miniatur|Der Tod des Hippolytos, von Lawrence Alma-Tadema (1836–1912), Privatsammlung miniatur|Der Tod des Hippolytos, von Jean-Baptiste Lemoyne (1679–1731), Louvre

Hippolytos () oder Hippolyt, Sohn des Theseus und der Amazone Hippolyte,Euripides, Der bekränzte Hippolytos, Hypothesis; vgl. Athenaios, Deipnosophistai 557 a–b nach anderen Autoren der Antiope,Plutarch, Theseus 28; Hyginus, Fabulae 201 ist in der griechischen Mythologie ein in Troizen und Athen verehrter Heros, der vor allem mit Geburt und Hochzeit in Verbindung gebracht wurde, obwohl er jungfräulich und kinderlos blieb.

In der römischen Mythologie wurde er (als Hippolytus) mit Virbius, einer Gottheit aus dem Umfeld der Diana Nemorensis, identifiziert.Hyginus, Fabulae 251

Mythos Hippolytos verehrte Artemis,Euripides, Der bekränzte Hippolytos 1092 die Göttin der Jagd und der Keuschheit, weil er selbst lebenslang keusch leben wollte und die Liebesgöttin Aphrodite geringschätzte. Diese bestrafte Hippolytos dafür: Sie weckte sehnsüchtige und dauerhafte Liebe zu ihm in seiner Stiefmutter Phaidra, als diese ihn beim Training im StadionPausanias 2,32,3 oder bei den Eleusinischen MysterienOvid, Heroides 4,67–68 sah. Als sie von ihm zurückgewiesen wurde, nahm sie sich das Leben, nicht ohne ihrem Mann zuvor einen Abschiedsbrief hinterlassen zu haben, in dem sie behauptete, von Hippolytos begehrt worden zu sein. Hippolytos floh vor der Rache seines Vaters, der Poseidon gegen ihn aufhetzte. Dieser schickte ein Seeungeheuer an den Strand, an dem Hippolytos mit einem Pferdewagen unterwegs war. Bei Ovid wird das folgendermaßen beschrieben:Ovid, Metamorphosen 15,506–511. Übersetzung von Reinhart Suchier. Goldmann, München 1959, S. 316 Da stieg plötzlich das Meer, und ein Schwall von erhobenen Wassern Schien in Bergesgestalt sich zu wölben und riesig zu wachsen Und an der obersten Höh’ mit entsetzlichem Brüllen zu bersten, Und ein gehörnter Stier dringt aus den gespaltenen Wogen, Der, sich bis an die Brust aufrichtend in weichende Lüfte, Massen der See ausspeit aus Nüstern und gähnendem Rachen. Diese Beschreibung erinnert an die riesigen Wogen eines Tsunamis, was zu Spekulationen über eine Verbindung der Sage mit dem Ausbruch des Vulkans von Thera im 17. Jahrhundert v. Chr. Anlass bot., Artikel von Volker J. Dietrich aus Neue Zürcher Zeitung, Forschung und Technik, 26. April 2000, Nr. 97.

Das von Poseidon gesandte Untier machte jedenfalls die Pferde des Hippolytos scheu, sodass der Wagen an einen wilden Ölbaum geschleudert und Hippolytos selbst zerschmettert wurde.Vgl. Bibliotheke des Apollodor, Epitome 1,17–19

Manche Fassungen der Sage besagen, dass Phaidra sich erst jetzt, aus Reue, das Leben nahm, und wieder andere lassen Hippolytos überleben, weil Artemis die Intrige aufklärte und Vater und Sohn sich versöhnten, bevor Hippolytos kurz darauf starb. Es wird auch erzählt, dass der Heros auf Artemis’ BitteHyginus, Fabulae 251 von Asklepios wiederbelebt worden sei.Ovid, Metamorphosen 15,533–534; Ovid, Fasti 6,737–756; Hyginus, Fabulae 49; Hyginus, De astronomia 2,14; Pausanias 2,27,4; oder von dem Kentauren Cheiron: Bibliotheke des Apollodor 3,10,8 Danach sei er entweder durch eigene Initiative oder durch das Eingreifen der Artemis nach Italien gelangt und habe dort das Heiligtum der Diana Nemorensis begründet,Pausanias 2,27,4 wo er unter dem Namen Virbius zusammen mit Diana und Egeria von den Latinern verehrt wurde.Vergil, Aeneis 7,761–783; Ovid, Metamorphosen 15,541–544; Ovid, Fasti 6,735–762

Einer anderen Variante nach wurde er als Sternbild, das heute als Fuhrmann () bezeichnet wird, an den Himmel versetzt.Eratosthenes, Katasterismoi 6

Kult Nach Pausanias legte Diomedes für Hippolytos einen Temenos in Troizen an.Pausanias 2,32,1 Zu diesem Bezirk gehörte auch je ein Tempel für Apollon Epibaterios, den „seefahrenden Apollon“, sowie die Aphrodite Kataskopia, die „herabschauende Aphrodite“, da hier Phaidra den Hippolytos zum ersten Mal gesehen haben soll. Außerdem befindet sich noch das Heiligtum von Damia und Auxesia innerhalb des Bezirks. Hippolytos hatte einen auf Lebenszeit berufenen Priester. Bräute oder (nach LukianLukian, De Syria dea 60) Brautpaare weihten dem als Gott verehrten Heros eine Haarlocke. Nach Pausanias wurde Besuchern der Stadt Hippolytos’ Grab sowie der verhängnisvolle Ölbaum gezeigt, an anderer Stelle sagt er, dass kein Grab existiere, da Hippolytos ja an den Himmel versetzt worden sei. Auch Phaidras Grab befand sich hier.Pausanias 2,32,1–4

Auch in Athen wurde das angebliche Grab des Hippolytos gezeigt, das westlich des Asklepieion lag.Pausanias 1,22,1 Weil Asklepios – wie Damia und Auxesia – auch als Geburtsgott galt, darf die Geburt neben der Hochzeit als Zuständigkeitsbereich des Heros Hippolytos gelten.

Hippolytos in der Literatur Wesentliche Quelle des Mythos ist Euripides’ Tragödie Der bekränzte Hippolytos.Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff: Euripides: Hippolytos. Weidmann, Berlin 1891 (griechisch und deutsch). Sein älteres Werk über dasselbe Motiv, Der verhüllte Hippolytos, ist verloren gegangen. Euripides hatte mit diesem Stück vermutlich aber auch wenig Erfolg, da es zu anstößig war. Mit dem jüngeren Werk, Der bekränzte Hippolytos, gewann Euripides den 1. Preis der Dionysien des Jahres 428 v. Chr. Eine Tragödie Phaidra des Sophokles ist verloren. Ovid verwendet den Stoff des Euripides in seinen Heroides, Metamorphosen und Fasti.Ovid, Fasti 3,263–266 und 6,735–762 Seneca verfasste eine Tragödie Phaedra, die Phaidras Schicksal in den Fokus nimmt.

Auf Senecas Phaedra gehen mehrere Dramen des 16. und 17. Jahrhunderts zurück wie Jean Racines Phèdre von 1677.

Von Jean-Philippe Rameau stammt die 1733 uraufgeführte Oper Hippolyte et Aricie.

Siehe auch Fingal Rónáin

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

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