mini|Eine Statue zu Ehren der Mormonischen Pioniere Als Mormonische Pioniere oder Mormonenpioniere werden Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage bezeichnet, die im 19. Jahrhundert an der Urbarmachung des Gebietes in den Rocky Mountains beteiligt waren, dessen Kerngebiet heute der Bundesstaat Utah bildet. Die Zeit der Mormonenpioniere begann mit dem Auszug aus Nauvoo, Illinois im Februar 1846 und endete mit der Vollendung der transkontinentalen Eisenbahn im Jahr 1869.

Die Route der Mormonischen Pioniere wurde 1978 im Rahmen des National Trails System als Mormon Pioneer National Historic Trail ausgewiesen. Der National Park Service koordiniert die Beschilderung und den Unterhalt von Orten, die die Erinnerung an den Zug bewahren. Zum Gedenken an die Ankunft der ersten mormonischen Pioniere im Salt Lake Valley am 24. Juli 1847 ist der 24. Juli unter der Bezeichnung Pioneer Day im Bundesstaat Utah ein offizieller Feiertag.

Hintergrund der Migration rechts|mini|Diese Karte zeigt den Exodus der Mormonen zwischen 1846 und 1869 in das große Becken der Rocky Mountains. Außerdem wird ein Teil der Route des Mormonenbataillons und der Weg der Handkarrenpioniere gezeigt. Seit ihrer Gründung im Jahre 1830 wurden die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage oft hart behandelt, hauptsächlich wegen ihres religiösen Glaubens. Es gab Gewalt gegen die Kirche, ihre Mitglieder und ihren Propheten Joseph Smith. Dies unter anderem war der Grund, dass die Kirche von einem Ort zum nächsten zog – Ohio, Missouri und Illinois, wo Kirchenmitglieder die Stadt Nauvoo aufbauten. Missouris Gouverneur Lilburn Boggs sprach einen Ausrottungsbefehl (Missouri Executive Order 44) gegen alle Mormonen aus, die in diesem Staat lebten. Im Jahre 1844 war Joseph Smith im Arrest in Carthage, Illinois, von einem Mob ermordet worden. Sein Nachfolger, Brigham Young beschloss daher, den Hauptsitz der Kirche wiederum zu verlegen und in das unwirtliche, noch nicht von Weißen besiedelte Gebiet in den Rocky Mountains zu ziehen, das damals noch zu Mexiko gehörte. Die Verfolgungen flammten erneut mit steigender Heftigkeit auf und erzwangen den für das späte Frühjahr 1846 geplanten Auszug aus Nauvoo bereits im extrem kalten Februar.May, Dean L. Utah: A People's History p. 57. Bonneville Books, Salt Lake City, Utah, 1987. ISBN 0-87480-284-9.Roberts, B. H. (1930). A Comprehensive History of The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints, Century I 6 volumes. Vol.3, Ch.71, p.25. Brigham Young University Press; ISBN 0-8425-0482-6 (1930; Hardcover 1965) (out of print)

Nach dem Glauben der Kirche offenbarte Gott dem zweiten Präsidenten der Kirche, Brigham Young, den Aufruf an die Heiligen (wie sich die Mitglieder der Kirche nennen) nach Westen zu ziehen, hinter die westliche Grenze der Vereinigten Staaten. Im Winter 1846–47 planten die Anführer der Mormonen in Winter Quarters und Iowa die Migration einer großen Anzahl von Mormonen, ihrer Ausrüstung und Nutztieren. Diese große Aufgabe war ein signifikanter Test für die Kirchenführung und das kurz vorher geschaffene administrative Netzwerk der Kirche. Für seine Rolle in der Migration wird Brigham Young oft auch als „amerikanischer Moses“ bezeichnet.

Der Zug in die Rocky Mountains Vorausabteilung des Jahres 1847 links|thumbnail|Ankunft im Tal des Großen Salzsees Brigham Young organisierte im Frühjahr 1847 von Winterquartes aus, der provisorischen Siedlung am Missouri in Iowa, eine Vorausabteilung, die den Weg in den Westen in die Rocky Mountains erschließen und die örtliche Gegebenheiten wie Wasser und Indianerstämme zu erkunden sollte.Slaughter, William and Landon, Michael. "Trail of Hope: The Story of the Mormon Trail". p. 23, 24. Deseret Book Company, Salt Lake City, 1997. Die Vorausabteilung sollte den ursprünglichen Weg wählen und bahnen mit der Erwartung, dass weitere Abteilungen folgen würden. Es wurde gehofft, dass die Gruppe, wann immer möglich, Furten und Fähren einrichten und Feldfrüchte für eine spätere Ernte anbauen könne. Im späten Februar wurden Pläne gemacht, tragbare Boote, wissenschaftliche Instrumente, Farmwerkzeuge und Samen zu sammeln. Bewässerungstechniken wurden untersucht. Eine neue Route an der Nordseite des Platte River wurde gewählt, um Begegnungen mit Reisenden, die den bestehenden Oregon Trail an der Südseite gingen, aus dem Weg zu gehen. In Anbetracht des großen Bedarfs der großen Menge der Heiligen, die nach Westen reisen würden, entschieden die Kirchenführer, mögliche Auseinandersetzungen über Weiderechte, Zugang zu Wasser und Lagerplätze zu vermeiden.Walker and Dant, p. 318

Im Juli 1847 erreichte die Vorausabteilung das Salt Lake Valley, wobei die Leiter der Abteilung Erastus Snow und Orson Pratt das Tal am 21. Juli betraten.

Das Schiff Brooklyn

Im November 1845 wurde Samuel Brannan, Redakteur und Verleger der kleinen Zeitung The Prophet, von Kirchenführern aufgerufen, ein Schiff zu chartern, das seine Passagiere von den östlichen USA nach Kalifornien bringen würde. Über zwei Monate gelang es Brannan, 70 Männer, 68 Frauen und 100 Kinder zu rekrutieren, insgesamt 238 Personen. Brannan handelte einen Preis von 75 $ für Erwachsene und die Hälfte für Kinder mit dem Kapitän und Schiffsbesitzer Abel W. Richardson heraus. Am 4. Februar 1846 (denselben Tag wie der mormonische Exodus von Nauvoo) verließ die Brooklyn den Hafen von New York und machte sich zu ihrer sechs-monatigen Reise an die Pazifikküste von Kalifornien auf. Die Reise sollte die längste sein, die von einer mormonischen Unternehmung gemacht wird. Das Schiff Brooklyn segelte von Brooklyn Harbour, New York, südlich über den atlantischen Äquator, um Kap Hoorn und stoppte an den Juan-Fernandez-Inseln, dann zu den Sandwich-Inseln (Hawaii) und schlussendlich in Yerba Buena (San Francisco) am 29. Juli 1846, nach fünf Monaten und siebenundzwanzig Tagen auf See. Die gefährliche Reise kostete zehn Passagiere das Leben, neun von ihnen wurden auf See bestattet.Sonne, Conway B. Ships, Saints, and Mariners: A Maritime Encyclopedia of Mormon Migration, 1830-1890 pages 33. Salt Lake City, University of Utah Press, 1987

Brannan zog nach Ankunft in Kalifornien Brigham Young an den Greenriver entgegen und versuchte ihn zu überzeugen, mit allen mormonischen Siedlern nach Kalifornien weiterzuziehen, was dieser jedoch ablehnte. Ein Teil der Passagiere der Brooklyn blieb in Kalifornien, ein Teil folgte dem Ruf Brigham Youngs, sich am Great Salt Lake zu sammeln und zog durch Nevada nach Utah.

Das Mormonenbataillon

Als die Heiligen in Iowa unterwegs waren, erreichte sie der Ruf der US-Bundesregierung, für den Krieg mit Mexiko 500 Mann zu stellen. Dies war eine Gelegenheit, die Loyalität zu den USA augenfällig zu machen und außerdem dringend benötigtes Geld für den Zug in die Rocky Mountains zu bekommen. Sold und Kleidergeld für die Männer des Mormonenbataillons (die keine Uniform erhielten) waren eine wesentliche finanzielle Stütze um Ausrüstung und Verpflegung für den Zug zu beschaffen. Außerdem wurden die 500 Mann von der US-Regierung verpflegt. Sie zogen auf einer südlichen Route bis nach San Diego, wo sie abgemustert wurden und zum großen Teil, nachdem sie noch durch verschiedene Arbeiten in Kalifornien Geld verdient hatten, zu ihren Familien reisten, die inzwischen in Utah angekommen waren. In Kriegshandlungen war das Mormonenbataillon nicht verwickelt, absolvierte aber den längsten Infanteriemarsch der amerikanischen Geschichte.

Missionierung im Osten und in Europa

Durch beständige Missionstätigkeit gewann die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage im Osten der Vereinigten Staaten aber auch in Europa neue Anhänger. Diesen wurde nahegelegt, sich mit ihren Glaubensgenossen in den Rocky Mountains zu vereinen. Bereits am 1. Februar 1848 gab Orson Spencer, Präsident der Europäischen Mission Anweisungen heraus: „The channel of Saints' emigration to the land of Zion is now open. The long looked for time for gathering has come. . . . The resting place for Israel for the last days has been discovered. . . . Let all who can gather up their effects, and set their faces as a flint to go Zionward in due time and order .... It is now designed to fit out a ship's company of emigrants as soon as practicable. The first company this winter ought to be embarked from Liverpool, as early as the 9th of February. The presidents of conferences are requested to forward to us the number of those who are prepared to emigrate by the 9th of February, and also the number that will be ready by the 23rd of February.“Millenial Star X, 40–41, zitiert in Milton R. Hunter, Brigham Young the Colonizer, The Deserent News Press, Salt Lake City 1940, S. 87 (Der Weg für die Auswanderung von Heiligen in das Land Zion ist nun offen. Die lange erwartete Zeit der Sammlung ist nun gekommen....Der Ruheplatz für Israel für die letzten Tage ist entdeckt ... Lasst alle, die können, ihr Vermögen sammeln und ihr Gesicht wie einen Kieselstein machen und zur rechten Zeit in der rechten Ordnung zionwärts gehen... Es ist nun vorgesehen, eine Schiffsgruppe von Auswanderern so früh wie machbar auszurüsten. Die erste Gruppe soll sich in Liverpool bereits am 9. Februar einschiffen. Die Präsidenten der Konferenzen werden aufgefordert uns die Anzahl jener zu melden, die vorbereitet sind, bis 9. Februar auszuwandern und auch die Anzahl jener, die bis zum 23. Februar bereit sind.)

Die Zuwanderer, vor allem jene aus Europa, versorgten das neue Land mit dringend benötigten Fähigkeiten, da die Bekehrten zu einem erheblichen Teil Handwerker und Industriearbeiter waren. Besonders groß war die Zahl der bekehrten in Skandinavien, in der Schweiz und Deutschland und vor allem in Großbritannien. Daher stellten diese Völker neben Amerikanern einen erheblichen Teil der Pioniere in Utah.Milton R. Hunter, Brigham Young the Colonizer, The Deseret News Press, Salt Lake City 1940, S. 9

Organisierter Zug nach Westen

Die Zuwanderung nach Utah wurde unter Anweisung von Brigham Young schon von der Vorausabteilung an vorausschauend und langfristig geplant. Unterwegs wurden Farmen angelegt, die Verpflegung für nachfolgende Gruppen produzierten, es wurden Fähren gebaut und betrieben die einerseits den Nachfolgenden die Überquerung von Flüssen erleichterten und andererseits durch das Erheben von Fährgebühren von anderen Reisenden dringend benötigtes Geld einbrachten. Wo es nötig war, wurde auch der Weg ausgebaut, etwa durch das Entfernen von hinderlichen Felsen im Gebirge. Im Hinblick auf die vielen Nachfolgenden führte die Vorausabteilung auch genaue Aufzeichnungen über Weglängen, Weidegründe, Wasserstellen, besondere Wegmarken und Gefahren.

In Europa wurden Auswanderer von Missionaren betreut, die gemeinsame Reisen von größeren Gruppen organisierten. Eine Beobachtung von Charles Dickens, der als Reporter das Auswandererschiff „Amazon“ besuchte illustriert die Situation. Nachdem er den Gesamteindruck und einige Szenen genau beschrieben hat, fasst er seinen Eindruck zusammen: Was die armen Leute an den Ufern des Großen Salzsees erwartet, weiß ich nicht, welchen glückseligen Täuschungen sie sich jetzt hingeben, aus welcher elenden Blindheit ihre Augen dann geöffnet werden wird, gebe ich nicht vor, sagen zu können. Doch ging ich an Bord ihres Schiffes um gegen sie zu zeugen, falls sie es verdienten, was ich voll und ganz glaubte, dass der Fall wäre. Zu meinem größten Erstaunen verdienten sie es nicht und meine Haltung und Neigungen dürfen mich nicht als ehrlichen Zeugen beeinflussen. Ich schritt über das Deck der Amazon und fühlte mich außerstande zu leugnen, dass bislang irgendein bemerkenswerter Einfluss ein bemerkenswertes Ergebnis hervorgebracht hat, das besser bekannte Einflüsse oft vermissen lassen.Charles Dickens, The Uncommercial Traveller, Kapitel 22 "Bound for the Grat Salt Lake", im Original wiedergegeben auf Literature Network

Die Handkarrenpioniere