Brich dem Hungrigen dein Brot (BWV 39) ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach.

Entstehung Die Kantate wurde komponiert für den 1. Sonntag nach Trinitatis des Jahres 1726, den 23. Juni, und gehört zum dritten Leipziger Kantatenjahrgang.

Thematik und Aufbau Die vorgeschriebenen Lesungen für den Sonntag waren , „Gott ist Liebe“, und , das Gleichnis vom reichen Mann und armen Lazarus. Thema der Kantate ist in Anlehnung an das Evangelium der Aufruf zur Nächstenliebe, im 1. Satz alttestamentlich nach , im 4. Satz neutestamentlich nach . Der Text des abschließenden Chorals ist die 6. Strophe des Liedes Kommt, laßt euch den Herren lehren (1648) von David Denicke. Der Dichter der Rezitative und Arien ist unbekannt. mini|hochkant=1.7|Jesaja 58,7 (Lutherbibel 1545) Coro: Brich dem Hungrigen dein Brot Recitativo (Bass): Der reiche Gott Aria (Alt, Violine und Oboe): Seinem Schöpfer noch auf Erden (Bass): Wohlzutun und mitzuteilen vergesset nicht Aria (Sopran, Blockflöten): Höchster, was ich habe Recitativo (Alt, Streicher): Wie soll ich dir, o Herr Choral: Selig sind, die aus Erbarmen

Formal besteht die siebensätzige Kantate aus zwei Teilen, die vor und nach der Predigt aufgeführt wurden. Die Sätze 1 und 7 sind chorisch, 2 und 6 Rezitative, 3 und 5 zweiteilige Arien.

Im Eingangschor zeigt Bach seine ganze Kunst, in der Kontrapunktik, Tempo- und Taktwechsel den dreiteiligen Textaufbau musikalisch interpretieren. Nach einer instrumentalen Einleitung, in der sich Einwürfe von Blockflöten, Oboen und Streichern abwechseln, setzt der Chor in einem getragenen Sarabandenrhythmus im Dreivierteltakt ein, mit dem Schwerpunkt auf dem zweiten Taktschlag. Der Abschnitt und die, so im Elend sind wird zunächst mit einer chromatischen Figur vertont, woraus sich ein erstes Fugenthema entwickelt. Im Mittelteil So du einen nacket siehest erfolgt ein Wechsel zu einem etwas bewegteren Viervierteltakt, ebenfalls mit fugierten Abschnitten. Für den Abschlussteil, der vom hoffnungsvollen Hervorbrechen des Lichts geprägt ist, wählt Bach ein schnelles Fugenthema im Dreiachteltakt, dessen Tempo nicht zuletzt durch die die Worte und deine Besserung wird schnell wachsen gefordert ist.J. S. Bach-Stiftung: Werkeinführung BWV 39 Mit der Bassarie im 4. Satz beginnt der zweite Teil, der Bachs Vertonung von Jesus-Worten in seinen Passionen ähnelt. Die folgende Sopranarie Höchster, was ich habe ist durch Blockflötenbegleitung geprägt. Der abschließende Choral verwendet die Melodie von Freu dich sehr, o meine Seele.

Besetzung Gesangsstimmen: Soli Sopran, Alt und Bass, Tutti vierstimmig Orchester: Blockflöte I/II, Oboe I/II, Violine I/II, Viola, Basso continuo

Literatur Alfred Dürr: Johann Sebastian Bach: Die Kantaten. Bärenreiter, Kassel 1999, ISBN 3-7618-1476-3. Werner Neumann: Handbuch der Kantaten J. S. Bachs. 1947; 5. Auflage: 1984, ISBN 3-7651-0054-4. Hans-Joachim Schulze: Die Bach-Kantaten: Einführungen zu sämtlichen Kantaten Johann Sebastian Bachs. Evangelische Verlags-Anstalt, Leipzig; Carus-Verlag, Stuttgart 2006, (Edition Bach-Archiv Leipzig) ISBN 3-374-02390-8 (Evang. Verlags-Anstalt), ISBN 3-89948-073-2 (Carus). Christoph Wolff, Ton Koopman: Die Welt der Bach-Kantaten. Verlag J. B. Metzler, Stuttgart / Weimar 2006, ISBN 3-476-02127-0.

Weblinks

Text, Aufbau und Besetzung auf der persönlichen Homepage von Walter F. Bischof bei der University of Alberta

Einzelnachweise

Kategorie:Bachkantate Kategorie:Musik 1726 Kategorie:Chorwerk aus dem 18. Jahrhundert Kategorie:Geistliche Kantate