Die Familientelefonanlage (FTA, zuerst als Familientelefon vermarktetDie Heimtelefonanlage: Unterrichtsblätter der Deutschen Bundespost Ausgabe B Fernmeldewesen, 2/1982, S. 55, postintern als Heimtelefonanlage bezeichnet) war eine Telekommunikationslösung, die in den 1980er Jahren von der Deutschen Bundespost für Privathaushalte angeboten wurde. Technisch betrachtet war es eine Serie kleiner Telefonanlagen für bis zu fünf Nebenstellen und maximal zwei Amtsleitungen.

Hintergrund Datendienste wie Internet waren zu dieser Zeit noch nicht bedeutsam. Die Familientelefonanlage sollte einerseits interne Gespräche ermöglichen, andererseits den Doppelanschluss (zwei Amtsleitungen) für größere Personengruppen nutzbar machen. Die damals angebotenen Lösungen mit „Nebenapparaten“ waren gegenüber heutigen Systemen (wie ISDN-Telefonanlagen oder DSL-Router) vergleichsweise unflexibel. Zielgruppe waren daher größere Haushalte (bezogen auf die Personenanzahl oder auch die Größe der Wohnung) sowie Kleingewerbe mit bis zu fünf Nebenstellen.

Aufbau und Typen Die Familientelefonanlage bestand aus einer elektronischen Zentraleinheit, ungefähr von der Größe eines dicken Buches, die Zugang zum Telefonanschluss sowie einen 220-V-Netzanschluss benötigte. Es gab immer eine „Hauptstelle“ (auch als „Abfragestelle“ bezeichnet) und bis zu vier weitere „Nebenstellen“. Alle Telefone wurden jeweils analog über zwei Adern angebunden. Somit konnten, im Gegensatz zu den bis dahin üblichen Telefonanlagen, gewöhnliche Telefone ohne Erdtaste als Haupt- und Nebenstellenapparate verwendet werden. Die Familientelefonanlagen wurden in „Regelausstattung“ ausgeliefert, erweiterte Leistungsmerkmale der „Ergänzungsausstattung“, welche von anderen (teureren) Telefonanlagen angeboten wurden, waren nicht vorgesehen. Außerdem war die mögliche Anschlusslänge der Nebenstellenleitungen auf eine Kabellänge von ca. 170 m bei einem Aderndurchmesser von 0,6 mm beschränkt. Bezeichnung Typ AbmessungenB × H × T in cm Hersteller Amtsleitungen Hauptstellen Nebenstellen weiteres HTA 1/4 121(A) 16,4 × 22,6 × 8,1 Entwicklungsgruppe Nord: BOSSE TELEFONBAU, elmeg, Hagenuk 1 1 4 Anschlussmöglichkeit für Tür-Freisprecheinrichtung und externen Wecker HTA 1/4 122 20,5 × 21,8 × 6,4 Entwicklungsgruppe Süd: Siemens, Merk, TeKaDe wie Typ 121 HTA 1/4 123 18 × 24 × 10 SEL wie Typ 121 HTA 1/4 124Deutsche Bundespost TELEKOM: Handbuch für Entstörer, 03/1993 wie Typ 121 HTA 1/4 125 18 × 25 × 12 SEL wie Typ 121 HTA 1/4 126Familientelefon von der Post - Heimtelefonanlage HTA - Typ 126: Arbeitsgemeinschaft Heimtelefonanlage HTA: BOSSE TELEFONBAU & elmeg & Hagenuk, August 1982 16,4 × 22,6 × 8,1 Entwicklungsgruppe Nord: BOSSE TELEFONBAU, elmeg, Hagenuk wie Typ 121 FTA 2/4 131Familientelefonanlage 2/4: Servicehandbuch der Deutschen Bundespost für Typ 133, 2/1984 1 oder 2 1 4 Anschlussmöglichkeit für Tür-Freisprecheinrichtung und externen Wecker FTA 2/4 133 18 × 24 × 12 wie Typ 131 FTA 2/4 137 20 × 21 × 8,5 wie Typ 131

Leistungsmerkmale Anschlussmöglichkeit für bis zu fünf Nebenstellen 1 oder 2 Amtsleitungen (von der Bundespost als Doppelanschluss vermarktet) Interne Gespräche Makeln zwischen internen und externen Gesprächen Annahme von externen Anrufen an beliebigen Nebenstellen Weitergabe von Anrufen an andere Nebenstellen Anschluss einer Türfreisprechanlage inklusive Türöffnen von jeder Nebenstelle Nutzung einer einzelnen Nebenstelle auch bei Stromausfall

Kosten Kostenaufstellung für die Einrichtung und die Miete einer Familientelefonanlage Stand Juni 1981:10000 Familien-Telefone im Netz der Deutschen Bundespost: Unterrichtsblätter der Deutschen Bundespost Ausgabe B Fernmeldewesen, 8/1981, S. 295 Der Anschluss einer posteigenen (gemieteten) Familientelefonanlage kostete einmalig 80 DM. Der Anschluss der Sprechstellen kostete je Sprechstelle einmalig 40 DM. Die laufende Gebühr für die FTA inkl. zwei Sprechstellen betrug 25 DM monatlich oder einmalig 1070 DM, dann betrug die monatliche Gebühr 4 DM. Für die dritte bis fünfte Sprechstelle betrug die monatliche Gebühr je 1,90 DM. Die Tür-Freisprechanlage kostete monatlich 10 DM oder einmalig 560 DM.

Wirtschaftliches Scheitern Trotz der für die damalige Zeit umfangreichen Leistungsmerkmale konnte sich die Familientelefonanlage nicht durchsetzen und wurde nach 1990 wieder aus dem Angebot genommen. Hauptgrund dafür dürfte der Preis gewesen sein: Die Hardware einer voll ausgebauten Familientelefonanlage hatte damals einen Marktpreis zwischen 1000 und 1500 DM (je nach verwendeten Endgeräten). Durch das Endgerätemonopol der Bundespost mussten diese jedoch komplett von dieser gemietet werden; je nach Endgeräten war hier rasch eine Monatsmiete von 100 DM erreicht (das billigste Telefon mit Wählscheibe kostete 2,30 DM pro Monat, das schnurlose Telefon der Serie Sinus kostete 120 DM). Dazu kamen die Kosten für die Zentraleinheit, den eigentlichen Anschluss und Gesprächsgebühren.

Literatur Unterrichtsblätter der Deutschen Bundespost – Fernmeldewesen – Ausgabe B Jahrgang 36/1983 Nr. 3: Heinz-Wilhelm Arend, FAm (B 1107.03.83 Mü) FA Kassel: Der Anmeldedienst für Fernmeldeeinrichtungen bei der DBP; Seite 79–99 Jahrgang 37/1984, Nr. 10: Gottfried Zilz, PR (B 1203.10.84 G) BPM Bonn: Neuordnung des Sprechapparateangebotes nach der 25. ÄndVFO; (1.3.6 Vorausgebühr für Sprechapparate bei Familientelefonanlagen und bei Nebenstellenanlagen); S. 334; Seite 331–339 Jahrgang 38/1985, Nr. 6: Seite: 252, 256 und 257 Jahrgang 40/1987 Nr. 3: MultiTel – Das multifunktionale Telefon der DBP – Telefonieren und Bildschirmtext gleichzeitig; Pressemitteilung, 3. Februar 1987; Seite 113 Nr. 9: MultiTel, das multifunktionale Telefon, jetzt mit Farbbildschirm; Pressemitteilung, 30. Juni 1987, Seite 354 Jahrgang 41/1988, Nr. 2: Telekommunikationsordnung tritt am 1. Januar in Kraft; Pressemitteilung, 28. Dezember 1987, Seite 97 Dietrich Reinmund: Neues Familientelefon für zwei Amtsleitungen in: fernmelde-praxis, Nr. 10, 25. Mai 1984, S. 395–404 Hermann Bauer: Die Heimtelefonanlage in: rfe – Der junge Radio-, Fernseh- und Industrie-Elektroniker, Teil 1: 9/1983, S. 421, Teil 2: 10/1983, S. 475, Teil 3: 11/1983, S. 523

Einzelnachweise

Kategorie:Telefonanlage Kategorie:Historisches Kommunikationsgerät Kategorie:Deutsche Bundespost Telekom