Miedelsbach ist ein Pfarrdorf mit ca. 2.000 Einwohnern und seit 1973 der drittgrößte Ortsteil der Stadt Schorndorf im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis.

Geographie Miedelsbach liegt in einer breiten Mulde des Wieslauftals am Fuß des Welzheimer Waldes. Das bebaute Gebiet ist östlich in seiner gesamten Ausdehnung von landschaftsprägenden Obstbaumwiesen umgeben, die unmittelbar an Waldflächen grenzen. Der Ortskern wird vom Tannbach durchflossen, der an der westlichen Markungsgrenze in die Wieslauf mündet.

Umliegende Orte sind Michelau und Steinenberg im Norden, Steinbruck und Eselshalden Nordosten, Haubersbronn im Süden, Schornbach im Südwesten, Buhlbronn im Westen und Asperglen im Nordwesten.

Geschichte mini|Miedelsbach 1685 (Ansicht aus den Forstlagerbüchern von Andreas Kieser) Im Jahr 1297 wurde der dem Kloster Adelberg zugehörige Ort Muotinspach als Teilort von Steinenberg erstmals urkundlich erwähnt, als das Kloster hiesige Güter von den Herren von Urbach erwarb. Die Zehntrechte gehörten demnach den Klöstern zu Adelberg, Oberelchingen und Lorch. In einer Oberamtsbeschreibung von 1851 wurden 569 Einwohner angegeben, außerdem heißt es dort:

1807 wurde Miedelsbach Teilort von Steinenberg im Oberamt Schorndorf, bevor es 1856 zunächst Eigenständigkeit erlangte. Seit 1938 gehörte die Ortschaft zum Landkreis Waiblingen, welcher im Zuge einer Gebietsreform zum 1. Januar 1973 aufgelöst wurde und gänzlich in seinem Rechtsnachfolger, dem Rems-Murr-Kreis, aufging, zu welchem Miedelsbach demnach heute zählt. Sehr lange blieb die Ortschaft hinsichtlich ihrer Bebauung lediglich entlang eines einzigen Straßenbogens aufgereiht und war damit sehr klein. Nach dem Zweiten Weltkrieg verdichtete sich der Ortskern vor allem um die nördliche Ortsmitte durch die Neubaugebiete Kelterwiesen, Brunnenäcker und Rohräcker, welche in den 1950er Jahren entstanden. In den 1960er Jahren kamen dann die neuen Wohnsiedlungen Hiller, Goldwiesen und Hanfwiesen hinzu.Leo BW: Miedelsbach Abgerufen am 8. August 2012. Im Zuge der Gebietsreform verlor Miedelsbach am 1. Januar 1973 seine Eigenständigkeit wieder und wurde in die Stadt Schorndorf eingegliedert.

In der Nacht vom 2. auf den 3. Juni 2024 wurde der Ortskern von einem schweren Hochwasser der Wieslauf und des Tannbachs verwüstet. Dabei verloren zwei Dorfbewohner ihr Leben, zahlreiche Häuser und Wohnungen wurden durch die Flutwelle zerstört und es entstanden große Schäden an der Infrastruktur, unter anderem an der Wieslauftalbahn, der Tannbachhalle und den Sportanlagen.

Politik Das Gebiet der 1973 eingegliederten Gemeinde Miedelsbach bildet eine Ortschaft im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit eigenem aus zwölf Mitgliedern bestehendem Ortschaftsrat.Hauptsatzung der Stadt Schorndorf in der Neufassung vom 24. Juli 2000, zuletzt geändert am 30. Mai 2018

Wappen Die damalige Gemeinde Miedelsbach führte ein Gemeindewappen, das heute als Stadtteilwappen offiziell weitergeführt wird.

Die Blasonierung des Wappens von Miedelsbachs lautet: Auf blauem Schild eine weiße (silberne) fliegende Schwalbe über zwei weißen Wellenbalken.

Wappenbegründung: Die Schwalbe wurde gewählt, weil sich einst jedes Jahr Schwalben am alten Rathaus, das in den 1970er Jahren dem Verkehr weichen musste, niederließen. Die Wellenbalken symbolisieren die beiden Gewässer Tannbach und Wieslauf.

Einrichtungen In Miedelsbach gibt es eine evangelische Kirche und ein katholisches Gemeindehaus (Paulushaus), eine Grundschule, eine Kindertagesstätte, mehrere Sport- und Spielplätze, einen Tennisplatz sowie eine Mehrzweckhalle.

Evangelische Christuskirche mini|Christuskirche Die evangelische Christuskirche wurde 1967 eingeweiht. Architekt Gerhard Fetzer plante die Christuskirche mit asymmetrischem Dach, aus dem ein „Glockenträger“ herausragt. Indirektes Licht durch den Glockenturm sowie ein farbiges Glasband und Altarkreuz des Stuttgarter Künstlers Wolf-Dieter Kohler kennzeichnen den multifunktionalen Innenraum. Im Untergeschoss finden sich weitere Räume. Die Orgel mit 6 Registern auf zwei Manualen und Pedal wurde 1971 als Opus 11 von Johannes Rohlf erbaut.

Alte Kelter mini|Die Alte Kelter nach der Sanierung|links Die Alte Kelter stammt in den Ursprüngen aus dem 14. Jahrhundert. Das Gebäude wurde bis vor ca. 100 Jahren als Kelter genutzt. Alfred Arnold gründete 1959 im historischen Gebäude die „Glaswerke Arnold“ und produzierte dort bis 1965 das von ihm erfundene Isolierglas. Vorher und nachher diente die „Alte Kelter“ als Turnhalle, Lagerhalle und Maschinenraum. Die Unternehmensgruppe Arnold Glas GmbH & Co. KG erwarb 2019 zum 100. Geburtstag des Unternehmensgründers den Ort der Firmengründung und sanierte die Kelter umfassend. Um die Struktur des äußeren Erscheinungsbilds zu erhalten, wurde ein spezielles Betongussverfahren eingesetzt. Das Gebäude soll zukünftig der Firma Arnold als repräsentatives Haus für interne Firmenworkshops und Seminare dienen und gleichzeitig auch den Bürgern von Miedelsbach für unterschiedlichste Veranstaltungen zur Verfügung stehen.

Verkehr Miedelsbach liegt an der Landesstraße 1148, die Schorndorf mit Rudersberg verbindet, ferner an der Wieslauftalbahn (RB61), die zwischen Schorndorf und Rudersberg-Oberndorf verkehrt.

Literatur Horst Lässing (Hrsg.): Heimat und Arbeit: Der Rems-Murr-Kreis. Konrad Theiss, Stuttgart 1980, ISBN 3-8062-0243-5, S. 300.

Weblinks

Webseite der Stadt Schorndorf zu Miedelsbach

Einzelnachweise

Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Rems-Murr-Kreis) Kategorie:Ort im Rems-Murr-Kreis Kategorie:Ersterwähnung 1297 Kategorie:Gemeindeauflösung 1973 Kategorie:Ortschaft von Schorndorf