Graubünden (Kürzel GR; , oder (volkstümlich) Grischa, , ) ist ein Kanton der Schweiz und liegt vollständig im Gebiet der Alpen. Graubünden ist der einzige Kanton mit drei Amtssprachen: Deutsch, Rätoromanisch und Italienisch. Er ist zudem der einzige mit Rätoromanisch und neben dem Tessin einer von zwei Kantonen mit Italienisch als offizieller Sprache. Der Kanton zählt zur Region Südostschweiz und zur Grossregion Ostschweiz. Der Hauptort und grösste Ort ist Chur.

Der Kanton Graubünden ging 1803 aus dem in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts sich herausbildenden Freistaat der Drei Bünde, einem zugewandten Ort der Alten Eidgenossenschaft, hervor. Der bedeutendste der Drei Bünde war der erstmals 1395 und erneut 1424 beschworene Obere oder Graue Bund, nach dem der heutige Kanton benannt wurde.

Name und Wappen mini|links|Der Hauptort Chur, Blick gegen Westen ins Vorderrheintal

Der Kanton Graubünden (historisch auch Graubündten geschriebenGraubündten im Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon.) trägt den Namen des ehemals politisch gewichtigsten der Drei Bünde, aus denen er entstanden ist. Der 1367 gegründete Graue Bund (gespaltener Schild, schwarz und silber) wurde 1442 erstmals genannt, vermutlich ein Spottname der Zürcher und Österreicher, der von den Bundsleuten vor 1486 übernommen wurde. Im 15. Jahrhundert erscheint der Name für die sonst Drei Bünde genannte Gesamtheit der Bünde. Im 16. Jahrhundert wurde von Humanisten der Name der römischen Provinz Raetia als Rätien auf das Gebiet der Drei Bünde übertragen. 1799 wurden die Bünde von Napoleon Bonaparte als Kanton Rätien der damaligen Helvetischen Republik eingegliedert. Die Bezeichnung ist heute noch für Institutionen wie die Rhätische Bahn oder das Rätische Museum in Chur üblich, und auch die Bezeichnung rätoromanisch für die bündnerromanische Sprache stammt daher. Mit der 1803 von Napoleon Bonaparte erlassenen Mediationsakte und der damit verbundenen Konstituierung der modernen Schweizerischen Eidgenossenschaft wurde der Name Graubünden offiziell.Rätisches Namenbuch. Begründet von Robert von Planta. Band 2: Etymologien. Bearbeitet und herausgegeben von Andrea Schorta. Bern 1964, S. 713 f., 810 f.This Fetzer: Graubünden, Churwalchen, Dreibünden oder Rätien? In: Wortgeschichten. Hrsg. von der Redaktion des Schweizerischen Idiotikons.

Das Kantonswappen setzt sich entsprechend aus den Wappen der Drei Bünde zusammen; siehe auch Fahne und Wappen des Kantons Graubünden.

Geographie Übersicht mini|Palpuognasee am Albulapass mini|Am Berninapass liegt der Lago Bianco

Höchste Erhebung: Piz Bernina () Tiefster Punkt: die Moesa an der Grenze zum Kanton Tessin ()

Der Kanton bildet als flächengrösster Kanton der Schweiz deren südöstlichen Teil und ist vor allem durch Berglandschaften geprägt. Aufgrund der geographischen Bedingungen ist er der am dünnsten besiedelte Kanton der Schweiz und belegt trotz seiner Grösse von der Einwohnerzahl her den 14. Rang.

Nachbargebiete Graubünden liegt im Zentrum des Alpenbogens und ist seit jeher sozial, wirtschaftlich und kulturell eng mit den umliegenden Regionen verflochten. Prägende Faktoren hierfür waren Transitverkehr und Handel.Graubünden im Alpenbogen. In: kulturforschung.ch (PDF; 2,6 MB).

Gemeinsame Kantonsgrenzen hat Graubünden im Südwesten mit dem Kanton Tessin, im Westen mit Uri, im Norden mit Glarus und St. Gallen. Graubünden bildet die Landesgrenze der Schweiz mit Liechtenstein sowie mit Österreich (Bundesländer Vorarlberg und Tirol) im Norden, dem italienischen Südtirol im Osten und der Lombardei im Süden. Ausser Graubünden grenzt nur St. Gallen an drei verschiedene Nachbarstaaten.

Topographie und Klima Topographie und Klima sind prägende Faktoren einer Landschaft und der darin lebenden Menschen, besonders in einer Gebirgsregion wie Graubünden. Graubünden ist der grösste Gebirgskanton der Schweiz. Die Hälfte des Kantonsgebiets liegt oberhalb von

Die Alpenfaltung und die Eiszeiten haben die Topographie geschaffen. Durch Graubünden verläuft die Grenze zwischen West- und Ostalpen, geologisch zwischen Helvetikum (Kalk), penninischen und ostalpinen Decken.

Die Topographie beeinflusst auch das Klima, sie schafft kleinräumige klimatische Unterschiede, insbesondere infolge der Höhenunterschiede. Alle in der Schweiz vorkommenden Klimatypen kommen auch in Graubünden vor: In Nordbünden dominiert die feuchte atlantische Strömung, inneralpin ist es deutlich trockener, im Tujetsch und in Medels überkreuzen sich feuchte Nord- und Südanströmungen und führen zu hohen Jahresniederschlägen, in den Südtälern ist bereits das Mittelmeerklima spürbar. Die Klimaerwärmung ist im alpinen Graubünden besonders stark.

Wassergeographie Entwässert wird Graubünden zum grössten Teil vom Rhein mit seinen im Graubünden entspringenden Quellflüssen Vorderrhein und Hinterrhein. Den Osten des Landes, das Engadin, entwässert der Inn, der ebenfalls in Graubünden entspringt. Jenseits des Alpenhauptkamms liegen die zum Po entwässernden und italienischsprachigen Bündner Südtäler: das Misox mit dem Calancatal, das Bergell und das Puschlav. Der östlichste Teil des Landes, das Münstertal, entwässert zur Etsch.

Die drei Einzugsgebiete der Nordsee, des Mittelmeers und des Schwarzen Meers treffen sich unweit der Inn-Quelle nahe dem Pass Lunghin oberhalb von Maloja, dem wichtigsten Wasserscheidepunkt Europas. Von dort fliesst in Richtung Norden die Julia, die via Rhein zur Nordsee führt, nach Süden die Maira, deren Wasser über den Po ins Mittelmeer kommt, und nach Osten der Inn, der in die Donau mündet und damit ins Schwarze Meer fliesst.

Landschaften mini|hochkant|Rheinschlucht

Im Kanton Graubünden gibt es ca. 150 Täler, 615 (von gut 1'500 Schweizer) Seen sowie 937 Berggipfel bis hinauf zum Piz Bernina auf .Nach Angaben von Graubünden Tourismus. Den Gesamtkomplex der Berggruppen um Rhein- und Innquellgebiet nennt man Bündner Alpen.

In prähistorischer Zeit vor rund 9400 Jahren kam es infolge der damaligen Erwärmung mit Schmelzen des Permafrosts an den steilen Talhängen zu zwei grossen Bergstürzen, dem Taminser und Flimser Bergsturz (grösster Bergsturz der Alpen). Die Bergstürze zusammen mit den Ausbrüchen der aufgestauten Seen haben die einmalige Bergsturzlandschaft Ruinaulta sowie die Tumas im Bündner Rheintal geschaffen.

Fauna und Flora Der Kanton Graubünden ist bekannt für seinen Wildreichtum, vor allem Hirsche, Gämsen und Steinböcke. Im Averstal gibt es so viele Murmeltiere, dass ein Murmeltier-Lehrpfad angelegt wurde. Die Einwanderung von einst ausgerotteten Säugetierarten wie Bär, Wolf, Luchs, Biber usw. wertet in der Neuzeit die Bündner Fauna auf, erzeugt jedoch oft Nutzungs- und Interessenkonflikte mit den besiedelten Talschaften und den stark genutzten Alpgebieten.

In Graubünden sind rund 300 Vogelarten bekannt, dokumentiert sind sie im Nachschlagewerk «Die Vögel Graubündens».

Bevölkerung Übersicht Die Einwohner Graubündens werden als Bündner bezeichnet. Per betrug die Einwohnerzahl des Kantons Graubünden . Die Bevölkerungsdichte liegt mit  Einwohnern pro Quadratkilometer deutlich unter dem Schweizer Durchschnitt ( Einwohner pro Quadratkilometer). Der Ausländeranteil (gemeldete Einwohner ohne Schweizer Bürgerrecht) bezifferte sich am auf  Prozent, während landesweit  Prozent Ausländer registriert waren. Per betrug die Arbeitslosenquote  Prozent gegenüber  Prozent auf eidgenössischer Ebene.

Sprachen mini|Ehemaliges Verbreitungsgebiet der einzelnen romanischen Idiome in Graubünden

Als einziger Kanton der Schweiz hat Graubünden drei Amtssprachen: Deutsch, Rätoromanisch und Italienisch. Gleichzeitig ist es der einzige Kanton, in dem Rätoromanisch Amtssprache ist. Aufgrund dieser sprachlich-kulturellen Vielfalt und auch wegen seiner Form und Beschaffenheit wird der Kanton als kleine Schweiz innerhalb der Schweiz bezeichnet.

Die Gemeinden und Kreise sind autonom, ihre eigenen Amts- und Schulsprachen festzulegen, der Kanton setzt jedoch Richtlinien, insbesondere zur Unterstützung der Minderheitensprachen Rätoromanisch und Italienisch. Gemäss Artikel 16 des Bündner Sprachengesetzes von 2006 gelten Gemeinden, in denen mindestens 40 Prozent der Einwohner das angestammte Idiom sprechen, als amtlich einsprachig, und Gemeinden, in denen wenigstens 20 Prozent das angestammte Idiom sprechen, als amtlich zweisprachig.Sprachengesetz des Kantons Graubünden vom 19. Oktober 2006.

Die meisten deutschen Mundarten Graubündens gehören zu zwei Gruppen des Schweizerdeutschen:

Dem hochalemannischen Bündnerdeutsch, das in der Region Chur, in der Bündner Herrschaft, den Fünf Dörfern und seit dem 19. und 20. Jahrhundert auch im Domleschg gesprochen wird; diese Dialekte verbreiteten sich im Hochmittelalter und der Neuzeit von Norden (Bodensee und Rheintal) bzw. von Nordwesten (Walensee-Seeztal) her und überlagerten ursprünglich rätoromanisches Siedlungsgebiet. Dem höchstalemannischen Walserdeutsch, das in den im Hochmittelalter vom Wallis her besiedelten Walserdörfern gesprochen wird, nämlich im Prättigau, der Landschaft Davos und dem Schanfigg sowie in den ursprünglichen Sprachinseln Avers, Mutten, Rheinwald, Safiental, Vals, Tschappina und Obersaxen, die infolge des Rückzugs der rätoromanischen Sprache heute allerdings teilweise räumlichen Anschluss an das Hochalemannische gefunden haben. Die Mundart von Samnaun gehört hingegen, als einziger Dialekt in der Schweiz, zum Bairischen, speziell zum Tirolerischen. mini|Verkehrsschild in Zuoz Im Bündnerromanischen, das in verschiedenen Gegenden des Kantons – Surselva, in Teilen Mittelbündens, im Engadin und im Münstertal – gesprochen wird, existieren sowohl fünf regionale Schriftdialekte (sogenannte Idiome), nämlich Surselvisch (Sursilvan), Sutselvisch (Sutsilvan), Surmeirisch (Surmiran), Oberengadinisch (Puter) und Unterengadinisch (Vallader) als auch die überregionale Schriftsprache Rumantsch Grischun, die erst in den 1980er Jahren auf der Basis der verschiedenen Idiome als Ausgleichssprache geschaffen worden ist. Münstertalisch (Jauer) hat keine schriftsprachliche Tradition. In den Münstertaler Schulen wurde bis zur Einführung von Rumantsch Grischun in Unterengadinisch unterrichtet.

Die italienischen Mundarten im Misox und Calancatal, Bergell, in Bivio und dem Puschlav gehören dem Alpinlombardischen an.

Spätestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts, als der Bund im Zug der Umsetzung des Gesetzes betreffend die Heimatlosigkeit dem Kanton Graubünden eine grosse Zahl Jenischer zwangsweise zuwies, hat Graubünden auch eine statistisch nicht erfasste (gesamtschweizerisch auf 35'000 Personen geschätzte) Population jenischer Muttersprache. Das Jenische ist anerkannte Minderheitensprache in der SchweizSchweizerische Eidgenossenschaft, Bundesamt für Kultur: . und somit auch in Graubünden, besitzt aber keinen Amtssprachenstatus.

Wohnbevölkerung nach Sprachen (Volkszählung 2020): Deutsch: 149'471 (74,7 %) Rätoromanisch: 27'813 (13,9 %) Italienisch: 27'813 (13,9 %) Andere: 15'607 (7,8 %)

+Sprachen in Graubünden 1803–2020Renata Coray: Von der Mumma Romontscha zum Retortenbaby Rumantsch Grischun: Rätoromanische Sprachmythen. Institut für Kulturforschung Graubünden ikg, Chur 2008, ISBN 978-3-905342-43-7, S. 86. Jahr Bevölkerung Rätoromanisch % Deutsch % Italienisch %180372'90336'700 (ca. 50 %)ca. 36 %ca. 14 %185089'89542'439 (47,2 %)39,5 %13,3 %188093'86437'794 (39,8 %)43'664 (46,0 %)12'976 (13,7 %)1900104'52036.472 (34,9 %)48'762 (46,7 %)17'539 (16,8 %)1920119'85439'127 (32,7 %)61'379 (51,2 %)17'674 (14,8 %)1941128'24740'187 (31,3 %)70'421 (54,9 %)16'438 (12,8 %)1950137'10040'109 (29,3 %)77'096 (56,2 %)18'079 (13,2 %)1960147'45838'414 (26,1 %)83'544 (56,7 %)23'682 (16,1 %)1970162'08637'878 (23,4 %)93'359 (57,6 %)25'575 (15,8 %)1980164'64136'017 (21,9 %)98'645 (59,9 %)22'199 (13,5 %)2000187'05827'038 (14,5 %)127'755 (68,3 %)19'106 (10,2 %)2020200'09627'813 (13,9 %)149'471 (74,7 %)27'813 (13,9 %)