Saint-Vaast-la-Hougue ist eine französische Gemeinde und ein Seebad an der Nordostküste der Halbinsel Cotentin mit Einwohnern (Stand ) im Département Manche in der Region Normandie. Sie gehört zum Kanton Val-de-Saire im Arrondissement Cherbourg.
Toponymie Der Ort ist nach dem Heiligen Vedast († 540), Bischof von Arras, benannt. Das Wort „Hougue“ stammt aus dem altnormannischen Hogue mit der Cotentin-Aussprache [u] für [ɔ], ist von dem altnordischen Wort „haugr“ abgeleitet und bedeutet „Hügel“ oder „Höhe“.Old Norse Words in the Norman Dialect (The Vikings in Normandy) Place names derived from the Old Norse words (The Vikings in Normandy)
Der Ort Saint-Vaast-la-Hougue liegt auf der Halbinsel Cotentin in der Landschaft Val de Saire.
Die etwa einen Kilometer vor der Küste liegende, 29 ha große, bei Ebbe mitunter auch zu Fuß erreichbare Insel Tatihou gehört zur Gemeinde Saint-Vaast-la-Hougue. Die Gesamtgemarkung von Saint-Vaast hat eine Größe von 6,63 km².la commune de Saint-Vaast-la-Hougue (INSEE commune file)
Am Südrand des Orts befindet sich das 1694 von Benjamin de Combes (ca. 1649–1710), einem Schüler Vaubans, erbaute Fort de la Hougue, noch heute ein Militärstützpunkt, der nur an wenigen Tagen im Jahre zu Besichtigungen der Öffentlichkeit zugänglich ist.
Der Hafen von Saint-Vaast-la-Hougue wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts ausgebaut. Die große Mole wurde zwischen 1828 und 1845 gebaut, der Kai von 1846 bis 1852. Danach wurden die Wellenbrecher angelegt, um den Hafenbereich abzugrenzen, der bis 1982 zur See hin offen blieb, dann jedoch durch ein Doppeltor zwischen dem Fischerei- und dem 1980 eröffneten Yachthafen (665 Liegeplätze) geschlossen wurde. Beide sind Booten nur bei Flut zugänglich. Das Molenfeuer am Ende der Mole ist seit 1865 in Betrieb. In der Endphase des Zweiten Weltkriegs war der Hafen der erste von den Alliierten im Jahre 1944 eroberte Hafen der Normandie.
Die Bucht von Saint-Vaast-la-Hougue ist von ornithologischer Bedeutung; mehr als hundert verschiedene Vogelarten finden sich dort ein. Führungen werden von der ornithologischen Gruppe der Normandie (GONms) durchgeführt.
Geschichte
mini|links|hochkant|Der „Tour Vauban“ in Saint-Vaast-la Hougue aus 1694 mini|Hafen von Saint-Vaast-la-Hougue mini|Die Kapelle der Seeleute mini|Île Tatihou
Als Edward III. von England im Jahre 1346, in der Anfangszeit des Hundertjährigen Kriegs, seinen Anspruch auf die Krone Frankreichs militärisch durchzusetzen versuchte, landete er am 12. Juli mit einer Invasionsarmee von 15.000 Mann in der Bucht von Saint-Vaast. Von dort aus eroberte er Caen, marschierte durchs nördliche Frankreich und traf am 26. August bei Crécy auf das Heer des französischen Königs Philipp VI., dem er mit seinen Langbogenschützen in der Schlacht bei Crécy eine schwere Niederlage zufügte.
Im Jahre 1692, im Zuge des Pfälzischen Erbfolgekriegs, nach der unentschieden ausgegangenen Seeschlacht vom 29. Mai bei Barfleur, ankerten zwölf französische Linienschiffe in der Bucht von La Hougue und bei der Insel Tatihou. Dort wurden sie am 3. und 4. Juni in einer in England als „Schlacht von La Hogue“ gefeierten Aktion von englischen Brandern angegriffen und vernichtet. Wracks aus dieser Zeit wurden 1990 vom Taucher Christian Cardin entdeckt und 2022 identifiziert.3 Schiffswracks aus Zeit von Ludwig XIV. identifiziert orf.at, 27. August 2022, abgerufen am 27. August 2022.
Um weitere englische Angriffe auf die Bucht zu verhindern, wurden 1694 durch den Festungsbauingenieur Benjamin de Combes auf dem Hügel von La Hougue und auf der gegenüberliegenden Insel Tatihou Festungstürme erbaut. Die beiden Türme sind seit Juli 2008, zusammen mit elf anderen von Vauban erbauten Festungen, als UNESCO-Welterbe registriert. NouvelObs.com, 7. Juli 2008.
Bevölkerungsentwicklung Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007 2018Einwohner 2431 2391 2268 2347 2134 2097 2080 1729
Wirtschaft Die Austernzucht ist ein wichtiger Erwerbszweig der Stadt, mit etwa 250 ha bei Niedrigwasser trocken liegenden Austernbänken. Die Bucht von Saint-Vaast ist die älteste Austernzuchtregion der Normandie.Pascal Leygoute: In: L’Express, 6. Dezember 2004.
Tourismus ist eine zweite wichtige Einnahmequelle. Der Ort hat zahlreiche Hotels, Restaurants und Campingplätze.
Sehenswürdigkeiten Die Kapelle der Seeleute (La chapelle des marins), seit 1952 als Monument historique eingestuft, ist der Chor der 1864 abgerissenen ehemaligen Stadtkirche. Die romanische Rundapsis stammt aus dem 11. Jahrhundert. Die Insel Tatihou, bei Ebbe zeitweise zu Fuß und ansonsten mit einem Amphibienfahrzeug erreichbar, mit dem Vauban-Turm, dem Maritime-Museum im vorgelagerten Fort de l'Ilet, einem botanischen Garten und einem Vogelschutzgebiet. Befestigungsanlagen von La Hougue und Tatihou
Kulturelle Veranstaltungen In Saint-Vaast-la-Hougue findet jährlich im Sommer das Bücher-Festival „Ancres et Encres“ (Anker und Tinte) statt. Im Jahr 2020 musste es wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden.
Persönlichkeiten Max-Pol Fouchet (1913–1980), Schriftsteller, Kunstkritiker und Fernsehjournalist
Städtepartnerschaft Bridport in Großbritannien.
Einzelnachweise
Weblinks
Offizielle Website der Gemeinde (französisch)
Kategorie:Ort in der Normandie Kategorie:Ort mit Seehafen Kategorie:Festungsanlagen von Vauban