mini|Mina, 1978 Mina (* 25. März 1940 als Mina Anna MazziniRegistrata presso la SIAE come Mazzini Mina Anna Società Italiana degli Autori ed Editori in Busto Arsizio, Lombardei) ist eine italienische Sängerin, die auch die schweizerische Staatsbürgerschaft besitzt. Seit 1960 veröffentlichte sie fast jährlich neue Alben und führte damit 25-mal die italienischen Albumcharts an, obwohl sie sich schon Ende der 1970er-Jahre weitestgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte. Zwischen 1962 und 1964 veröffentlichte sie auch einige Schallplatten in deutscher Sprache, der Titel Heißer Sand wurde in Deutschland ein Nummer-eins-Erfolg.

Mina gilt als „Primadonna“ der italienischen populären Musik der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und wird in den Medien auch als „Tigerin von Cremona“ (tigre di Cremona) bezeichnet. Mit ihrer üppigen und kraftvollen, markanten Stimme war sie lange ein unverzichtbarer Fixpunkt der italienischen Musikszene. Als bahnbrechende öffentliche Figur stellte sie soziale Normen infrage und wurde mit ihrem emanzipierten Image und ihren sehr direkten Texten zu einem Symbol der Frauenbewegung. Sie kombinierte mit Leichtigkeit verschiedene Genres, von Pop und R&B zu Bossa Nova, Jazz und Disco, und konnte damit ihren Erfolg bis weit ins 21. Jahrhundert erhalten. Auch außerhalb Italiens konnte Mina sich einen Namen machen und nicht zuletzt Sarah Vaughan äußerte ihre Bewunderung für die Sängerin.

Karriere Anfänge Geboren in Busto Arsizio, wuchs Mazzini in Cremona auf. 1958 debütierte sie als Sängerin während des Familienurlaubs in Forte dei Marmi bei einem Auftritt im bekannten Lokal La Bussola bei Pietrasanta und trat Ende des Jahres mit der Gruppe Happy Boys auf. Der Produzent David Matalon entwickelte ein zweigleisiges Konzept für die Sängerin: Unter dem Namen Mina nahm sie italienische Musik auf, unter dem Namen Baby Gate hingegen englischsprachige Lieder. Letzteres Pseudonym wurde jedoch rasch wieder aufgegeben. In der Folge trat Mina mit der Gruppe Solitari in ganz Italien auf und hatte erste Auftritte im Fernsehen. Mit dem Lied Nessuno, ursprünglich von Wilma De Angelis, machte sie sich einen Namen als „Königin“ der neuen Musikrichtung der stimmgewaltigen „urlatori“ (wörtlich „Schreihälse“).

1959 hatte die Sängerin mit der Single Tintarella di luna einen ersten Hit, gewann mehrere Musikpreise und spielte im Kinofilm Urlatori alla sbarra mit (bis 1969 war sie noch in einer Reihe weiterer Filme zu sehen). Mit den Liedern È vero und Non sei felice nahm Mina, zusammen mit Teddy Reno bzw. Betty Curtis, am Sanremo-Festival 1960 teil. Im Sommer des Jahres gelang ihr mit dem Lied Il cielo in una stanza ihr bis dahin größter Erfolg, woraufhin sie eine eigene Fernsehsendung übernahm und die Titelmelodie zur Sendung Canzonissima, Due note, beisteuerte. Die englische Version von Il cielo in una stanza, This World We Love In, stieg 1961 auch in die US-Charts ein. Beim Sanremo-Festival 1961 präsentierte Mina Io amo tu ami und Le mille bolle blu; negative Kritiken führten dazu, dass die Sängerin sich mit der Presse überwarf und weitere Sanremo-Teilnahmen ausschloss.

Höhepunkt des Erfolgs Minas Popularität stieg 1961 dank ihrer neuen Fernsehsendung Studio Uno noch einmal. Mit Moliendo café gelang ihr ein weiterer Nummer-eins-Hit. 1962 nahm sie erneut die Titelmelodie für Canzonissima auf und hatte einen Hit mit dem Lied Renato. Doch 1963 bedrohte ein Skandal Minas Karriere: Sie wurde Mutter eines Sohnes vom Schauspieler Corrado Pani, der zu diesem Zeitpunkt noch mit einer anderen Frau verheiratet war. Dies brachte ihr eine Anzeige wegen Konkubinats ein. Die Angriffe durch die Presse und die vom Fernsehen verordnete zweijährige Zwangspause konnten ihren Erfolg jedoch nicht bremsen, schon 1964 übernahm Mina eine neue Fernsehsendung. Das Lied È l’uomo per me wurde ein weiterer Nummer-eins-Hit, gefolgt 1965 von Un anno d’amore. Auch mit einer eigenen Radiosendung konnte die Sängerin in diesen Jahren aufwarten, woraus etwa der Hit Se telefonando hervorging.

Auch im Ausland wurde Mina bekannt: Sie sang auf Französisch, Spanisch, Türkisch, Deutsch und Japanisch. In Deutschland erschien im März 1962 Minas erste deutschsprachige Single bei Polydor. Der A-Seiten-Titel Heißer Sand, geschrieben von Werner Scharfenberger und Kurt Feltz, entwickelte sich zum Hitparadenerfolg. In der Hitparade der Zeitschrift Musikmarkt belegte er zwei Monate lang Platz eins. Die Single verkaufte sich in Deutschland 700.000 Mal.Der Musikmarkt, 30 Jahre Single-Hitparade, 1989, S. 20. Mina nahm das Lied auch auf Italienisch (Si lo so), Französisch (Notre étoile) und Spanisch (Un desierto) auf, sodass von dem Titel schließlich weltweit über eine Million Exemplare verkauft wurden. Bis 1964 produzierte Polydor mit Mina insgesamt zwölf Singles mit deutschsprachigen Schlagern. Neben Heißer Sand erreichten sechs weitere Songs eine Notierung bei Musikmarkt, jedoch keiner die Top 10.

1967 gründete Mina in Lugano, wo sie sich 1966 niedergelassen hatte, ihr eigenes Plattenlabel, PDU. Mit Mina alla Bussola dal vivo veröffentlichte sie 1968 ein erstes Livealbum, aufgenommen am Ort ihres Debüts, der Bussola. 1970 arbeitete sie mit Lucio Battisti und Mogol an mehreren erfolgreichen Liedern zusammen: Insieme, Io e te da soli und Amor mio. Einen neuen Höhepunkt erreichte Minas Erfolg 1972, als ihr zwei Nummer-eins-Hits in Folge gelangen: Grande, grande, grande, mitgeschrieben von Tony Renis, und Parole, Parole, ein Duett mit dem Schauspieler Alberto Lupo. Außerdem veröffentlichte sie ein weiteres Livealbum aus der Bussola. Dieses erschien zusammen mit dem Studioalbum Altro als Doppelalbum, eine Veröffentlichungsform, die fortan typisch für Mina wurde.

Rückzug aus der Öffentlichkeit Zunehmend zog sich die Sängerin aus der Öffentlichkeit zurück. Ihren letzten Fernsehauftritt hatte sie 1974 in der Sendung Milleluci, die sie zusammen mit Raffaella Carrà moderierte. 1978 gab sie noch einmal eine Reihe von Konzerten in der Bussola, woraus ein weiteres Livealbum hervorging; danach lehnte Mina jegliche Auftritte in der Öffentlichkeit ab und konzentrierte sich nur noch auf ihre jährlichen Doppelalben sowie einige zusätzliche Veröffentlichungen (darunter Lucio Battisti und den Beatles gewidmete Coveralben). In den Jahren 1985 und 1986 nahm sie zwei Duette mit Riccardo Cocciante bzw. Fausto Leali auf. Erst ab 1996 erschienen wieder „einfache“ Alben der Sängerin. 1998 arbeitete sie mit Adriano Celentano für das sehr erfolgreiche Album Mina Celentano zusammen, aus dem auch die Single Acqua e sale hervorging.

2001 ließ sich Mina bei den Aufnahmen zum Domenico Modugno gewidmeten Coveralbum Sconcerto erstmals wieder filmen, die Aufnahmen wurden jedoch ausschließlich online veröffentlicht. Im selben Jahr wurde sie von Präsident Carlo Azeglio Ciampi mit dem Verdienstorden der Italienischen Republik (Großkomtur) geehrt. Jährlich erschienen weitere Alben und Kompilationen, oft in Zusammenarbeit mit bekannten Musikerkollegen wie Zucchero, Daniele Silvestri oder Andrea Mingardi. 2005 erschien nicht nur das Nummer-eins-Album Bula Bula, sondern auch das Frank Sinatra gewidmete Album L’allieva. 2007 nahm Mina mit Miguel Bosè Agua y sal auf, die spanische Version von Acqua e sale (aus Mina Celentano); im Anschluss erschien das spanische Album Todavía. Im selben Jahr nahm die Sängerin auch ein Duett mit Giorgia auf. Weitere Duette in jenen Jahren involvierten Ornella Vanoni, Seal und die Afterhours.

Das Lied La palla è rotonda aus dem Album Selfie fand 2014 Verwendung bei den Rai-Fernsehübertragungen der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. 2016 veröffentlichte Mina ein weiteres sehr erfolgreiches Album zusammen mit Adriano Celentano, Le migliori. Nach einem weiteren Soloalbum, Maeba, und einem Battisti-Tributealbum begann die Sängerin ein Projekt mit Ivano Fossati, der 2011 sein letztes Album veröffentlicht hatte; gemeinsam nahmen sie das Album Mina Fossati auf, das 2019 erschien.

Privatleben Aus Minas skandalumwitterter Beziehung mit dem Schauspieler Corrado Pani ging 1963 ein Sohn, Massimiliano Pani, hervor, der als Produzent, Komponist und Songwriter tätig ist.Massimo Pani, Discogs 1970 heiratete sie den Journalisten Virgilio Crocco, mit dem sie eine Tochter, Benedetta Mazzini (* 1971), hatte, die Schauspielerin, Fernseh- und Radiomoderatorin wurde. Virgilio Crocco kam 1973 bei einem Verkehrsunfall ums Leben.

In Lugano lebte die Sängerin, seit 1989 auch als Schweizer Staatsbürgerin, 25 Jahre lang mit dem Kardiologen Eugenio Quaini zusammen, bis sie ihn 2006 heiratete und offiziell den Namen Anna Maria Quaini annahm.

Trivia Gleichsam als Hommage an Mina stellt ihr Hit Il cielo in una stanza eine tragende Rolle in der im Jahr 1961 spielenden Netflix-Serie Ripley (2024) dar, indem Tom Ripley sie in Neapel (Folge 2) zunächst mit diesem Lied live singend in einem Straßencafé erlebt (mit Originalmusik als Playback dargestellt von Schauspielerin und Musikerin Hildegard De Stefano), sich die Single (in Folge 5) in einem Schallplattenladen dazu erwirbt und das Lied im Verlauf der Serie mehrmals im Hintergrund ertönt.

Single-Erfolge in italienischer Sprache (Auswahl) mini|Il cielo in una stanza auf Italdisc MH-61 Tintarella di Luna (1959), von Franco Migliacci und Bruno De Filippi Arrangeur/Orchesterleiter: Tony De Vita

Il cielo in una stanza (1960), von Gino Paoli Arrangeur/Orchesterleiter: Tony De Vita

E se domani (1964), von Giorgio Calabrese und Carlo Alberto Rossi Arrangeur/Orchesterleiter: Augusto Martelli La voce del silenzio (1968), von Paolo Limiti und Elio Isola Arrangeur/Orchesterleiter: Augusto Martelli Parole parole (1972), mit Alberto Lupo, von Leo Chiosso und Gianni Ferrio Arrangeur/Orchesterleiter: Gianni Ferrio Se telefonando (1966), von Maurizio Costanzo und Ennio Morricone Arrangeur/Orchesterleiter: Ennio Morricone Insieme (1970), von Mogol und Lucio Battisti Arrangeur/Orchesterleiter: Detto Mariano Io e te da soli (1970), von Mogol und Lucio Battisti Arrangeur/Orchesterleiter: Gian Piero Reverberi

Amor mio (1971), von Mogol und Lucio Battisti Arrangeur/Orchesterleiter: Gian Piero Reverberi Grande grande grande (1972), von Alberto Testa und Tony Renis Arrangeur/Orchesterleiter: Pino Presti E poi… (1973), von Andrea Lo Vecchio und Shel Shapiro Arrangeur/Orchesterleiter: Pino Presti Non gioco più (1974), von Roberto Lerici und Gianni Ferrio Arrangeur/Orchesterleiter: Gianni Ferrio L’importante è finire (1975), von Cristiano Malgioglio und Alberto Anelli Arrangeur/Orchesterleiter: Pino Presti

Diskografie

Italienische Alben Anmerkung: Zwischen 1972 und 1977 erschienen jährlich zwei Alben, die sowohl einzeln als auch als Doppelalbum veröffentlicht wurden; die „Teil-Alben“ sind in der Tabelle jeweils mit * markiert. Bei späteren Doppelalben wurden lediglich Vol. 1 und Vol. 2 unterschieden, diese werden in der Tabelle nicht mehr einzeln aufgeführt.

Kompilationen (Auswahl)

Italienische Singles (Auswahl)

Deutsche Singles mini|Heißer Sand auf Polydor Nr. 24793

Weitere Singles 1962: Moliendo Cafe / Renato (Polydor, 24883) 1962: Fiesta Brasiliana / Tabu (Polydor, 24900) 1962: Eclisse-Twist / Chihuahua (Polydor, 24945) 1964: Er hatte blaue Augen / Rhapsodie (Polydor, 52333) 1964: Die größte Schau / Welt der verlorenen Träume (Polydor, 52346) 1996: Volami nel cuore (IT: )

Statistik

Filmografie 1959: Urlatori alla sbarra 1960: Sanremo, la grande sfida 1960: Madri pericolose 1960: Juke box, urli d’amore 1960: I Teddy Boys della canzone italiana 1960: Rendezvous in Ischia (Appuntamento a Ischia) 1961: Mina… fuori la guardia 1961: Io bacio… tu baci 1962: Sex, Musik und heiße Nächte (Universo di notte) 1962: Appuntamento in riviera 1963: Die lustigen Vagabunden 1963: Das erste Erotikal der Welt (Canzoni nel mondo) 1969: Per amore… per magia…

Literatur Osvaldo Miccichè: La leggendaria Mina. PDU, 1983, ISBN 978-88-485-0421-8.