Der ostpreußische Landkreis Insterburg im Regierungsbezirk Gumbinnen bestand von 1818 bis 1945. Nach der Erhebung der Stadt Insterburg zum Stadtkreis umfasste er nur noch die Landgemeinden im Umkreis der Stadt. Bereits von 1752 bis 1818 bestand in Ostpreußen ein Kreis Insterburg, der allerdings ein erheblich größeres Gebiet umfasste.
Geographie Der Kreis lag beiderseits des Pregel etwa 70 Kilometer östlich der ostpreußischen Provinzhauptstadt Königsberg. Benachbart waren (im Norden beginnend und im Uhrzeigersinn umlaufend) die Kreise Niederung, Ragnit (ab 1922 Tilsit-Ragnit), Pillkallen, Gumbinnen und Darkehmen im Regierungsbezirk Gumbinnen sowie die Kreise Gerdauen, Wehlau und Labiau im Regierungsbezirk Königsberg.
Verwaltungsgeschichte mini|Der Kreis Insterburg in den Grenzen von 1752 bis 1818
Im Jahr 1752 bildete König Friedrich II. in Preußen aus den Hauptämtern Insterburg, Memel, Gumbinnen und Ragnit einen Kreis Insterburg. Dieser hatte eine Fläche von ca. 8860 km² und im Jahre 1800 265.088 Einwohner.Max Toeppen: Historisch-comparative Geographie von Preussen. Justus Perthes, Gotha 1858, S. 320. (Digitalisat)Karte der ostpreußischen Kreiseinteilung von 1752 bis 1818
Die Preußischen Reformen schufen mit der „Verordnung wegen verbesserter Einrichtung der Provinzialbehörden“ vom 30. April 1815Verordnung wegen verbesserter Einrichtung der Provinzial-Behörden vom 30. April 1815. In: Gesetz-Sammlung für die königlichen Preußischen Staaten, Nr. 9 vom 8. Juli 1815, S. 85 ff., (PDF/Digitalisat) und weitere Informationen im Internet-Portal "Westfälische Geschichte". in der gesamten preußischen Monarchie eine einheitliche Verwaltungsstruktur. Dazu gehörte eine umfassende Kreisreform in Ostpreußen, da sich die 1752 eingerichteten Kreise als unzweckmäßig und zu groß erwiesen hatten. Aus dem Gebiet des alten Kreises Insterburg wurden elf neue Kreise gebildet, darunter auch ein neuer, deutlich kleinerer Kreis Insterburg. Dieser umfasste die Kirchspiele Aulowönen, Berschkallen, Didlacken, Georgenburg, Insterburg, Jodlauken, Norkitten, Pelleningken, Norkitten und Saalau.
Das Landratsamt war in Insterburg.
Seit dem 3. Dezember 1829 gehörte der Kreis – nach dem Zusammenschluss der Provinzen Ostpreußen und Westpreußen – zur neuen Provinz Preußen mit dem Sitz in Königsberg i. Pr.
mini|Der Kreis Insterburg in den Grenzen von 1818 bis 1945
Nach der Teilung der Provinz Preußen in die Provinzen Ostpreußen und Westpreußen am 1. April 1878 wurde der Kreis Insterburg Bestandteil Ostpreußens. Am 1. April 1902 schied die Stadt Insterburg aus dem Kreis aus und wurde in einen Stadtkreis umgewandelt. Der Kreis Insterburg erhielt danach die Bezeichnung Landkreis.
Zum 1. Mai 1925 wurden Teile des Gutsbezirks Althof-Insterburg aus dem Landkreis Insterburg in den Stadtkreis Insterburg eingegliedert.
Zum 30. September 1928 fand im Landkreis Insterburg entsprechend der Entwicklung im übrigen Freistaat Preußen eine Gebietsreform statt, bei der alle Gutsbezirke bis auf vier aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden. Zum gleichen Zeitpunkt wurde der Gutsbezirk Sziedlauken aus dem Kreis Tilsit-Ragnit in den Landkreis Insterburg umgegliedert.
Im Januar 1945 eroberte die Rote Armee das Kreisgebiet und beseitigte die vorhandenen Verwaltungsstrukturen. Das Kreisgebiet kam unter sowjetische Verwaltung und wurde Teil der russischen Oblast Kaliningrad.
Einwohnerentwicklung hochkant=0.8|mini|Siegelmarke (1850–1923) Jahr Einwohner Quelle 1818 31.104 1846 58.694 1871 66.788 Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Preußen und ihre Bevölkerung 1871, Berlin 1874. 1890 71.782 1900 74.577 1910 46.110 1925 44.775 1933 43.514 1939 43.028
Politik Landräte mini|Kreishaus, Albrechtstr. 17 in Insterburg
1752–1782Johann George Goetz 1783–1812Johann Friedrich Wilhelm von LoschAhnentafel mit Daten von Losch. (S. PDF.), Hrsg. Eckhard Preuschhof, Homberg/Efze 2016. ISBN 3-00-002482-4. 1818–1841Johann Ludwig Burchard (1773–1841) 1841–1844Ludwig Wilhelm zu Dohna-Lauck 1845–1851Heinrich von Schirmeister 1851–1871Gustav Dodillet 1871–1879Konrad von Massow 1879–1887Arthur Germershausen 1887–1890Robert Davidson 1890–1903Hugo Brasch 1903–1909Adolf Magnus 1909–1918Adolph Bölling Overweg 1918–1920Heinrich Schumann 1920–1928Viktor Grimpe 1928–1930Albert Voegt 1930–1935Ernst Lührmann 1935–1945Karl von der Groeben
Wahlen Im Deutschen Kaiserreich bildete der Kreis Insterburg zusammen mit dem Kreis Gumbinnen den Reichstagswahlkreis Gumbinnen 3.Reichstagswahlkreis: Kreis Gumbinnen/Kreis Insterburg. In: Datenbank der Reichstagsabgeordneten, Basis: Parlamentsalmanache/Reichstagshandbücher 1867-1938. Hrsg. MDZ/BSB. München 2024.
Kommunalverfassung Der Kreis Insterburg gliederte sich in die Stadt Insterburg (bis 1902), in Landgemeinden und – bis zu deren nahezu vollständigem Wegfall – in Gutsbezirke. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 sowie der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt.
Amtsbezirke Zwischen 1874 und 1945 war der Landkreis Insterburg in die Stadt Insterburg (bis 1902) und zahlreiche Amtsbezirke untergliedert: Name (bis 1939) Name (1938–1946) Alischken Walddorf Almenhausen Puschdorf Althof Althof-Insterburg Auluwönen Aulenbach (Ostpr.) Berschkallen Birken (Ostpr.) Blockinnen / Schwirbeln Güldenau Budwethen Schönwaldau Carlswalde Karlswalde Didlacken Dittlacken Eichwald Eichwald Friedrichsgabe Friedenau Georgenburg Georgenburg Groß Bubainen Waldhausen (ab 1930) Groß Eschenbruch Groß Eschenbruch Groß Franzdorf Franzdorf Groß Jägersdorf Groß Jägersdorf Grünheide Grünheide Jänischken Jänichen Jodlauken Schwalbental Juckeln Buchhof (ab 1927) Kaukern Bärensprung Keppurlauken Birkenhof Kranichbruch Kranichbruch Kraupischkehmen Erdmannsruh Kummetschen/Karalene Luisenberg Lasdehnen Neuwalde Lindenbusch/Papuschienen Grauden Lugowen Großlugau Neunischken Neunassau Norkitten Norkitten Obehlischken Schulzenhof Padrojen Horstenau Pelleningken Strigengrund Pieragienen Angerlinde Saalau,bis 1892 auch: Laßeningken, bis 1939 auch: Gnottau Saalau,Laschnicken,Gnottau Seßlacken Seßlacken Szieleitschen/Geswethen Landwehr (Ostpr.) Waldhausen Waldhausen
Gemeinden Am 1. Januar 1938 umfasste der Landkreis Insterburg 199 Gemeinden, von denen nur Aulowönen und Norkitten mehr als 1000 Einwohner hatten:Landkreis Insterburg (Territorial)In: Rolf Jehke (Hrsg.): Territoriale Veränderungen in Deutschland und deutsch verwalteten Gebieten 1874–1945. Herdecke. Zuletzt geändert am 14. Dezember 2019. Abschruten Ackmenischken, Ksp. Aulowönen Ackmenischken, Ksp. Obehlischken Albrechtshöfen Althof-Insterburg Amwalde Antargen Aulowönen Auxkallen, Ksp. Georgenburg Auxkallen, Ksp. Pelleningken Auxkallnehlen Baginski Bärensprung Bergental Bergfriede Bernhardseck Berszienen, Ksp. Jodlauken Berszienen, Ksp. Pelleningken Bessen Bindszohnen Birkenfeld Birkenhausen Birkenhof Blumental Bublauken Buchhof Budwethen, Ksp. Aulowönen Burbeln Daupelken, Ksp. Berschkallen Didlacken Dreibrücken Dröschdorf Drutschlauken Eichenberg Eichenstein Eichental Eichhorn Ernstwalde Eszeratschen Fehlbrücken Finkengrund Friedenau Friedensfelde Gaiden Gaidszen Gandrinnen Georgenburg Georgenburgkehlen Georgental Geswethen Gillischken Gnottau Gravenort Groß Berschkallen Groß Eschenbruch Groß Franzdorf Groß Gerlauken Groß Jägersdorf Groß Lasdehnen Groß Laszeningken Groß Niebudszen Groß Schunkern Groß Stobingen Groß Warkau Grünheide Horstenau Hutmühle Ischdagehlen Ischdaggen, Ksp. Georgenburg Jägertal Jänischken Jennen Jessen Jodlauken Kallwischken Kamputschen Kamswyken Karalene Karlswalde Kastaunen Klaukallen Klein Berschkallen Klein Bubainen Klein Gerlauken Klein Niebudszen Klein Reckeitschen Klein Schunkern Kleinlaschnicken Kneiffen Kraupischkehmen Kumpchen Kundern Laugallen Lenkeitschen Lenkutschen Leputschen Lindenberg Lindenhausen Lindenhöhe Louisenthal Lugowen Matheningken Medukallen, Ksp. Grünheide Medukallen, Ksp. Pelleningken Metschullen Milszlauken Mittel Warkau Mittenwalde Mohlen Muldszehlen Myrthenhof Nausseden Neu Stobingen Neuendorf Neugrün (häufig Neu Grün)Siehe Lit.: Hans Wehner (Hrsg.): Güteradreßbuch Provinz Ostpreußen. 5. Auflage, Selbstverlag von Niekammer’s Gütern-Adressbüchern GmbH, Leipzig 1932, S. 162. Neunischken Neuteich Neuwalde Norkitten Obehlischken Padrojen Paducken Pagelienen Pakalehnen Paskirsnen Patimbern Pelleningken Perkunischken Pesseln Peterkehmen Piaten Pieragienen Pillupönen Pladden Powehlischken Pregelau Pusberschkallen Puschdorf Rauducken Rehfeld Rosenthal Roßthal Rudlauken Saalau Saugwethen Sauskeppen Schacken Scheppetschen Schernupchen Schillgallen Schmackerlauken Schönwaldau Schönwiese Schuppinnen Schwägerau Schwirbeln Seßlacken Siegmundsfelde Siemohnen Siemonischken Skardupönen, Ksp. Aulowönen Skerdienen Skungirren Snappen Sprakten Staatshausen Stablacken Staggen Stagutschen Stanken Sterkeningken Stirkallen Swainen Szameitkehmen Szemlauken Szierandszen Tammowischken Tannenfelde Tarpupp Tarputschen Thieslauken Tobacken Trakinnen Trakis Triaken, Ksp. Berschkallen Triaken, Ksp. Jodlauken Trumplauken Uderballen Uszballen Walddorf Waldfrieden Waldhausen Wanniglauken Warlen Wasserlauken Waszeningken Willschicken Wirbeln Wirtkallen Im Landkreis lagen außerdem die drei gemeindefreien Gutsbezirke Forst Eichwald, Forst Papuschienen und Forst Kranichbruch. Vor 1945 aufgelöste Gemeinden Im Landkreis Insterburg lagen ungewöhnlich viele sehr kleine Gemeinden, von denen viele insbesondere in den Jahren 1928, 1929 und 1939 in größere Nachbargemeinden eingegliedert wurden: Albrechtshöfen, am 1. April 1939 zu Siegmundsfelde Antschögstupönen, am 1. Oktober 1929 zu Saugwethen Augustlauken, 1896 zum Gutsbezirk Blumental Bärengraben (Klein Niebudszen), am 1. April 1939 zu Steinsee Bednohren, am 1. Oktober 1929 zu Saugwethen Berszienen, Ksp. Grünheide, am 30. September 1928 zu Grünheide Birkenfeld, am 1. April 1939 zu Wirbeln Brandenau (Ischdaggen, Ksp. Georgenburg), am 1. April 1939 zu Schönwaldau Budupönen, am 30. September 1928 zu Grünheide Budwethen, Ksp. Georgenburg, am 1. Januar 1932 zu Schönwaldau Damerau, am 17. Oktober 1928 zu Eichental Daubarren, am 1. Juli 1929 zu Jodlauken Daupelken, Ksp. Norkitten, am 17. Oktober 1928 zu Uderballen Ernstwalde, am 1. April 1939 zu Buchhof Freiheit Georgenburg, 1894 zum Gutsbezirk Georgenburg Freimannsdorf (Baginski), am 1. April 1939 zu Jänichen Gaidehlen, am 1. Juli 1929 zu Trumplauken Gräwenswalde, am 1. Juli 1929 zu Neu Lasdehnen Groß Auxkallen, am 19. Mai 1913 zu Friedensfelde Groß Kalkeningken, am 17. Oktober 1928 zu Neugrün Groß Pruskehmen, 1895 zu Saalau Groß Reckeitschen, am 25. März 1913 zu Ischdaggen Groß Siegmuntinnen, am 30. September 1928 zu Siegmundsfelde Groß Stobingen, am 1. April 1939 zu Stobingen Großlaschnicken (Groß Lascheningken), am 1. April 1939 zu Laschnicken Groß Uszballen, 1897 zu Uszballen Grüneberg, am 1. Juli 1929 zu Groß Berschkallen Guttawutschen, am 1. Juli 1929 zu Szacken Hasenfeld (Drutschlauken), am 1. Juli 1929 zu Drutschlauken Heideck (Schillgallen), am 1. April 1939 zu Keilergrund Hoffnungsbrück (Powehlischken), am 1. April 1939 zu Eichenberg Hopfenau, am 30. September 1928 zu Schwägerau Ischdaggen, Ksp. Pelleningken, am 1. Juli 1929 zu Pelleningken Karlsdorf, am 1. Juli 1929 zu Muldszehnen Kauschen, am 30. September 1928 zu Horstenau Kemsen, am 17. Oktober 1928 zu Kallwischken Kermuschienen, 1895 zu Rudlauken Kiaunischken, am 30. Oktober 1902 zu Eichhorn Klein Aulowönen, am 17. Oktober 1928 zu Kallwischken Klein Auxkallen, am 19. Mai 1913 zu Friedensfelde Klein Jägersdorf, am 17. Oktober 1928 zu Jägertal Klein Kalkeningken, am 17. Oktober 1928 zu Neugrün