mini|Michael Grätzel (2010)
Michael Grätzel (* 11. Mai 1944 in Dorfchemnitz, Sachsen) ist ein Schweizer Chemiker deutscher Abstammung. Er ist Professor an der École Polytechnique Fédérale in Lausanne und wurde von Scientific American zu einem der 50 führenden Wissenschaftler der Welt gekürt.Scientific American 50: SA 50 Winners and Contributors. In: Scientific American, 21. November 2005. Abgerufen am 26. Mai 2016. Von Thomson Reuters wird er in vier Kategorien (Chemie, Physik, Ingenieurwesen und Materialwissenschaften) als Highly Cited Researcher geführt.Highly Cited Researcher. Internetseite von Thomson Reuters. Abgerufen am 20. Mai 2016.
Leben Grätzel studierte Chemie an der Freien Universität Berlin mit Diplomabschluss im Jahr 1968. Von 1969 bis 1972 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hahn‐Meitner‐Institut. 1971 wurde er bei Arnim Henglein mit der Arbeit Pulsradiolytische Untersuchung kurzlebiger Stickstoff-Sauerstoffverbindungen in wässriger Lösung in Physikalischer Chemie an der Technischen Universität Berlin promoviert. Ab 1972 bis 1974 finanzierte die Petroleum Research Foundation der American Chemical Society ein Postdoctoral Fellowship bei J. Kerry Thomas an der University of Notre Dame in den USA. Anschließend war er bis 1976 erneut Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Berliner Hahn-Meitner‐Institut. Außerdem war er von 1975 bis zu seiner Habilitation im Jahr 1976 Dozent für Photochemie und Physikalische Chemie an der FU Berlin. Ab 1977 bis 1981 hatte er eine Stelle als Associated Professor für Physikalische Chemie an der École Polytechnique Fédérale in Lausanne inne. 1981 wurde er als Professor und Direktor des Laboratory of Photonics and Interfaces an der EPFL berufen.
Werk Michael Grätzel hat einen neuen Typ von Solarzellen, die sogenannten Grätzel-Zelle, maßgeblich mitentwickelt. Es wird behauptet, dass solche Zellen preiswerter herzustellen sind als herkömmliche Solarzellen auf Siliciumbasis und dass sie insbesondere bei schwachem Licht besser arbeiten. Solche Zellen werden inzwischen in geringer Stückzahl kommerziell gefertigt. Die Wirkungsgrade kommerzieller Module liegen deutlich unter denen von Solarzellen auf Siliciumbasis. Michael Grätzel erhielt für seine Forschungen und für seinen Beitrag zur Energiegewinnung aus (Sonnen-)Licht eine Vielzahl an Ehrungen und Preisen und gilt seit Jahren als Kandidat für einen Chemienobelpreis.Der nächste Schweizer Nobelpreisträger?. In: Tages-Anzeiger, 6. Juni 2010. Abgerufen am 31. Oktober 2015.
Grätzel ist Autor und Mitautor von über 1100 Publikationen, zwei Büchern und Inhaber von mehr als 50 Patenten. Seine Arbeiten wurden nach Google Scholar bereits über 500.000 Mal zitiert, sein h-Index beträgt 311 (Stand: März 2025).
Auszeichnungen (Auswahl) 1998 – McKinsey Venture award 2000 – European Grand Prix for Innovation (Monaco) 2001 – Faraday-Medaille der Royal Society of Chemistry 2001 – Havinga-Medaille der Havinga Fund Foundation, verliehen an der Universität Leiden 2002 – IBC International Award in Supramolecular Science and Technology 2002 – McKinsey Venture award 2004 – ENI Italgas Prize in Science and Environment 2005 – Heinz Gerischer Award der Europäischen Sektion der Electrochemical Society 2006 – World Technology Award in Materials (San Francisco, USA) 2007 – Preis der Japan Society of Coordination Chemistry 2008 – Harvey-Preis (Harvey Prize for Science and Technology) des Technion in Haifa 2009 – Balzan-Preis Balzan Price for the Science of New Materials 2009 – Luigi-Galvani-Medaille der Italienischen Chemischen Gesellschaft (Società Chimica Italiana) 2010 – Millennium Technology Prize der Technology Academy Finland 2011 – Gutenberg Research Award des Gutenberg Forschungskollegs der Johannes Gutenberg-Universität Mainz 2011 – Paul-Karrer-Medaille in Gold der Universität Zürich 2011 – Wilhelm-Exner-Medaille des Österreichischen Gewerbevereins in Wien 2012 – Albert Einstein World Award of Science 2012 des World Cultural Council (Consejo Cultural Mundial), Mexiko 2012 – Swisselectric Research Award 2013 – Marcel-Benoist-Preis 2014 – Mitglied der Leopoldina 2015 – König-Faisal-Preis für Wissenschaft 2016 – Centenary Prize der Royal Society of Chemistry 2017 – Global Energy Prize 2018 – August-Wilhelm-von-Hofmann-Denkmünze der Gesellschaft Deutscher Chemiker 2018 – Theodor-Förster-Gedächtnisvorlesung 2020 – BBVA Foundation Frontiers of Knowledge Award 2022 – Auswärtiges Mitglied der Royal Society 2025 – Aufnahme in den Orden Pour le Mérite 2026 – Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern
Weblinks
Michael Grätzel an der École Polytechnique Fédérale Profil bei Google Scholar Kai Kupferschmidt: Millenniumpreis für die Solarzelle von morgen. In: Zeit Online vom 10. Juni 2010 Michael Graetzel Internationale Stiftung Preis Balzan Interview mit Michael Grätzel von Christoph Gurk Der Chemiker, das Glas und die Photosynthese in Energiewende-Magazin vom 19. April 2017
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Chemiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Chemiker (21. Jahrhundert) Kategorie:Absolvent der Freien Universität Berlin Kategorie:Person (Solarenergie) Kategorie:Hochschullehrer (École polytechnique fédérale de Lausanne) Kategorie:Mitglied der Leopoldina (21. Jahrhundert) Kategorie:Auswärtiges Mitglied der Royal Society Kategorie:Träger der Wilhelm-Exner-Medaille Kategorie:Träger des Pour le Mérite (Friedensklasse) Kategorie:Balzan-Preisträger Kategorie:Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern Kategorie:Schweizer Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1944 Kategorie:Mann