Das Kloster Adelhausen, auch Adelhauser Neukloster genannt, ursprünglich Kloster Zu der Verkündigung Mariae, der Jungfrau und Mutter Gottes, und St. Catharina, ist ein ehemaliges Dominikanerinnenkloster am Adelhauser Klosterplatz in der Schneckenvorstadt oder Oberen Gerberau von Freiburg im Breisgau, im heutigen Stadtbezirk Altstadt-Ring. Es ging 1687 aus der Fusion von vier mittelalterlichen Dominikanerinnenkonventen hervor, zu denen sich 1786 der fünfte gesellte. Die ehemalige Klosterkirche dient heute noch als Kirche: Adelhauser Kirche Mariä Verkündigung und St. Katharina; die anderen Räumlichkeiten wurden Schulen und später Museen und Büros.Leonard Korth: Die ehemaligen Klosterkirchen Adelhausen und St. Ursula in: Badischer Architekten- und Ingenieur-Verband: Freiburg im Breisgau. Die Stadt und ihre Bauten, H. M. Poppe & Sohn, Freiburg im Breisgau 1898, Seite 377–381Hermann Brommer: Freiburg – Adelhauser Kloster; ehemalige Klosterkirche. München und Zürich, Schnell & Steiner 1976Wolfgang Bock und Hans H. Hofstätter (Hrsg.): 750 Jahre Dominikanerinnenkloster Adelhausen Freiburg im Breisgau. Adelhausenstiftung Freiburg im Breisgau 1985
Geschichte Die alten Klöster miniatur|Die Freiburger Dominikanerinnenklöster Die fünf mittelalterlichen Klöster lagen zunächst alle außerhalb der Stadtmauer.Hermann Schmid: Das Freiburger Dominikanerinnen-Kloster Adelhausen zur Zeit Josephs II. (1780–1790). In: Freiburger Diözesan-Archiv 1984; 104:167–207. PDF https://freidok.uni-freiburg.de/data/5773Ulrike Denne: Die Frauenklöster im spätmittelalterlichen Freiburg im Breisgau. Freiburg/München, Karl Alber Verlag 1997. ISBN 3-495-49939-3Sebastian Bock: Der Inventar- und Ausstattungsbestand des säkularisierten Dominikanerinnen-Neuklosters Adelhausen in Freiburg i.Br. Inaugural-Dissertation Freiburg 1997. ISBN 3-00-002750-5Barbara Henze: Die Entstehung der Stadt und die Gründung der Bettelordensklöster im 13. Jahrhundert. In: Stadt Freiburg, Augustinermuseum (Hrsg.): Eine Stadt braucht Klöster. Lindenberg, Kunstverlag Josef Fink 2006, Seite 10–21. ISBN 3-89870-275-8Barbara Henze: Änderung der Konstellationen für Klöster bis zum Dreißigjährigen Krieg. In: Stadt Freiburg, Augustinermuseum (Hrsg.): Eine Stadt braucht Klöster. Lindenberg, Kunstverlag Josef Fink 2006, Seite 22–29. ISBN 3-89870-275-8Siehe auch den geschichtlichen Abriss durch J. König in der Einleitung seiner Ausgabe der Chronik der Anna von Munzingen (s. u.: Literatur), S. 131–146.
Das Kloster Mariä Verkündigung wurde 1234 in dem alten Dorf Adelhausen gegründet, das im Stadtbezirk Wiehre aufgegangen ist. Es lag zwischen der heutigen Basler Straße und Konradstraße, ungefähr auf der Linie der Goethestraße. Die Ordensfrauen pflegten die Tradition einer hochadligen Stiftung durch „Adelheid, Gräfinn von Zäringen“ und . Diese Tradition ist Legende. Stifter war vermutlich ein Freiburger Bürger Heinrich Vasser, und beteiligt war die Äbtissin des Benediktinerinnenklosters St. Margarethen in Waldkirch.Friedrich Hefele: Die Stifter des Adelhauser Klosters, in: Schauinsland (1934) 61:21–29 Das Kloster erlebte seine Blüte im frühen 14. Jahrhundert zur Zeit der zweimaligen (1316–1317; 1319–1327) Priorin Anna von MunzingenSiehe Walter Blank: Anna von Munzingen. In: ²VL Bd. 1 (1978) Sp. 365–366. Sie verfasste ein Schwesternbuch mit Viten von 36 Nonnen, die sich durch mystische Begabung und Visionen auszeichneten.Siehe unten Weblinks: Wikisource - Schwesternbücher Der Klosterreformator und Ordenschronist Johannes Meyer, 1462–1485 Beichtvater des KlostersSiehe J. König: Chronik der Anna von Munzingen (s. u.: Literatur), S. 131f., überarbeitete im 15. Jahrhundert das Werk, um es für die Ziele der Klosterreform einzusetzen. Urbare von 1327 und 1423 belegen reichen Grundbesitz.
Das Kloster Maria Magdalena oder Kloster der Reuerinnen wurde vor 1250 in der Predigervorstadt gegründet. Es lag an der Ecke der heutigen Straßen Friedrichring und Merianstraße. Die Reuerinnen bildeten zunächst einen eigenen Orden zur Bekehrung gefallener und sittlich gefährdeter Frauen und Mädchen, wurden aber später dem Dominikanerorden inkorporiert.
Das Kloster St. Agnes wurde 1264 in der Lehener Vorstadt gegründet. Es lag an der Stelle der heutigen Universitätsbibliothek Freiburg am Werderring. Gründerin war angeblich eine elsässische Adelige Bertha. Von St. Agnes ist die einzige Beschreibung eines der alten fünf Dominikanerinnenklöster erhalten, geschrieben nach der Zerstörung im Jahr 1644: „(Es) ist ein schön, luftig, groß, gesundt closter gewesen mit nutzlichen kruott- und opstgärtten. (Es) ist mitten durchs closter ein groser lustiger bach geloffen und glich am closter (war) ein stuck reben; vor dem closter (war) ein schöner großer hoff daruff gasthauß, gesindthauß, pfrundt hauß, schüren, trotten, 4 fiehställe und wägenschopff, alles gar nützlich gebauwen. im closter (war) ein schöner groser cor und aussere kirch; auß dem cor ist man ein stigen hinauff gangen auf das dormenter, der hatt nach der lenge auff beiden seitten 24 zellen eine gegen die andere in glicher gröse gehabtt; ... under dem dormenter der lenge nach wie man oben zum cor außgangen ist, erstlich die sacrastey, darin ein gewelb; an der sacrastey das capittel hauß, daran der spies gaden und groß summer reffendal; auß dem reffendal auff rechter hand die convendtstuben, wölliche in 4 eck hüpsch und groß, darin die kuche, kuchestüblin und kämmerlin; auß der kirch sindt 2 düren gangen eine in crützgang, die ander in die sacrastey; in dem crützgang ist man an alle gemelte ort kummen; ... in einem absünderlichen gebäuw ist das priorat sampt noch 2 stuben, 2 kamern, eine kuche oben auff gewessen, darunter ein luftig nutzlich wäschhauß und bauchhauß, das man in der tröckne hat alles können wäschen, dabey auch das bad und schröpffstüble; ... das sindt mit wenig worten die für nembsten gebäüw des klosters gewesen.“
Das Kloster St. Katharina (von Alexandrien) wurde 1297 in dem alten Dorf Wiehre gegründet, das wie Adelhausen im heutigen Stadtbezirk Wiehre aufgegangen ist. Es lag nördlich der heutigen Basler Straße zwischen Kirch- und Goethestraße.
Das Kloster St. Katharina von Siena oder St. Catharina von Senis auf dem Graben wurde 1419 wie das Kloster Maria Magdalena in der Predigervorstadt gegründet. Es lag an der Ecke der heutigen Eisenbahn- und Poststraße, unweit des Stadtgrabens.
Die Fusionen und das neue Kloster miniatur|Kirche und anschließender Westflügel (links) miniatur|Hochaltar der Klosterkirche
Der Dreißigjährige Krieg erzwang einen Umzug und zwei Zusammenlegungen. Das kriegszerstörte Kloster St. Katharina von Siena wurde 1644 an einen Platz innerhalb der Stadtmauer an der heutigen Rathausgasse verlegt. 1647 nahm das Kloster Mariä Verkündigung die Nonnen des zerstörten Klosters St. Agnes und 1651 das Kloster St. Katharina (von Alexandrien) die Nonnen des zerstörten Klosters Maria Magdalena auf.Peter Kalchthaler: Die Kriege des 17. und 18. Jahrhunderts und ihre Folgen für die Freiburger Klöster. In: Stadt Freiburg, Augustinermuseum (Hrsg.): Eine Stadt braucht Klöster. Lindenberg, Kunstverlag Josef Fink 2006, Seite 30–39. ISBN 3-89870-275-8
Als Sébastien Le Prestre de Vauban auf Befehl Ludwigs XIV. Freiburg ab 1678 zur (französischen) Festung ausbaute, wurden auch die Klöster Mariä Verkündigung und St. Katharina (von Alexandrien) endgültig dem Erdboden gleichgemacht. Die Nonnen kamen in Privathäusern unter und betrieben den Neubau ihrer Klöster in der Stadt. Sie wurden aber beschieden, es könne nur einen Neubau geben: „... weillen sie aber außer die stadt sonsten gehörig und die stadt um die hälfte abgenommen, will sich bei so wenig verbliebenen häusern und starken guarnisonen nicht thun lassen, ihnen mehrers dann ein kloster zu vergünnen.“
Dies eine Kloster wurde schließlich ab 1687 in der Schneckenvorstadt oder Oberen Gerberau auf dem Gelände des Stadthofs des Klosters Tennenbach, vormaligen Hofes der Grafen von Freiburg, errichtet, also an einer in der Geschichte der Stadt prominenten Stelle. Ludwig XIV. unterstützte den Bau mit einer beträchtlichen Summe. Leitender Architekt war der französische Festungsbaumeister Jean La Douze, über den wenig bekannt ist. Französische Soldaten halfen. 1693 brach das Gewölbe der Kirche teilweise ein, der Maurermeister Jacob Martin fand den Tod. Trotzdem konnten am 12. Oktober 1694 die ersten 19 Klosterfrauen in die Konventsgebäude einziehen. Am 13. Mai 1699 – Freiburg war seit dem Frieden von Rijswijk 1697 wieder habsburgisch – konsekrierte der Konstanzer Weihbischof Konrad Ferdinand Geist von Wildegg die Kirche. 1709 drohte wieder ein Einsturz der Decke, sie musste nebst einer Seitenwand erneuert werden. Das Kloster hieß zunächst „Ad Annuntiationem B.M.V. et S. Catharina V.M.“, Zu der Verkündigung Mariae, der Jungfrau und Mutter Gottes, und St. Catharina, später einfach Adelhausen oder Neukloster.
Es gab nun in Freiburg noch zwei Dominikanerinnenklöster, das alte Kloster St. Katharina von Siena auf dem Graben und das Neukloster. Sie kamen bei den Klosteraufhebungen Kaiser Josephs II. im Zuge des Josephinismus glimpflich davon. Die Nonnen des Klosters St. Katharina von Siena erhielten, nachdem es ihnen 1553 und 1661 abgelehnt worden war, am 15. Juni 1663 durch den Rat der Stadt die Genehmigung, maximal 20 Kindern regelmäßig Schulunterricht zu erteilen;Artikel von Martina Wehrli-Jones in Geschichte Klöster BW onlineEngelbert Krebs: Die Aufhebung des „weißen“ und „schwarzen“ Klosters in Freiburg und die Errichtung des Kath. Lehrinstituts III. In: Freiburger kath. Gemeinde-Blatt 1926; 21:60–61 ihr Kloster war arm. Die Nonnen des Neuklosters widmeten sich vorwiegend einer Vita contemplativa; ihr Kloster war wohlhabend. Die vorderösterreichische Regierung beschloss 1786, St. Katharina von Siena dem Neukloster zu inkorporieren, dieses aber zur Unterhaltung einer Mädchenschule in drei Räumen zu verpflichten. So bewahrte man, was „dem Publico nützlich“ war, und entledigte sich zugleich eines Ordenshauses, ohne für den Unterhalt seiner Insassen aufkommen zu müssen.
Das Neukloster überlebte auch die Säkularisation im Gefolge des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 – als einziges Freiburger Kloster außer dem der Ursulinen, die ebenfalls eine Schule betrieben. Beide wurden aber 1811 dem Regulativ für die katholischen weiblichen Lehr- und Erziehungsinstitute des Großherzogthums Baden unterworfen, mit Eingriffen in das Klosterleben. Die Zahl der Schülerinnen nahm zu – in den 1850er Jahren waren es um die 650, mit 18 Lehrerinnen. Deshalb wurde 1855–1856 neben dem Kloster an der Gerberau ein eigenes dreigeschossiges Schulgebäude errichtet (im Grundriss unten links).
Das Ende und die Folgeinstitutionen Als letzte legte Maria Elisabeth Sautier (1823–1892) 1861 im Kloster Adelhausen ihre Ordensgelübde ab. Sie gründete mit einigen Mitschwestern 1867 in Überlingen eine Privatschule, die 1904 nach Bregenz übersiedelte, wo die Adelhauser Tradition im Dominikanerinnen-Konvent „De Annuntiatione B.M.V.“, Maria Verkündigung Marienberg, des Klosters Marienberg fortlebt.
Das Ende kam mit dem Badischen Kulturkampf. Am 15. November 1867 verkündete der Stadtdirektor den Lehrfrauen die Auflösung ihrer Klostergemeinschaft:
Die Stiftung wurde zunächst als „Höherer Mädchenschulfonds“ bezeichnet und trägt seit 1978 den Namen „Adelhausenstiftung Freiburg i.Br.“Satzung: Aus dem Stiftungsvermögen finanzierte man 1890 den Neubau einer Höheren Mädchenschule (heute: Goethe-Gymnasium) am Holzmarkt und 1903 den Neubau einer Mädchen-Bürgerschule direkt östlich des Klostergevierts (nicht im Grundriss) an der Marienstraße.