mini|hochkant=1.2|Schloss Waldenburg, Straßenseite (Aufnahme von 2015)
Das Schloss Waldenburg ist ein im Historismus unter Einbeziehung mittelalterlicher Bauteile erbautes Schloss in Waldenburg in Südwestsachsen.
Geschichte Burg Waldenburg Das heutige Schloss geht auf eine Burg zurück, die im 12. Jahrhundert, vermutlich zwischen 1165 und 1172, während der Kolonisierung des Pleißenlandes durch Hugo von Wartha zusammen mit Rudolf von Brand errichtet wurde. Hugo von Wartha war Richter im königlichen Pleißenland und damit hier einer der bedeutendsten Reichsministerialen. Rudolf von Brand war kaiserlicher Marschall.André Thieme: Die Burggrafschaft Altenburg. Studien zu Amt und Herrschaft im Übergang vom hohen zum späten Mittelalter. Leipzig 2001, S. 386–387. Dieter Rübsamen: Kleine Herrschaftsträger im Pleissenland. Studien zur Geschichte des mitteldeutschen Adels im 13. Jahrhundert. München 1987, S. 531.K. Fleck, Ralph Zenker u. a.: Waldenburg. Zur Geschichte der Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten: Heimatmuseum und Naturalienkabinett Waldenburg. Überarbeitete Ausgabe. Hrsg. von der Stadtverwaltung Waldenburg. Waldenburg 1990, S. 5.
Die Burg Waldenburg befand sich im Osten des alten Stadtkernes (Oberstadt) auf einem nach Osten ragenden Bergsporn orographisch links über der Zwickauer Mulde. Im Jahre 1199 titelte eine Urkunde „pro Hugone ministerali nostro de Waldenberc“Bodendenkmal Bergsporn "Schloßberg" in Waldenburg (S. 28), in Volkmar Geupel: Die geschützten Bodendenkmale im Bezirk Karl-Marx-Stadt. Hrsg. Heinz-Joachim Vogt, Kleine Schriften des Landesmuseums für Vorgeschichte Dresden, Heft 3, Dresden 1983, ISSN 0232-5446.
Am westlichen Rand der Flussaue gelegen, schützte die Burg einen nach Böhmen führenden Weg („Böhmischer Steig“), der hier in einer Furt die Zwickauer Mulde querte. Kern der dreiteiligen Anlage, die durch zwei Gräben unterteilt und zusätzlich durch einen Wassergraben geschützt wurde, war der Bergfried im mittleren Abschnitt der Burg. Er hatte einen quadratischen Grundriss, sein unterer Teil, ein Bruchstein-Mauerwerk – verblendet mit stauferzeitlichen Buckelquadern – blieb bis heute erhalten.
Die Nachkommen von Hugo von Wartha nannten sich von Waldenburg. Die Burg Waldenburg war Mittelpunkt eines Herrschaftsgebietes, das in Richtung Süden bis weit in das Erzgebirge hineinreichte und auch die Herrschaften Rabenstein (gelangte 1375 an das Benediktinerkloster Chemnitz), Wolkenstein und Greifenstein umfasste.
Infolge einer Erbeinigung 1366 zwischen Johannes I. von Waldenburg und Friedrich von Schönburg-Hassenstein, wurden die Schönburger spätestens 1378 Herren von Burg und Stadt Waldenburg. Friedrich XI. von Schönburg nennt sich daher im Jahre 1378 erstmals Herr zu Glauchau und Waldenburg.K. Fleck, Ralph Zenker u. a.: Waldenburg. Zur Geschichte der Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten: Heimatmuseum und Naturalienkabinett Waldenburg. Überarbeitete Ausgabe. Hrsg. von der Stadtverwaltung Waldenburg. Waldenburg 1990, S. 9. Ab 1378 war daher Burg Wolkenstein im Zschopautal neuer Hauptsitz der „Herren von Waldenburg“, die im Jahre 1473 im Mannesstamme ausstarben.
1388 wurde Veit I. von Schönburg, Herr der Burg Hartenstein, in Burg Waldenburg belagert von dem Markgrafen von Meißen, da er in der Rabensteiner Fehde die Burg Rabenstein und das Kloster Chemnitz überfallen hatte.Reiner Groß: Schönburgische Geschichte. Eine Zeittafel. Herausgeber: Britta Günther, Michael Wetzel, Tommy Schmucker, Chemnitz 2005, Eintrag „1388“ in chronologisch geordneter Liste, S. 9.
1430 zerstörten die Hussiten Burg und Stadt. Sie lagerten dabei auf dem der Burg gegenüberliegenden „Rotenberg“.
Am 15. Juli 1970 wurde der Waldenburger „Schloßberg“ (Burgstandort) als Bodendenkmal eingetragen.
Vorburg Anstelle des späteren vorderen Renaissanceschlosses (1848 abgebrannt) befand sich ursprünglich eine Vorburg der Waldenburger Burg (späteres hinteres Schloss). Diese Vorburg wurde zunächst zu einem spätgotischen Schloss umgebaut das 1519 abbrannte,Matthias Donath: 100 Jahre Residenzschloss Waldenburg 1912–2012. Zwickau 2012, ISBN 978-3-9811118-7-3, S. 6. bevor die Anlage später zu einem Renaissanceschloss („vorderes Schloss“ oder „Vorderschloss“) umgebaut wurde.
Vorwerk/Wirtschaftshof Etwa zeitgleich mit der Burg entstand ihr nordwestlich gegenüber ein zugehöriger Wirtschaftshof oder Vorwerk.K. Fleck, Ralph Zenker u. a.: Waldenburg. Zur Geschichte der Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten: Heimatmuseum und Naturalienkabinett Waldenburg. Überarbeitete Ausgabe. Hrsg. von der Stadtverwaltung Waldenburg. Waldenburg 1990, S. 6. Dieses Objekt existiert noch heute, ist wegen langen Leerstandes (seit nach 1990) aber vom Verfall bedroht. Es handelt sich nahezu um eine Vierflügelanlage um einen quadratischen Hof. Während der DDR-Zeit wurden diese Gebäude landwirtschaftlich genutzt.
Bevor das neue Museumsgebäude 1844K. Fleck, Ralph Zenker u. a.: Waldenburg. Zur Geschichte der Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten: Heimatmuseum und Naturalienkabinett Waldenburg. Überarbeitete Ausgabe. Hrsg. von der Stadtverwaltung Waldenburg. Waldenburg 1990, S. 22. direkt neben dem Vorwerk errichtet worden war, befand sich die Sammlung „Naturalienkabinett“ innerhalb des Vorwerks im Gebäude des Marstalles. Nach Errichtung des Museumsgebäudes wurde die Sammlung, das heutige „Heimatmuseum und Naturalienkabinett Waldenburg“, in das neue Museumsgebäude umgelagert.
Vorderes und hinteres Renaissanceschloss mini|links|Waldenburg, Lithographie 1839: „vorderes Schloss“ (Bildmitte) und Bergfried des „hinteren Schlosses“ bzw. der ehemaligen Burg (rechts)
Anstelle der zerstörten Waldenburger Burg und ihrer Vorburg entstanden später das sogenannte „hintere Schloss“ und das jüngere „vordere Schloss“. Beides waren Bauten der Renaissance. Nach dem Brand des vorderen Schlosses 1848 wurde nach dessen Abriss an dessen Stelle das heutige neue Waldenburger Schloss im Stile der Neoromanik errichtet. Von Burg/hinterem Schloss existieren heute noch der Bergfried mittelalterlicher Unterteil mit Buckelquadermauerwerk aus staufischer Zeit und mehrere Gebäude neben dem Bergfried.
Nach dem Brand erfolgte der Wiederaufbau der Vorburg als Schloss. Nachdem 1519 das Schloss abgebrannt war, wurde es (vermutlich zwischen 1529 und 1534) erneut aufgebaut.
Nach dem Tod von Ernst I. von Schönburg (1486–1534) erfolgte die Aufteilung der Herrschaft an seine Söhne. Waldenburg gelangte zusammen mit Lichtenstein und Hartenstein an den sächsischen Geheimen Rat Hugo I. von Schönburg (1529–1566), welcher die Linie Schönburg-Waldenburg begründete.Hugo I. in der Sächsischen Biografie Als neuer Herrschaftssitz wurde zwischen 1556 und 1565 ein neues Renaissanceschloss als Residenz an Stelle des vorderen Burgteils errichtet. Parallel zu dem neuen Vorderschloss, das aus zwei Rechteckflügeln mit vorgesetzten Treppentürmen bestand, existierte noch das durch einen Graben getrennte Hinterschloss mit dem mittelalterlichen Bergfried. Das Hinterschloss wurde jedoch bei einem Brand 1619 zerstört und nicht wieder aufgebaut.
1700 wurden die von Schönburg durch Kaiser Leopold I. in den Reichsgrafenstand erhoben und residierten von nun an als Grafen von Schönburg-Waldenburg auf Schloss Waldenburg. Im 18. Jahrhundert erfolgten weitere Sicherungs- und Umbauten unter Otto Ludwig (1643–1701) und Albrecht Carl Friedrich von Schönburg (1710–1765). Mit den Resten der Ruine des Hinterschlosses wurde 1783 der Graben zwischen den Schlossteilen verfüllt.
Unter Fürst Otto Victor I. von Schönburg wurde das Schloss zwischen 1835 und 1840 modernisiert. Zur Unterbringung seiner Sammlung an Naturalien und ethnografischen Objekten errichtete er 1847 ein eigenständiges, zweigeschossiges Gebäude im äußeren Schlossbereich in Anschluss an die (verlorene) Reithalle, das heute noch vorhandene Museum – Naturalienkabinett.Ulrike Budig: Ein Museumsbau für das Waldenburger Naturalienkabinett. In: Denkmalpflege in Sachsen. Mitteilungen des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen. Jahrbuch 2010, S. 58–63. Seine Herrschaft erfuhr Anfang des 19. Jahrhunderts eine beträchtliche Industrialisierung, die vor allem von der Textilindustrie getragen wurde. Die wachsende Unterschicht von Textilarbeitern, Webern und Strumpfwirkern war mit ihrer sozialen Lage unzufrieden, zudem wurde die Herrschaft von Otto Victor I. als wenig volksnah und despotisch empfunden. Im Zuge der Revolution von 1848 kam es auch in Waldenburg zu Protesten der Arbeiter, die soziale und politische Veränderungen einforderten. Dabei wurde am 5. April 1848 das Schloss gestürmt, geplündert und niedergebrannt. Die Flammen vernichteten zahlreiche Kunstgüter, die Bibliothek und das Archiv des Schlosses.
Die fürstliche Familie konnte entkommen, Otto Victor I. kehrte 1849 nach Waldenburg zurück und ließ 1852/53 die Reste des Schlosses abtragen.
Schloss Waldenburg (neue Schlossbauten) Der Neubau erfolgte 1855–1859 nach Plänen von Eduard Pötzsch, nachdem zuvor bereits Heinrich Strack und Carl Alexander Heideloff Pläne entworfen hatten. Das neue Schloss Waldenburg entstand als geschlossene Vierflügelanlage mit neuromanischen und tudorgotischen Elementen. Die Ecken des Südflügels verfügten über zinnenbesetzte Erker, im Innenhof erhob sich ein achteckiger Uhrenturm. Der benachbart und einzeln stehende mittelalterliche Bergfried wurde aufgestockt und mit einem Zeltdach versehen.
Von 1909 bis 1912 erfolgte ein weitgehender Umbau des Schlosses unter Fürst Otto Victor II. (1882–1914). Das äußerst gelungene, wenngleich sehr kostspielige Projekt wurde von den Architekten Hofbaurat Gustav Frölich und Willy Meyer, beide aus Dresden, ausgeführt. Mit dem Umbau wurde einerseits der repräsentative Charakter des ursprünglich auch im Inneren vergleichsweise schmucklosen Neubaus von 1855/59 deutlich erhöht. Otto Victor II. ließ hochwertiges Kunstgut wie Gemälde italienischer Meister, historische Möbel aus Renaissance und Rokoko und asiatisches Porzellan aufkaufen und nach Waldenburg bringen. Gleichzeitig wurde das Schloss auch technisch modernisiert und eine moderne Heizung, Bäder mit fließendem Wasser. eine elektrische Lichtanlage, eine zentrale Staubsaugeranlage und Haustelefone installiert. Äußerlich wurde die blockhafte Grundform des alten Schlosses durch Erker, Giebel und Fensterläden aufgelockert. Die Zinnenkränze und Turmbekrönungen im Tudorstil wurden entfernt. An der Ostseite des Schlosses wurde ein neuer Anbau angefügt, der zusammen mit einem Wintergarten den Bergfried nun an die Schlossanlage auch baulich anband. Die Gesamtkosten des umfassenden Umbaus beliefen sich auf ca. 1,5 Millionen Mark (inkl. Innenausstattung).
Der Heimatforscher Otto Eduard Schmidt urteilte über das „neue“ Schloss Waldenburg wie folgt:
Ab 1932 machte die Fürstenfamilie Teile des Schlosses als „Schlossmuseum Waldenburg“ für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Schönburger blieben bis 1945 im Besitz der Waldenburger Schlossanlagen.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges richtete die Rote Armee im Juli 1945 eine Kommandantur im Schloss ein, zudem wurden zahlreiche Räume zur Unterbringung von Flüchtlingen genutzt. Der Schlosseigentümer Fürst Günther von Schönburg-Waldenburg (1887–1960) wurde im September 1945 im Zuge der Bodenreform entschädigungslos enteignet und interniert (ihm gelang wenig später die Flucht in die britische Besatzungszone). Im November 1945 besetzte die Rote Armee das komplette Schloss und richtete hier zwischen August 1946 und Juni 1947 ein Lazarett ein. Teile der Schlossausstattung, darunter die Bibliothek mit 18.000 Büchern, die Silberkammer und einzelne Möbel, wurden als Beutekunst abtransportiert. Die verbliebenen Kunstgegenstände wurden 1948 an das Museum Glauchau und das Heimatmuseum Waldenburg abgegeben.