mini|Gefiedertes Laubblatt; man sieht zwischen den drei kurz gestielten, zwei-, dreilappigen Blättchen die Rhachis Kudzu (Pueraria montana), von japanisch kuzu (), ist eine Pflanzenart aus der Gattung Pueraria innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet liegt in Ostasien, China, Japan, Korea. In der Schweiz heißt sie auch Kopoubohne.
Beschreibung mini|links|Wurzelknollen von Pueraria montana mini|Blütenstand mit Schmetterlingsblüten mini|Behaarte Hülsenfrüchte
Vegetative Merkmale Pueraria montana ist eine robuste, linkswindende, kletternde, saisongrüne, ausdauernde, krautige Pflanze, die zum Teil an der Basis verholzt (Liane). Es werden Wurzelknollen als Überdauerungsorgane gebildet, die Längen von 2 Meter, Durchmesser von 18 bis 45 Zentimeter und ein Gewicht von 180 kg erreichen können. Die an den Blattansatzstellen wurzelnden, kletternden Sprossachsen sind behaart, wachsen bis zu 20 Meter pro Jahr und können eine Wuchshöhe von 30 Metern erreichen. Die oberirdischen Pflanzenteile sind gelblich, rau behaart bis grau-braun wollig behaart, im Alter verkahlend. Die Sprossachse erreicht Längen von 30 Metern bei einem Durchmesser von 0,6 bis 2,5, ausnahmsweise bis 10 Zentimeter.
Die wechselständigen und lang gestielten Laubblätter sind dreiteilig gefiedert (Die Blätter sind nicht dreizählig, weil hier eine bis 7 Zentimeter lange, behaarte Rhachis vorhanden ist). Der bis über 20 Zentimeter lange Blattstiel ist behaart, mit einem Pulvinus an der Basis. Die behaarten Blättchenstiele sind bis 1 Zentimeter lang.Cory J. Lindgren, Karen L. Castro, Heather A. Coiner et al.: The Biology of Invasive Alien Plants in Canada. 12. Pueraria montana var. lobata (Willd.) Sanjappa & Predeep. In: Canadian Journal of Plant Science. 93(1), 2013, doi:10.4141/cjps2012-128. Die kurz gestielten Blättchen sind ganzrandig (im Schatten)Pueraria montana var. lobata bei Global Invasive Species Database. bis 2–3-fach gelappt. Die Blättchen sind spitz bis zugespitzt, die Lappen sind teils bespitzt. Das Endblättchen ist bei einer Länge von 7 bis 15 (selten bis über 19) Zentimetern und einer Breite von 5 bis 12 (selten bis über 18) Zentimetern breit-eiförmig. Die beiden seitlichen Blättchen sind schief eiförmig und kleiner als das Endblättchen. Auf der Blattoberseite befinden sich angedrückte gelbliche Haare und die Unterseite ist dichter behaart. Die schildförmigen und schmal ei- bis pfeilförmigenMichael John Haddock: Kansas Wildflowers and Weeds. Univ. Press of Kansas, 2015, ISBN 978-0-7006-2081-4, S. 290. Nebenblätter sind zugespitzt, sie sind grau bis gelblich behaart und gestreift. Die Nebenblättchen sind pfriemlich und meist länger wie die kurzen Blättchenstiele.
Generative Merkmale In China reicht die Blütezeit von Juli bis Oktober. In den achselständigen, 15 bis 30 cm langen, vielblütigen und traubigen Blütenständen stehen in jedem Knoten zwei oder drei Blüten zusammen. Die eilanzettlichen Tragblätter sind kürzer oder länger als die eiförmigen, weniger als 2 Millimeter langen Deckblätter. Es sind kurze, behaarte Blütenstiele vorhanden. Die 2 bis 2,5 cm großen, duftenden Blüten sind zygomorph, fünfzählig und zwittrig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf zottig, gelb behaarten, purpur-violetten Kelchblätter sind 7 bis 20 Millimeter lang und die ungleichen, spitzen bis zugespitzten Kelchzipfel sind länger als der verwachsene, becherförmige Teil. Die fünf Kronblätter sind purpurfarben bis violett oder rötlich. Die Blütenkrone besitzt die typische Form der Schmetterlingsblüten. Die kurz genagelte Fahne ist bei einer Länge von 8 bis 18 Millimetern verkehrt-eiförmig und geöhrt sowie oft mit einem gelben oder grünen Fleck. Die Flügel sind sichelförmig und schmaler als das Schiffchen und besitzen an ihrer Basis linealische Öhrchen. Das Schiffchen ist sichelförmig-länglich mit sehr kleinen, spitzen Öhrchen. Von den zehn Staubfäden sind neun lange verwachsen, jedoch mit deutlich erkennbaren freien oberen Enden. Das einzige, längliche Fruchtblatt ist behaart.
Die braun, borstig behaarte, flache und ledrige, mehrsamige, geschnäbelte Hülsenfrucht am beständigen Kelch ist bei einer Länge von 4 bis 14 Zentimetern und einer Breite von 6 bis 13 Millimetern länglich. In China reifen die Früchte von Oktober bis Dezember. Die abgeflachten, kahlen und bräunlichen Samen sind leicht nierenförmig.
mini|Die invasive Pflanze hat sehr gute Kletter- und Wachstumseigenschaften
Verbreitung Das natürliche Verbreitungsgebiet von Pueraria montana ist im östlichen Indien, in Myanmar, Indochina, China, Korea und Japan, bis Thailand, Malaysia, die Pazifischen Inseln und der Norden Australiens.
1876, zur Centennial Exhibition in Philadelphia, wurde Pueraria montana erstmals in die USA eingeführt. Von 1935 bis Mitte der 1950er Jahre wurden Landwirte im Süden der USA zum Anbau ermutigt, sowohl als Erosionsschutz auf landwirtschaftlichen Feldern, die durch die intensive Baumwollproduktion ausgelaugt waren, als auch als Futter für das Vieh. Heute ist Pueraria montana in allen Bundesstaaten im Südosten und in Oregon, Washington und Hawaii im Westen der USA verbreitet.
Auch in Panama, der Karibik und Sierra Leone in Afrika ist ein Auftreten von Pueraria montana beschrieben, in Mexiko tritt Pueraria montana var. lobata auf.
In Europa findet sich Kudzu an mehreren Wuchsorten in warmen Lagen am Lago Maggiore und am Lago di Lugano (Schweiz und Italien). Das invasive Potenzial der Pflanze wurde weitgehend unterschätzt. Die Pflanze besiedelt Gärten, Straßenböschungen und Seeufer. Wo sie auftritt, erstickt sie ganze Bäume. Ihr Vorhandensein hat erhebliche negative Auswirkungen auf die Unterhaltungskosten der Infrastruktur, die Artenvielfalt und die Schutzfunktion des Waldes.
Standortbedingungen Kudzu gedeiht in Regionen mit milden Wintern (Wintertemperaturen von 4 bis 16 °C) und warmen Sommern (mehr als 27 °C) mit hohen Jahresniederschlägen von über 1000 Millimeter. Er gedeiht am besten auf tiefgründigen, lehmigen Böden, die nicht vernässt sind. Kudzu ist eine Lichtpflanze, wächst aber auch im Halbschatten aufgelichteter Wälder. Da sie, wie viele Leguminosen, Luftstickstoff fixieren kann, erreicht sie auch auf nährstoffarmen Böden gute Wuchsleistung. Die Laubblätter sind sehr frostempfindlich.Zhenyu Li, Quan Dong, Thomas P. Albright, Qinfeng Guo: Natural and human dimensions of a quasi-wild species: the case of kudzu. Biological Invasions, 13, 2011, S. 2167–2179, doi:10.1007/s10530-011-0042-7.
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind für Pueraria lobata in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3 (mäßig feucht), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 5 (sehr warm-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 1 (ozeanisch).
Natürliche Feinde mini|Megacopta cribraria Die Wanzenart Megacopta cribraria ernährt sich neben zahlreichen anderen Pflanzen insbesondere von Kudzu. In dessen Feldern behindert sie zwar dessen Wachstum, da die Tiere vor allem aber auch in allen angrenzenden Nicht-Kudzu-Feldern, wie z. B. an Sojabohne, außerhalb der natürlichen Heimat ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln das Pflanzenwachstum stark beeinträchtigen, ist die Gefahr groß, dass sich dort wiederum Kudzu vermehrt ausbreitet. Der Kudzu selbst schützt sich vor allem durch seine große Regenerationsfläche und sein nährstoffspeicherndes Wurzelsystem. Megacopta cribraria spielte bis zum Jahr 2009 in den USA keine besondere Rolle, danach gab es jedoch eine regelrechte Invasion, die immer mehr Bundesstaaten im Südosten der USA erfasste. Bekanntheit erlangten die Wanzen vor allem dadurch, dass sie zeitweise in Massen auftreten und dann Schwärme der Insekten ganze Hauswände bedecken können..
Systematik Pueraria montana gehört in die Gattung Pueraria in der Subtribus Glycininae aus der Tribus Phaseoleae in der Unterfamilie der Faboideae innerhalb der Familie der Fabaceae.
Die Erstveröffentlichung erfolgte 1790 unter dem Namen (Basionym) Dolichos montanus durch João de Loureiro in Flora Cochinchinensis, Band 2, S. 440–441. Den Namen Pueraria montana hat sie 1935 von Elmer Drew Merrill in Transactions of the American Philosophical Society, new series, Band 24 (2), S. 210 erhalten. Es gibt eine große Zahl von weiteren Synonymen. In europäischen Veröffentlichungen wird sie oft unter den Synonymen Pueraria lobata bzw. Pueraria lobata var. montana aufgeführt.Ma Jin-Shuang: Nomenclatural Notes on Alien Vascular Plants in North America Originated from East Asia. In: Acta Botanica Yunnanica, Volume 32, Issue 1, 2010, S. 14–24, doi:10.3724/SP.J.1143.2012.12016, online auf researchgate.net. Diese gehen auf einen Irrtum in der Gattungsrevision von L.J.G. van der Maesen zurück.
Von Pueraria montana werden oft, beispielsweise in der Flora of China 2010, drei Varietäten angegeben: Pueraria montana var. lobata (Syn.: Dolichos hirsutus , Dolichos lobatus , Neustanthus chinensis , Pachyrhizus thunbergianus , Pueraria hirsuta , Pueraria lobata , Pueraria lobata var. chinensis , Pueraria pseudohirsuta , Pueraria thunbergiana , Pueraria triloba ): Sie hat mittelgroße Blüten, Blütenkrone 12 bis 20 Millimeter mit abstehender, brauner Behaarung, und mittelgroße bis große Früchte (5 bis 13 Zentimeter), die Blätter sind überwiegend dreiteilig, gelegentlich aber einige ungeteilt. Pueraria montana var. montana (Syn.: Dolichos montanus , Glycine javanica , Pueraria lobata var. montana , Pueraria omeiensis , Pueraria tonkinensis ): Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 22. Pueraria montana var. thomsonii (Syn.: Pueraria lobata var. thomsonii , Pueraria montana var. chinensis auct., Pueraria thomsonii ): Sie hat große Blüten (Corolla mindestens 18, meist mehr als 20 Millimeter) der Kelch mit anliegender grauer Behaarung, Früchte von 8 bis 13 Zentimeter Länge und immer dreiteilige Blätter. Die var. montana hat kleine Blüten (Blütenkrone 12 bis 15 Millimeter), einen Kelch mit kurzer, wolliger brauner Behaarung oder einen kahlen Kelch, Früchte von 4 bis 10 Zentimeter und überwiegend ungeteilte Blätter.
Die Berechtigung der Varietät Pueraria montana var. lobata wurde von wenigen Taxonomen bezweifelt, sie gilt bei ihnen als Synonym der Typusvarietät. Die Varietät Pueraria montana var. thomsonii wird hingegen von wenigen, vor allem pharmakologischen, Bearbeitern in den Artrang erhoben. Beide wurden 2005 anhand der Inhaltsstoffe differenziertRen-Wang Jiang, Kit-Man Lau, Hung-Ming Lam et al.: A comparative study on aqueous root extracts of Pueraria thomsonii and Pueraria lobata by antioxidant assay and HPLC fingerprint analysis. In: Journal of Ethnopharmacology. Volume 96, Issues 1–2, 2005, S. 133–138, doi:10.1016/j.jep.2004.08.029..
mini|Nudeln aus Kudzu aus der Japanischen Küche mini|Kuchen aus Kudzu
Nutzung Auf pazifischen Inseln, besonders Neuguinea und Neukaledonien, wurde Pueraria montana „vor langer Zeit“ eingeführt und als Nahrungspflanze kultiviert. Sie wird hier aber heute nur noch als Notnahrung oder zu besonderen Anlässen verzehrt.
Eine Besonderheit von Pueraria montana ist ihr hoher Kalorienanteil, mehr als etwa Kartoffeln. Auch ihre Blätter sind essbar, was sie zu einem wichtigen Grundnahrungsmittel macht. Die Blätter eignen sich sehr gut als Weidefutter für Schafe und Ziegen.
In der Diskussion ist auch eine künftige Nutzung zur Bioethanolgewinnung. Es wird geschätzt, dass sich aus einem Hektar je nach klimatischen Bedingungen 1–9 Tonnen von vergärbaren Kohlenhydraten in Form von Glucose, Saccharose und Stärke gewinnen lassen.