mini|hochkant|Peter Joseph Roeckerath Peter Joseph Roeckerath, auch Peter Joseph Röckerath (* 14. Dezember 1837 in Köln; † 9. Oktober 1905 ebenda) war ein deutscher katholischer Religionslehrer, Bauunternehmer und Reichstagsabgeordneter.

Leben mini|hochkant|Promotionsurkunde Dr. Roeckerath von 1860 mini|hochkant|Agnes Roeckerath, geb. Schmitz, im Jahr 1873 Er war ein Sohn des Kölner Schreinermeisters Franz Josef Roeckerath (1805–1874) und seiner Frau Catharina, geb. Wach (1804–1886). Roeckerath studierte auf Wunsch seiner ElternHans-Ulrich Wiese: Peter Joseph Roeckerath und St. Agnes, S. 13. Theologie an der Universität Bonn und Philologie in Münster. Er strebte zunächst die Priesterweihe an, entschied sich dann aber doch für den Beruf eines Gymnasiallehrers. 1859 erhielt er seine erste Anstellung als Gymnasiallehrer in Münstereifel. Er promovierte nach Studien in seiner Freizeit 1860 zu Münster „magna cum laude“ mit der Abhandlung „Foedera Romanorum et Carthaginiensium controversa critica ratione illustrantur.“Hans-Ulrich Wiese: Peter Joseph Roeckerath und St. Agnes, S. ? Bis 1871 war er im Lehramt in Neuß tätig. Er arbeitete zunächst als Religionslehrer an einem Gymnasium und unterrichtete in Latein, Griechisch, Deutsch, Geschichte und Hebräisch. Er veröffentlichte unter anderem eine biblische Chronologie bis zur Geburt Jesu.Rezension in: Der Katholik. Zeitschrift für katholische Wissenschaft und kirchliches Leben. Jg. 45, 1865, S. 596.

mini|hochkant|Agnes und Peter Joseph Roeckerath zur Hochzeit 1863 heiratete er Anna Margaretha Harnischmacher. Wie schon der Name besagt, entstammte sie einer alten Familie von Schmieden und Schlossern aus Olpe in Westfalen. Die Ehe blieb kinderlos, seine Frau starb bereits drei Jahre nach der Hochzeit. Am 30. Oktober 1867 heiratete er in zweiter Ehe in Köln die verwaiste Agnes Margaretha Schmitz. Die Eltern seiner Frau waren 1849 beide an der Cholera gestorben, sie war bei ihrer Tante aufgewachsen, einer Kölner Kappesbäuerin. Mit Agnes hatte er zwölf Kinder. Roeckerath hatte schon während seiner Gymnasiallehrerzeit gemeinsam mit seinen jüngeren Brüdern Michael und Anton mit dem Bau von Wohnhäusern begonnen, da sein geringes Lehrergehalt nicht zur Ernährung der großen Familie ausreichte.Hugo Poth: Die Pfarrkirche St. Agnes in Köln 1902–1952. Köln 1952, S. ?. Bei zunehmendem Wohnungsmangel in Köln bauten sie Wohnungen, die für den damaligen Mittelstand erschwinglich waren. 1867 war Roeckerath ein Mitbegründer des Neuen Bürger-Vereins, des Bau-Vereins im Neuen Bürger-Verein und des Kredit-Vereins im Neuen Bürger-Verein als Genossenschaften, mit dem Ziel, den Mitgliedern preiswerte Häuser, Wohnungen und Kredite zu beschaffen. Zu seinen Mitstreitern gehörten die Brüder Johann Anton Friedrich Baudri und Friedrich Baudri, August Reichensperger, Ernst Weyden und August Essenwein. Gemeinsam mit Führungskräften der Genossenschaften gründete Roeckerath ebenso die Kölner Abteilung der Deutschen Zentrumspartei als wichtigste Repräsentation des politischen Katholizismus in Deutschland mit. Nach der Trennung von seinen Brüdern führte er das Bauunternehmen weiter und legte schließlich sein Lehramt in Neuß nieder.

Später machte er ein Vermögen mit zum Teil umstrittenen Grundstücksgeschäften und als Bauunternehmer, Ziegeleibesitzer und Fabrikant für Baumaterialien.Hugo Poth: Die Pfarrkirche St. Agnes in Köln 1902–1952. Köln 1952, S. 38. Am Hohenzollernring ließ er ein repräsentatives Stadtpalais errichten, das unter der Bezeichnung Villa Roeckerath bekannt wurde. Umstritten war insbesondere sein Weitblick bei seinen politischen Gegnern. Auch eine gehörige Portion Neid wird im Spiel gewesen sein, da sein strenger Katholizismus, sein soziales Engagement und sein gleichzeitiger immenser wirtschaftlicher Erfolg in der damaligen Zeit schwer fassbar waren. 1881 hatte in Köln die Stadterweiterung begonnen, in deren Verlauf die alte Stadtmauer niedergelegt wurde und große Flächen zum Bau einer Neustadt entstanden. Roeckerath brachte den Plan der liberalen Mehrheit zum Scheitern, die Stadterweiterung einer Privatgesellschaft zu übertragen. Er wollte die Gewinne aus der Stadterweiterung den Bürgern und nicht einigen wenigen Privatleuten zukommen lassen. Der Bebauungsplan, den die Stadtverordneten aufstellten, nahm jedoch keinerlei Rücksicht auf die Lage, Größe und den Zuschnitt der Grundstücke. Im Ergebnis gab es nur sehr wenige im Besitz zusammenhängende bebauungsfähige Flächen. Roeckerath verstand es, durch Kauf, Tausch und Umlegungen kleiner und kleinster Parzellen bebauungsfähiges Land zu gewinnen. Seine Gegner machten ihm dies wiederholt öffentlich zum Vorwurf, seine Befürworter hoben hingegen seine Uneigennützigkeit zum Wohl der Stadt und ihrer Bürger hervor.

1872 begann der Kulturkampf zwischen Staat und Kirche auch in Köln. Roeckerath war „mit einer Reihe seiner Freunde unermüdlich tätig, den einmütigen Widerstand des katholischen Volkes zu organisieren und die Freiheit seiner Kirche zu verteidigen. […] In Erfüllung seiner kirchlichen Pflichten war er stets ebenso pünktlich und treu, wie unwandelbar redlich und zuverlässig in geschäftlichen Dingen.“Totenzettel Peter Joseph Roeckerath zu seiner Beerdigung 1905. Als der Kölner Erzbischof Paul Melchers sich weigerte, im Kulturkampf die sogenannten „Maigesetze“ zu befolgen, kämpfte Roeckerath vehement für die Freilassung des 1874 im Kölner Gefängnis „Klingelpütz“ eingesperrten Geistlichen.

Roeckerath war Stadtverordneter in Köln von 1875 bis 1879 und von 1881 bis 1893Hans-Ulrich Wiese: Peter Joseph Roeckerath und St. Agnes, S. 40ff. sowie von 1872 bis 1882 Mitglied des Preußischen AbgeordnetenhausesBernhard Mann (Bearb.) unter Mitarbeit von Martin Doerry, Cornelia Rauh, Thomas Kühne: Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus 1867–1918 (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 3). Droste, Düsseldorf 1988, ISBN 3-7700-5146-7, S. 324; zu den Wahlergebnissen siehe Thomas Kühne: Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten (= Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Band 6). Droste, Düsseldorf 1994, ISBN 3-7700-5182-3, S. 792–795 (Wahlkreis Aachen 3) und S. 703–705 (= Wahlkreis Köln 1). und Mitglied des Reichstages in der sechsten Wahlperiode vom Oktober 1884 bis März 1887 als Mitglied des Zentrums.mini|Der Stadt-Anzeiger der liberalen Kölnischen Zeitung nahm am 8. November 1881 anlässlich einer Stadtverordnetenwahl Stellung gegen die Zentrumspartei und gegen Roeckerath persönlich.

In seinem politischen Engagement musste Roeckerath sich beständiger Desavouierungsversuche seiner Gegner erwehren. 1874 wurde er beispielsweise angeklagt, weil er in einer Rede erwähnt hatte, dass der damalige Erzbischof von Köln Paulus Melchers während seiner Haft im Kölner Gefängnis Klingelpütz mit Verbrechern in Berührung gekommen war. Er war deshalb angezeigt worden und der Staatsanwalt hatte drei Monate Haft gefordert, weil Roeckerath „entstellte Tatsachen“ behauptet und dadurch Staatseinrichtungen verächtlich gemacht habe. Das Gericht verurteilte ihn in erster Instanz zu 100 Mark Geldbuße, sprach ihn jedoch in der Berufung frei, nachdem Roeckerath bewiesen hatte, dass der „Küster“ des Erzbischofs wegen Meineids und die „Messdiener“ wegen Mordes verurteilt worden waren.

Er war gänzlich unnachgiebig, wenn er Widerstand gegen berechtigte Missstände verspürte, wodurch er sich Feinde machte. So hatte er beispielsweise als Bauunternehmer wie auch in seinem katholischen und politischen Engagement immer wieder die Erfahrung gemacht, wie sehr die Handwerker und Gewerbetreibenden unten den hohen Zinsen der Banken zu leiden hatten. Konsequent betrieb er 1875 die Gründung der Rheinischen Volksbank, die den privaten Banken wegen ihrer niedrigen Zinsen ein Dorn im Auge war. 1880 gründete er die Cölner Hypothekenbank und die Rheinische Boden-Kredit mit und engagierte sich stark für die Gründung weiterer Volksbanken.

Mit seiner Anregung zur Gründung einer Feuerversicherungs-Genossenschaft Rheinland verfolgte er das Ziel einer preiswerten Feuerversicherung und schaffte sich neue Gegner in der Finanzwelt. In einer auf eigene Kosten ausgearbeiteten Untersuchung wies er nach, dass die Feuerversicherungen unverhältnismäßig hohe Dividenden mit unverhältnismäßig hohen Belastungen der Versicherten finanzierten. Trotzdem wurde sein Antrag von der liberalen Mehrheit im Stadtverordnetenkollegium abgelehnt. Roeckerath änderte daraufhin seinen Plan von einem genossenschaftlichen Modell zu einer selbständigen Aktiengesellschaft, deren Satzung er wiederum auf eigene Kosten ausarbeiten ließ. Die Widerstände zur Konzessionierung überwand er, indem er das vom Ministerium zur Abschreckung mit drei Millionen Reichsmark deutlich zu hoch angesetzte Aktienkapital allen zum Trotz beschaffte. Nach mehrjährigem Kampf wurde schließlich 1880 die Konzession der neuen Feuerversicherungs-Gesellschaft Rheinland erteilt, deren Vorsitzender Peter Joseph Roeckerath wurde und bis zu seinem Tod blieb.

Der Krieler Hof und die Ziegeleien mini|Kartenausschnitt Kriel von 1891 mit Ziegeleien Kriel war vordem ein Weiler auf dem Gebiet des heutigen Kölner Vororts Lindenthal, einer damals ausschließlich landwirtschaftlich geprägten Gegend. Die Bauern- und Gutshöfe waren in geistlichem Besitz. Der Krieler Hof im Besitz des St. Gereonsstifts bildete mit Eigenkirche „Krieler Dom“ und eigenem Gericht den Kern der Herrlichkeit Kriel.

1155 erstmals urkundlich erwähnt, betrieb der Krieler Hof am Gleueler Bach mehrere Mühlen und vergrößerte seinen Grundbesitz im Laufe der Jahrhunderte. Immer wieder wurden zugehörige Höfe verkauft und neue hinzu gekauft. Während der Säkularisation 1802 enteignet, gehörte der Krieler Hof 1869 mit 149 Morgen Land der Familie Thelen. Der Bauer Thelen verkaufte den Thelens Hof (Krieler Hof) später an P.J. Roeckerath. Roeckerath stellte die Landwirtschaft ein und verpachtete die Hofanlage an den Polizeisergeanten Stommel, der ihn Stommels Hof nannte.

Mit dem Kauf des Krieler Hofs hatte Roeckerath fast 150 Morgen Land mit reichhaltigen Tonvorkommen erworben, wo schon seit der Vorzeit Keramiken und Ziegel gebrannt worden waren. Er erweiterte die Ziegeleien zum Vorteil seiner Bauunternehmungen.Hans Clemens: Die alte Pfarre und Herrlichkeit Kriel. Köln 1964, S. ?. 1879 kaufte Roeckerath in der Gemeinde Kriel das an die Zülpicher Straße und die Freiligrathstraße grenzende Grundstück, auf dem die Pfarrkirche St. Stephanus, genannt „Krieler Dömchen“, noch heute steht. 1880 erbaute er nördlich des Gotteshauses ein zweistöckiges Wohnhaus im Stil der Neorenaissance, das schnell den Namen „Villa Roeckerath“ erhielt. Um die Villa herum ließ er einen kunstvollen Park anlegen. Villa und Park bestanden bis 1930, mussten dann einer Reihenhaussiedlung weichen.Werner Reuter: Von Crele nach Kriel. 50 Jahre St. Albertus Magnus – 1000 Jahre Seelsorge am Krieler Dom. Greven & Bechtold, Köln 1988, S. ?.

Zwischen der Zülpicher Straße und der Neuenhöfer Allee hatte er Arbeiterhäuser gebaut, wo die überwiegend italienischen Arbeiter seiner Ziegelei wohnten. Dort gelangten die Krieler Polizisten Fahnenschreiber und Pütz zu Ruhm, als sie die berüchtigten „Frechener Räuber“ überlisteten, Die hatten wiederholt Händler auf ihrem Weg vom Lindenthaler Markt nach Hause mit Waffengewalt überfallen und ausgeraubt. Die beiden Polizisten hatten in tagelanger Lauer das Lager der Banditen unter einer Brücke ausgekundschaftet, wo sie die Räuber eines Nachts dingfest machten.

Kritik an seinen Immobiliengeschäften