mini|Denez Prigent beim Festival de Cornouaille 2014 in Quimper.

Denez Prigent (* 17. Februar 1966 in Santec, Département Finistère) ist ein Liedermacher und Interpret bretonischer Lieder. Seine bevorzugten Stilrichtungen sind der Kan ha diskan (Tanzlied) und die Gwerz (Klagelied), ein dramatischer Gesang, der eine Geschichte oder Legende erzählt.

Seit seinen ersten Auftritten mit 16 Jahren hat er sich mit der A-cappella-Interpretation traditioneller Gesänge einen Namen gemacht; später mit der Modernisierung bretonischer Musik, bei der Originaltexte von einer Mischung aus akustischen Instrumenten und elektronischen Klängen begleitet werden.

Bisher hat er fünf Studio-Alben sowie ein Live-Album veröffentlicht und gibt regelmäßig Konzerte in Frankreich und in anderen Ländern.

Die Karriere eines traditionellen und modernen Sängers Die Anfänge in der Familie Während seiner Kindheit verbringt Denez Prigent die Wochenenden bei seinen Großeltern.Daniel Morvan, Bernard Galéron: Bretagne, Terre de Musique. 2001, ISBN 2-9516936-0-5. Bei seiner Großmutter entdeckt er die Harmonie zwischen der bretonischen Sprache, der Natur und dem Gesang.Festival des Vieilles Charrues.fr: Abgerufen am 20. Dezember 2009

Als Internatsschüler in Brest zieht er das Hören bretonischer Lieder mit dem Walkman dem Studium vor.Greatsong: Abgerufen am 20. Dezember 2009

Mit 14 Jahren wird er von Alain LeclèreMondomix.com: Abgerufen am 18. Dezember 2009, einem ehemaligen Schüler von Manuel Kerjean in den Kan ha Diskan eingeweiht.Ethnotempos: Abgerufen am 20. Dezember 2009 Dieser wiederum ist dafür bekannt, andere bretonische Sänger wie Erik Marchand ausgebildet zu haben Abgerufen am 2. Januar 2010. Zwei Jahre später, 1982, singt er im Duo mit Alain Leclère bei den festoù-noz. Er gewinnt mehrere Preise beim Kan ar Bobl, einem Gesangswettbewerb in der Bretagne.

Erwähnenswert sind die ersten Preise beim Kan ha diskan 1987, beim neuen bretonischen Gesang 1988 und beim traditionellen Gesang 1990.Le Télégramme.com: 11. Februar 2004. Abgerufen am 5. Dezember 2009

1988 bewegt ihn seine Leidenschaft für die bretonische Sprache dazu, Dozent für Bretonisch in Carhaix zu werden. Gleichzeitig ist er zu Festivals traditioneller Musik eingeladenUniversal Music.fr: , abgerufen am 20. Dezember 2009, wie zum Beispiel Les Tombées de la Nuit in Rennes und das Festival Interceltique in Lorient.

Die Bürgermeisterin von Rennes, das 1991 Partnerstadt von Alma-Ata wird (Almaty, frühere Hauptstadt von Kasachstan), schlägt ihm vor, beim dortigen Festival Voice of Asia zu singen. Überrascht von dieser Einladung, schreibt er das humoristische Lied Son Alma Ata, das später auf dem Album Sarac'h veröffentlicht wird. Es spricht die Abwegigkeit an, als Bretone nach Kasachstan zum Singen eingeladen zu werden. Dieses erste Konzert im Ausland gibt ihm die Gelegenheit, das kasachische Volk kennenzulernen, das zu dieser Zeit der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) angehört, und eine Parallele zum bretonischen Volk und Frankreich zu ziehen.An Tour Tan: während der Übertragung An divskouarn o nijal, ausgestrahlt auf Arvorig FM und Radio Kerne am 15. Dezember 2003.

1991 tritt Denez Prigent von seiner Stelle als Dozent zurück, um sich ganz dem Gesang zu widmen. Beim Sammeln von Texten traditioneller Lieder begegnet er Eugénie Ebrel, eine der Sœurs Goadec, die ihm Ti Eliz Iza diktiert, und ihrer Tochter Louise Ebrel, die beschließt, ihn auf der Bühne zu begleiten.

1992 singt er a cappella beim Festival Transmusicales in Rennes vor einem nicht eingeweihten Rock-Publikum, das ihm Beifall zollt. Auf Grund dieses Erfolgs verlässt er die Gruppe Daouarn, mit der er auf seinen ersten festoù-noz aufgetreten war. Er nimmt teil am Montreux Jazz Festival in der Schweiz, den Francofolies, der Midem, dem Printemps de Bourges, am Coup de Cœur francophone (Quebec, Kanada), dem Festival Mitte Europa (Deutschland – Österreich – Tschechien), den Celtic Connections (Schottland), der Expo '98 (Portugal), oder auch am Festival Eisteddfod (Wales).

Ein erstes Album a cappella rechts|mini|Denez mit Musikern und Tänzern.

Im Jahr 1993 veröffentlicht er sein erstes Album Ar gouriz koar (der Wachsgürtel).

Obwohl Ar gouriz koar nicht für ein Album bestimmt ist, sondern eher eine Demoaufnahme zum Beispiel für Veranstalter von Festivals sein soll, werden beinahe 50.000 Exemplare verkauft.

Die Lieder dieses ersten Albums sind überwiegend traditionell und bis auf drei a cappella interpretiert. Plac'h Landelo stammt aus der Feder von Bernez Tangi, Gwerz ar vezhinerien von Denez Abernot – beides Mitglieder der ehemaligen Gruppe Storlok –, während Gwerz an aksidan von Denez Prigent selbst ist.

Seit diesem ersten Album bleibt er den zwei Hauptgattungen des bretonischen Gesangs treu: der Kan ha diskan, und die arhythmischen Gwerz, in der der Sänger zur gleichen Zeit die Gefühle herüber bringen muss, in der er von einem tragischen Ereignis erzählt.

Das Label Auvidis/Silex, bei dem Ar gouriz koar erschienen ist, bezahlt den Sänger nicht. Dieser unterzeichnet bei Barclay für sein folgendes Album und geht gerichtlich gegen Auvidis/Silex vor. Er erreicht, dass das Album nicht mehr vertrieben wird, als Revanche behält das Label die Bänder. Denez Prigent beschließt deshalb, es für eine zweite Ausgabe vollständig neu aufzunehmen. Diese wird 1996 bei Barclay veröffentlicht, wie alle seine folgenden Alben.

Der Inhalt der Neuauflage ist leicht verändert. An Stelle von Gwerz Penmarc'h, Deuit Ganin und Son Marivonig sind andere traditionelle Titel auf dem Album: Ar bugel koar, Ar goulenn, Biskoazh kement all ! und P'edon war bont an Naoned. Man findet dort auch Tio, tio, ein Wiegenlied, von Germain Horellou geschrieben. Die Neuauflage ist für Denez Prigent auch die Gelegenheit, die vereinheitlichte bretonische Orthographie zu übernehmen (brezhoneg peurunvan- das einheitliche Bretonisch).

Die Begegnung mit der elektronischen Musik rechts|mini|Rave-Party in der Bretagne

Unter dem Einfluss seiner Frau begibt sich Denez Prigent im Jahr 1993 trotz seiner Vorurteile auf die erste in Rennes veranstaltete Rave-Party. Dort entdeckt er eine Musik, die, wie die bretonische Musik, dem Tanz dient. Ihm fällt auf, dass die elektronische Musik der bretonischen technisch ähnlich ist, in Bezug auf Rhythmus und den nah beieinander liegenden Tönen. Seitdem hat er die Vorstellung, sie zur Begleitung seines Gesangs zu verwenden.

1995 nimmt Denez Prigent an Dao Dezi teil. Dieses Projekt von Eric Mouquet (vom Duo Deep Forest) und Guilan Joncheray hat die Zielvorstellung, mit der bretonischen Musik genauso zu verfahren, wie Deep Forest mit der afrikanischen Musik verfahren ist, nämlich die traditionellen Texte und die elektronische Musik zu verschmelzen.

Michel Sanchez, das andere Mitglied von Deep Forest, nimmt an dem Album teil, das von Erwin Autrique aufgenommen und abgemischt wird. Die bretonischen Sänger Arnaud Maisonneuve und Manu Lann Huel sind ebenfalls beteiligt, genauso wie die Gruppe Tri Yann. Es ist das erste Mal, dass Denez Prigent bretonischen Gesang und elektronische Musik mischt.

Ein Funke Gold rechts|mini|Die Kathedrale Saint-Corentin in Quimper, eine der Stationen des Tro Breizh

Im Jahr 1997 veröffentlicht er sein zweites Album Me 'zalc'h ennon ur fulenn aour (Ich bewahre in mir einen Funken Gold).

Denez Prigent schreibt alle Texte (abgesehen von dem traditionellen Stück Ar rannoù, Auszug aus dem Barzaz Breiz) und die meisten Melodien, in denen traditionelle Instrumente und elektronische Klänge miteinander verschmolzen werden. Die Texte sprechen die klassischen Themen der Gwerz an: Ungerechtigkeit, Krankheit und Tod. E trouz ar gêr, über die künstliche Seite eines Lebens in der Stadt, und An hentoù adkavet, über die Wiedergeburt des Tro Breizh, sind seine ersten der Bretagne, seiner Kultur und seiner Beziehung zur Natur gewidmeten Lieder.

Für die Auswahl der elektronischen Klänge nimmt Denez Prigent Kontakt zu Arnaud Rebotini auf, der ihm seine Plattensammlung öffnet. Die meisten verwendeten Samples sind Jungle-Klänge, deren Tempo, in der Größenordnung von 160 bis 170 bpm, gut zum bretonischen Gesang passt. Für die meisten Arrangements wird zuerst der Gesang aufgenommen, die elektronischen Klänge werden anschließend hinzugefügt.

Diese Kombination aus altem Gesang und sehr moderner Musik wird bei Ar rannoù veranschaulicht, einer der ältesten Texte in bretonischer Sprache. Dabei setzt Denez Prigent die traditionelle Melodie mit elektronischen Klängen neu zusammen.

Obwohl das Publikum angesichts des großen Unterschieds zwischen dem A-cappella-Gesang des Debüt-Albums und den Samples des zweiten Albums gespalten ist, meint Denez Prigent, dass das Wesentliche bewahrt bleibt: die Treue zur arhythmischen Seite der bretonischen Musik, ohne festes Metrum. Besonders in der Gwerz muss der Sänger vorrangig die Intensität des Gesangs vermitteln, und dabei nicht im Rhythmus singen, stattdessen aber in geeigneten Momenten Pausen setzen.

Für Denez Prigent wird eine Gwerz mit festem Zeitmaß zum Chanson, während ein elektronisches Arrangement, das die arhythmische Seite berücksichtigt, vollkommen natürlich ist.

Gleichermaßen misst er der traditionellen Aussprache der bretonischen Sprache eine große Bedeutung zu, die das dibril beinhaltet, ein gerolltes R, das nur im gesungenen Bretonisch gebraucht wird. Wichtig für ihn ist ebenfalls, den Regeln des Gwerz-Schreibens treu zu bleiben, mit Texten, die oft sehr lang sind, und von denen nur ein Teil auf dem Album aufgenommen ist, und ihren zeitlosen Themen, die nicht der Mode unterworfen sind. Diese Form des Gesangs geht zurück bis ins 5. Jahrhundert.

Diese Treue zur Tradition ist auf keinen Fall ein Weg, sich in sich selbst zu verschließen. Im Gegenteil, für Denez Prigent ist die Weiterentwicklung der bretonischen Musik ein Weg, sich anderen Kulturen zu öffnen.An Tour Tan.org: (br) Abgerufen am 2. Januar 2010

Die Verse von Denez Prigent sind in der Mehrheit achtsilbig, mit einer Zäsur, die sich im Allgemeinen in der Mitte befindet. Diese Form ist üblich in der bretonischen Sprache, die eine Vielzahl von ein- oder zweisilbigen Wörtern besitzt und deshalb keine langen Verse braucht. Er schreibt nur in Bretonisch, einer Sprache, die – laut ihm – im Gegensatz zum Französischen ihre heilige Seite (Côté Sacré)Jacme Gaudàs: Denez Prigent: Le Barde et la Jungle. Abgerufen am 20. Dezember 2009 bewahren konnte. Als Folge bleiben manche Gesänge unübersetzbar, sogar für ihren zweisprachigen Autor.

1998 nimmt er an der Rockoper Excalibur, la légende des Celtes teil, gemeinsam mit Roger Hodgson (Ex-Sänger der Gruppe Supertramp), Angelo Branduardi, Didier Lockwood u. a.

Sur le chemin d'écume rechts|mini|Überflutbarer Damm bei Ebbe

Im Jahr 2000 veröffentlicht Denez Prigent sein neues Album mit dem Titel Irvi – Plural des Worts erv. Es bezeichnet einen Damm oder einen Weg, der eine Insel mit dem Festland oder zwei Inseln untereinander verbindet und der nur bei Ebbe benutzbar ist.

Der Gesang Hent-eon (chemin d'écume) – sozusagen das Titellied – beschreibt den Wunsch eines Einwohners von Lesconil, auf einem dieser Wege begraben zu werden, um dort für immer von der Natur behütet zu sein. Diese Idee einer Verbindung zwischen zwei Welten, zwischen dem Leben und dem Tod, wird in Daouzek huñvre (zwölf Träume) wiederholt, wo sieben verlorene Seelen in ihrer fleischlichen Hülle – eine hinter der anderen – auf einem chemin d'écume gehen.

In der Fortführung von Me 'zalc'h ennon ur fulenn aour schreibt Denez Prigent alle Texte und die meisten Melodien.

Auch in diesem Album verschmelzen traditionelle Instrumente mit elektronischen Klängen. Letztere sind dezenter als in dem vorhergehenden Album. Irvi klingt deshalb weniger jungle und mehr new age.Ethnotempos: Abgerufen am 20. Dezember 2009 Unter den Gastmusikern sind der Jazz-Musiker Louis Sclavis, der Drehleierspieler Valentin Clastrier, und der Uilleann-Pipes-Spieler Davy Spillane.