mini|175px|Flagge der ROPiT ab 1898 mini|175px|Nikolai Arkas, erster Direktor der ROPiT mini|175px|ROPiT-Aktie im Nennwert von 500 Rubel, St. Petersburg 1901 Die Russische Gesellschaft für Dampfschifffahrt und Handel (, abgekürzt , englisch Russian Steam Navigation and Trading Company, auch Russian S.N.Co.) war eine 1856 gegründete, börsennotierte Schifffahrtsgesellschaft im Russischen Kaiserreich mit Hauptsitz in Odessa.

Geschichte Gründung 1856 und Aufschwung bis 1914 Die Gesellschaft wurde im Jahr 1856 nach Beendigung des Krimkrieges von dem Flügeladjutanten und Kapitän 1. Ranges Nikolai Andrejewitsch Arkas und dem Unternehmer Nikolai Alexandrowitsch Nowosselski gegründet. Ziel war die Wiederaufnahme und der Ausbau der russischen Handelsschifffahrt im Schwarzen Meer und im Mittelmeer. Die Gründung der Gesellschaft, deren Satzung durch Dekret Kaiser Alexander II. am 3. August 1856 genehmigt worden war, erfolgte unter maßgeblicher Beteiligung der russischen Regierung, die auch den Kapitän 1. Ranges Nikolai Arkas ()Vergleiche zu seiner Biografie die russische Wikipedia. zum ersten Direktor des Unternehmens ernannte. Die Regierung bestimmte auch die Hälfte der Mitglieder des Verwaltungsrates. Sie gewährte der Gesellschaft auch ein Darlehen mit einer Laufzeit von zwanzig Jahren. Die Aktien der Gesellschaft wurden an der Börse in St. Petersburg gehandelt, wo sich im Newski-Prospekt 45 neben OdessaDas repräsentative Kontorgebäude des ROPiT in Odessa, das einen ganzen Block zwischen der Lansheronowski und der Deribasowskistraße umfasste, ist auf der Webseite ROPiT auf Fotografien (russ.) abgebildet. ein weiterer Sitz der Gesellschaft befand.

Zwei Jahre nach seiner Gründung hatte das Unternehmen 35 Schiffe, die auf englischen und französischen Werften gebaut worden waren und auf 12 Routen 123.000 Passagiere und 4.000.000 Pfund Fracht transportierten. 1858 konnte die Gesellschaft damit einen Gewinn 746.000 Rubel erwirtschaften. Im selben Jahr konnte mit dem Königreich Sardinien ein Vertrag über die Nutzung des Hafens von Villefranche-sur-Mer mit einer Laufzeit von 25 Jahren abgeschlossen werden.siehe The Villafranca Affair in: The New York Times, 18. November 1858 mini|175px|Pavilion der ROPiT auf der Allrussischen Ausstellung für Industrie, Landwirtschaft und Kunst (Odessa 1910) Seit dem Jahr 1869 bediente die ROPiT mit einer Flotte von 63 Schiffen und 38 Schuten regelmäßig 14 in- und 6 ausländische 20 Destinationen, darunter die Länder Ägypten und Frankreich. Einer der Kapitäne war Woldemar Wybrand Scheltinga. Die Gesellschaft hatte sich zur führenden Reederei im Handel mit der Türkei entwickelt, die aus Russland vor allem Kerosin, Getreide, Alkohol, Metallprodukte und Textilien transportierte und dorthin Kaffee, Tabak, Rosinen, Nüsse und eine Vielzahl von exotischen Waren brachte. Die Gesellschaft übernahm auch den Transport und Rücktransport von Ausstellungsgütern für die Wiener Weltausstellung 1873 und gewährte dafür sogar Kostenfreiheit.Wiener Weltausstellungs-Zeitung vom 20. November 1872 (ANNO Digitalisat). Im Jahr 1901 war die Flotte der Gesellschaft auf 72 Dampfschiffe angewachsen.siehe The Russian Mercantile Marine in: The New York Times, 22. Dezember 1901 Neben der kommerziellen Fracht beförderte die ROPiT im Regierungsauftrag auch Post und Kuriere sowie teilweise Truppen und militärische Ausrüstungsgegenstände.

Zum 50-jährigen Jubiläum am 21. Mai 1907 prägte die Gesellschaft eine Medaille aus Bronze, die auf dem Avers unter den Jahreszahlen 1857 und 1907 ein Doppel-Porträt der Zaren Alexander II. und Nikolaus II. und dem Revers unter anderen die Flaggen Russlands und der Gesellschaft über einem auf dem Meer fahrenden Schiff zeigen. Die von A.A. Grilliches (Junior)Der Künstler Abraham Awenirowtsch Griliches wurde 1849 in Vilnius geboren und starb 1912 in Sankt Petersburg. Er war als Medailleur und Steinschneider tätig. Sein Vater war der Medailleur Awenir Grigorjewitsch Griliches. gestaltete Medaille wiegt 124,36 g und hat einen Durchmesser von 70 mm.Vergleiche die Abbildung der Medaille auf der Webseite Russland und der christliche Osten (russisch). Weiter sind mehrere Jetons der Gesellschaft aus Weißmetall zum Bezahlen an Bord auf den internationalen Linien bekannt.

Mit einem eigenen Pavillon, der von A.N. Klepinin entworfen wurde, nahm die ROPiT 1910 an der Allrussische Ausstellung für Industrie, Landwirtschaft und Kunst in Odessa teil.Vergleiche die russische Wikipedia zur Ausstellung in Odessa und der Biografie von A.N. Klepinin.

Entwicklung im Ersten Weltkrieg, Nachkriegszeit und Ende der Gesellschaft 1932 mini|125px|Speisekarte von Oktober 1916 für die als Hilfsschiff der Marine eingesetzte SS Zesarewitsch Einsatz von Schiffen im Ersten Weltkrieg Während des Ersten Weltkriegs konnten aufgrund der Kampfhandlungen auf den Meeren die Handelsschiffe der Gesellschaft ihre ursprünglichen Routen nicht mehr befahren, was auch auf die meisten Schiffe der anderen europäischen Reedereien zutraf. Der ROPiT konnte lediglich im östlichen Teil des Schwarzen Meeres den Schiffsbetrieb aufrechterhalten. Mehrere Schiffe mussten nach behördlicher Anordnung zur Unterstützung der Kriegsflotte als Truppentransport-, Versorgungs- sowie als Lazarettschiffe bereitgestellt werden. Zu den Truppentransportschiffen gehörten u. a. die 1889 durch Richardson & Co. in Newcastle an die Hamburger HAPAG unter dem Namen Russia abgelieferte und 1899 vom ROPiT erworbene OdessaVgl. die Webseite messageries-maritimes. oder die 1901 durch Ansaldo in Genua für die Navigazione Generale Italiana gebaute Lombardia – ein Schwesterschiff von SS AfonVgl. die Webseite messageries-maritimes. – und die 1911 vom ROPiT erworbene JerousalimVgl. die Webseite messageries-maritimes.Vgl. die Webseite Timbres, enveloppes, cartes postales et tout support d'histoire postale. Dabei erlitten die Schiffe des ROPiT erhebliche Beschädigungen. 12 sanken nach Angriffen deutscher U-Boote und nach Minenexplosionen.

Flucht der ROPiT-Direktion nach Frankreich Während des sich anschließenden Bürgerkriegs gerieten viele Schiffe der Gesellschaft in die Hand verschiedener im Schwarzen Meer operierender weißgardistischer Einheiten. 1918 floh die Direktion der Gesellschaft nach Paris, während die von ihr gleichzeitig auf den Weg gebrachten Schiffe im Hafen von Marseille festmachten. Ein Teil von ihnen musste allerdings verkauft werden, um vorhandene Schulden zu begleichen. Nachdem Frankreich am 28. Oktober 1924 durch Depeschenaustausch die Sowjetunion offiziell anerkannt hatte, führte die Direktion zur Rettung des in ihrer Hand verbliebenen Teils der Flotte eine Eintragung der Gesellschaft nach französischem Recht als „Compagnie Russe de Navigation et de Commerce“, also analog der ursprünglichen Firmierung in Russland, herbei. Zwar klagte die Sowjetunion auf Herausgabe der von Odessa nach Marseille evakuierten Schiffe vor dem Marseiller Handelsgericht (Tribunal de Commerce), weil diese im Eigentum der nationalisierten sowjetischen Reederei stünden. Die Klageabweisung wurde jedoch 1926 in zweiter Instanz vom Appellationsgericht in Aix (Cour d’appel d’Aix-en-Provence) bestätigt – die Entscheidung wurde dann 1928 auch höchstrichterlich durch den Kassationshof in Paris aufrechterhalten.Académie de droit international de La Haye: Recueil Des Cours 1931, Tome 35 de la collection, S. 549 ff. (online [französ.]). Basis der weiteren Tätigkeit des ROPiT in Frankreich waren im Jahr 1925 noch 11 Schiffe mit dem Heimathafen Marseille; sie fuhren nun unter französischer Flagge. Dazu gehörten die: Cesarevitch Georgij, Afon, Bestujev (ex: Großfürst Konstantin), Jerousalim, Mouravjef-Apostol (ex Großfürstin Xenia), Odessa (II), Tigre, Euphrate, Trouvor (II), Aju-Dag und Chersones (II). 1926 schloss sich ihnen noch die Askold an. Die Schiffe hatten meistens russische Besatzungen, und so behielten sie im Sprachgebrauch an Bord auch ihre russischen Namen. 14 Schiffe der Gesellschaft in Frankreich wurden zwischen 1924 und 1926 zur Verschrottung an ausländische Unternehmen verkauft. Da sich der Wettbewerb in der Handelsschifffahrt aber ständig verschärfte, was zu einer zunehmenden Verschuldung der Reederei führte, mussten später nach und nach auch die restlichen 12 Schiffe verkauft werden. Das Schicksal der einzelnen Schiffe gestaltete sich wie folgt: Verschrottet bzw. zum Schrottwert verkauft wurden 1927 die Cesarevitch Georgij, 1928 die Afon, Aju-Dag, Askold, Bestujev, Mouravjef-Apostol und Odessa (II), 1930 die Jerousalim sowie 1931 die Tigre und Trouvor (II). Lediglich die Chersones (II) wurde 1929 an eine schwedische Reederei verkauft und erst 1955 in Ystad verschrottet. Schließlich endete mit der Versteigerung der Euphrate im März 1932 zum Schrottwert die 75-jährige Geschichte des ROPiT, der – was die französische Gesellschaft anlangte – durch die politische Entwicklung nach dem Ersten Weltkrieg von seinem ursprünglichen Heimatland getrennt war.J. N. Trifonow, B. W. Lematschko: Russische Gesellschaft für Dampfschifffahrt und Handel. 1856–1932. St. Petersburg 2009, S. 5 f. Reorganisation der Handelsflotte im Schwarzen Meer in der Sowjetunion Die während und im Ergebnis des Bürgerkriegs in den Machtbereich Sowjetrusslands gelangten Schnelldampfer wurden Staatseigentum. Nachdem die Sowjetregierung die vollständige Kontrolle über die Schwarzmeerküste erlangt hatte, begann sie, die Handelsflotte wiederherzustellen, wobei sie auf nur noch 5 % der vor dem Krieg vorhandenen Handelsschiffe zurückgreifen konnte. Am 13. Juni 1922 gründete der Sowjet für Arbeit und Verteidigung der Republik das staatliche Schifffahrtsunternehmen „Schwarzmeer-Asowsches Meer-Dampfschifffahrt“ (Черноморское-Азовское пароходство), dem u. a. die Babuschka (1870), verschrottet 1926 in KertschW. W. Jarowoi: ROPiT. Historische Aufstellung des Schiffsbestands von 1856–1932, S. 99, oder die Tschitscherin (1903, ex „Prinzessin Eugenia Oldenburgskaja“)W. W. Jarowoi: ROPiT. Historische Aufstellung des Schiffsbestands von 1856–1932, S. 242 zur weiteren Verwendung zugeordnet wurden.

Schiffe der ROPiT Imperator Aleksander II (Император Александр II) (1858) Weliki Knjas Konstantin (Великий Князь Константин) (1858) Oleg (Олег) (1859) Lasar (Лазар) (1863) Rostow (Ростов) (1867) Imperatriza Maria (Императрица Мария) (1877) Chuanpu (Хуанпу) (1882) Zar (Царь) (1883) Swet (Свет) (1815) Lutsch (Луч) (1886) Odessa (Одесса) (1889) Weliki Knjas Aleksei (Великий Князь Алексей) (1890) Blesk (Блеск) (1890) Weliki Knjas Konstantin (Великий Князь Константин) (II) (1890) Weliki Knjas Konstantin (Великий Князь Константин) (III) (1890) Swjatoi Nikolai (Святой Николай) (1893) Koroljewa Olga (Королева Ольга) (1893) Imperator Nikolai II. (Император Николай II) (1895) Tschtyr Dag(Чатыр Даг) (1896) Diana (Диана) (1899) Tschichatschjow (Чихачёв) (1892) Alton (Алтон) (1901) Meteor (Метеор) (1901) Chersones (Херсонес) (1903) Ewrat (Евфрат) (1906) Metschta (Мечта) (1884) Prinzessa Jewgenija Oldenburgskaja (Принцесса Евгения Ольденбургская) (1903) Imperator Nikolai I. (Император Николай I) (1913) Imperatriza Jekaterine II. (Императрица Екатерина II) Imperator Aleksander III (Император Александр III) Imperator Pjotr Weliki (Император Пётр Великий) Zar Michail Fjodorowitsch (Царь Михаил Фёдорович) (1914) Zesarewitsch Aleksei Nikolajewitsch (Цесаревич Алексей Николаевич) (1914)

mini|175px|Fahrplan der Linien „Odessa-Alexandria“ (Baedeker: Rußland, 1912, S. LXIX) Passagierfahrten