Die Oxyaenodonta (teilweise auch Oxyaenida) sind eine ausgestorbene Gruppe fleischfressender Säugetiere, die in Nordamerika, Europa und Asien vorkamen. Sie erschienen mit dem nordamerikanischen, katzengroßen Tytthaena schon im Mittleren Paläozän und starben in Nordamerika schon im Mittleren, in Europa und Asien mit dem Ende des Eozäns aus.

Merkmale mini|links|Schädel von Machaeroides mini|links|Schädelfragment von Palaeonictis Die Oxyaenodonta hatten eine äußere Ähnlichkeit mit den heutigen Katzen, Schleichkatzen und Mardern, mit denen sie aber nicht näher verwandt sind. Ihr Körper war langgestreckt, Beine und Schwanz waren kurz. Sie waren Sohlengänger und nicht an schnelles Laufen angepasst. Die Beweglichkeit ihrer Füße ermöglichte es ihnen aber, auf Bäume zu klettern.

Ihre Kiefer beherbergten ein Brechscherengebiss, das bei den kleineren Formen aus dem Paläozän noch nicht so weit entwickelt war wie bei späteren Gattungen. Die Brechschere wurde bei den Oxyaenodonta von der gesamten Backenzahnreihe gebildet, mit Betonung auf dem ersten Backenzahn (Molar) im Oberkiefer und dem zweiten Backenzahn im Unterkiefer. Bei den möglicherweise verwandten Hyaenodontidae hatten der zweite Backenzahn im Oberkiefer und der dritte im Unterkiefer eine größere Bedeutung, bei den rezenten Raubtieren der vierte Prämolar im Oberkiefer und der erste Backenzahn im Unterkiefer.

Wahrscheinlich waren die Oxyaenodonta opportunistische Fleischfresser, die kleinere Säugetiere, Vögel, Insekten und Eier fraßen, ähnlich wie die Schleichkatzen heute. Dipsalodon aus dem späten Paläozän und Palaeonictis aus derselben Zeit und dem frühen Eozän hatten kräftigere Kiefer und robuste, an das Zerbrechen von Knochen angepasste Zähne. Sie könnten Aasfresser gewesen sein. Während frühe Oxyaenodonta eher klein waren und zwischen 3 und 8 kg wogen, war Oxyaena etwa so groß wie ein Wolf, und der nur von einem unvollständigen, etwa 20 cm langen Kiefer bekannte Palaeonictis peloria war der größte Fleischfresser in seinem Habitat.

Äußere Systematik Die Oxyaenodonta wurden ursprünglich zusammen mit den hunde- bzw. hyänenähnlichen Hyaenodonta in die Ordnung der Creodonta, im Deutschen auch Urraubtiere genannt, gestellt und dort unter Oxyaenidae auf Familienebene geführt. Die Oxyaenodonta erschienen bereits im Mittleren Paläozän in der fossilen Überlieferung und starben früher als die Hyaenodonta wieder aus. Im Gegensatz zu den weiter verbreiteten Hyaenodonta beschränkten sich die Oxyaenodonta mit wenigen eurasischen Ausnahmen auf den nordamerikanischen Kontinent. Beide Gruppen teilen kaum Synapomorphien, so dass die Gültigkeit des Taxons Creodonta bezweifelt wird. Zusammen mit den rezenten Raubtieren (Carnivora) und den Schuppentieren (Manidae) bilden die Oxyaenodonta und die Hyaenodonta das Taxon Ferae. Die Bezeichnung Oxyaenodonta wurde 1971 von Leigh Van Valen vorgeschlagen, der die Creodonta in seinen phylogenetischen Untersuchungen als nicht monophyletisch herausstellte.

Innere Systematik mini|Skelett von Oxyaena mini|hochkant|Unterkiefer von Diegoaelurus Die Ordnung der Oxyaenodonta gliedert sich folgendermaßen: Ordnung Oxyaenodonta , 1971 Familie Oxyaenidae , 1877 Unterfamilie Tytthaeninae , 1991 Tytthaena , 1980 Unterfamilie Ambloctoninae , 1877 Ambloctonus , 1875 Palaeonictis , 1842 Dipsalodon , 1930 Dormaalodon , 1987 Unterfamilie Oxyaeninae , 1877 Dipsalidictis , 1915 Malfelis , 2007 Oxyaena , 1874 Patriofelis , 1870 Protopsalis , 1880 Sarkastodon , 1938 Unterfamilie Machaeroidinae , 1909 Apataelurus , 1937 Diegoaelurus Machaeroides , 1909 Die Ambloctoninae werden unter Umständen auch in der Unterfamilie der Palaeonictinae geführt, welche 1938 eingeführt worden war. Innerhalb der Unterfamilie gilt Dormaalodon teilweise als synonym zu Palaeonictis. Die Zugehörigkeit der Machaeroidinae zu den Oxyaenodonta ist unsicher, da die Gruppe auch manchmal in einer näheren Beziehung zu den Limnocyoninae gesehen wird, welche wiederum einen Teil der Hyaenodonta bilden. Allerdings spricht eine Analyse eines nahezu vollständigen Skelettes aus Utah, die 2018 veröffentlicht wurde, für eine engere Bindung der Machaeroidinae an die Oxyaenodonta.

Literatur Thomas S. Kemp: The Origin & Evolution of Mammals. Oxford University Press, Oxford 2005. ISBN 0198507615. Gregg F. Gunnell und Philip D. Gingerich: Systematics and evolution of late Paleocene and early Eocene Oxyaenidae (Mammalia, Creodonta) in the Clarks Fork Basin, Wyoming. Contributions from the Museum of Paleontology 28 (7), 1991, S. 141–180 ()

Einzelnachweise Leigh Van Valen: Adaptive Zones and the Orders of Mammals. Evolution 25 (2), 1971, S. 420–428 Gregg F. Gunnell und Philip D. Gingerich: Systematics and evolution of late Paleocene and early Eocene Oxyaenidae (Mammalia, Creodonta) in the Clarks Fork Basin, Wyoming. Contributions from the Museum of Paleontology 28 (7), 1991, S. 141–180 Richard K. Stucky und Tom G. Hardy: A New Large, Hypercarnivorous Oxyaenid (Mammalia, Creodonta) from the Middle Eocene of the Wind River Formation, Natrona County, Wyoming. Bulletin of Carnegie Museum of Natural History 39, 2007, S. 57–65 Floréal Solé, Emmanuel Gheerbrant und Marc Godinot: New data on the Oxyaenidae from the Early Eocene of Europe; biostratigraphic, paleobiogeographic and paleoecologic implications. Palaeontologia Electronica 14 (2), 2011, S. 13A () Stephen G. B. Chester, Jonathan I. Bloch, Ross Secord und Doug M. Boyer: A New Small-Bodied Species of Palaeonictis (Creodonta, Oxyaenidae) from the Paleocene-Eocene Thermal Maximum. Journal of Mammalian Evolution 17 (4), 2010, S. 227–243 Michael Morlo, Gregg Gunnell, und P. David Polly: What, if not nothing, is a creodont? Phylogeny and classification of Hyaenodontida and other former creodonts. Journal of Vertebrate Paleontology 29 (3 suppl), 2009, S. 152A Floréal Solé: New proviverrine genus from the Early Eocene of Europe and the first phylogeny of Late Paleocene-Middle Eocene hyaenodontidans (Mammalia). Journal of Systematic Paleontology 11, 2013, S. 375–398 Shawn P. Zack: A skeleton of a Uintan machaeroidine ‘creodont’ and the phylogeny of carnivorous eutherian mammals. Journal of Systematic Palaeontology 17 (8), 2019, S. 653–689, doi:10.1080/14772019.2018.1466374 Leigh Van Valen: New Paleocene Insectivores and Insectivore classification. Bulletin of the American Museum of Natural History 135, 1967, S. 217–284 Shawn P. Zack, Ashley W. Poust und Hugh Wagner: Diegoaelurus, a new machaeroidine (Oxyaenidae) from the Santiago Formation (late Uintan) of southern California and the relationships of Machaeroidinae, the oldest group of sabertooth mammals. PeerJ 10, 2022, S. e13032, doi:10.7717/peerj.13032

Weblinks

The Paleobiology Database: Oxyaenidae Paleocene mammals of the world: Carnivores, creodonts and carnivorous ungulates: Mammals become predators

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