Moraxella (benannt nach Victor Morax) ist eine Gattung aerober gramnegativer Bakterien. Die Arten sind kommen in der Umwelt vor und treten auch als Parasiten von Menschen und anderen warmblütigen Tieren auf.

Merkmale Es handelt sich um Kokken, Diplokokken oder kurze Stäbchen. Die Stäbchen sind häufig sehr kurz und gedrungen und ähneln oft einer Kokkenform (1,0–1,5 × 1,5–1,5 μm). Sie treten meist paarweise oder auch in kurzen Ketten auf. In Kulturen ist häufig eine Variation in Zellgröße, -form und Filament- oder Kettenbildung zu beobachten. Dieser Pleomorphismus wird durch Sauerstoffmangel und Inkubationstemperaturen oberhalb des Optimums verstärkt. Die Kokken sind in der Regel kleiner (0,6–1,0 μm Durchmesser) und kommen einzeln oder paarweise vor, manchmal bilden sie Tetraden. Sowohl kokkenförmige als auch stäbchenförmige Arten können Fimbrien aufweisen.

Auf Blutagar bilden sie kleine Kolonien und sind oxidasepositiv. Flagellen sind nicht vorhanden, allerdings können sich einige Arten durch die sogenannte twitching motility oder Zuckbewegung, fortbewegen.George M. Garrity (Hrsg.): Bergey’s Manual of Systematic Bacteriology. 2. Auflage, Band 2: The Proteobacteria. Part B: The Gammaproteobacteria. Springer, New York 2005, ISBN 0-387-95040-0. Die Bewegung erfolgt hierbei sprunghaft und wird durch spezielle Pili ausgelöst. Moraxella-Arten sind aerob, einige können jedoch auch unter anaeroben Bedingungen schwach wachsen. Sie können Kapseln bilden.

Stoffwechsel und Wachstum Die meisten Arten sind ernährungstechnisch anspruchsvoll und wachsen alle in komplexen Medien. Einige werden durch Fettsäuren (Gallensalze und Tween 80) erheblich stimuliert. Die optimale Wachstumstemperatur liegt zwischen 33 und 35 °C. Die Kolonien sind nicht pigmentiert.

Die Hauptfettsäuren der meisten Arten sind C18:1 ω9c und C 16:1 ω7c. Die langkettigen Fettsäuren sind Bestandteile der Membranlipide. Das Hauptchinon ist Ubichonon-8.

Ökologie Mitglieder der Gattung Moraxella besiedeln die Schleimhäute von Menschen und verschiedenen anderen Warmblütern. Einige Arten lassen sich auch aus der Umwelt isolieren. M. nonliquefaciens wird am häufigsten aus den oberen Atemwegen des Menschen isoliert, während M. osloensis häufig im menschlichen Genitaltrakt vorkommt. M. atlantae, M. lacunata und M. lincolnii gehören ebenfalls zur normalen Mikroflora der menschlichen Atemwege. M. catarrhalis kann im Oropharynx (Rachen) gesunder Erwachsener und Kinder nachgewiesen werden. Bei Tieren wurden M. boevrei und M. caprae aus der Nasenflora gesunder Ziegen bzw. aus der Bindehautflora von Ziegen und Kühen isoliert. M. ovis und M. bovoculi wurden aus der Bindehaut sowie der Nasen- und Vaginalflora verschiedener Wiederkäuer isoliert, M. canis aus der Mundhöhle von Hunden und M. cuniculi und M. equi aus Kaninchen bzw. Pferden. Moraxella pluranimalium wurde aus der Nasenmuschel eines Schweins isoliert.

Moraxella als Krankheitserreger Mehrere Arten, die pathogen wirken können, gehören zu der Gattung, darunter die in der Mundflora und im Oropharynx des Menschen vorkommende Kokkenart Moraxella catarrhalis, welche neben Infektionen der Atemwege (mit Otitis, Sinusitis, Bronchitis und Pneumonie) auch Infektexazerbationen der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) hervorrufen kann, und Moraxella bovis, die Ansteckende Hornhaut- und Bindehautentzündung der Rinder verursachen kann, sowie Moraxella osloensis, die als biologisches Mittel gegen Wegschnecken diskutiert wird, obwohl sie gelegentlich auch humanpathogen sein kann. Zur Behandlung kommen Cephalosporine, Chinolon-Antibiotika oder Tetracycline in Frage, da sich gegenüber Penicillin eine Resistenz entwickelt hat (Moraxella catarrhalis ist häufig Beta-Laktamase-positiv und somit resistent gegen Ampicillin).Merck Manual: Moraxella catarrhalis InfectionMarianne Abele-Horn (2009).

Systematik Die Gattung Moraxella wird heute der Familie Moraxellaceae (Ordnung Pseudomonadales) zugeordnet, nachdem man sie früher der Familie Neisseriaceae zugeordnet hatte. Die Gattung Moraxella wurde seit der Erstbeschreibung durch André Lwoff im Jahr 1939 mehrfach taxonomisch überarbeitet, wobei einige Arten in andere Gattungen umgesiedelt wurden. Moraxella anatipestifer wurde in die Gattung Riemerella als Riemerella anatipestifer umklassifiziert. Moraxella phenylpyruvica wurde in die Gattung Psychrobacter als Psychrobacter phenylpyruvicus überführt und Moraxella urethralis wurde in die Gattung Oligella als Oligella urethralis überführt. Moraxella urethralis et al. 1970 gilt heute als ein Synonym für Oligella urethralis ( et al. 1970) et al. 1987

Es folgt eine Liste einiger Arten gemäß LPSN (Stand 7. September 2026):LPSN: Family Moraxellaceae.

Moraxella atlantae et al. 1976 (Approved Lists 1980) Moraxella boevrei et al. 1997 Moraxella bovis ( et al. 1937) (Approved Lists 1980) Moraxella bovoculi et al. 2007 Moraxella canis et al. 1993 Moraxella caprae et al. 1995 Moraxella catarrhalis 1968 (Approved Lists 1980) Moraxella cuniculi Moraxella equi (Approved Lists 1980) Moraxella lacunata (Approved Lists 1980) Moraxella lincolnii et al. 1993 Moraxella nonliquefaciens (Approved Lists 1980) Moraxella oblonga Moraxella oculi et al. 2024 Moraxella osloensis (Approved Lists 1980) Moraxella ovis 1968 (Approved Lists 1980) Moraxella pluranimalium et al. 2009 Moraxella porci et al. 2010 Moraxella saccharolytica (Approved Lists 1980)

Literatur Die Aktivierung des humanen Bronchialepithels durch Moraxella catarrhalis Dissertation von Carola Jonatat.

Marianne Abele-Horn: Antimikrobielle Therapie. Entscheidungshilfen zur Behandlung und Prophylaxe von Infektionskrankheiten. Unter Mitarbeit von Werner Heinz, Hartwig Klinker, Johann Schurz und August Stich, 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Peter Wiehl, Marburg 2009, ISBN 978-3-927219-14-4, S. 265.

Einzelnachweise

Weblinks

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