mini|Stolberg und Eschweiler als Teil der Städteregion Aachen mini|Der Raum Eschweiler und Stolberg um 1800
Der Raum Eschweiler-Stolberg ist der aus den traditionsreichen Industriestädten Stolberg (Rhld.) und Eschweiler bestehende Mittelteil der Städteregion Aachen im nordrhein-westfälischen Regierungsbezirk Köln mit jahrhundertelanger gemeinsamer Industriegeschichte. Hier leben rund 115.000 Einwohner auf 174,44 km² (650 Einw./km²) (Stand: Dez. 2025), was einer Großstadt der Größe von Bremerhaven, Koblenz oder Recklinghausen entspräche. Eschweiler gilt als „Wiege des rheinischen Bergbaus“,Eschweiler Chronik: Politische Moderne bis Juli 1914, auf eschweilergeschichtsverein.de, abgerufen am 8. März 2021 Stolberg als „Älteste Messingstadt der Welt“. Eine Fusion beider Städte wurde im Zuge der kommunalen Neugliederung Anfang der 1970er Jahre angedacht, aber nicht realisiert.
Lage und Landschaft Der Raum Eschweiler-Stolberg liegt in Nord-Süd-Richtung zwischen dem Nordkreis Aachen und dem Altkreis Monschau sowie in West-Ost-Richtung zwischen der Stadt Aachen und dem Kreis Düren. Im weiteren Sinne kann aus historischen Gründen auch der Südwesten der heutigen Gemeinde Langerwehe um die Orte Hamich, Heistern, Schönthal und Wenau hinzu gerechnet werden.
Landschaftlich liegt der Raum zwischen Hohem Venn und Jülich-Zülpicher Börde am Nordrand der Eifel. Die größten Gewässer sind der künstliche Blausteinsee, die Wehebachtalsperre, die Inde, die Vicht und der Omerbach. Über die beiden Bereiche Pumpe-Stich/Velau/Steinfurt und Werth/Hastenrath/Scherpenseel bilden die beiden Städte einen zusammenhängenden Siedlungsraum, den nur die beiden größeren Waldgebiete Eschweiler Stadtwald und Propsteier Wald trennen. Gemeinsam ist dem Raum die charakteristische Galmeiflora; siehe auch Natur in Stolberg (Rhld.).
Eine gemeinsame Geschichte haben die folgenden Gebiete: 1823 kam Mühle von Eschweiler an Stolberg 1932 kam Hastenrath an Eschweiler und der Hastenrather Zipfel an Gressenich und Stolberg 1935 kamen Velau, Steinfurt, Birkengang, Donnerberg, Duffenter, Steinbachshochwald und der Stolberger Bahnhof von Eschweiler an Stolberg 2004 kam der Südteil des Probsteier Waldes (Camps Astrid) von Eschweiler an Stolberg
Gemeinsame Verwaltung und Zusammenarbeit links|mini|100px|Gemeinsames Notgeld 1923 rechts|mini|100px|Gemeinsamer Notdienst 2011 Der Raum Eschweiler-Stolberg gehört zum Wachdienst Südkreis der Polizeiinspektion 2 in Stolberg, zum Landtagswahlkreis Aachen IV, zum Bezirk der ehemaligen Handelskammer Stolberg, zum ehemaligen Kanton Eschweiler und zur Geschäftsstelle Stolberg der IG MetallIG Metall Stolberg. Er bildet den Bezirk des Amtsgerichts Eschweiler, den Doppelpostleitbereich 52200/52230, die Direktion Eschweiler/Stolberg der Sparkasse Aachen und den Bankplatz 393 der Deutschen Bundesbank. Ferner ist er der Kernbereich des Landschaftsplans 3 Eschweiler/Stolberg der Städteregion Aachen und das Kernversorgungsgebiet der aus der Licht- und Kraftwerke Eschweiler-Stolberg GmbH hervorgegangenen EWV. Jedes Jahr findet eine gemeinsame Ausbildungsbörse statt – in geraden Jahren in Eschweiler, in ungeraden Jahren in Stolberg., in: Pressemeldungen-nrw.de vom 5. Mai 2010 Weitere Zusammenarbeiten sind beispielsweise das „Palliativnetzwerk Stolberg-Eschweiler“,Palliativnetz der Städte Stolberg und Eschweiler eine gemeinsame Jugendnotschlafstelle vom Eschweiler Haus St. Josef und Stolberger Agnesheim, die Initiative A4a4-initiative.de sowie „Camp Astrid CO2 Zero“. Seit 2020 gibt es statt zwei nach Städten getrennter nur noch eine gemeinsame Lokalredaktion Eschweiler/Stolberg der Nachrichten und Zeitung mit Sitz in der Englerthstraße in Eschweiler.
Euregio-Railport Im Rahmen des Ausbaues des Stolberger Bahnhofes zu einem Güterverkehr-Verteilerzentrum (Euregio-Railport) wird auch das Bahnhofsgelände der Aue einbezogen. Aktuell hat der Bahnhof 6 Gleise: Gleis 1, Streckengleis Gleis 2, Überholgleis, Nutzlänge 300 m Gleis 3, Abstellgleis, Nutzlänge 200 m Gleis 4, Abstellgleis, Nutzlänge 250 m Gleis 5, Abstellgleis, Nutzlänge 177 m Gleis 6, Abstellgleis, Nutzlänge 170 m
Seit Januar 2019 werden die Vorprodukte für das Eschweiler Röhrenwerk ESW im Bahnhof Aue umgeladen. Dort hat die EVS Euregio Verkehrsschienennetz ihren Güterbahnhof saniert und eine großflächige Verladezone geschaffen, hin zum Euregio-Railport mit Zweigstelle in Aue. Bis dato wurden die aus Italien und Kroatien kommenden Vorprodukte im Stolberger Güterbahnhofsbereich der Atsch an der Haldenstraße umgeschlagen und per Lkw ins Röhrenwerk geliefert.
Industriegeschichte mini|Eisenbahnentwicklung im 19. Jahrhundert an der Schnittstelle beider Städte mini|links|Schienenverbindungen im Raum Eschweiler-Stolberg, Stand 2017 mini|Die beiden Städte als Teil des südlichen Aachener Reviers mini|Industrie im 19. Jh. an der Schnittstelle beider Städte in Aue mini|Killewittchen-Zwerge
Die gemeinsame Geschichte des Raumes Eschweiler-Stolberg im Aachener Revier ist von Erz-, Steinkohle- und Braunkohleabbau sowie von Metallverarbeitungs-, Glas- und chemischer Industrie seit Jahrhunderten geprägt. Während Stolberg und Umgebung die Reidemeister und die aufgrund der Aachener Religionsunruhen seit dem 16. Jahrhundert in Stolberg ansässigen Kupfermeister prägten, so prägte Eschweiler und Umgebung der aus dem Besitz der Familie Wültgens-Englerth um Johann Peter Wültgens und Christine Englerth entstandene Eschweiler Bergwerksverein sowie der Abbau von Steinkohle im Inderevier und Braunkohle im Norden.
Überbleibsel der frühen und intensiven Industrialisierung sind zahlreiche Halden, sowohl Eschweiler Halden als auch Stolberger Halden. Das Museum Zinkhütter Hof im Stolberger Stadtteil Münsterbusch ist ein Museum für die Industriegeschichte des gemeinsamen Wirtschaftsraums.
Schon früh waren im Raum der beiden heutigen Mittelzentren die Kelten und später Römer bergbautechnisch tätig. Sie hinterließen nicht zuletzt die Legenden um die Killewittchen, die Quärrismännchen, die Zwerge von den Tatternsteinen und die versunkene Stadt Gression.Galminus, der Stolberger Galmeizwerg auf stolberg.de vom 26. März 2011 Eng verzahnt waren seitdem der Abbau von Steinkohle und von Zink; siehe hierzu den Gressenicher Eimer, den Schlangenberg, Galmei und Limonit. In beiden Städten gab es Zinkhütten, Kupferhöfe, Kupfermühlen und „Gruben“ genannte Bergwerke; hinzu kommen speziell in Stolberg die Reitwerke.
Die Erze schulden dem Raum die besonderen geologischen Voraussetzungen Stolbergs. Entscheidend für Stolbergs Industrialisierung war der längs durch die Stadt fließende Vichtbach, während die quer durch Eschweiler und Weisweiler verlaufende Inde Müllern und Färbern diente.
In beiden Städten tätig waren die Hoeschs mit Eberhard Hoesch und Jeremias Hoesch. Weitere bedeutende Unternehmer waren James Cockerill, Hugo Merckens, William Prym, August Thyssen, Friedrich Thyssen und Michael Wirtz sowie die Familien Neuman, Peltzer und Schleicher.
Zink-, Blei- und Silberhütten mini|Die Zinkhütte Birkengang an der Schnittstelle beider Städte mini|Spiegel-Manufactur von 1863 mini|Blausteinsee als Überbleibsel des Braunkohletagebaus im Norden mini|Kirche des belgischen Camp Astrid an der Schnittstelle beider Städte
Im 19. Jahrhundert war die „Eschweiler Gesellschaft“ für die drei Zinkhütten Birkengang, Steinfurt und Velau auf damaligem Eschweiler Stadtgebiet tätig, und 1935 wurde nach Stilllegung dieser Gruben und Zinkhütten das Gebiet nach Stolberg ausgemeindet. Auch die Zinkhütte Münsterbusch befand sich bis zur Eingemeindung 1935 auf dem Gebiet der damaligen Gemeinde Büsbach. Die „Eschweiler Gesellschaft“ wurde 1926 von der „Stolberger Gesellschaft“ übernommen.
Weitere Hütten auf Büsbacher/Stolberger Gebiet waren/ist die Bleihütte Binsfeldhammer, die Bleihütte Luzilia sowie die Blei- und Silberhütte Münsterbusch.
Braunkohle Im Norden Eschweilers lag von 1910 bis in die 1990er Jahre der „Tagebau Zukunft“ im Rheinischen Braunkohlerevier. Von 1950 bis 1985 wurden u. a. Erberich, Langendorf, Langweiler, Laurenzberg, Lohn, Lürken, Obermerz, Pattern, Pützlohn und Velau abgebaggert. Das dortige Kraftwerk Weisweiler wird zurzeit aus dem „Tagebau Inden“ gespeist.
Glashütten In Münsterbusch und der Velau gab es zahlreiche Glashütten, -werke und Manufakturen.Stolberg und die Glasindustrie, auf pressglas-korrespondenz.de 1863 kauft Saint-Gobain die Spiegelmanufaktur Stolberg und beginnt mit dem Bau eines neuen Werkes am heutigen Standort im Schnorrenfeld an der Einmündung des Vichtbachs in die Inde. Hier entsteht 1866 die erste Gussglashalle Deutschlands. Der Betrieb besteht bis heute.
Erzbergwerke auf den heutigen Stadtgebieten Abkürzungen: Au Gold, Fe Eisenerz, FeS2 Katzengold (Pyrit), Pb Bleierz oder Weißbleierz (Cerussit), Zn Zinkerz oder Galmei (Smithsonit)
Ort Grubenname Jahr Breinig Erzgrube Breinigerberg Fe, Pb, Zn 17. Jh. – 1883 Breinig Erzgrube Cornelia Fe 1853 – 1922; im Besitz des EBV Breinig Grube Julius Fe Breinig Stockumerberg Büsbach Erzgrube Büsbacherberg-Brockenberg Fe, Pb, Zn bis 1889 Dorff Cornelia Fe, Pb, Zn Duffenter Grube Bilstein Fe, Pb, Zn Duffenter Grube Jeremias Fe, Pb, Zn Eilendorf Grube Atsch im Münsterkohlberg 15. Jh. – 1870 Eschweiler Grube Glücksburg im Propsteier Wald Gressenich Anna Fe Gressenich Burgholz Gressenich Erzgrube Diepenlinchen Fe, Pb, Zn 17. Jh. – 1919 Gressenich Römerfeld Fe, Pb, Zn Gressenich Süssendell Fe Hastenrath Grube Albert Fe, Pb, Zn 1846 – 1906 Hastenrath Burgberg Fe Hastenrath Erzgrube Zufriedenheit 1829 – 1863 Mausbach Aline Fe Mausbach Erfelbusch Fe Münsterbusch Grube James im Münsterkohlberg mit der Zinkhütte St. Heinrichhütte Münsterbusch Fe, Pb, Zn 1825 – 1891 Münsterbusch Wilhelmine Fe, Pb, Zn Nothberg Erzgrube Zur Guten Hoffnung 1880 – 1884 Stolberg Bleihütte Binsfeldhammer mit Dommelstein und Rüst Fe, Pb, Zn seit 1846 Stolberg Hammerberg Fe, Pb, Zn Stolberg Hassenberg Fe, Pb, Zn Stolberg Petersglück Fe, Pb, Zn Stolberg Wolfeter Hoffnung Fe, Pb, Zn Vicht Conrad Au Vicht Henriette Au Vicht Nachtigall Fe, Pb, Zn Vicht Pfeifenberg Fe, Pb, Zn Zweifall Altwerk Fe Zweifall Neuwerk Fe Zweifall Löwe Fe Zweifall Münsterfeld Pb, FeS2, Zn Zweifall Rochenberg Pb
Breinig wurde 1972 nach Stolberg (Rhld.) eingemeindet. Büsbach mit Dorff und Münsterbusch wurden 1935 nach Stolberg (Rhld.) eingemeindet. Duffenter kam 1935 von Eschweiler an Stolberg (Rhld.). Teile Eilendorfs – im Wesentlichen die Atsch – wurden 1935 nach Stolberg (Rhld.) eingemeindet. Das verbliebene Eilendorf wurde 1972 in die Stadt Aachen eingemeindet. Gressenich mit Mausbach und Vicht wurden 1972 nach Stolberg (Rhld.) eingemeindet. Hastenrath war bis 1932 eigenständig. 1932 kam der Südteil des Bürgermeistereigebiets zusammen mit der bereits stillgelegten Erzgrube Zufriedenheit an Gressenich und der Nordteil zusammen mit Scherpenseel, Volkenrath, Bohl und Nothberg an Eschweiler. Zweifall kam 1972 aus dem damaligen Kreis Monschau an Stolberg (Rhld.).
Steinkohlebergwerke des Indereviers auf den heutigen Stadtgebieten mini|160px|Christine Englerth (1767–1838) mini|160px|James Cockerill (1787–1837)
Abkürzungen: A Außenwerk des Eschweiler Kohlbergs, B Binnenwerk des Eschweiler Kohlbergs, M Münsterkohlberg, W Weisweiler Kohlberg
Zum südlichen Eschweiler Stadtteil Pumpe-Stich werden auch Aue, Birkengang (seit 1935 zu Stolberg) und der Propsteier Wald gezählt.
Ort Grubenname Betrieb Atsch Grube Atsch A 14. Jh. – 1784 und 1834 - 1870 Eschweiler Grube Ichenberg B bis 1825 Münsterbusch Grube James M 1825 - 1891 Nothberg Grube Reserve B 1833 - 1944 Pumpe-Stich Grube Aue B Pumpe-Stich Grube Birkengang A 1581 - 1883 Pumpe-Stich Grube Christine A Pumpe-Stich Grube Centrum B 1805 - 1891 Pumpe-Stich Grube Propstei A 17. Jh. – 1879 Weisweiler Grube Weisweiler W Weisweiler Grube Wilhelm W 17. Jh. – 1874
Bedeutende Unternehmen Allianz Stolberg BIAG Zukunft Berzelius Stolberg Dalli-Werke Eschweiler Bank Eschweiler Drahtfabrik EUREGIO Verkehrsschienennetz