Der Postplatz gilt als einer der schönsten Stadtplätze in Görlitz.

Der ovale Platz wird in Richtung Süden von einer Reihe Gründerzeitbauten begrenzt. Die Jakobstraße und die Berliner Straße bilden die Verlängerung zum südlichen Bahnhof. Typisch preußische Bauten begrenzen den Platz in östlicher und westlicher Richtung. Das Postamt nimmt vor allem mit seinem großen Hinterhof nahezu das gesamte östliche Areal ein. In dem schlichten roten Klinkerbau im Westen befindet sich heute das Landgericht und das Amtsgericht. Eine ausladende Baugruppe im spätklassizistischen Stil der frühen Gründerzeit befindet sich auf der Nordseite des Platzes. Inmitten des Platzes steht ein prächtiger Kunstbrunnen, die „Muschelminna“.

Geschichte Frühe Neuzeit Das Areal aus dem später der Postplatz hervorgehen sollte, lag südlich der Frauenkirche außerhalb der Stadtmauern. Er trug damals den Namen „Plan“. Neben der Frauenkirche stand das 1483 gegründete Frauenspital, das Pilgern und fahrenden Scholaren Unterkunft und Verpflegung bot. Das Spitalgelände zog sich weit nach Westen über Teile des heutigen Postplatzes und Demianiplatzes. Die Frauenkirche mit angrenzendem Friedhof und Spitalgelände wurden als zusätzliche Befestigungslinie ausgebaut. Durch das Spitteltor erreichten Reisende das Spitalgelände und die Kernstadt über den Frauenturm.

Bis in das 19. Jahrhundert hinein war das Vorfeld der Frauenkirche und des Frauenspitals nicht räumlich gestaltet und sehr ländlich geprägt. Mehrere Alleen zweigten vom Spitteltor ab in Richtung Lazarett (spätere Berliner Straße), Gartenanlagen (spätere Jakobstraße) und Schützenweg (spätere Schützenstraße). Damit gaben sie die grobe Raumaufteilung des künftigen Postplatzes vor.

Preußische Ära mini|Blick über den Postplatz hin zum historistischen Gebäude von Eduard Schultze, um 1890 1844 wurde an der südwestlichen Ecke das städtische Krankenhaus errichtet, etwa am Standort der heutigen Stadtsparkasse. Diesem gegenüber befand sich das alte Militärlazarett. Mit der Fertigstellung des Görlitzer Bahnhofs 1847 begann auch die Ausweitung der Bebauung in dessen Richtung. Zwischen den Jahren 1851 und 1855 wurde auf der Ostseite des Platzes das neue Postgebäude errichtet. Der große Hof war halbrund ummauert und diente als Einfahrt für Postkutschen und als Wagenpark. Den neuen Namen „Postplatz“ bekam zuerst das Dreieck hinter der Post, zwischen Konsulstraße und Schützenstraße. Die Fläche vor der Post dagegen war zuerst nur mit Kies bestreut und am Rand mit Bäumen bepflanzt. Er wurde einige Zeit als Rummelplatz genutzt. Aus der alten Börse auf dem Untermarkt zog schließlich 1865 das Königliche Kreisgericht in den Neubau auf dem Postplatz. Die streng gegliederte, sachliche Klinkerfassade zeigt auch heute noch den Einzug preußischen Baukultur von Karl Friedrich Schinkel. Hinter dem Gericht dehnte sich das Gefängnis aus, in dessen Hof noch bis etwa in das Jahr 1900 Hinrichtungen mit dem Handbeil stattfanden. Die Hinrichtungen wurden in den Görlitzer Tageszeitungen mit Namen und Verbrechen des Verurteilten angekündigt.S. 10ff.

Der Görlitzer Kaufmann Eduard Schultze erwarb 1863 das gesamte Gelände des ehemaligen Frauenspitals an der Nordseite des Platzes gegenüber der Frauenkirche. Das Grundstück reichte von der Frauenkirche bis zur heutigen Luisenstraße. Der Käufer ließ die Bebauung abreißen und dort von Baumeister Pfeiffer einen Neubau errichten. Der Bau im Stil des Spätklassizismus war von einer bisher in der Stadt unbekannten Breite. Er erstreckte sich zwischen Frauenkirche und Gerichtsgebäude. 1868 wurde der Bau fertiggestellt. In den Mittelteil zog das „Victoria-Hotel“. In das Erdgeschoss links und rechts vom Hotel zogen Einzelhändler und das „Wiener Cafè“ ein. Erst 1888 wurde das Unternehmen Eduard Schultzes, das nun bereits seine Söhne Gustav und Alfred übernommen hatten vom Obermarkt in das Gebäude verlegt. Die mit dem Bau geschaffenen städtebaulichen Tatsachen wurden nachträglich oft beklagt, da der Bau die Achse vom Bahnhof über die Berliner Straße direkt hin zum Marienplatz versperrte. Der Verkehr musste nun ein paar engere Kurven und das Nadelöhr vor der Frauenkirche passieren.S. 5, 13ff.

Kaiserreich mini|Gericht und links hinter dem Baum ist der Turm der Sparkasse zu erkennen mini|Postamt mit dem prunkvollen Figurenschmuck mini|Gebäude der Sparkasse mit dem markanten Eckturm 1882 überquerte die erste Straßenbahn, noch von Pferden gezogen den Platz. 1897 folgte die erste „Elektrische“. Die Gleise führten nördlich und südlich des Platzes entlang und wurden erst mit dem Umbau 1937/38 auf die Nordseite verlegt. Von Mai 1898 bis September 1905 befand sich vor dem Gerichtsgebäude die Endhaltestelle der Tramlinie IV bis zum Jüdischen Friedhof in der Südstadt bzw. ab Mai 1899 weiter nach Biesnitz. Die zwei Gleise vor der Post führten zum Schützenhaus und zum Untermarkt, ab Dezember 1907 auch zum Klinikum. Nördlich der Post führten weitere zwei Gleise weiter zum Gasthof „Stadt Prag“ (Görlitzer Ostvorstadt) und ab Mai 1900 weiter nach Moys. Beide letztgenannten Endpunkte liegen seit 1945 in der polnischen Nachbarstadt Zgorzelec und existieren seit der Grenzziehung nicht mehr als Endpunkt des Görlitzer Straßenbahnnetzes. Noch heute überqueren die zwei städtischen Tramlinien von Königshufen nach Biesnitz bzw. Weinhübel den Platz.

Die Naturforschende Gesellschaft zu Görlitz erhielt 1883 eine gusseiserne Wettersäule. Sie wurde vorerst hinter der Post gegenüber der Frauenkirche aufgestellt, wechselte aber 1931 ihren Standort vor das Gericht. Sie verschwand 1938 und wurde danach nicht wieder aufgestellt.S. 18

Am 12. November 1887 fand die Einweihungsfeier unter Oberbürgermeister Clemens Theodor Reichert für den markanten Kunstbrunnen in der Platzmitte statt. Mit der „Muschelminna“, wie die Brunnenfigur im Volksmund genannt wird, begann die Umgestaltung der Kiesfläche zwischen Post und Gericht. Anlass dafür soll 1877 ein Spaziergang von Oberbürgermeister Johannes Gobbin mit dem schlesischen Oberpräsidenten Robert von Puttkamer gewesen sein. Der Oberpräsident soll beeindruckt von den Neubauten die Kiesfläche in der Mitte bemängelt haben und seine finanzielle Unterstützung für die Errichtung eines Brunnens zugesichert haben.S. 19, 24

Die gärtnerische und städtebauliche Gestaltung des Platzes war erst 1889 abgeschlossen. Sternförmig führten vier kunstvoll gepflasterte Wege vom Brunnenbecken zu einem Rundweg um den Platz. Die Grünflächen waren mit Sträuchern bepflanzt und von Hecken umgeben. Ab 1887 veränderte sich auch das östliche Bild des Platzes noch einmal, denn das Postamt bekam einen repräsentativeren Neubau. Er sollte die Weltgeltung des wilhelminischen Kaiserreiches unterstreichen. Der prunkvolle, mit zahlreichen figürlichen Schmuck verzierte Klinkerbau schuf nun ein passendes Gegenüber zu dem Gerichtsgebäude. Der halbrund ummauerte Hinterhof in Richtung Schützenstraße folgte weitgehend dem Vorgängerbau.S. 29ff

Noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts befand sich an der südwestlichen Ecke des Platzes der Park des alten Krankenhauses von 1844. Erst mit dem 1905 fertiggestellten Krankenhausneubau an der Girbigsdorfer Straße wurde der Bau in der Innenstadt überflüssig. 1911 genehmigte die Stadt den Neubau einer Stadtsparkasse, die bis dahin noch im Rathaus untergebracht war. Bereits 1913 war der Jugendstilbau fertiggestellt. Der Bau wirkt durch die großen Natursteinquader an der Fassade und dem Treppenturm mit dem breiten Portal sehr wuchtig. Der Eckturm mündet in einer metallverkleideten Kuppel und einer goldenen Fahnenstange mit dem Löwen aus dem Stadtwappen. Der Löwe wurde mittlerweile durch das Sparkassenzeichen ersetzt.S. 32f.

Nachkriegszeit und Goldene Zwanziger

Der Platz verfolgte fast alle Nachkriegswirren nach dem Ersten Weltkrieg, so zum Beispiel den sich am 9. November 1918 vorbeiziehenden Strom von Revolutionären, wenig später die aus dem Krieg heimkehrenden Garnisonstruppen, den ersten von Behörden gestatteten Maiumzug am 1. Mai 1919 und schließlich das Freikorps Fraupel, das sich am Kapp-Putsch 1920 beteiligte.S. 43f.

Die Lage beruhigte sich Anfang der 1920er Jahre und die Motorisierung der Bürger nahm langsam zu. Die Folge dieser zunehmenden Motorisierung, auch wenn sich nur wenige Görlitzer ein Motorrad oder gar ein Auto leisten konnten war, dass eine der ersten Tankstellen in der Innenstadt nördlich der Post eröffnete. Zahlreiche Cafés säumten den Platz, eines der bekanntesten war wohl das „Cafè Reichspost“, später „Cafè Posteck“ mit seiner gläsernen Galerie an der Ecke zur Frauenkirche. Dieses Eckhaus existiert heute nicht mehr, es wurde nach der Wende abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Das „Wiener Cafè“ im linken Flügel der von Eduard Schultze errichteten Baugruppe an der Nordseite wurde zum „Postplatz-Casino“ (kurz auch Po-Pla-Ka genannt). 1926 wurde die „Theaterpassage“ eröffnet und bildet seither eine gern genutzte Abkürzung für Fußgänger zwischen Demianiplatz und Postplatz.S. 49f., 56.

1930er Jahre und Zweiter Weltkrieg mini|Die gepflasterte Fläche um die „Muschelminna“ und das Wegekreuz auf dem Platz wichen 1937 Rasen. Bis 2016 wurde der Ursprungszustand wiederhergestellt. Viele hochangesehene Bürger wohnten und arbeiteten auf dem Platz, unter ihnen der Fotograf Alfred Jäschke, berühmt für seine Fotos von Gerhart Hauptmann, die Rechtsanwälte Albert Nathan, mit Sohn Dr. Hans Nathan und Dr. Glätzner, sowie der sozial engagierte Zahnarzt Dr. Fritz Warschawski. Die Namen des Zahnarztes und Albert Nathans verschwanden 1933 von den Klingelschildern der Häuser am Postplatz. Fritz Warschawski hatte Deutschland über Nacht mit Familie verlassen, der Jurist Hans Nathan zog mit Familie nach Prag und sein Vater in ein Altersheim in Berlin. Warschawski und Nathan waren Juden. Der Platz hieß nun „Hindenburgplatz“ und von der Post und vom Gericht wehten Hakenkreuzfahnen. Der bekannte jüdische Jurist Paul Mühsam der täglich auf dem Weg zur Arbeit den Postplatz querte, notierte seine Erfahrungen über das Görlitz unter den Nationalsozialisten in seinen Lebenserinnerungen unter dem Titel „Ich bin ein Mensch gewesen“. Er wanderte als erster Görlitzer Jude 1933 nach Palästina aus.S. 61ff.

Der junge Tischler Hans-Georg Otto versammelte sich in seiner Wohnung am Hindenburgplatz 11 mit einigen Lehrlingen und Jungarbeitern. Sie sprachen über die politische Lage, empfingen ausländische Radiosender und verbreiteten von hier aus Flugblätter, die vor dem drohenden Krieg warnten. Die jungen Männer wurden bereits 1934 verhaftet und wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ verurteilt. Hans-Georg Otto wurde bis 1942 in den Gefängnissen Wohlau und Luckau inhaftiert, danach kam er in das Konzentrationslager Sachsenhausen, wo er beim Evakuierungsmarsch 1945 verstarb.S. 75ff.

Professor K. Olbricht, ein nationalsozialistischer Kulturpolitiker veröffentlichte 1936 im Heft „Unser schönes Görlitz“ seine Meinung, dass ihm der Hindenburgplatz in seiner damaligen Form nicht gefalle. Er beklagte sich über die durch Eduard Schultzes Haus zerstörte Sichtachse auf die Frauenkirche. Der Bau sei zu hoch und sollte laut seinen Skizzen im Heft einfach am östlichen Flügel um ein bis drei Stockwerke gekürzt werden. Auch der Sockel des Brunnens sollte vereinfacht und die Klinkerfassaden der Post und des Gerichtes verputzt werden. Der Krieg verhinderte die Umsetzung dieser Pläne. In den Jahren 1937/38 fand jedoch eine grundlegende Umgestaltung des Platzes statt, die sternförmigen gepflasterten Wege zum Brunnen wurden abgetragen und bepflanzt. Der Brunnen war nun von einem Rasenoval und einem Weg umgeben an dessen Enden jeweils Bänke platziert wurden.S. 65f.