mini|Blick vom Reichstag auf das Ministerium für Volksbildung (1990)

Das Ministerium für Volksbildung der DDR (1989/1990 Ministerium für Bildung und Jugend, 1990 Ministerium für Bildung und Wissenschaft) war die oberste Behörde für die Schulverwaltung und Jugendfürsorge sowie zugleich Aufsichtsbehörde für ihr unterstellte Einrichtungen wie die Akademie der Pädagogischen Wissenschaften der DDR, die Jugendwerkhöfe oder den Verlag Volk und Wissen. Als solches spielte es die zentrale Rolle im Bildungssystem der DDR. Untergebracht war das Ministerium zunächst im Erweiterungsbau des preußischen Kultusministeriums an der Wilhelmstraße; ab 1965 hatte es in einem benachbarten Neubau mit der Adresse Unter den Linden 69–73 seinen Sitz,Alexander-Martin Sardina: »Hello, girls and boys!« – Fremdsprachenunterricht in der SBZ und DDR. Wolff Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3941461-28-4. Vordere Einbandklappe. dem heutigen Matthias-Erzberger-Haus.

Gründung, Aufbau und Aufgaben Die Gründung des Ministeriums für Volksbildung als Nachfolgebehörde der Deutschen Zentralverwaltung für Volksbildung war nach den Ergebnissen der aktuellen DDR-Forschung ein komplexer Vorgang. Der Bildungshistoriker Alexander-Martin Sardina hat die Akten der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland und des Ministeriums für Volksbildung im Bundesarchiv analysiert und formuliert dazu in seiner Dissertation:

Das Ministerium war zuständig für die Organisation der Volksbildung in der DDR. Dazu gehörten die Vorschulerziehung mit den Kindergärten (ab 3 Jahre), das allgemeinbildende Schulwesen, die sonstige schulische und außerschulische Bildung und Erziehung sowie die Jugendhilfe und Heimerziehung.

Zusammen mit der Akademie der pädagogischen Wissenschaften legte es die Lernziele und -inhalte fest und war zuständig für die Erarbeitung von Lehrplänen und Lehrmaterialien. Dem Ministerium unterstand die Organisation und Planung der pädagogischen Wissenschaften mit Ausnahme der Berufsbildung und der Fach- und Hochschulen. Es formulierte außerdem die Ziele und Inhalte der Aus- und Fortbildung der Pädagogen. Das Ministerium für Volksbildung übte die Dienst- und Fachaufsicht über die pädagogischen Hochschulen aus.

Die Aufgabe des Ministeriums war es, eine einheitliche sozialistische Bildung und Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit zu organisieren und zu gewährleisten. Daher kontrollierte das Ministerium im Bereich der Berufsausbildung auch die Einhaltung der Vorgaben der allgemeinen Schulpolitik.

In der Ära von Margot Honecker war das Ministerium ein Sonderfall: Anders als bei allen anderen Ministerien war die Ministerin nicht dem zuständigen ZK-Sekretär Kurt Hager verantwortlich.Andreas Malycha, Peter Jochen Winters: Geschichte der SED. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2009, S. 210

Minister Paul Wandel 1949–1952 Elisabeth Zaisser 1952–1954 Hans-Joachim Laabs 18. März 1954 – 18. November 1954 Fritz Lange 1954–1958 Alfred Lemmnitz 1958–1963 Margot Honecker 1963–1989 Günther Fuchs 1989 (amtierender Minister) Hans-Heinz Emons 1989–1990 Hans Joachim Meyer 1990

Literatur Alexander-Martin Sardina: »Hello, girls and boys!« – Fremdsprachenunterricht in der SBZ und DDR. Wolff Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3941461-28-4. Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen (Hrsg.): DDR-Handbuch. Bd. 2 (M–Z). Köln 1985, S. 911 f. Horst Krahn (1948–1972 Justiziar des MfV): Einige Erinnerungen an die Entwicklung des Ministeriums für Volksbildung (1985; in: »Hello, girls and boys!«, S. 558–595.) Arpad Serner (1970–1988 Leiter der „Abteilung Fremdsprachen“ im MfV): Zeitzeugeninterview (2010; in: »Hello, girls and boys!«, S. 355–417.)

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Einzelnachweise

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