mini|Schematische Darstellung der Ausdehnung unterschiedlicher Formen der Hysterektomie mini|Gefäßversorgung der Gebärmutter und der Adnexe

Als Hysterektomie (von ‚Gebärmutter, Mutterleib‘, etymologisch verwandt mit lateinisch uterus und „Hysterie“, sowie ektomē ‚Abschneiden, Ausschneiden‘) bezeichnet man die operative Entfernung der Gebärmutter. Synonym ist die Bezeichnung Uterusexstirpation (von ‚Gebärmutter‘ und exstirpare ‚ausreißen‘, ‚beseitigen‘). Werden zusätzlich die Eileiter und die Eierstöcke entfernt, wird der Eingriff als Hysterektomie (mit ein- oder beidseitiger) Adnektomie (oder Adnexektomie) bezeichnet. In der Veterinärmedizin werden reine Hysterektomien praktisch nie durchgeführt, weil sie häufig zu schweren Komplikationen führen. Hier kommt meist eine Ovariohysterektomie zum Einsatz.

Der Begriff der Totalexstirpation grenzt dabei die vollständige Entfernung der Gebärmutter (totale Uterusexstirpation, früher auch Uterusamputation) gegen die subtotale oder auch suprazervikale Uterusexstirpation ab, bei welcher der Gebärmutterhals (Zervix) erhalten bleibt. Oft wird die vollständige Entfernung der Gebärmutter auch als Totaloperation bezeichnet. Der Begriff ist jedoch hinsichtlich des Ausmaßes der Hysterektomie nicht klar definiert, daher missverständlich, und sollte vermieden werden.

In der Gynäkologie ist die Hysterektomie ein häufiger Eingriff, der etwa beim Uteruskarzinom, aber überwiegend bei gutartigen Uteruserkrankungen durchgeführt wird.

Indikationen mini|Deutlich vergrößerte Gebärmutter mit mehreren Myomen

Eine Entfernung der Gebärmutter wird aus vielen verschiedenen Gründen durchgeführt. Dabei stellen gutartige Erkrankungen, wie gutartige Tumoren, und funktionelle Erkrankungen, wie schwerwiegende Menstruationsunregelmäßigkeiten, 90 Prozent der Indikationen für eine Hysterektomie dar.D. T. Rein, T. Schmidt, M. Fleisch, R. Wagner, W. Janni: Multimodale Behandlung des Uterus myomatosus. In: Frauenarzt. 50, 2009, S. 752–758. (PDF; 520 kB)A. Taran, G. Gaffke, M. Rüsch, H. Heuer, B. Hosang, J. Ricke, S.-D. Costa: Die moderne multimodale Therapie des Uterus myomatosus: Wann ist eine Hysterektomie indiziert? In: Ärzteblatt Sachsen-Anhalt. 19, 2008, S. 38–45. Insgesamt sind in 38,7 Prozent aller Hysterektomien ein Uterus myomatosus, in 17,1 Prozent eine Endometriose und in 14,5 Prozent ein Uterusprolaps der Grund für eine solche Operation.

9,4 Prozent der Hysterektomien erfolgten bis 2008 wegen einer bösartigen Erkrankung, wie einem Karzinom des Gebärmutterhalses, des Gebärmutterkörpers oder der Eierstöcke. Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut waren bei drei Prozent der Patientinnen Grund für die Operation.M. Thill, A. Hornemann, D. Fischer, K. Diedrich, C. Altgassen: Vaginale und abdominale Hysterektomie. In: Gynäkologe. 41, 2008, S. 328–336. doi:10.1007/s00129-008-2130-z

Außerdem kann eine Hysterektomie bei schweren Verletzungen oder Entzündungen der Gebärmutter und im Falle unstillbarer Blutungen nach einer Geburt erforderlich sein.C. Yaman, J. Reist, F. Wutzlhofer, G. Tews: Gasbrand im Wochenbett. In: Geburtsh Frauenheilk. 60, 2000, S. 169–171. doi:10.1055/s-2000-5916P. Husslein: Postpartale Blutungen. In: Gynäkologe. 30, 1997, S. 769–774. doi:10.1007/s001290050181Christina A. Rossi, Richard H. Lee, Ramen H. Chmait: Emergency Postpartum Hysterectomy for Uncontrolled Postpartum Bleeding: A Systematic Review. In: Obstet Gynecol. 115, 2010, S. 637–644. PMID 20177297. doi:10.1097/AOG.0b013e3181cfc007

In Deutschland war bis 2011 für eine Personenstandsänderung im Rahmen einer Geschlechtsangleichung bei „Frau-zu-Mann Transsexuellen“ eine Hysterektomie Voraussetzung, um die durch das Transsexuellengesetz geforderte dauerhafte Unfruchtbarkeit herzustellen.Beschluss - 1 BvR 3295/07 - des BVerfG vom 11. Januar 2011

Methoden Man unterscheidet zwischen einer einfachen Entfernung der Gebärmutter und erweiterten Operationen wie der schon erwähnten Hysterektomie mit Adnexektomie, der Hysterektomie mit (Beckenboden)-Plastiken und radikalen Operationen bei Krebserkrankungen. Die Wahl der Operationsmethode ist dabei von der Indikation zur Gebärmutterentfernung, nötigen Zusatzeingriffen, der Größe, Form und Beweglichkeit der Gebärmutter, der apparativen Ausstattung der Einrichtung und der Erfahrung des Operateurs abhängig. Die Verwendung von Operationsrobotern hat bei der Hysterektomie bei einer Erhöhung der Kosten keine besseren Operationsergebnisse gebracht.J. D. Wright, C. V. Ananth, S. N. Lewin u. a.: Robotically Assisted vs Laparoscopic Hysterectomy Among Women With Benign Gynecologic Disease. In: JAMA. 309(7), 2013, S. 689–698. doi:10.1001/jama.2013.186

Der Begriff der Totaloperation zur Abgrenzung der vollständigen Entfernung der Gebärmutter (totale Uterusexstirpation) von der subtotalen oder auch suprazervikalen Uterusexstirpation, bei welcher der Gebärmutterhals erhalten bleibt, sollte aufgrund der damit implizierten unterschiedlichen Vorstellungen vom Ausmaß der Operation vermieden werden, da er keine klare Bedeutung hat und von Ärzten und Laien teilweise unterschiedlich, oft missverständlich gebraucht wird.Gisela Lösche: Die Sinnhaftigkeit des Begriffes „Totaloperation“. (1984) In: Paul R. Franke, Matthias David (Hrsg.): Der andere Weg zum gleichen Ziel – Psychosomatische Frauenheilkunde. Ausgewählte Beiträge der Symposien der Ostdeutschen Gesellschaft für Psychosomatische Gynäkologie und Geburtshilfe 1984–1994. akademos Wissenschaftsverlag, Hamburg/Berlin 2002, ISBN 3-934410-34-0.

Hysterektomie bei gutartigen Erkrankungen Es stehen heute verschiedene Operationstechniken zur vollständigen oder teilweisen Entfernung einer Gebärmutter zur Verfügung: Exstirpation durch die Scheide (vaginale Hysterektomie) laparoskopische Hysterektomie (TLH – totale laparoskopische Hysterektomie)D. Dian, B. Rack, C. Schindlbeck, W. Janni, K. Friese: Endoskopische Hysterektomie. LAVH, LASH, TLH und NOTE-AVH. In: Gynäkologe. 41, 2008, S. 343–348. doi:10.1007/s00129-008-2134-8 kombiniert laparoskopisch und durch die Scheide (LAVH – laparoskopisch assistierte vaginale Hysterektomie, vaginal assistierte laparoskopische Hysterektomie)B. Uhl, D. Thiemann-Janßen: Minimal-invasive Operationsmethode bei extrem großen Uteri: vaginal-assistierte laparoskopische Hysterektomie. In: Gyn. 13, 2008, S. 154–156. laparoskopische Entfernung des Gebärmutterkörpers (LASH – laparoskopische suprazervikale Hysterektomie)D. Rein, T. Schmidt: Laparoskopische suprazervikale Hysterektomie (LASH). In: Gynäkologe, 38, 2005, S. 959–967. doi:10.1007/s00129-005-1763-4A. Salfelder, R. P. Lueken, C. Bormann, A. Gallinat, C. P. Moeller, D. Busche, W. Nugent, E. Krueger, A. Nugent, V. Scotland: Die suprazervikale Hysterektomie in neuem Licht. Wiederentdeckung als minimalinvasive Methode. In: Frauenarzt, 44, 2003, S. 1071–1975. mittels Bauchschnitt (Laparotomie) mit Erhalt des Gebärmutterhalses (subtotale – auch suprazervikale – abdominale Hysterektomie) mittels Bauchschnitt ohne Erhalt des Gebärmutterhalses (totale abdominale Hysterektomie)

Bei einer vaginalen Entfernung wird der Gebärmutterhals mit entfernt. Bei laparoskopischen und abdominalen Methoden kann dieser erhalten bleiben. Die gleichzeitige Mitentfernung der Eierstöcke und Eileiter (Adnexe) ist bei laparoskopischem und abdominalem Zugang immer möglich, sollte jedoch nur bei entsprechender Indikation erfolgen. Bei der rein vaginalen Hysterektomie ist eine Entfernung der Adnexe prinzipiell ebenfalls möglich, jedoch zuweilen schwieriger bzw. in Einzelfällen auch nicht durchführbar. Ist die Entfernung notwendig, wird daher meist ein anderer Zugangsweg gewählt. Zur Behandlung einer Senkung der Gebärmutter wird, je nach Ursache, entweder der Weg durch die Scheide oder durch den Bauch gewählt, weil die zusätzlich notwendigen Eingriffe entweder ebenfalls durch die Scheide oder durch den Bauch erfolgen müssen.

Die Zahl der Hysterektomien in Deutschland ist seit vielen Jahren in etwa konstant. 2006 wurden 149.456 Hysterektomien vorgenommen. Davon betrafen 126.743 (84,8 Prozent) gutartige Veränderungen. Vor allem Frauen zwischen dem 40. und dem 49. Lebensjahr waren mit rund 50 Prozent aller Hysterektomien betroffen, Frauen zwischen 50 und 59 machten rund 20 Prozent aus. Damit entfielen fast 70 Prozent auf Frauen in oder um die Wechseljahre.Christine Wolfrum: Vorschnelle Schnitte. In: Apotheken Umschau. 1. Juni 2008. 2007 sank die Zahl der Hysterektomien auf 138.164.Andreas Müller, Falk C. Thiel, Stefan P. Renner, Mathias Winkler, Lothar Häberle, Matthias W. Beckmann: Hysterektomie – ein Vergleich verschiedener Operationsverfahren. In: Dtsch Arztebl., 107, 2010, S. 353–359. doi:10.3238/arztebl.2010.0353. deutsche Version In Deutschland treten, neben der vaginalen, abdominalen und der suprazervikalen Hysterektomie, immer mehr laparoskopische bzw. laparoskopisch assistierte Vorgehensweisen in den Vordergrund.L. Mettler, N. Ahmed-Ebbiary, T. Schollmeyer: Laparoscopic hysterectomy: challenges and limitations. In: Minim Invasive Ther Allied Technol., 14, 2005, S. 145–159.C. Jäger, G. Sauer, R. Kreienberg: Die laparoskopisch assistierte vaginale Hysterektomie – Sinn oder Unsinn. In: Geburtsh Frauenheilk. 67, 2007, S. 628–632. doi:10.1055/s-2007-965243

In skandinavischen Ländern werden zwischen 21 und 36 Prozent der abdominalen Hysterektomien als suprazervikale Hysterektomien durchgeführt. In Dänemark wurde der Anteil an abdominalen totalen Hysterektomien innerhalb von zehn Jahren um 38 Prozent gesenkt. Waren es 1988 noch 173 solcher Eingriffe, wurden 1998 nur noch 107 pro 100.000 Frauen im Jahr gezählt. Der Anteil der abdominalen suprazervikalen Hysterektomien wuchs jedoch im gleichen Zeitraum von 7,5 auf 41 pro 100.000 Frauen im Jahr an. Insgesamt unterzogen sich in diesen zehn Jahren 67.096 Frauen in Dänemark einer Hysterektomie.H. Gimbel, A. Settnes, A. Tabor: Hysterectomy on benign indication in Denmark 1988–1998. A register based trend analysis. In: Acta obstetricia et gynecologica Scandinavica. Band 80, Nummer 3, März 2001, S. 267–272. PMID 11207494. doi:10.1034/j.1600-0412.2001.080003267.x Die theoretischen Vorteile des Erhalts des Gebärmutterhalses, wie ein selteneres Auftreten von Senkungen, Harnentleerungsstörungen und Problemen im Bereich der Sexualität, lassen sich bislang in Studien nicht beweisen. Es bestehen jedoch Vorteile hinsichtlich der Operationszeit, des Blutverlustes und der Komplikationsraten gegenüber der kompletten Hysterektomie. Das Risiko für eine Gebärmutterhalskrebserkrankung am verbliebenen Zervixstumpf ist niedrig und entspricht mit 0,1 und 0,2 Prozent dem Risiko von 0,17 Prozent, ein Karzinom des Scheidenstumpfes nach vollständiger Hysterektomie zu bekommen. Für Länder, in denen keine Früherkennungsprogramme, wie Pap-Test und Kolposkopie, existieren und somit Screeninguntersuchungen vor und nach einer subtotalen Gebärmutterentfernung nicht gewährleistet sind, ist die suprazervikale Hysterektomie trotzdem nicht als Standardoperation oder als breit anzuwendende Alternative zur totalen Hysterektomie zu empfehlen. Hinsichtlich der Patientenzufriedenheit, der Veränderung der Sexualität und des Selbstverständnisses, sich als Frau zu fühlen, lassen sich keine Unterschiede zwischen den Operationsmethoden nachweisen.