Böhlen ist ein Ortsteil der Landgemeinde Stadt Großbreitenbach im Ilm-Kreis in Thüringen. Der Ortsteil hat den Status einer Ortschaft nach der Thüringer Kommunalordnung und damit eine Ortschaftsverfassung mit Ortschaftsrat und Ortschaftsbürgermeister.

Geografie Böhlen liegt etwa 13 km südöstlich von Ilmenau auf einer Hochfläche zwischen Langem Berg und Schwarzatal in etwa 610 Metern Höhe im südöstlichen Ilm-Kreis am Übergang zwischen Thüringer Wald im Westen und Thüringer Schiefergebirge im Osten. Die Hochfläche selbst bildet sich zwischen den Erhebungen Milchberg (im Norden; 676 m), Große Grube (im Osten; 648 m) und Kirchberg (im Süden; 632 m). Die Hochfläche ist, wie alle übrigen der Region, in Richtung Nordosten geneigt und bildet die Abdachung des Thüringer Schiefergebirges zum Thüringer Becken hin. Die Hochfläche fällt im Nordosten eher flach ins Kurautal, im Osten steil ins Schwarzatal und vom Südosten bis Westen mehr oder minder steil in das Tal des Breitenbach ab.

Der höchste Punkt des Ortes ist mit 675,9 m der Milchberg. Der tiefste Punkt befindet sich an der Gemarkungsgrenze im Schwarzatal mit ca. 395 m.

Um den gesamten Ort herum befindet sich ein verschieden breiter Streifen landwirtschaftlicher Nutzfläche an den sich ein Gürtel aus Waldbestand anschließt. Die Fichte ist vorherrschend. Lediglich im Norden gibt es an den Grenzen zu den Nachbargemeinden keinen Wald. Der Waldgürtel ist im Westen nur wenige Meter breit. Im Tal der Kurau dafür einige hundert Meter.

Böhlen zählt heute noch zu den waldreichsten Orten der Umgebung, denn seit Jahrhunderten umfasst allein der kommunale Waldbestand etwa 290 Hektar. Die Bewirtschaftung des Gemeindewaldes deckt aber heute kaum die Kosten.

Geologie miniatur|rechts|Blick auf Böhlen vom Milchberg

In Böhlen ist die Braunerde als Boden vorzufinden, der jedoch nur dünn über Fels liegt und wenig ertragreich ist. Die Region stellt die Grenze zwischen dem Rotliegendem (Zechstein) in Richtung Nordwesten und Tonschiefer im Südosten der Gemarkung dar. Der Ort ist gekennzeichnet durch die Lage innerhalb des Schwarzburger Sattels. Als Gesteine sind vorrangig präkambrische Tonschiefer und Grauwacken zu finden. Im nackten Fels an der Straße zwischen Böhlen und Schwarzmühle liegen die Kernzonengesteine des Thüringer Schiefergebirges offen, das sind insbesondere Phyllite und Quarzite. Diese Gesteine zählen zu den ältesten des Thüringer Schiefergebirges und sind über 600 Millionen Jahre alt. Im Schieferfels befinden sich Kupfererzgänge.

Böhlen liegt auf einem Gebiet eines Quellhorizontes. Dies weisen die vielen ehemaligen Viehtränken und Quellen im Ort selbst und am Ortsrand nach. Einige Quellen werden noch heute zur Betriebswassergewinnung genutzt. Alle Quellen und Bäche Böhlens entwässern in den Fluss Breitenbach und in die Schwarza.

Nachbarorte Die Gemarkung Böhlen liegt im südöstlichen Zipfel des Ilm-Kreises und grenzt im Süden, Westen, Norden und Nordosten an drei weitere Orte dieses Kreises, nämlich an Großbreitenbach, Friedersdorf und Wildenspring. Im Osten grenzt die Gemarkung an Mellenbach-Glasbach und Meuselbach-Schwarzmühle im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt.

Klima Das Klima in Böhlen ist auf Grund der Höhenlage recht rau. Der vorherrschende Klimatyp ist das Mittelgebirgsklima mit kühlen Sommern und schneereichen Wintern. Die mittlere Jahrestemperatur liegt bei circa 5,5 °C. Böhlen liegt in einer Region großer jährlicher Niederschlagsmengen. Diese liegen im Schnitt bei 900 bis 1000 Litern. Durch die beiden Talsperren Schönbrunn und Goldisthal gibt es vermehrt Nebel der zwischen Langem Berg und den Höhenzügen entlang des Rennsteigs hängen bleibt.Diercke Weltatlas

Geschichte mini|Wappen des Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt

Direkt im Ort oder der Gemarkung gibt es keine Hinweise auf steinzeitliche oder bronzezeitliche Anwesenheit von Menschen. In der Region gibt es jedoch zahlreiche Hinweise auf die frühe Anwesenheit von Menschen. In der Bronzezeit ist ein erster Kontakt von Menschen mit den reichen Kupfererzvorkommen nicht unwahrscheinlich. Zur Latènezeit verbreiteten sich die Kelten ab etwa 450 v. Chr. auch in die Regionen der Mittelgebirge Thüringens und Sachsens. Den in der Metallurgie den Römern deutlich überlegenen Kelten sind die Kupfervorkommen am Kirchberg wahrscheinlich nicht verborgen geblieben. Das Zurückdrängen der Kelten durch einwandernde germanische Stämme sorgte mit großer Sicherheit zu einem Verlassen der Region, denn die Germanen bewohnten die Mittelgebirge nur bis etwa 300 m. Erst durch die nachfolgenden Slawen ist wieder eine Anwesenheit der Menschen in dieser Mittelgebirgsregion, besonders durch Flurnamen, nachweisbar. Böhlen wurde neueren Forschungen zufolge wahrscheinlich im hohen Mittelalter, spätestens zum Ende des 12. Jahrhunderts, als slawische Siedlung gegründet. Zunächst bestand der Ort aus 10 Hofgütern. Der Ort wurde 1416 erstmals urkundlich als Belin erwähnt.Staatsarchiv Rudolstadt, Sondershäuser Urkunden, 1416, Juni 9.

Die ersten Ansiedlungen sind in der unteren Ortsmitte zu vermuten. Die heute nahe der heutigen Ortsmitte stehende Kapelle oder Kirche befand sich zu dieser Zeit am oberen Ende des Ortes in direkter Nachbarschaft des heutigen Pfarrhauses, Hausnummer 110. Ursprünglich war Böhlen ein planmäßig angelegtes Waldhufendorf bei dem sich die Bebauung vom damaligen Ortskern (Hausnummer 74) aus entlang des Viehberges und des Dorfbaches ausdehnte. Später wurde die Bebauung in Richtung Mühlberg, einer weiteren Talmulde ausgedehnt. Bereits Anfang des 14. Jahrhunderts gab es eine deutsche Kolonisation und Durchmischung mit den ursprünglichen slawischen Siedlern. Aus dieser Zeit resultiert die noch heute nachweisbare Hofgelängeflur für die Güter. Im Jahre 1416 waren die ursprünglichen 10 Güter bereits in 20, unterschiedlich große, Güter geteilt. Am Ende des 19. Jh. entstanden quer zur typischen Ortszeile erste weitere Straßen, deren Bebauung am Ende des 20. Jh. vorerst ein Ende fand. Nach Einführung der Stallfütterung war die Weidefläche auf dem Anger weniger von Bedeutung, sodass im 18./19. Jahrhundert dieser auch zur Bebauung genutzt wurde, einzelne Häuser sind noch in der sogenannten „mittleren Zeile“ vorhanden und teilen den Dorfanger.

In der Ersterwähnungsurkunde von 1416 wird bereits ein Müller erwähnt. Es ist deshalb davon auszugehen, dass Böhlen zu dieser Zeit bereits eine eigene Mühle besaß. Der Standort ist nicht bekannt, wird aber westlich des Ortes am heutigen Mühlberg vermutet.

Seit der frühesten Gründung wurde im Dorf Flachs angebaut. Nachweislich gibt es seit dem Jahr 1533 Bergbau in Böhlen. Im Ort wurde neben Bismut und Blei vor allem Kupferkies abgebaut und zu Kupfer weiterverarbeitet (weitere Gruben in und um Böhlen: ein Goldwaschwerk am Kuraubach wird 1616 als „goldt seufen an der Schwartze“ erwähnt, 1615 und 1688 werden eine bestehende Anlage eines Schwefel- und Vitriolwerks mit Hütte erneuert). Im 16. Jahrhundert gab es in Böhlen sogar ein Bergamt. Das Kupfer wurde am Kirchberg abgebaut. Durch den Bergbau erlebte die Gemeinde einen nicht unerheblichen Aufschwung, welcher sich in der Bergfreiheit aus dem Jahr 1533 nachweisen lässt, in der Graf Heinrich XXXIV. von Schwarzburg den Böhlener Bürgern erhebliche Vergünstigungen und Vorrechte einräumt. Diese waren vielfältig und erlaubten im Besonderen die Jagd, Fischerei im Fluss Breitenbach, Brau-, Back-, Schank- und Marktrecht. Diese Bergfreiheit stellt eine Besonderheit im Fürstentum dar, denn ähnliche Bergfreiheiten besaßen damals Städte wie Freiberg oder Schneeberg. Der Ort war zu dieser Zeit mit einem Marktflecken oder einer kleinen Stadt vergleichbar. Dies führte nachweislich zu Problemen mit dem Nachbarort Großbreitenbach, denn in der Urkunde wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die umliegenden Märkte, Flecken und Städte nicht benachteiligt werden dürfen. In der Bergfreiheit wurde die Hälfte des Steinberges zur Holznutzung freigegeben. Außerdem erhielten die Bergwerke 2 Jahre umsonst Kohlen zum Schmelzen. Aus dieser Zeit stammt wahrscheinlich auch das Recht zur Nutzung der Waldwiesen im Steinberg. Der Böhlener Hirte führte noch bis in die 1960er-Jahre das Vieh dorthin. Mit den Vergünstigungen im Bergbau kamen wahrscheinlich viele Einwanderer nach Böhlen. Neben dem Bergbau spielte das Weberhandwerk eine große Rolle im Ort.

In den Jahren 1610 und 1611 wütete in der Gegend die Pest, von der Böhlen, aber besonders Wildenspring, stark betroffen waren. Der Dreißigjährige Krieg traf den Ort sehr hart. Zwar mieden die Böhlener Einwohner während einer Phase des Krieges 14 Tage ihren Ort, um ihn vor der Entdeckung und der einhergehenden Zerstörung zu bewahren, hatten damit jedoch keinen Erfolg. Hunger, Krankheiten und Plünderungen ließen die Einwohnerzahl auf etwa 500 schrumpfen. Die vorangegangene Wohlstandsphase der Bergbauzeit wurde dadurch beendet. Der Ort erholte sich danach aufgrund des Silber- und Kupferbergbaus sowie der Weberei aber rasch.

Im Jahre 1718 und/oder 1721 gab es ein großes Feuer im oberen Ort bei dem einige Häuser vernichtet wurden. Das Kirchengebäude konnte dabei gerettet werden. Im Jahre 1778 wurde der Ort von einer Feuersbrunst heimgesucht, der 4 Häuser und 5 Scheunen zum Opfer fielen. Bereits 24 Jahre später, 1802, traf den Ort eine weitere Brandkatastrophe, wobei 4 Häuser mit Hintergebäuden und 7 Scheunen abbrannten. Am 2. Oktober 1867 ereilte den Ort das bis heute größte Brandunglück. Ein kleines Mädchen verursachte beim Spielen einen Scheunenbrand nahe der Ortsmitte. Bis in die Nacht tobten die Flammen und vernichteten insgesamt 95 Gebäude im Ort, davon 31 Wohnhäuser.Freies Wort(30. Oktober 1953) Weitere Brände ereigneten sich in den Jahren 1905 in der ehemaligen Möbelfabrik, im Jahre 1913 als vier Wohnhäuser im oberen Ort vernichtet wurden und im Jahr 1921 als der größte Teil des Sperrholzwerkes vernichtet wurde.

Aufgrund der Industrialisierung und den Folgen der politischen Umbrüche von 1848/49 erlebte Böhlen mehrere Auswanderungswellen im 19. Jahrhundert. In der Zeit zwischen 1834 und 1870 suchten so mehrere hunderte Menschen in Brasilien und in Nordamerika eine neue Heimat und eine bessere Zukunft. Ein außergewöhnliches und auch überregional einmaliges Kapitel stellt hierbei die Gruppenauswanderung vom 8. März 1852 dar. Nach „Tumulten und Unruhen“ im Sommer 1851 verließen 155 Personen, 13,6 % der Dorfbevölkerung, den Ort. Auf drei Schiffe verteilt, segelten sie in 53 Tagen von Hamburg aus nach Rio de Janeiro. In Brasilien wurden die Auswanderer auf Kaffeeplantagen im Staate Rio de Janeiro untergebracht. Als Angestellte eines Plantagenbesitzers arbeiteten sie als Kaffeepflücker zum Ersatz von Sklaven.

Neben dem Bergbau und der Weberei gab es weiterhin eine große Zahl verschiedener Handwerksberufe und Händler die im gesamten deutschsprachigen Raum handelten. Es gibt in den Kirchenbüchern hierüber interessante Berichte über auswärts verstorbene Händler.

Im Jahr 1856 gab es in Böhlen nachweislich 2 Schleifmühlen für die Bergwerke. Berthold Sigismund erwähnt im Jahr 1862 in Böhlen 3 Mühlen, 1 Schneidmühle und einen Gasthof. Außerdem gab es 104 Handwerker, 2 Färbereien, 2 Krämer, eine Sackfabrik und einen Laboranten.

1910 wurde die zentrale Trinkwasserversorgung des Ortes durch die Firma Gockenbach aus Arnstadt fertiggestellt. Die Gemeinde wird seitdem aus Quellen vom Langen Berg versorgt. Ab 1911 erzeugte Albert Voigt auf seinem Grundstück, Ortsstraße 26, den ersten elektrischen Strom und versorgte bis 1918 nach und nach den gesamten Ort. 1928 wurde die Gemeinde mit Stadtgas versorgt, was besonders der Glasbläserei sowie der Thermometerherstellung förderlich war.