Zuchwil (im lokalen Dialekt Zuchwiu oder kurz Zuchu) ist eine politische Gemeinde im Bezirk Wasseramt des Kantons Solothurn in der Schweiz.

Zuchwil ist ein Vorort der Stadt Solothurn und gilt gemäss Bundesamt für Statistik seit 2024 selbst als Stadt. Bevölkerungsmässig ist Zuchwil nach Solothurn, Olten und Grenchen die viertgrösste Gemeinde und dementsprechend die kleinste Stadt des Kantons. Mit Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2023) ist es die grösste Gemeinde des Bezirks Wasseramt, bei einer eher unterdurchschnittlichen Flächendimension von 4,67 km². Mit 44,94 Prozent ausländischen Staatsangehörigen (2023) hat Zuchwil den zweithöchsten Ausländeranteil (nach Dulliken) im Kanton Solothurn und einen der höchsten schweizweit.

Geographie mini|Luftbild (1953) Die angrenzenden Nachbargemeinden Zuchwils sind Luterbach, Derendingen, Biberist, Feldbrunnen-St. Niklaus, Riedholz sowie die Stadt Solothurn. Dabei bildet die Aare eine natürliche Grenze nach Norden zu Solothurn, Feldbrunnen-St. Niklaus und Riedholz, während der Lauf der Emme der östlichen Grenze nach Luterbach und Derendingen entspricht. Der am weitesten nördlich liegende Punkt Zuchwils ist somit der Zusammenlauf der Emme mit der Aare am sogenannten Emmenspitz. Die Südgrenze nach Biberist bilden weitgehend der Birchi- und der Dittiberg-Wald, je an ihrer Südseite. Westlich zur gleichen Gemeinde spielen die Bahnlinie RBS und wichtigere Strassenzüge die Hauptrolle, was darauf hindeutet, dass diese letztere Grenzziehung nicht sehr alt ist. Deutlich älter ist hingegen der relativ kurze Grenzabschnitt zu Solothurn: Die Gleisanlagen des neuen Solothurner Hauptbahnhofs wurden 1886 bis auf Zuchwiler Gemeindegebiet herübergezogen. Die dortige Grenze scheint, als Ergebnis der Ausscheidung von Weide- und Ackerrechten zwischen Solothurner und Zuchwiler Bauern, seit Jahrhunderten zu bestehen,.

Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung 1965–2010

Nationale Herkunft Per 31. Dezember 2023 hatte Zuchwil 9520 Einwohner. 55,06 % davon hatten eine Schweizer, 44,94 % eine ausländische Herkunft. Damit ist Zuchwil eine der Schweizer Gemeinden mit dem höchsten Anteil an Menschen mit ausländischer Nationalität. Im Genaueren verteilen sich die prozentualen Anteile wie folgt:

Italien: 6,37 % Türkei: 4,41 % Serbien: 3,82 % Deutschland: 3,45 % Kosovo: 3,33 % Nordmazedonien: 2,32 % Sri Lanka: 2,22 % Kroatien: 1,72 % Eritrea: 1,69 % weitere 81 Nationen: 15,61 %

Politik Gemeindepräsident Gemeindepräsident ist seit 2021 Patrick Marti (SP). Damit stellt die SP nun bereits seit über 50 Jahren den Gemeindepräsidenten.

Gemeinderat

Der Gemeinderat (Exekutive) besteht inklusive des Gemeindepräsidenten aus 11 Mitgliedern (bis 2017: 23 Mitglieder). Für die sechs letzten Amtsperioden ergaben sich folgende Wahlergebnisse:

Partei2021–20242017–2020 2013–2016 2009–2012 (PDF; 2,0 MB)Aargauerzeitung: Gemeinderatswahlen – Bezirke Lebern, Bucheggberg und Wasseramt   2005–2008, auf zuchwil.ch   2001–2004  Sozialdemokratische Partei 3 4 8 8 10 9 Christlichdemokratische Volkspartei 3 1 3 3 3 3 FDP.Die Liberalen(bis 2009 Freisinnig-Demokratische Partei) 2 3 5 6 / (5) 7 9 Grüne und Bunte 2 1 2 2 2 2 Schweizerische Volkspartei 1 2 4 4 1 0 Grünliberale Partei 0 0 1 0 / (1) 0 0 fettschrift = Meiste Sitze der jeweiligen Amtsperiode

Gemeindeversammlungen Die ordentlichen Gemeindeversammlungen finden zweimal jährlich jeweils im Juni/Juli und im Dezember statt. Während der letzten zehn Jahre kam es nur ein einziges Mal zu einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung, als im Januar 2009 über eine Ersatz-Tragkonstruktion und ein neues Dach für die Eishalle des Sportzentrum Zuchwil abgestimmt wurde. (PDF; 64 kB) Die Gemeindeversammlung findet meistens in der Turnhalle des Pisoni-Schulhauses statt.

Besonders die Gemeindeversammlung vom 25. Oktober 1966 sorgte einige Jahre für Schlagzeilen im Kanton. Der in dieser Gemeindeversammlung genehmigte Bebauungsplan "mittleres Blumenfeld" wurde vom kantonalen Regierungsrat verweigert. 1967 bekam der Regierungsrat vom Bundesgericht Recht zugesprochen, da dieser auf Gesetz gestützt und in verhältnismässigem Rahmen die Gemeindeautonomie einschränken dürfe.Bundesgerichtentscheid (BGE) 93|427

Partnergemeinde Partnergemeinde von Zuchwil ist Saas Balen (VS).

Wirtschaft und Infrastruktur Unternehmen Aktuell mini|Islerschale, GartenHaus Wyss Ausgleichskasse des Kantons Solothurn (AKSO) Helion Energy AG Itema Ltd., frühere Sultex, Sulzer Textil, siehe: Sulzer AG Robert Bosch AG (respektive Scintilla AG) Schaerer AG, Getränkeautomaten-Herstellung SwissQual AG, Tochter von Rohde & Schwarz, Testsysteme für Mobilfunknetze Synthes Holding AG, Medizinaltechnik, Entwicklung von Implantaten und Verwaltungssitz für Europa, Naher Osten und Afrika.Solothurner_Zeitung, 14. Juni 2012, S. 22. Wyss Samen und Pflanzen AG

Ehemalig Bis zu ihrem Umzug 2025 nach Solothurn war in Zuchwil eine Betriebswerkstätte der VEBO, einer Einrichtung zur beruflichen und sozialen Eingliederung von Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

Kantonale Bedeutung des Standorts Zuchwil Zuchwil stellt zudem einen Standort von kantonaler Bedeutung dar. So haben beispielsweise die Ausgleichskasse des Kantons Solothurn (AKSO), die in der AKSO integrierte Invalidenversicherungsstelle sowie der Solothurner Fussballverband ihren jeweiligen Sitz in Zuchwil.

Klimaschutz – Energiestadt Gold Zuchwil setzt sich aktiv für den Klimaschutz ein und ist seit 2016 stolze Trägerin des Labels Energiestadt GOLD. Das Label Energiestadt GOLD ist die höchste Auszeichnung für Städte und Gemeinden, die sich kontinuierlich für eine effiziente Nutzung von Energie, erneuerbare Energien und Klimaschutz engagieren und besonders hohe Anforderungen erfüllen.

Verkehr Seit 1971 liegt in Zuchwil, neben dem Birchi-Center, ein Autobahnanschluss, der während rund drei Jahrzehnten den Abschluss der Teilstrecke A5 zwischen Zuchwil und der Verzweigung Luterbach an der A1 bildete. Somit diente diese Teilstrecke zunächst als Autobahnzubringer für den Verkehr von und nach Solothurn. Von der als "Solothurn-Ost" bezeichneten Autobahnabfahrt wurde der Verkehr auf der Luzernstrasse über eine Brücke direkt nach Solothurn geleitet, so dass der Dorfkern vom Transitverkehr verschont blieb. Nach der Eröffnung des Autobahnabschnitts zwischen Zuchwil und Lengnau am 18. April 2002, war Solothurn durch die beiden Anschlüsse "Solothurn-Süd" und "Solothurn-West" erschlossen und der Transitverkehr durch Zuchwil entfiel.

Der Zuchwiler Nahverkehr wird durch vier Buslinien von Busbetrieb Solothurn und Umgebung (BSU) gewährleistet, die zwölf Bushaltestellen bedienen.

Bis 1991 fuhren Regionalzüge von Solothurn nach Herzogenbuchsee, danach entstanden die Buslinien 5 und 7. Die erste Bahnhaltstelle nach Solothurn war Scintilla, eine Bahnhaltestelle nur für Fabrikmitarbeiter, an welcher die Züge nur zu bestimmten Zeiten hielten.

Linie Strecke 1 Oberdorf – Solothurn Bahnhof – Zuchwil – Derendingen – Kriegstetten – Recherswil 4 Rüttenen – St. Niklaus – Solothurn Amtshausplatz – Solothurn Bahnhof – Zuchwil 5 Solothurn Brühl – Solothurn Amthausplatz – Solothurn Bahnhof – Zuchwil – Etziken – Bolken – Aeschi – Herzogenbuchsee 6 Solothurn Sonnenpark – Solothurn Postplatz – Solothurn Bahnhof – Zuchwil – Biberist RBS 7 Solothurn Brühl – Solothurn Amthausplatz – Solothurn Bahnhof – Zuchwil – Etziken – Aeschi – Bolken – Herzogenbuchsee 9 Solothurn Amtshausplatz – Solothurn Bahnhof – Zuchwil – Luterbach

Bushaltestelle Linien Aarmatt 4,6,9 Amselweg 4 Birchi 6 Buchenweg 6 Juraplatz 4,6,9 Kornfeld 1,5,7 Martinshof 6 McDonalds 1,5,7 Rainstrasse 6 Sportzentrum 4 Unterfeld 4,9 Zentrum 6

Zuchwil besass bis 1991 auf der Bahnstrecke Solothurn–Herzogenbuchsee einen eigenen Bahnhof, nämlich die Bahnhaltestelle Scintilla, eine Bahnhaltestelle nur für Fabrikmitarbeiter, an welcher die Züge nur zu bestimmten Zeiten hielten. Infolge Schliessung dieser Strecke wurde der Bahnhof abgerissen. Das Gleis ist heute wieder für die Ausbaustrecke Solothurn–Wanzwil in Gebrauch. Des Weiteren führen die Bahnstrecke Olten–Solothurn und eine Strecke des Regionalverkehr Bern-Solothurn durch Zuchwil.

Regionale Infrastrukturanlagen Es gibt in Zuchwil viele Infrastrukturanlagen von regionaler Bedeutung, beispielsweise die Abwasserreinigungs- und Kehrichtverbrennungs-Anlagen an der Emmenspitz, den Gasspeicher in der Aarmatt sowie die Garage der BSU im Gewerbegebiet Waldegg.

Geschichte Bronzezeit (etwa um 1000 v. Chr.) – Metallfunde einer Siedlung im jetzigen EmmenschachenZuchwil, Spiegelbilder eines Wasserämter Dorfes, Nr. 1, 1987. Ältere Eisenzeit (Hallstattzeit) – Eine Siedlung besteht am Rande von Birchi, an der jetzigen oberen Bühlstrasse. Im Birchiwald gibt es eine Befestigung. Jüngere Eisenzeit (La Tène-Zeit) – Im nördlichen Emmenschachen, in der Nähe einer Verteidigungsanlage, wurde ein Schwert gefunden. Römerzeit (58 v. Chr.–400 n. Chr.)- Eine Römerstrasse verläuft vom Bucheggberg und von Solothurn ostwärts durch Zuchwil. Am Ort der jetzigen katholischen Kirche, gibt es eine Villa Rustica mit 44 m langem Hauptgebäude. Der Hof steht in einem Strassendorf mit mindestens vier weiteren Villen. Viele Dorfbewohner sind wahrscheinlich Kaufleute und Veteranen aus dem Vicus in Solothurn. Völkerwanderungszeit (400–700) – Nach dem Rückzug der Römer besetzten die romanisierten aber germanischen Burgunder das Gebiet. Aus dieser Zeit gibt es bei der jetzigen katholischen Kirche Gräber mit Beigaben. Später nahmen Alemannen von der Gegend Besitz. Um sich besser gegen kriegerische Angriffe zu schützen, befestigten sie den Hügel Birchi (alemannisch für "geschützter Platz"). ca. 1000 – Zuchwil wurde in denjenigen Akten des geistlichen Solothurner St. Ursenstifts, die erhalten geblieben sind, erstmals erwähnt. Das Stift hatte die Grundherrschaft über die hier lebenden zehntpflichtigen Bauernfamilien. Der Name bedeutet beim Gehöft des Zucho. Territorial gehörte das Dorf zum Königreich Hochburgund. 1454 – Die erste Brücke über die Emme wurde erbaut. Zuvor gab es nur einen Steg; Fuhrwerke mussten den Fluss durchqueren. 1850 – Hungerjahre brachen aus – nicht zum ersten Mal, aber hier erneut, auch nach dem Sturz des aristokratischen Regiments im Kanton durch die Liberalen im Jahr 1830. 1871 – Die ersten Steuern wurden eingezogen, nachdem die moderne Gemeindeform heutigen Zuschnitts eingeführt worden war. In früheren Zeiten mussten die Leute Fronarbeit verrichten und dem erwähnten St. Ursen-Stift Zehnten und Zinsen abliefern. 1875 – Die Solothurner Actienbrauerei baute eine Brauerei an der Rainstrasse in Zuchwil.Zuchwil, Spiegelbilder eines Wasserämter Dorfes, Nr. 3, 1996. Im Jahre 1907 arbeiteten dort 20 Leute. (PDF; 725 kB) Die Brauerei wurde 1922 geschlossen.Wolfgang Wagmann (2011) 1885 – Einem Grossbrand fallen mehrere Gebäude zum Opfer. Dennoch ist der alte Dorfkern südöstlich der Martins-Kirche auch heute noch relativ gut erkennbar, mit einzelnen Riegelhäusern und anderen älteren Häusern, z. B. mit Baujahr 1845 1900 zählte Zuchwil 1100 Einwohner und war damit nur das viertgrösste Dorf im Wasseramt (das grösste war damals Derendingen). Erst danach siedelte sich Industrie an, die durch eine vom Stimmvolk beschlossene restriktive Bodenpolitik Solothurns sowie durch die Bahnhof-Nähe angezogen wurde. 1939 – "Die Männer von Zuchwil" – eine Resolution gegen nationalsozialistische Umtriebe im Dorf wurde verabschiedet.