mini|Farid Hafez (2010) Farid Hafez (* 23. Dezember 1981 in Ried im Innkreis) ist ein österreichischer Politikwissenschaftler. Er ist derzeit Associate Teaching Professor am College of William & Mary in Williamsburg, Virginia, in den USA. Zu seinen Themenschwerpunkten zählen Religion und Rassismus, insbesondere die Islamophobieforschung.
Leben Hafez verbrachte seine Kindheit und Schulzeit in Oberösterreich. Hafez war von 1998 bis 2007 in der Muslimischen Jugend Österreichs aktiv.
In den Jahren 2002 bis 2009 studierte Hafez Politikwissenschaft an der Universität Wien und schloss dieses Studium mit Promotion ab. 2008 schloss er zudem ein Masterstudium im Fach Politische Bildung an der Donau-Universität Krems und der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt ab. Von 2014 bis 2021 war Hafez Post-Doc an der Universität Salzburg. 2019 wurde Hafez im Fach Politikwissenschaft an der Universität Salzburg habilitiert. Im Jahr 2017 hatte er eine Fulbright-Professur an der University of California am Center for Race and Gender. Seit 2017 ist er „Non-Resident Senior Researcher“ der Bridge Initiative der Georgetown University in Washington, DC. Von 2021 bis 2024 war er Gastprofessor für International Studies am Williams College in Williamstown, Massachusetts. Er ist derzeit „Associate Teaching Professor of International Relations“ am College of William & Mary in Williamsburg, Virginia.
Hafez gehört der Affiliated Faculty des Islamophobia Research and Documentation Project der University of California, Berkeley, an.
Im Studienjahr 2022/23 war Hafez „Teaching Fellow in Human Rights“ am St. Francis College in New York City.
Forschungsschwerpunkte Hafez forscht im Bereich Rassismus, Politik und Religion/Islam sowie Rechtspopulismus. Eines seiner Hauptthemen ist die Islamophobieforschung. Hafez ist Herausgeber des seit 2010 erscheinenden Jahrbuchs für Islamophobieforschung. Seit 2015 gibt er mit ca. 40 weiteren Akademikern den European Islamophobia Report herausEditors. In: islamophobiaeurope.com. Abgerufen am 7. März 2026 (englisch)., der seit 2020 von einer Reihe an US-amerikanischen Universitäten wie der University of California, Berkeley, der Rutgers University und dem Leopold Weiss Institute veröffentlicht und gesponsert wird. 2014 untersuchte er im Rahmen eines Forschungsaufenthalts an der Columbia University in New York City Hip-Hop als Jugendkulturaustausch zwischen Europa und den USA. Er forschte zu muslimischen Jugendbewegungen in Europa.
Seine Dissertation mit dem Titel Islamophober Populismus (Betreuer: John Bunzl) erschien 2010 im deutschen Verlag für Sozialwissenschaften Wiesbaden.u:theses: Islamophober Populismus. Universität Wien, abgerufen am 7. März 2026.
Öffentliche Stellungnahmen Hafez äußert sich regelmäßig in den österreichischen Tageszeitungen wie Der StandardFarid Hafez: Minarettverbot: In Österreich ist man einen Schritt weiter. Das Ja der Schweizer zum Minarettverbot entsetzt die Eliten. In: derStandard.at (Kommentare der anderen). 30. November 2009, abgerufen am 28. Juli 2011. und Die PresseFarid Hafez: Institutionalisierte Islamophobie. In: DiePresse.com. 4. November 2014, abgerufen am 2. Dezember 2014. und tritt als Experte in österreichischen Fernsehtalkformaten wie ATV am Punkt und Puls 4 Talk of Town auf. Er wurde mehrfach im ORF; und von internationalen Medien wie The Washington Post interviewt. Hafez publiziert regelmäßig Gastkommentare auf Al-Jazeera English. Er trat in der Fernsehsendung Im Zentrum im ORF auf.
Hafez kritisiert, dass Muslime in Österreich ein Spielball der Politik seien. Er streicht heraus, dass insbesondere Frauen von der diskursiven Fokussierung auf Muslime betroffen seien. Im Sinne der Intersektionalität von Rassismus streicht er im Zusammenhang mit den Protesten in Charlottesville 2017 etwa heraus, dass der Rassismus dort sich gleichermaßen gegen Schwarze, Muslime und Juden richte. In diesem Sinne warf er auch Viktor Orbán vor, in seiner Kampagne gegen George Soros Antisemitismus und Islamophobie zu bedienen.
Hafez kritisierte das im Jahre 2015 verabschiedete österreichische Islamgesetz scharf. Mitunter stellt es für ihn eine Form „institutionalisierter Islamophobie“ dar. Als 2017 das Integrationsgesetz verabschiedet wurde, kritisierte er auch hier den Diskurs der Regierungsparteien zur Frage des Verbotes des Tragens eines Kopftuchs für Polizistinnen, Staatsanwältinnen und Richterinnen. Er wurde dazu als Experte für die politische Partei NEOS im Verfassungsausschuss angehört. Ebenso positionierte er sich im Zuge der Diskussion über islamische Kindergärten und warf dem Integrationsressort ein Rassismusproblem vor. In einem längeren Interview bezeichnet er den politischen Islam als Relikt des 20. Jahrhunderts.
Hafez trug als Wissenschaftler bei der „Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa“ (OSZE) vor und präsentierte 2015 sowie 2019 die Ergebnisse des Europäischen Islamophobie-Reports im Europäischen Parlament wie auch im Europarat.
Auszeichnungen Im Jahr 2020 erhielt Farid Hafez den Islam on the Edges-Preis vom Center for Islam in the Contemporary World (CICW) an der Shenandoah University in Virginia für seine Forschung zu kolonialer Regierungspraxis der Habsburgermonarchie in Bosnien und Herzegowina.
Für den interdisziplinären Sammelband Islamophobie in Österreich ist er als Mitherausgeber gemeinsam mit dem Nahostexperten John Bunzl mit dem Bruno-Kreisky-Anerkennungspreis für das politische Buch des Jahres 2009 ausgezeichnet worden.
Das österreichische Kulturmagazin the gap wählte Farid Hafez zu einem der 100 Österreicher „mit besonderer Zukunft“.
Gegenpositionen und Kontroversen Armin Pfahl-Traughber bemängelte im Juni 2018 am von Hafez verantworteten Jahrbuch für Islamophobieforschung eine wenig trennscharfe Verwendung des Islamophobiebegriffes, Muslimenfeindlichkeit sei ein geeigneterer Begriff.Armin Pfahl-Traughber: Das „Jahrbuch für Islamophobieforschung“ – mit fehlender Trennschärfe. Humanistischer Pressedienst, 27. Juni 2018, abgerufen am 17. April 2019. Unter anderem Heiko Heinisch kritisierte, mit der Begriffsverwendung werde eine Immunisierung gegen jegliche Kritik am Islam ermöglicht. Heinisch warf Hafez zudem vor, eine politische Agenda zu verfolgen.Helmut Pisecky: Kampfbegriff Islamophobie. Die Presse, 10. Mai 2017, abgerufen am 19. Juni 2017.Historiker: „Der Islam wird nach anderen Kriterien beurteilt.“ kurier.at, 8. Mai 2017, abgerufen am 16. Mai 2017.
Hafez wurde unter anderem von Heinisch und Efgani Dönmez mit dem politischen Islam der Muslimbrüder und des türkischen Präsidenten Erdoğan in Verbindung gebracht.Im Dunstkreis der Muslimbruderschaft? kurier.at, 3. Mai 2015, abgerufen am 16. Mai 2017. Hafez seinerseits hatte dem ehemaligen Grünen und später zeitweiligen ÖVP-Politiker Dönmez zuvor seit 2009 mehrmals „Rassismus“ und „Sexismus“ vorgeworfen. Heinisch wiederum wurde von Hafez für seine „islamophobe Haltung“ kritisiert. Hafez bezeichnet Heinischs Kritik an einzelnen muslimischen Personen und Einrichtungen als „Kriminalisierungsstrategie“. Einen Rechtsstreit gegen die Zeitung Die Welt um die Aussage, er habe Verbindungen zur Muslimbruderschaft, gewann Hafez.
Im Oktober 2019 wurde der von Farid Hafez und Enes Bayrakli herausgegebene European Islamophobia Report unter anderem in der Zeitung Die WeltVgl. für das Folgende: durch Personen, die im Bericht für die Verbreitung antimuslimischer Positionen verantwortlich gemacht wurden, kritisiert. Dem Report wurde einerseits die Mitherausgeberschaft der „Stiftung für politische wirtschaftliche und gesellschaftliche Forschung“ (Seta) in Ankara vorgehalten, die enge Verbindungen zur türkischen Regierungspartei AKP habe und „ausdrücklich Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung nehmen und politische Debatten beeinflussen will“.Türkisches Institut Erdogans Abwehreinheit gegen liberale Muslime in Berlin. Tagesspiegel, 4. Apr. 2019 Auch wurde kritisiert, dass der Report auch viele theologisch reformorientierte Muslime wie Seyran Ates, Saïda Keller-MessahliSchweizer Menschenrechtsaktivistin Keller-Messahli wird als islamfeindlich denunziert. Neue Zürcher Zeitung, 26. Okt. 2019 oder den Münsteraner Theologen Mouhanad Khorchide sowie säkulare Kritiker des politischen Islam in Europa wie die Frankfurter Professorin Susanne Schröter wegen ihrer „Islamophobie“ anprangere und sie in eine Reihe mit Rassisten und Rechtsextremen stelle. Der EU wurde vorgeworfen, mit rund 126.000 Euro an der Erstellung und Herausgabe beteiligt zu sein. Gegen ihre Erwähnung im European Islamophobia Report reichte Saïda Keller-Messahli am 12. November 2019 Klage gegen die Verfasser der Studie ein.„Mit Rechtsextremen in einem Topf – Die Schweizer Islamkritikerin Saïda Keller-Messahli klagt gegen einen von der EU finanzierten Bericht, der sie als islamophob bezeichnet. Sie hat recht“, Tagesanzeiger, 13. Nov. 2019
In Österreich kritisierte im November 2019 unter anderem Mouhanad Khorchide in einem Gastkommentar in der Tageszeitung Die Presse die Vorgehensweise der Herausgeber des Reports, Personen, die Kritik am Politischen Islam geübt haben, Islamophobie zu unterstellen.https://www.diepresse.com/5898835/sind-wir-nicht-schon-laengst-auf-den-politischen-islam-hereingefallen In weiterer Folge kritisierte auch der österreichische Politikwissenschaftler Arno Tausch ebenfalls in einem Gastkommentar in Der Presse Hafez’ dafür, in seinen Werken den Politischen Islam zu verniedlichen, zu verkleinern und zum Teil zu verschönern.https://www.diepresse.com/5902139/politischer-islam-und-terror-eine-replik-zu-farid-hafez
Zahlreiche Tageszeitungen in Österreich gaben Hafez Gelegenheit, sich zu den Vorwürfen gegen ihn im Zusammenhang mit dem European Islamophobia Report zu äußern.
Hafez trat im Rahmen der Antirassismus- und Diversitätswoche des Europäischen Parlaments, die von mehreren Abgeordneten zum Europäischen Parlament veranstaltet wurde, am 22. März 2023 auf, wo er zum Thema Justiz und Rassismus sprach.
„Operation Luxor“ Am 9. November 2020 kam es in Österreich zu einer – nachträglich vom Oberlandesgericht Graz als rechtswidrig beurteilten – Razzia mit dem Namen „Operation Luxor“ gegen vermeintliche Anhänger der Muslimbruderschaft in Österreich. Hafez war als einer der über 70 Verdächtigen von dieser Razzia betroffen gewesen.Gerald Stoiber: „“, Salzburger Nachrichten, 13. Nov. 2020 Im Januar 2023 wurde das Verfahren aufgrund des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung eingestellt.
Unmittelbar nach der Razzia veröffentlichte Hafez einen Blogbeitrag, in welchem er die Glaubwürdigkeit der österreichischen Vergangenheitsbewältigung in Zweifel zog, weil die Razzia am Jahrestag der Novemberpogrome 1938 stattfand, und ausführte, die österreichische Regierung gehe eindeutig in eine totalitäre Richtung, weil sie den Islam und religiöse Praktiken kriminalisiere und die Meinungsfreiheit zu unterbinden trachte. Dieser Blogbeitrag stieß auf Kritik, unter anderem vonseiten des österreichischen Innenministers Karl Nehammer und der Integrationsministerin Susanne Raab. Die Kritik wurde damit begründet, dass Hafez’ Blogbeitrag die Anti-Terror-Razzia mit den Novemberpogromen gleichsetze und damit den Holocaust verharmlose, was Ausdruck einer anti-demokratischen Haltung sei. Die Universität Salzburg als damaliger Arbeitgeber Hafez’ distanzierte sich daraufhin von ihm. Ein Personenkomitee prominenter Akademiker, welches sich zur Unterstützung Hafez’ gebildet hatte, kritisierte hingegen die Razzia als „einen Einschüchterungsversuch gegen einen anerkannten Wissenschaftler, der bereits zweimal gerichtlich die ihm nun wieder unterstellten Beschuldigungen aus dem Weg geräumt hat und die Verfahren beide Male in zweiter Instanz gewonnen hat“.
Drei Jahre nach der Operation Luxor, im Januar 2024, veröffentlichte Hafez ein Buch mit dem Titel Operation Luxor: Eine kritische Aufarbeitung der größten rassistischen Polizeioperation Österreichs.
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