst. Dieses Datenmaterial wird unter Anwendung grafischer Gestaltung und Richtlinien zur Generalisierung (Legende für Plan- und Kartenzeichen, Musterblätter usw.) manuell oder mit Hilfe von Datenmodellen und Programmsystemen in kartografische Objekte bzw. darstellbare Sekundärdaten umgewandelt, die ihrerseits in maßstabsgerecht angeordnete kartografische Zeichen (Signaturen, Grenzlinien, Farbcodes usw.) überführt werden. In der Darstellungsebene (Papier, Karte, Bildschirm) repräsentieren und veranschaulichen diese Punkte, Zeichen, Linien und Flächen die abzubildenden Raumphänomene.
Da die Daten von der nahezu sphärischen Erdoberfläche stammen, kann ihre Darstellung in einer ebenen Karte grundsätzlich nicht ihre sämtlichen räumlichen Beziehungen unverzerrt wiedergeben. Dies wird insbesondere dann relevant, wenn größere Teile der Erde abgebildet werden. Zwischen der maßstäblichen Wiedergabe aller Entfernungen und der Formähnlichkeit in der Darstellung ausgedehnter Objekte (Länder, Seen, Küstenlinien etc.) sind Kompromisse zu finden. Dafür gibt es eine Reihe von Kartenentwürfen.
Kartentypen Karten lassen sich nach verschiedenen Gesichtspunkten einteilen, beispielsweise nach
Datenhaltung und Präsentation
Sie erlauben eine Unterscheidung nach analogen Karten und digitalen Karten. Analoge Karten werden als „klassische Landkarten“ auf einem Original-Zeichenträger (früher Stein- oder Kupferplatte, später transparente Zeichenträger) geführt und in der Regel auf Papier oder einen anderen geeigneten Zeichenträger gedruckt. Digitale Karten sind im Rasterformat oder Vektorformat elektronisch auf einem Datenträger gespeichert und lassen sich mit Hilfe elektronischer Geräte in unterschiedlicher Form ausgeben, z. B. auf eine Druckplatte im computer to plate-Verfahren, auf einen Bildschirm oder auf dem Display eines Navigationssystems oder eines Mobiltelefons.
Maßstabsverhältnis
Da Karten gegenüber der realen Welt grundsätzlich in einem Maßstabsverhältnis (Maßstab) stehen, kann man Karten auch nach ihrem Kartenmaßstab klassifizieren. Man spricht von einem großen Maßstab, wenn der Maßstabsnenner klein ist, dagegen von einem kleinen Maßstab, wenn der Maßstabsnenner groß ist. Bei topografischen Karten bezeichnet man Karten bis zu einem Maßstab 1:10.000 als großmaßstäbig oder auch als topografische Grundkarten, solche mit einem Maßstab von 1:25.000 bis 1:100.000 als mittelmaßstäbig. Topografische Karten mit einem Maßstab 1:200.000 oder kleiner werden als kleinmaßstäbig oder als topografische Übersichtskarten bezeichnet.
Von Karten spricht man immer dann, wenn ihr Maßstab zu einer Generalisierung zwingt. Lassen sich Phänomene der realen Welt nahezu ungeneralisiert und dann meist großmaßstäbig darstellen, so spricht man von Plänen (Lageplan, Bebauungsplan).
Thematik
Die hauptsächliche Thematik der darzustellenden Raumphänomene ist ein verbreitetes Unterscheidungsmerkmal für Karten. In erster Näherung hat man so topografische Karten von thematischen Karten unterschieden. Eine differenziertere Betrachtungsweise spricht statt von topografischen Karten auch von Basiskarten und erlaubt bei den thematischen Karten weitere Unterscheidungen, z. B. in Luftfahrtkarten, Seekarten, geowissenschaftliche Karten, Wirtschaftskarten, politische Karten, historische (geschichtswissenschaftliche) Karten. (Der Begriff historische Karte ist nicht eindeutig, da er umgangssprachlich auch für veraltete, nicht mehr aktuelle Karten verwendet wird.)
Raum oder Gebiet
Der Darstellungsraum einer Karte bildet ein weiteres Unterscheidungskriterium. So gibt es z. B. Weltkarten, Europakarten, Deutschlandkarten, Länderkarten, Stadtkarten (in der Regel Stadtpläne genannt) sowie Himmelskarten, Mondkarten, Marskarten usw.
Von besonderer Ästhetik sind Panoramakarten, die ein Winter- oder Sommerpanorama eines Gebietes darstellen. Im ersten Fall dienen sie meistens zur plastischen Darstellung von Skiabfahrten,Michael Micklei (Projektleitung): DSV SkiAtlas – Alpen. Mairs Geographischer Verlag, Kemnat 1975, ISBN 3-87504-011-2. im zweiten von Wanderwegen. Als besonderer Vertreter dieser Kartenkunst erlangte Heinrich C. Berann Weltruhm, der die moderne Kartografie mit klassischer Malerei kombinierte.
Maß der Aktualität
Nach dem angegebenen Maß der Übereinstimmung von Karteninhalt und realer Welt kann man zwischen aktuellen Karten und veralteten Karten (Altkarten) unterscheiden. Die Bezeichnung historische Karte ist der geschichtswissenschaftlichen Karte vorbehalten und sollte nicht für Altkarten benutzt werden.
Nutzergruppen oder Anwendungsgebieten
Sie erlauben eine Unterscheidung von Karten, z. B. in Auto(fahrer)karten, Rad(fahrer)karten, Wanderkarten, Binnenschifffahrtskarten, Schulkarten usw. In diese Kategorie gehören auch Blindenkarten, die als taktile Karten gestaltet sind.
Herausgeber der Karte
Nach dem Herausgeber einer Karte wird unterschieden in amtliche Karten und Karten der gewerblichen Verlagskartografie. Amtliche Karten werden von einer öffentlichen Institution in öffentlicher Aufgabe herausgegeben. Sie dienen der öffentlichen Daseinsvorsorge und Sicherheit und beruhen häufig auf einem Gesetz oder einer Verordnung. Von der Verlagskartografie herausgegebene Karten sind für den Markt bestimmt und wenden sich an die Verbraucher (im Sektor Tourismus-, Freizeit- und Wanderkarten trifft diese Unterscheidung nicht immer zu, da auch viele Landesvermessungsbehörden solche für den Markt bestimmten Karten herausgeben). Weiterhin gibt es eine Vielzahl wissenschaftlicher Spezialkarten, die von Hochschulen und anderen wissenschaftlichen Institutionen im Rahmen der Forschung hergestellt und einem meist begrenzten Nutzerkreis zur Verfügung gestellt werden.
Aufbau einer Karte Eine gedruckte oder am Bildschirm präsentierte Karte ist aus mehreren Elementen aufgebaut, die naturgemäß bei beiden Kartentypen unterschiedlich sind.
Gedruckte Karte Während die digitale Karte grundsätzlich blattschnittfrei gespeichert und am Bildschirm blattschnittfrei durch „Scrollen“ wiedergegeben wird, handelt es sich bei der gedruckten Karte immer um ein begrenztes Kartenblatt. Um ein größeres Gebiet, wie ein ganzes Land, abzudecken, stellt man mehrere Kartenblätter her, die entweder einen solchen Blattschnitt haben, dass sie nahtlos aneinander passen oder die sich an den Rändern überlappen. Mehrere Kartenblätter, die die gleichen geodätischen Grundlagen, die gleiche Projektion, den gleichen Maßstab, den gleichen Blattschnitt und das gleiche Signaturen- und Gestaltungssystem besitzen, bilden ein Kartenwerk. Amtliche topografische Karten bilden so die Landeskartenwerke.
Eine gedruckte Karte besteht in der Regel aus dem Kartenfeld, dem Kartenrahmen und dem Kartenrand.
Kartenfeld Im Kartenfeld (auch Kartenbild, Kartenspiegel, Blattspiegel) wird die eigentliche Karte, der Karteninhalt, wiedergegeben. Dieser ist in einer Zeichenvorschrift, einem Musterblatt oder einem Signaturenkatalog festgelegt. Auszüge daraus finden sich in der Legende (Zeichenerklärung), die sich meist im Blattrand, manchmal auch in einem Leerfeld der Karte befindet.
Viele Karten des Mittelalters sind in sich aufgeteilt, das Kartenfeld hat beispielsweise die Form eines Rades (Radkarte; „TO-Karte“), eines Herzens (Oronce Fine, Paris 1536) oder eines Kleeblatts (Weltkarte von Heinrich Bünting 1581).
Kartenrahmen Der Kartenrahmen begrenzt den je nach Abbildungsart quadratischen, rechteckigen oder trapezförmigen Blattschnitt der Karte. Er enthält insbesondere die Bezifferungen des der Karte zugrundeliegenden Koordinatensystems, aber auch Hinweise zur Weiterführung der durch den Blattschnitt abgeschnittenen Signaturen.
Hinweis zur Längenkreis und Meridian: Vielen alte europäischen Landkarten nehmen der Meridian von Ferro (etwa 20 Grad West von Paris) als internationaler Nullmeridian. Der Meridian von Greenwich bei London wurde erst ab 1923 in deutschen Kartenwerken übernommen.
Kartenrand
Der Kartenrand dient zur Aufnahme von kartentechnischen, redaktionellen, urheberrechtlichen und vertriebstechnischen Erläuterungen sowie von Angaben zum Herausgeber. Hier finden sich Name oder Bezeichnung der Karte, des Kartenwerks und des Kartenblatts. Das Maßstabsverhältnis („Maßstab“) ist numerisch (z. B. 1:25.000), häufig auch grafisch mit Hilfe einer Maßstabsleiste angegeben. In der Legende (Zeichenerklärung) sind die wichtigsten Kartenzeichen benutzungsfreundlich zusammengestellt. Weiterhin können der Name des Herausgebers, Angaben zu Auflagenummer und Erscheinungsjahr (z. B. 6. Aufl. 1996), zum Aktualitätsstand sowie Urheberrechtshinweise und die Internationale Standard-Buchnummer (ISBN) im Kartenrand untergebracht sein.
Konfektionierte Karten, besonders die von der gewerblichen Verlagskartografie herausgegebenen, besitzen meist einen mit einem attraktiven Titel versehenen Kartenumschlag, der dann auch die Funktionen des Kartenrandes erfüllen kann.
Blattschnitt