Der Landesfrauenrat Bremen - Bremer Frauenausschuss e. V. (bfa) ist ein überparteilicher und überkonfessioneller Dachverband von Frauenorganisationen aus allen gesellschaftlichen Bereichen des Landes Bremen.

Der Verband ist eine Interessenvertretung der Frauen im Land Bremen und Ansprechpartner für Senat, Bürgerschaft und die Bremische Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau (ZGF). Er setzt sich für die Umsetzung der Gleichberechtigung von Frau und Mann ein. Er wurde 1946 gegründet und umfasst heute etwa 40 Mitgliedsverbände. Der Landesfrauenausschuss Bremen - Bremer Frauenausschuss e. V. ist der erste deutsche Landesfrauenrat. Er entsendet gemäß Radio-Bremen-Gesetz seit Gründung des Rundfunkrats 1949 mindestens eine Vertreterin in das Gremium als Repräsentantin der Frauenorganisationen im Lande Bremen. (PDF; 492 kB) Zusätzlich hat er je eine Vertreterin im ESF- und EFRE-Ausschuss, sowie im Medienrat der Landesmedienanstalt Bremen.

Die jährliche Auszeichnung einer Bremer „Frau des Jahres“ durch den Landesfrauenrat seit 1999 findet eine breitere öffentliche Beachtung in Bremen. Die Ehrung wird im Rahmen eines Festakts im Rathaus oder der Bremischen Bürgerschaft (2018) am Internationalen Frauentag verliehen.

In den letzten Jahren erfuhr der Landesfrauenrat Bremen eine merkliche Politisierung und wurde in der bremer Öffentlichkeit in seinem Einsatz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen deutlicher wahrgenommen. So wandte sich der Ausschuss im April 2010 in einem einstimmig verabschiedeten Appell gegen den fortgesetzten Frauenausschluss bei der Gästeauswahl der renommierten Schaffermahlzeit. Der Landesfrauenrat Bremen initiierte 2010 die monatliche Vortrags- und Diskussionsveranstaltung „Politika“ zu frauenpolitisch kontroversen Themen auf dem Theaterschiff Bremen.POLITIKA – Die neue Welle an der Weser. facebook. Abgerufen am 2. Januar 2011.

Geschichte des Landesfrauenrats Bremen Gründungsaufruf nach dem Zweiten Weltkrieg „Wir rufen euch Frauen!“ war der eindringliche Appell überschrieben, mit dem seine Gründerinnen im März 1946 im Weser-Kurier an die Öffentlichkeit gingen. Gründungs- und Vorstandsmitglieder waren die fünf Unterzeichnerinnen des Aufrufs Agnes Heineken, Anna Klara Fischer, Anna Stiegler, Käthe Popall und Irmgard Enderle, darüber hinaus Elisabeth Lürssen und Charlotte Niehaus. Sie alle hatten politische Erfahrung, hatten sich bereits vor 1933 in der alten Frauenbewegung engagiert und waren später teils härtester politischer Verfolgung durch die Nationalsozialisten ausgesetzt gewesen.Cecilie Eckler-von Gleich: Zur Geschichte des Bremer Frauenausschusses. In: »Wir rufen euch Frauen!« 50 Jahre Bremer Frauenausschuß. Herausgegeben vom Bremer Frauenausschuss, Bremen 1996. S. 12. In dem umfangreichen Zeitungsartikel rief der neu gegründete Frauenausschuss die Bremer Frauen dazu auf, die von den Alliierten ins Land gebrachte demokratische Freiheit zu nutzen zum Aufbau einer friedlichen Gesellschaft, frei von militaristischen und nationalsozialistischen Tendenzen.Wir rufen euch Frauen! In: Weser-Kurier, 16. März 1946. Abgedruckt in: »Wir rufen euch Frauen!« 50 Jahre Bremer Frauenausschuß. Herausgegeben vom Bremer Frauenausschuss, Bremen 1996, S. 10. Nach dem Aufruf stieß auch Hanni Lohmann zu den Frauen des Ausschusses, wo sie eines ihrer Tätigkeitsfelder fand und bald in den Vorstand gewählt wurde.

Überlebensarbeit und Aufbaujahre Zu dem gesellschaftlichen Neuaufbau sollte der Ausschuss Frauen verschiedener gesellschaftlicher Gruppen über parteipolitische Grenzen hinweg in Arbeitskreisen zusammenführen zur Lösung aktueller praktischer Probleme wie Ernährung, Wohnung, Erziehung, Arbeit oder Hygiene und damit auch die frühere Spaltung in bürgerliche und proletarische Frauenbewegung überwinden. Vertreten im Ausschuss waren bei seiner Gründung die bremer Organisationen von SPD und kommunistischer Partei, die Bremer Demokratische Volkspartei, die Gewerkschaftsverbände Bremen, sowie Arbeiterhilfswerk, Caritasverband, Israelitische Gemeinde, die Organisation des 5. Wohlfahrtsverbandes und die Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit in Bremen.Cecilie Eckler-von Gleich: Zur Geschichte des Bremer Frauenausschusses. In: »Wir rufen euch Frauen!« 50 Jahre Bremer Frauenausschuß. Herausgegeben vom Bremer Frauenausschuss, Bremen 1996, S. 15f.

Der Frauenausschuss erhob umfassende Forderungen nach politischer und praktischer Gleichberechtigung der Frauen,Cecilie Eckler-von Gleich: Zur Geschichte des Bremer Frauenausschusses. In: »Wir rufen euch Frauen!« 50 Jahre Bremer Frauenausschuß. Herausgegeben vom Bremer Frauenausschuss, Bremen 1996, S. 11f. gleichzeitig lag im Sinne der alten Frauenbewegung eine starke Betonung auf der traditionellen Frauenrolle als Mutter innerhalb der Familie und dem „Dasein für andere“.Cecilie Eckler-von Gleich: Zur Geschichte des Bremer Frauenausschusses. In: »Wir rufen euch Frauen!« 50 Jahre Bremer Frauenausschuß. Herausgegeben vom Bremer Frauenausschuss, Bremen 1996, S. 15 und S. 36. In den ersten Jahren war das Engagement des Bremer Frauenausschusses stark auf die Überlebensarbeit der Bremerinnen in Not und Aufbau der Nachkriegszeit gerichtet. Durch die teilweise Personalunion der Ausschussfrauen mit politischen Ämtern erhielten die Frauen in dieser frühen Phase Zugang zu wichtigen Kreisen der Politik: der Frauenausschuss wurde bald ganz selbstverständlich ins Parlament geladen, zu Beratungen der einzelnen senatorischen Behörden hinzugezogen und genoss höchstes Ansehen auch beim Senat. Ab September 1946 bekam der Frauenausschuss ein eigenes Büro im Rathaus, wo er eine öffentliche Sprechstunde für die Schwierigkeiten einzelner Frauen abhalten konnte und wurde mehr und mehr zum Mittler in Fragen praktischer Probleme zwischen der Bevölkerung und Behörden oder Politik.

Der Frauenausschuss wurde Mitglied im 1949 gegründeten Deutschen Frauenring als einem Zusammenschluss von Frauenorganisationen in den westdeutschen Bundesländern.Cecilie Eckler-von Gleich: Zur Geschichte des Bremer Frauenausschusses. In: »Wir rufen euch Frauen!« 50 Jahre Bremer Frauenausschuß. Herausgegeben vom Bremer Frauenausschuss, Bremen 1996, S. 33. In den Aufbaujahren nahm der Frauenausschuss unter anderem auf wichtige praktische Vorgaben des Sozialen Wohnungsbaus in Bremen Einfluss, die Verbesserungen des täglichen Lebens von Familien und alleinstehenden Frauen bewirkten.Cecilie Eckler-von Gleich: Zur Geschichte des Bremer Frauenausschusses. In: »Wir rufen euch Frauen!« 50 Jahre Bremer Frauenausschuß. Herausgegeben vom Bremer Frauenausschuss, Bremen 1996, S. 26f.

Rückgang der politischen Bedeutung in den 1950er und 1960er Jahren Mit dem Ende des Wiederaufbaus und den darauffolgenden Zeiten wirtschaftlicher Blüte Ende der 1950er und in den 1960er Jahren zeigten sich zunehmend die Grenzen der überparteilichen Arbeit. In kontroversen politischen Fragen konnte der Ausschuss nicht mit einer Stimme sprechen und verlor in dieser Phase zunehmend an gesellschaftlicher Bedeutung – ASF (SPD) und DGB traten zeitweise aus dem Verband aus. Eine neue Generation von Frauen gab ihrem frauenpolitischen Engagement innerhalb der Parteien Vorzug vor der parteiübergreifenden Arbeit des Frauenausschusses.Cecilie Eckler-von Gleich: Zur Geschichte des Bremer Frauenausschusses. In: »Wir rufen euch Frauen!« 50 Jahre Bremer Frauenausschuß. Herausgegeben vom Bremer Frauenausschuss, Bremen 1996, S. 35.

Verhältnis zur Neuen Frauenbewegung in Bremen seit 1970 Als sich die Neue Frauenbewegung Anfang der 1970er Jahre in Bremen formiert hatte, wurde sie zunächst kaum von den Frauen des Bremer Frauenausschusses wahrgenommen, die Aktivistinnen der Neuen Frauenbewegung taten sich lange schwer damit, die Leistungen der alten Frauenbewegung anzuerkennen. Beide Seiten existierten bis in die 1980er Jahre hinein weitgehend ohne gegenseitigen Austausch nebeneinander.Renate Meyer-Braun: 50 Jahre Bremer Frauenausschuß – Versuch einer Würdigung. In: »Wir rufen euch Frauen!« 50 Jahre Bremer Frauenausschuß. Herausgegeben vom Bremer Frauenausschuss, Bremen 1996, S. 9. Im Verlauf der 1990er Jahre entspannte sich das Verhältnis trotz bestehender Vorbehalte und verschiedene Organisationen und Gruppierungen der Neuen Frauenbewegung traten dem Bremer Frauenausschuss bei.Cecilie Eckler-von Gleich: Zur Geschichte des Bremer Frauenausschusses. In: »Wir rufen euch Frauen!« 50 Jahre Bremer Frauenausschuß. Herausgegeben vom Bremer Frauenausschuss, Bremen 1996, S. 36.

Entwicklung der letzten Jahre In den zurückliegenden Jahren entwickelte der Frauenausschuss ein entschiedeneres frauenpolitisches Auftreten auch in kontroversen Fragen. Nach der Bürgerschaftswahl 2007 richtete der Bremer Frauenausschuss konkrete Forderungen an den neuen Senat, die unter anderem die Frauenberücksichtigung bei neu zu besetzenden Stellen nach dem Regierungswechsel und eine Bundesratsinitiative für ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft betrafen.exxtraseiten: Bremer Frauenausschuss e. V. richtet klare Forderungen an den neuen Senat. (PDF; 32 kB) Nachdem die Bürgerschaft bei der Neuwahl des Staatsgerichtshofs 2007 keine Frauen berücksichtigt hatte, reagierte der Frauenausschuss mit Empörung und unterstützte die scharfe Kritik der Landesfrauenbeauftragten. Abgerufen am 17. Januar 2011. Die Zusammensetzung des Gerichts wandelte sich seither stark: seit der Richterwahl der 18. Legislaturperiode der Bremischen Bürgerschaft im November 2011 sind fünf von den sieben Mitgliedern des Gremiums Frauen.staatsgerichtshof.bremen.de: Die Mitglieder. Die amtierenden Richterinnen und Richter. Abgerufen am 24. Januar 2012.

Bei seiner Delegiertenversammlung im April 2010 wandte sich der Ausschuss in einem einstimmig verabschiedeten Appell gegen den fortgesetzten Frauenausschluss bei der Gästeauswahl der renommierten Schaffermahlzeit der Bremischen Wirtschafts- und Kapitänselite, der in dem Aufruf als Verstoß gegen das Gleichstellungsgebot des Grundgesetzes und der UN-Menschenrechtscharta kritisiert wurde. Vor vielen Jahren noch war ein Antrag, der ebenfalls auf die Teilnahme von Frauen am „Aushängeschild“ der Hansestadt abzielte, im Frauenausschuss abgelehnt worden.Frauke Fischer: Jens Böhrnsen soll Frauen vorschlagen. In: Weser-Kurier, 17. April 2010, S. 13. Kontrovers diskutiert, jedoch zur weiteren Informationssammlung vertagt, wurde ein Antrag, der sich mit dem möglichen Verbot von Burka und Kopftuch wie in anderen europäischen Staaten auseinandersetzte. In die Öffentlichkeit trat der Frauenausschuss seit Mai 2010 auch auf dem Theaterschiff Bremen durch die monatliche Vortrags- und Diskussionsveranstaltung „Politika“ zu frauenpolitisch kontroversen Themen.

Wie schon bei seiner Gründung 1946 spielten auch in den letzten Jahren konkrete Lösungen für Alltagsprobleme verschiedener Frauengruppen im Bremer Frauenausschuss eine wesentliche Rolle. So setzte sich der Ausschuss aufgrund der Kenntnis sehr negativer Erfahrungen von Frauen mit der BagIs für den Einsatz einer Frau in der Beratung und Rechtsaufklärung von Schwangeren bei der Behörde ein sowie für flexiblere Anmeldezeiten für Kindertageseinrichtungen als sie von der zuständigen Senatorin vorgegeben wurden. bremen.de, 29. April 2010; abgerufen am 12. Januar 2011. Andere Beispiele sind das Eintreten für stabile Kursgebühren bei der Volkshochschule, deren Erhöhung infolge von Mittelkürzungen vor allem Frauen mit geringem Einkommen als bisherige Hauptgruppe der Kursteilnehmer trifft oder die Forderung nach Gesetzesänderungen und Zwischenlösungen für den kostenlosen Erhalt von Verhütungsmitteln für Bezieherinnen von geringem Einkommen wie Bafög und Arbeitslosengeld II. bremen.de, 12. Mai 2009; abgerufen am 27. Dezember 2010.