mini|Wappen Middeldorps mit Hausmarke, Kanone und Glocke mini|hochkant|Bronzeplatte des Epitaphs von 1562 Karsten Middeldorp, auch Christian, Medeldorp, Milddedorp († vor Ostern 1561 in Lübeck) war ein deutscher Stück- und Glockengießer in Diensten der Hansestadt Lübeck.
Leben und Werk Er ist ab 1543 in Lübeck durch ein in diesem Jahr gegossenes Geschütz nachweisbar. Lübeck verfügte zumindest ab 1546 über ein Gießhaus an der Lastadie direkt an der Trave. Middeldorp erwarb nach 1558 das Werkzeug von Meister Gert van Mervelt aus Flensburg, der 1546 eine Pulsglocke für die Marienkirche gegossen hatte. Mervelt war von 1542 bis 1547 in Lübeck tätig und der Lübecker Kustos des 19. Jahrhunderts Theodor Hach vermutete, dass Middeldorp dessen Geselle gewesen und von ihm in die Formsprache der Renaissance eingeführt worden sein könnte.Hach: Anfänge der Renaissance in Lübeck, S. 26. Von Middeldorp sind einige Glocken erhalten,Allein drei in Dänemark: Vgl. Hans Nyholm: Kirkeklokker i Danmark. während die von ihm von 1543 bis 1560 gegossenen zahlreichen Geschütze zwar in den Akten belegt, aber bis auf eines nicht erhalten sind. mini|links|Löwe von Reval (links) in St. Petersburg (2015) Im Museum im Befestigungsturm Kiek in de Kök in Tallinn befindet sich mit dem Löwen von Reval die Kopie eines 1559 von Middeldorp gegossenen und signierten Prunkgeschützes mit einem Gewicht von 2375 Kilogramm,Sergei Bogatyrev: Bronze Tsars: Ivan the Terrible and Fedor Ivanovich in the Décor of Modern Guns. das seinen Namen von dem schmückenden Relief eines Löwen ableitet und durch die zwei Stadtwappen von Reval als Auftrag der Stadt an den Lübecker Gießer ausgewiesen ist.Linnamuuseum.ee (auf Englisch) Das Reliefporträt zeigt den damaligen Hauptfeind Revals, Ivan den Schrecklichen (nach einer Fassung; quästioniertПравда ли, что существует прижизненный скульптурный портрет Ивана Грозного?). Das Original-Geschütz befindet sich seit 1800 im Artilleriemuseum in Sankt Petersburg.Revelskii lev cannon , abgerufen am 19. Juni 2010 Auf der Kanone steht:
Middeldorp wird im Kämmerei-Ausgabebuch von 1550 bis 1561 mit seinen vierteljährlichen Bezügen als busßenschutten oder buscengeter geführt, mit der letzten Auszahlung für das erste Quartal 1561 an Ostern, die bereits an seine Frau erfolgte. 1553 wird er als Besitzer eines Hauses in der Großen Burgstraße genannt, das vorher dem Glockengießer Heinrich von Kampen gehört hatte (moderne Hausnummer: 47). 1560 erwarb er für sich und seine Erben eine Grabstelle in der Jakobikirche. Sein Grabstein ist nicht erhalten, die darin ehemals eingelassene Grabplatte aus Messing im Stile der Lübecker Frührenaissance hängt heute an einem Pfeiler.Theodor Hach: Die Anfänge der Renaissance in Lübeck. S. 27 (Abb. Tafel 27); Abb. auch in BuK III (1920), S. 423. Sie zeigt Middeldorps Hausmarke über Glocke und Kanone, als Inschriften Bibelverse in niederdeutscher Sprache, sowie die Jahreszahl 1562, also keine Lebensdaten Middeldorps. Sie wurde daher, so wird vermutet, von seinem Nachfolger, dem Lübecker Ratsgießer Matthias Benningk hergestellt.
+ Übersicht der von Karsten Middeldorp gegossenen Glocken Jahr Ort Name Gewicht in kg Durchmesser in mm Nominal Bemerkung 1548 St.-Jürgen-Kapelle 860 älteste nachreformatorische Glocke in LübeckHach, Lübecker Glockenkunde, S. 82 mit Zierfries und zweireihiger Inschrift in dem freistehenden hölzernen Glockenstuhl südlich der Kapelle 1548 Astrup, Aalborg AmtNyholm Nr. 97 810 1550 Vestermarie, Åkirkeby Kommune, BornholmNyholm Nr. 3540 1150 1554 Stokkemarke bei NakskovNyholm Nr. 2923 920 1555 Trinitatiskirche Mitau 1729 gesprungen und umgegossen 1559 St. Andreas (Lübeck) Beichtglocke 650 1553 Stadtkirche Heiligenhafen 1901 eingeschmolzen
Literatur Johannes Baltzer, Friedrich Bruns: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Freien und Hansestadt Lübeck. Herausgegeben von der Baubehörde. Band III: Kirche zu Alt-Lübeck. Dom. Jakobikirche. Ägidienkirche. Verlag von Bernhard Nöhring, Lübeck 1920, S. 422 ff. Unveränderter Nachdruck 2001: ISBN 3-89557-167-9 Hartwig Beseler: Kunst-Topographie Schleswig-Holstein. Neumünster 1974, S. 159 Theodor Hach: Anfänge der Renaissance in Lübeck. Rahtgens, Lübeck 1889. Theodor Hach: Lübecker Glockenkunde. Max Schmidt, Lübeck 1913 (Veröffentlichungen zur Geschichte der Freien und Hansestadt Lübeck 2), S. 209–211 Günter Meyer: Bronzekanonen aus Lübeck – Produktion und Handel der Ratsstückgießer. In: Zeitschrift für Lübeckische Geschichte, Band 96 (2016), S. 143–163 (S. 149)
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Einzelnachweise
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