mini|Antonia Franceschi (2017) Antonia Franceschi (* 30. März 1960 in Grand Rapids, Michigan) ist eine US-amerikanische Balletttänzerin, Choreografin und Schauspielerin. Bekanntheit erlangte sie durch ihre Mitwirkung in dem Spielfilm Fame – Der Weg zum Ruhm (1980).
Biografie Ausbildung und Durchbruch mit „Fame“ Antonia Franceschi zog im Alter von acht Jahren mit ihrer frisch geschiedenen Mutter und ihrem Bruder nach New York. Ihre Mutter stotterte, litt unter Depressionen und vernachlässigte ihre Kinder; die Familie hatte finanzielle Schwierigkeiten.vgl. Gilbert, Jenny: This Is It, This Is My Place.... In: Independent on Sunday, 1. Dezember 2002, S. 7 Gleichzeitig wuchs Franceschi in einem Manhattaner Problembezirk auf und schloss sich laut eigenen Angaben aus Selbstschutz lokalen Jugendbanden an. Sie kam früh mit Alkohol, Drogen und Missbrauch in Kontakt, ehe sie begann, sich inspiriert von Margot Fonteyn für den Tanz zu begeistern („Dies war mein Retter“).vgl. Winship, Lyndsay: Dance – The kid from 'Fame' . In: Time Out, 2. Juli 2009, S. 69 Sie erhielt ihre Tanzausbildung an der School of American Ballet, der Ballettschule des New York City Ballet (NYCB), wo sie dreimal die Woche von Margaret Craske unterricht wurde. Mit elf Jahren begann sie durch ihre Theaterarbeit Geld zu verdienen. Ab 1976 nahm sie Schauspielunterricht an der School of Performing Arts in ihrer Heimatstadt.
Als 16-Jährige fälschte Franceschi ihre Geburtsurkunde, um als Hintergrundtänzerin in dem Filmmusical Grease (1977) an der Seite von Olivia Newton-John mitwirken zu können. Den Unterricht an der Ballettschule bezahlte sie mit ihren Engagements in Filmen. Internationale Bekanntheit brachte Franceschi 1980 Alan Parkers Fame – Der Weg zum Ruhm ein. Der Musicalfilm schildert in fünf Episoden (Aufnahmeprüfungen und vier Semester) den Werdegang einer Gruppe von Schülern der New Yorker School of Performing Arts. Franceschi übernahm die Rolle der reichen und hochnäsigen Ballettschülerin Hilary Van Doren die gemeinsam mit Irene Cara um die Gunst des ungebildeten schwarzen Tänzers Leroy (gespielt von Gene Anthony Ray) buhlt. Laut Franceschi hatte die Filmcrew zuvor keine junge Balletttänzerin finden können, die auch die Schauspielerei beherrschte. Für das Vorsprechen spielte Franceschi die auch im Film verwendete Weinkrampfszene vor und erhielt den Part.vgl. Wloszczyna, Susan: The 'Fame' gang: Antonia Franceschi bei usatoday.com, 29. September 2009 (aufgerufen am 3. Juni 2010)
Fame, das die Sorgen, Nöte und Träume von aufstrebenden Tänzern, Sängern, Schauspielern und Musikern zeigt, war großer Erfolg beim Publikum und Lob seitens der Kritiker beschieden. Der Film wurde mit zwei Oscars und einem Golden Globe Award ausgezeichnet und ließ Werke ähnlicher Thematik (Flashdance, 1983; Footloose, 1984) und eine gleichnamige Fernsehserie (1982–1987) folgen. Franceschi trat nach dem anfänglichen Erfolg nicht mehr als Schauspielerin in Erscheinung. Für eine dreiwöchige Sommersaison am Broadway schloss sie sich 1980 der Kompanie von Natalja Makarowa an und ersetzte für einige Aufführungen die verletzte Makarowa als Solistin (unter anderem in Sinona No. 5 for Harpsichord and Violin).vgl. Parry, Jann: Interview Antonia Franceschi: Fame works. In: The Observer, 26. Juli 199, S. 7 1981 wurde sie von George Balanchine ausgewählt, Mitglied des New York City Ballet zu werden („Es war der wichtigste Moment in meinen Leben ...“). Dabei entschied sie sich gegen einen Vertrag im Wert von 500.000 US-Dollar über drei Hollywood-Filme.vgl. Taylor, Annie: The difference a day made: Antonia Franceschi. In: The Guardian, 27. Juli 1998, S. 17 Der Balletttruppe des NYCB sollte sie bis 1992 angehören. Während dieser Zeit arbeitete sie mit so bekannten Choreografen wie Jerome Robbins (unter anderem Interplay, 1983; Piano Pieces, 1985), Jean-Pierre Bonnefoux (Shadows, 1985) oder Lar Lubovitch (The Red Shoes, 1993) zusammen.
Übersiedlung nach London und Arbeit als Choreografin Antonia Franceschi heiratete in erster Ehe einen Klarinettenspieler, den sie als Mitglied des Ballettorchesters kennengelernt hatte. In zweiter Ehe ist sie mit einem Engländer verheiratet, dem sie 1995 nach London folgte. Aus der Beziehung ging ein Sohn hervor. Sie lebt als freischaffende Tänzerin, Choreografin und Lehrerin in Camden. In London erschien sie unter anderem in Choreografien von Javier de Frutos (Night & Day, 1997) und begann Ende der 1990er-Jahre selbst als Choreografin zu arbeiten. 1998 inszenierte sie mit Tänzern des New York City Ballett George Balanchines Apollo und Tschaikovsky Pas de Deux in der Londoner Queen Elizabeth Hall. Die britische Tageszeitung The Independent lobte Franceschi für die Auswahl der Tänzer, das Programm und ihr Auskommen mit einem geringen Budget.vgl. Levene, Louise: Dance: City slickers. In: The Independent, 3. August 1998, S. 10 Ein Jahr später erhielt sie für ihren Beitrag zum Tanz einen Time Out Award.vgl. More shows you shouldn't miss bei bbc.co.uk, 11. Oktober 2006 (aufgerufen am 4. Juni 2010)
Ende 2002 inszenierte und tanzte sie im semi-autobiografischen Ballett Up From the Waste nach einem Drehbuch von Martin Sherman im Londoner West End. Bestandteil der gemeinsam mit dem National Theatre organisierten Produktion, mit Rap und Originalmusik von Gary Yershon, war auch ein selbstgeschriebener Monolog, der die Gang-Kultur New Yorks beschrieb.vgl. Frater, Sarah: Dancing From The Streets. In: Evening Standard, 3. Dezember 2002, S. 45 2003 tanzte sie gemeinsam mit Karl Sullivan das Duett Sophie von Cathy Marston, nach dem Roman Sophie’s Choice von William Styron. 2009 arbeitete sie mit dem Ballet Black zusammen und es entstand das Stück Kinderszenen sowie Pop8. Letztgenannte Choreografie verband Straßen- und klassischen Tanz mit Film und Musik.vgl. Mackrell, Judith: Dance: Pop8, London. In: The Guardian, 25. Juli 2009, S. 41
Aufführungen (Auswahl) Tänzerin Jahr Stück Produktion Bühne1980Paquita Makarova and CompanyUris Theater (New York)1980Raymonda (Sinona No. 5 for Harpsichord and Violin)Makarova and CompanyUris Theater (New York)1981Piano Pieces (Polka de Salon)New York City BalletTchaikovsky Festival (New York)1982CoppeliaNew York City BalletNew York State Theater1983InterplayNew York City BalletNew York State Theater1985Piano PiecesNew York City BalletNew York State Theater1985ShadowsNew York City BalletNew York State Theater1986Prodigal SonNew York City BalletNew York State Theater1986ShadowsNew York City BalletNew York State Theater1987Tschaikovsky Pas de Deux / Le Tombeau de CouperinNew York City BalletNew York State Theater1987River Suite The Choreography ProjectNew York1988Tombeau de CouperinNew York City BalletNew York State Theater1989 The NutcrackerNew York City BalletNew York State Theater1990Cortege Hongrois (Pas de Quatre)New York City BalletNew York State Theater1990Prodigal SonNew York City BalletNew York State Theater1990 The Four TemperamentsNew York City BalletNew York State Theater1990Fearful SymmetriesNew York City BalletNew York State Theater1990Cortege Hongrois (Pas de Quatre)New York City BalletNew York State Theater1991Tombeau de CouperinNew York City BalletNew York State Theater1991Allegro Brillante / EpisodesNew York City BalletNew York State Theater1991Tschaikovsky Pas de DeuxNew York City BalletNew York State Theater1992 The NutcrackerNew York City BalletNew York State Theater1992Tombeau de Couperin / Prague SymphonyNew York City BalletNew York State Theater1993D TrainManhattan Class Company & Fay Simpson Dance TheaterManhattan Class Company Theater1993 The Red ShoesMartin Starger, MCA/Universal, James M. NederlanderGershwin Theater, New York1996Dance Umbrella Mark Baldwin CompanyQueen Elizabeth Hall, London1997Night & DayMark Baldwin CompanyQueen Elizabeth Hall, London1998And Like ThatO’Day DancesJoyce Theater, ChelseaNew York State Theater1999Dance Umbrella Mark Baldwin CompanyQueen Elizabeth Hall, London1999Julius TombMark Baldwin CompanyThe Point, DublinBrunton Theatre, Musselburgh2002AgoMark Baldwin CompanyBlack Eagles Theatre Square, London2002Up From The Waste Antonia FranceschiAlbany Theatre, London2003Sophie Cathy MarstonLinbury Studio Theatre, London2006Up From The Waste Nancy MecklerSoho Theatre, London2009PreludeGateshead Old Town Hall
Choreografin 1998: Apollo / Tschaikovsky Pas de Deux (Queen Elizabeth Hall, London) 1999: Allegro Brillante / Concerto 622 / Life Story (Royal Festival Hall, London) 2002: Up From The Waste (Albany Theatre, London) 2006: Up From The Waste (Soho Theatre, London) 2007: Shift, Trip, Catch (Linbury Studio Theatre, London; aufgeführt vom Ballet Black) 2009: Kinderszenen (Linbury Studio Theatre, London; aufgeführt vom Ballet Black) 2009: Pop8 (Lion & Unicorn Theatre, London; aufgeführt vom Ballet Black)
Filmografie 1978: Grease 1980: Fame – Der Weg zum Ruhm (Fame) 1986: Karate Kid II – Entscheidung in Okinawa (The Karate Kid, Part II) 2000: Die goldene Schale (The Golden Bowl)
Weblinks The 'Fame' gang: Antonia Franceschi – Porträt von Susan Wloszczyna bei usatoday.com, 23. September 2009 Interview zu Up From the Waste bei bbc.co.uk, 2002 (englisch; 7:31 min; RealPlayer erforderlich) Kritik zu Up From the Waste bei ballet.co.uk, Oktober 2006 (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Balletttänzer (Vereinigte Staaten) Kategorie:Choreograf (Ballett) Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Theaterschauspieler Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1960 Kategorie:Frau