mini|Burgkunstadt mit der historischen Häuserzeile am Marktplatz und dem Schustermuseum; oben im Hintergrund das Rathaus
Das oberfränkische Burgkunstadt wurde wahrscheinlich im 8. Jahrhundert von den Slawen gegründet. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die „Urbs Chunstadt“ im Jahr 1059, das als Gründungsdatum der Stadt angenommen wurde. Ab spätestens 1323 erhielt Burgkunstadt das Markt- und Stadtrecht. Der Ort war lange Jahrhunderte ein mehr bäuerlich geprägtes Burg- und Landstädtchen und gehörte zum Hochstift Bamberg. Burgkunstadt kam mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 zu Bayern. Mit der Gründung der ersten Schuhfabrik im Jahr 1888 begann, abgesehen von der Zeit des Nationalsozialismus, die rund 100 Jahre lange Blütezeit der Stadt, in der sie allmählich Zentrum der bayerischen Schuhindustrie wurde und den Beinamen „Fränkisches Pirmasens“ erhielt. Die Gründung des Versandhauses Friedrich Baur war ein weiterer Schritt zur modernen Industriestadt. Zwischen 1960 und 1990 wandelte sich die Stadt mit der Schließung aller Schuhfabriken und dem Aufbau eines umfangreichen Schul- und Bildungsangebots von der Schuh- zur Schulstadt.
Stadtgeschichte 8. Jahrhundert bis 1058: erste Siedlungsanfänge Wann das Gebiet der heutigen Stadt Burgkunstadt erstmals besiedelt wurde, ist unklar. Eine 1995 entdeckte Brandschicht in der Oberstadt konnte zwar auf etwa 1000 v. Chr. datiert werden, die ersten schriftlichen Angaben zur Besiedelung der Gegend wurden jedoch erst 741 n. Chr. getätigt und hängen mit der Gründung des Bistums Würzburg zusammen. Zu dieser Zeit lebten sowohl Franken als auch Slawen auf dem Gebiet des heutigen Oberfrankens. Aufgrund von Keramikfunden im Bereich des Felsplateaus der Oberstadt muss dort damals bereits eine slawisch-germanische Siedlung existiert haben.
mini|links|Straßenkarte Nordbayerns um 800, der Hochweg ist in der Kartenmitte eingezeichnet.
In der Zeit Karls des Großen hatte der Ort bereits eine große Bedeutung für den Handel. Der Hochweg von Frankfurt nach Eger führte an Burgkunstadt vorbei. Auch der für damalige Schiffe fast bis Kulmbach schiffbare Main war ein wichtiger Handelsweg.
mini|hochkant|Ausschnitt aus dem Codex Eberhardi über die Schenkung Burgkunstadts
Zwischen 827 und 851 n. Chr. wurde in der Urkunde einer Schenkung der Gräfin Blitrud an das Kloster Fulda erstmals eine „villa kunestadt“ erwähnt. Es ist jedoch unklar, ob es sich dabei um Burgkunstadt oder Altenkunstadt handelte. Der Ortsname geht wahrscheinlich auf eine fränkische Reichsaristokratie um einen Kunibert zurück. Möglicherweise handelte es sich um den in den Fuldaer Annalen bezeugten Kunibert, dessen Besitztümer vom mittleren Tauberland bis an den Obermain reichten. Die Originalurkunde ist zwar verloren, erhalten ist jedoch die Notiz im Codex Eberhardi aus der Mitte des 12. Jahrhunderts.Hans Losert: 950 Jahre Burgkunstadt. MS Powerpoint-Präsentation, landschaftsmuseum.de, abgerufen am 13. April 2010.
Beweise für eine frühe Besiedlung des Berges mit der heutigen Oberstadt lieferten die Notausgrabungen 1973 und die des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege 1975 beim Rathaus. Verfärbungen im Boden zeigten, dass es dort bereits um 830 n. Chr. eine weitläufige Burganlage von großer militärischer Bedeutung gab. Die Burg war mit einer Holz-Erde-Mauer und einem Abschnittsgraben befestigtAusgrabungen beim Rathaus zwischen 1973 und 1975, landschaftsmuseum.de, abgerufen am 15. April 2010. und hatte eine Fläche von rund 5000 m². Neben der Größe weist auch die Bauweise auf die große Bedeutung der Burg hin, die mit drei Mauertürmen, einer Toranlage und teilweise einem Doppelgraben außergewöhnlich gut befestigt war.
Zu dieser Zeit gab auch schon eine kleine Siedlung am Fuße des Berges. Den Bau der Burg veranlassten wahrscheinlich Ludwig der Fromme und sein Sohn Lothar zusammen mit den Popponen. Während der Karolingerzeit gab es mit der Bamberger Burg nur eine einzige vergleichbare Festung in ganz Oberfranken. Unklar ist jedoch, ob die Festungsanlage zur sorbischen Mark oder zur böhmischen Nordgaumark gehörte.
Die Wehranlage wurde bis zum 11. Jahrhundert in drei Bauphasen errichtet. Die erste Anlage bestand aus einer rund 3,5 Meter breiten, mörtellosen Sandsteinmauer mit einer Holzpalisade dahinter. In der zweiten Bauphase, Ende des 9. Jahrhunderts, wurde ein 5,5 Meter hoher Erdwall aufgeschüttet, der am Fuß eine Breite von 18 Metern hatte. Diese zweite Befestigungsanlage wurde während der Babenberger Fehde oder der Ungarneinfälle zwischen 910 und 915 zerstört. Bei der dritten Bauphase im 10. Jahrhundert wurde die Umwehrung erhöht und auf der Wallkrone eine Sandsteinmauer errichtet. Eine Brandschicht im Boden deutet darauf hin, dass auch diese Wallanlage im Jahr 1003 bei den Auseinandersetzungen zwischen Hezilo von Schweinfurt und König Heinrich II. zerstört wurde. Im 11. Jahrhundert wurde die Burg erneut befestigt und der Erdwall durch eine massive Sandsteinmauer mit Türmen und vorgelagertem Graben ersetzt.
Die „urbs chounstat“ war Mittelpunkt eines weitläufigen Gebietes rund um die Burg. Der Burgbezirk, der im Norden von der Rodach bis Kirchleus, im Osten bis Schwarzach und im Süden bis Modschiedel reichte, kann mit dem Sprengel der Urpfarrei Altenkunstadt gleichgesetzt werden. Um die Burganlage, die Verkehrswege und die Mainübergänge zu schützen, wurden innerhalb des Sprengels mehr als ein Dutzend kleine Wehranlagen, sogenannte Turmhügel, errichtet.
1059–1429 Entwicklung zum Munizipalstädtchen mini|Erwähnung des Aepelin de Counstat im Synodalprotokoll von 1059
Die erste urkundlich gesicherte Erwähnung Burgkunstadts stammt vom 13. April 1059. Als Fürsteher des Würzburger Vogts Graf Eberhard wurde bei einem Rechtsstreit ein „Aepelin de Counstat“ genannt. Er war vermutlich mit Adalbert von Constat identisch, der 1095/96 als „urbis comes“, Burggraf, bezeichnet wurde.
1071 entstanden nach Teilung der Burgkunstadter Zent, die bis dahin die älteste am Obermain war, die Centen Burgkunstadt/Marktgraitz und Niesten/Weismain.
mini|Anfang der Tauschurkunde über ein Viertel der Burg Counstat
Die Burgstadt „urbs chounstat“ wurde erneut am 6. August 1096 in Zusammenhang mit einem Gütertausch urkundlich genannt. Arnolt von Langheim, der als Stammvater der von Kunstadt, von Ebneth, von Redwitz und von Rotenhan gilt, tauschte nach dieser Urkunde ein Viertel des „castrum chounstat“ in Sachgüter ein.
Um 1160 war die Burganlage eine staufische Reichsburg, die vor allem von Friedrich Barbarossa als Sammelplatz und Rekrutierungsstelle für seine Italienfeldzüge genutzt wurde.
Im Jahr 1160 wurde das castrum cunstat dem Bamberger Bischof Eberhard II. übergeben und aus dem Reichslehensverband gelöst. Da die wichtige Kreuzung der Straßen Nürnberg-Saalfeld und Lichtenfels-Kulmbach gesichert werden musste, erkannte das Hochstift Bamberg schon bald den militärischen Wert der Festung. Die Ministerialen der Bamberger verschmolzen mit den alten edelfreien Familien zur Ritterschaft. Um diese Zeit hatte Burgkunstadt bereits einige nicht näher bekannte Privilegien.
Bei einer Tagung des bischöflichen Landgerichtes am 16. August 1250 wurde der Burgenbau des „Iring von Cunstat“ verhandelt, der in Wildenberg die erste Eigenburg des Kunstadter Adelsgeschlechts erbaute. Aus dem Gerichtsurteil geht hervor, dass die „de cunstat“ in der ganzen Umgebung erheblichen Landbesitz hatten. Die 1250 vollendete Veste Wildenberg konnte das Geschlecht nicht dauerhaft halten. 1348 erlangte sie größere Bedeutung, als nach der Zerstörung der Burg Cunstat das Amt cunstat dorthin verlegt wurde.
Der erste Stadtpfarrer von „Kunstat novo“ (diese Bezeichnung taucht nur in der Urkunde über den Pfarrer am 7. März 1288 zur Abgrenzung von Altenkunstadt auf), der Bamberger Domherr Konrad II. wurde 1288 eingesetzt. Die Loslösung von der Altenkunstadter Urpfarrei erfolgte wahrscheinlich 1232. Die Zuständigkeit des Pfarrers endete an den Stadtgrenzen. Seit damals sind das Kaiserpaar Heinrich II. und Kunigunde die Kirchenpatrone.
Die erste urkundliche Bestätigung der Stadterhebung Burgkunstadts befindet sich in der ältesten Bamberger Hochstiftsurbar von 1323 oder 1327. Die Burg Kunstat wird darin als „castrum iam desolatum“, als jetzt verlassene Burg, bezeichnet. Dem Bischof gehörten die verödete Burg und die Stadt, die durch einen Graben und eine Mauer getrennt waren. Einige spätere Quellen deuten darauf hin, dass die Stadt bereits rund 100 Jahre vorher hochstiftische Munizipalstadt mit bestimmten Stadtrechten war.
1348 erhielt die Stadt im bischöflichen Urbar die Erlaubnis, drei Jahrmärkte abzuhalten.
mini|hochkant|Das älteste erhaltene Stadtsiegel Burgkunstadts
Das erste Stadtsiegel Burgkunstadts wurde 1350 auf eine Münze geprägt. (Siehe dazu Burgkunstadt#Wappen.)
Die Fronfeste Vogtei wurde 1364 erstmals urkundlich erwähnt. Der Amtsbezirk des Burgkunstadter Vogts umfasste 33 Ortschaften.
Durch Bischof Albrecht von Bamberg erhielt die Stadt 1400 das Recht zum „Mulzen (Malzen) und Brauen“. Nachgewiesen ist dies durch eine Urkunde vom 25. Juli 1410, die erste Urkunde wurde 1460 bei einem Brand vernichtet. Das Braurecht galt für 48 Vollbürger. Da in den anderen Orten im Amtsbezirk das Brauen nur für den Eigenbedarf gestattet war, hatte Burgkunstadt durch dieses Privileg einen großen wirtschaftlichen Vorteil. Das Bier durfte in Gaststätten ausgeschenkt und verkauft werden. Um übermäßiges Brauen zu verhindern, legten der Bürgermeister und die Ratsherren jährlich fest, wie viel jeder Bürger malzen und brauen durfte. Bei Nichteinhaltung dieser Regelung drohten Strafen.
Ab 1417 bestand der Bürgerrat aus zwei Bürgermeistern (je einer für die Oberstadt und die Unterstadt), acht Ratsherren bzw. „Ratsverwandten“ und einem Stadtschreiber. Das Privileg eines förmlichen Bürgerrates erhielt Burgkunstadt bereits zwischen 1374 und 1399 durch Bischof Lamprecht von Brunn. Ratsfähig waren nur die Vollbürger der Oberstadt. Sie mussten eine Gebühr entrichten und einen Bürgereid schwören. Für Bürgersöhne betrug die Gebühr einen Gulden, für eingeheiratete „Fremde“ fünf Gulden. „Ausländische“ (bezog sich auf die Grenzen des Bamberger Hochstifts), die keine Burgkunstadter Frau geheiratet hatten, mussten zehn Gulden zahlen. Meist wurde nur Männern das Bürgerrecht verliehen, gelegentlich erhielten es auch Frauen.
Aus militärischen Gründen war die Stadt in vier Bereiche eingeteilt. Zu deren Verwaltung wurden aus der Bürgerschaft Viertelmeister gewählt, die das Bürgeraufgebot ihres Stadtviertels befehligten. Dazu musterte jeder Viertelmeister die Waffen und die Ausrüstung der Bürger und leitete in Kriegszeiten die Verteidigung seines Mauerabschnittes. Neben den militärischen Aufgaben waren die Viertelmeister auch Feuerwehrkommandanten. Im Falle eines Brandes rückten sie mit den wehrfähigen Bürgern zur Brandstätte aus. Für Ruhe und Ordnung in den Stadtvierteln war ebenfalls der jeweilige Viertelmeister verantwortlich.
Für ein geordnetes Gemeinwesen gab es zahlreiche weitere Ämter. Der Heiligenmeister verwaltete das Vermögen der Pfarrkirche und der Klausenkapelle. Um die Brunnen kümmerte sich der Brunnenmeister. Der Baumeister war für die Überwachung des gesamten Bauwesens der Stadt zuständig, auch für Wege, Stege und Brücken. Um Bränden vorzubeugen, kontrollierte der Lichtschauer die Herde und Feuerstätten der Häuser. Für die Überwachung des Verkaufs und die Überprüfung der Maße und Gewichte waren die Brot-, Fleisch-, Bier- und Weinsetzer verantwortlich. Weitere Ämter waren Stadtschreiber, Kirchner, Torschließer, Wächter, Hirte, Förster und Stadtknecht. Bürger, die ihrer Pflicht nicht nachkamen, konnten durch den Stadtrat ihres Amtes enthoben werden.
Ebenfalls auf 1417 lässt sich der erste Schulmeister Burgkunstadts datieren. Eine frühere Schule wurde von Geistlichen und im 11. Jahrhundert vom Klausner der Klausenkapelle geleitet.