mini|Fotografie von German Mäurer vor 1863, von einem unbekannten Fotografen
German Mäurer (* 18. Februar 1811Gelegentlich wurde Mäurers Geburtsjahr auch zu seinen Lebzeiten versehentlich mit 1813 angegeben. Siehe den Abschnitt Kurzbiografien. Ursache dafür war die Bildunterschrift: „Fr. W. G. Maeurer geb. zu Bensberg den 18. Feb. 1813“ in seinem Buch Fr. W. German Mäurer's Poetische Lehrjahre. Mit dem Porträt des Verfassers. Aymot, Paris 1837. als Wilhelm MeurerIn der Geburtsurkunde und im Kirchenbuch „nur Wilhelm“. (Max Morsches, Helmut Höher, S. 2.) in Bensberg; † 7. Juli 1883 in Issy-les-Moulineaux bei ParisJacques Grandjonc (1990), S. 173.In der Sterbeurkunde 185/1883 heißt es: „Meurer Guillaume (dit Maürer)“. (Max Morsches, Eric Ludemann, S. 8.)) war ein deutschsprachiger Schriftsteller und Lehrer. Er war einer der führenden Vertreter der frühen deutschen Arbeiterbewegung und Mitglied der „Volkshalle“ des Bundes der GerechtigkeitWaltraud Seidel-Höppner: Unter falschem Namen. Der Bund der Gerechtigkeit und sein Namenswandel. In: Jahrbuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Heft I/2013, NDZ Verlag, Berlin 2013, S. 47–57. in Paris. Seine Pseudonyme waren Horst von der Warte, Aidet, Michaels und Barkas von Bensberg.Emil Weller: Die maskierte Literatur der älteren und neueren Sprachen. Gustav Oehme, Leipzig 1862.
Leben Jugend mini|German Mäurer 1837. Stahlstich aus seinem Buch Fr. W. German Mäurer's Poetische Lehrjahre
Wilhelm Meurer war der Sohn des Ackerers Peter Meurer (* 21. März 1761; † 1833) und dessen Frau Anna Margareta, geb. Herkenrath (* 12. September 1773; † 1824) und wurde in der St.-Nikolaus-Kirche in Bensberg katholisch getauft. Er hatte acht ältere Geschwister und eine jüngere Schwester und besuchte ab April 1817 sechs Jahre lang die katholische Schule in Bensberg. Zwei seiner Lehrer waren die Schulvikare Philipp Bolz und Franz Hooken.Max Morsches, Eric Ludemann, S. 4. Er besuchte vermutlich eine höhere Schule in Köln, weil vier Lehrer aus Köln zu den Subskribenten seines ersten gedruckten Buches von 1833 gehörten.„Heinrich Hasberg, Lehrer in Cöln […] Brendel, Lehrer […] Benedikt Heinen, Lehrer zu Deutz […] Wilh. Siepen, Lehrer zu Köln“. „Verzeichniss der Subscribenten“ in: Gustav Adolf oder das befreite Meva, S. II und IV.In seinem Brief vom 1. März 1864 lässt er „seinen Lehrer Hasberg“ grüßen (Max Morsches, Helmut Höher, S. 3. Hasberg war aus Hilfslehrer an seiner Bensberger Schule.) Vermutlich war er Schüler der Höheren Bürgerschule in Köln, wo er auch Unterricht in Fremdsprachen erhalten konnte, wie seine Schriften ausweisen. Über die weitere Ausbildung liegen bisher keine Belege vor.Heimat zwischen Sülz und Dhünn. Geschichte und Volkskunde in Bergisch Gladbach und Umgebung. Hrsg. Bergischer Geschichtsverein, Abt. Rhein-Berg e. V. Heft 18, Bergisch Gladbach 2012, S. 2 und 4. In der Untersuchungshaft (1851) sagte er aus: „Ich habe Philosophie und Philologie zu Berlin studirt und zog als dann 1833 nach Paris“.Institut für Stadtgeschichte, Frankfurt am Main, Acta Criminalia 12.733. Blatt 3V (Max Morsches und Peter Lückerath, S. 9.)In den Verzeichnissen des Personals und der Studirenden der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin ist er zwischen 1829 und 1833 nicht nachzuweisen, auch Jacques Grandjonc (1990) kommt zum gleichen Ergebnis! Es findet sich auch keine Eintragung in den Berliner Adressbüchern zwischen 1829 und 1833.Karl Schütze: Deutschlands Dichter und Schriftsteller von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Albert Bach, Berlin 1862, S. 222. Nach der Auskunft von Karl Gutzkow, der Mäurer 1842 in Paris kennengelernt hatte, war er „Oberlehrer“ in Berlin.Karl Gutzkow: Briefe aus Paris. Zweiter Theil. F. A. Brockhaus, Leipzig 1842, S. 127. Vermutlich war er ‚Hauslehrer‘ in Berlin, was erklären würde, warum in den Berliner Adressbüchern keine Einträge zu ihm vorhanden sind.Es wurden nur Eigentümer und Mieter, nicht aber Dienstboten etc. erfasst.
Vermutlich war Mäurer Ende Dezember 1830 oder Anfang Januar 1831 nach Berlin gekommen.„Berlin den 8. Jänner 1831“. In: Politische Briefe aus Berlin. S. 1. und verließ Berlin wieder am 4. Juni 1833,An meine Freunde. Beim Abschiede aus Berlin den 4. Juni 1833. Sonett. In: Fr. W. German Mäurer's Poetische Lehrjahre. S. 248. um nach Paris zu gehen, wo er als SprachlehrerAussage von Christian Friedrich Mentel vom 17. Februar 1847 siehe unten. und Schriftsteller seinen Lebensunterhalt verdiente.
Familie In Paris nahm er den Namen German Mäurer an, unter dem er bekannt wurde.Die unterschiedliche Schreibung German Maeurer beruht auf fehlenden Drucklettern der Druckereien. Seine erste bekannte Adresse in Paris war Hotel de Cométe, Rue de la Cométe 7 im Pariser 7. Arrondissement, Quartier Gros Caillou – Grenelle. Am 14. Dezember 1839 heiratete GuillaumeIm französischen bedeutet ‚Guillaume‘ ‚Wilhelm‘. Mäurer Josèphe Chrétienne Claire Caroline Betzy.* 14. Dezember 1807 in Frankfurt am Main; † 4. Oktober 1874 in Bockenheim. Beide hatten drei in Paris geborene Töchter, von denen zwei schon früh verstarben.Jana Clara Diogénie Mäurer (* 10. Januar 1842 in Paris; † 5. März 1850 in Frankfurt am Main) und Camilla Helena Aurelia Mäurer (* 19. Februar 1848; † 4. April 1850 in Frankfurt am Main). Seiner 1842 verstorbenen Tochter Jana Clara Diogénie widmete er das Gedicht Am Grab eines Mädchens.Blüthen aus dem Abendlande. S. 98. Die Tochter Cornelia (* 1840 oder 1841) war 1883 noch am Leben.Max Morsches und Eric Ludemann, S. 6 und 8.
Am 4. Februar 1842 stellte Mäurer einen Antrag auf Einbürgerung an den französischen Justizminister Nicolas Martin du Nord. Zu dieser Zeit wurde er in französischen Akten als „Doktor der Rechte und der Wissenschaft, erworben an deutschen Universitäten“ geführt.Archives Nationales Paris. Einbürgerungsakte „German Mäurer 5494 X3“ (Max Morsches, Peter Lückerath: Zu Titel und Studium German Mäurers). Der Regierungspräsident von Köln stellte am 8. April 1843Köln war zuständig, denn Mäurer hatte nie seinen Wohnsitz offiziell nach Berlin verlegt. Das beweisen auch die fehlenden Einträge in den Berliner Adressbüchern 1830 bis 1833. die Auswanderungsgenehmigung aus.Lettres de naturalisation accodés. (Max Morsches, Eric Ludemann, S. 8.) Am 27. Oktober 1843 wurde er eingebürgert und erhielt die französische Staatsbürgerschaft.Max Morsches, Eric Ludemann, S. 8.
Im Sommer 1848 zog er nach Frankfurt, wo auch eine Schwester seiner Frau wohnte. Außerdem beteiligte er sich in dem „Verein für reine deutsche Sprache“, deren „661. Mitglied“ er 1848 wurde.Max Morsches, Eric Ludemann, S. 7. Er war Mitglied des Frankfurter Zweigvereins, deren Vorsitzender Jakob Bachmann-KorbettVerfasser der Buches: Schneiderlieder aus dem Munde des Volks und deutscher Dichter. C. Bernhard Lizius, Frankfurt am Main 1852. war und dem auch der Frankfurter Mundartdichter Friedrich Stoltze angehörte.Die deutsche Eiche. Erste Zeitschrift zur Förderung deutschen Sinnes und Gesittung und deutscher Reinsprache, Hrsg. von J.D.C. Brugger. Heidelberg 2 Jg. 1851, S. 90 und 112 Google Books
Mit seinen Geschwistern und deren Familien blieb Mäurer in Kontakt, wie ein überlieferter Brief und Fotografien zeigen.Brief an seine Nichte Gertrud Metten und den (angeheirateten) Neffen Christian Lichtenberg vom 1. März 1864. Auszugsweise veröffentlicht in: Max Morsches, Helmut Höher, S. 2–3. Briefempfänger inzwischen durch Max Morsches korrigiert! Im August 1872 hielt sich Mäurer zeitweilig in FrankfurtStadt Institut Frankfurt am Main. auf und 1875 sandte er seine Fotografie des Pariser Fotografen Jules Desrez mit einer Widmung in die Heimat an einen Bekannten namens Gramke oder Gromke vom Kadettenhaus in Bensberg.„Zur freundlichen Erinnerung dem Herrn Gramke von seinem aufrichtig ergebenen German Mäurer Paris den 11. Juli 1875“. Stadt-Archiv Bergisch Gladbach Signatur D-38/2. Auskunft von Max Morsches 11. Mai 2012.
Im Bund der Geächteten In Paris trat German Mäurer 1833 dem ein Jahr zuvor gegründeten Deutschen Volksverein bei, der im November 1833 zwei Flugschriften herausgab Der deutsche Volksverein, Brüder und Freunde, die in dem Verein heftig diskutiert wurden.Hans-Joachim Ruckhäberle (Hrsg.): Frühproletarische Literatur. Die Flugschriften der deutschen Handwerksgesellen in Paris 1832–1839. scriptor, Kronberg Ts. 1977, S. 100–101 und 107–107. Ein Jahr später wirkte er in dem von Handwerkern gegründeten Bund der Geächteten mit, dem etwa 200 Gleichgesinnte angehörten, die für „Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit“ eintraten.Wilhelm Weitling: Vorwort zur 3. Auflage. In: Wilhelm Weitling: Garantien der Harmonie und Freiheit. Mit einer Einleitung und Anmerkungen neu hrsg. von Bernhard Kaufhold. Akademie Verlag, Berlin 1955, S. 290. Mäurer veröffentlichte einige GedichteWinfried Schwarz, Inge Kießhauer, S. 53. in den Zeitschriften des Bundes Der Hülferuf der deutschen JugendDer Hülferuf der deutschen Jugend. Hrsg. u. red. von einigen dt. Arbeitern (Wilhelm Weitling September 1841–1841). Reprint Zentralantiquariat der DDR, Leipzig 1972. und Die Junge Generation.Die Junge Generation. Monatsschrift. Bern Januar 1842 bis Mai 1843. Reprint Zentralantiquariat der DDR, Leipzig 1972. Führende Mitglieder waren Jakob Venedey, Theodor Schuster und Mäurer. Auch Ludwig Börne stand dem Bund nahe.Börne übersetzte Lamenais Worte eines Gläubigen 1834 (Worte eines Gläubigen. In der Übertragung von Ludwig Börne. Hrsg. und eingel. von Hubert Schiel. Verlag die Ordnung, Freiburg im Breisgau 1948) ins Deutsche und zeigte es in der ersten Nummer der „Der Geächtete“ an. Ein Teil der Mitglieder, zu denen auch Mäurer gehörte, spaltete sich ab und gründete zwischen 1836 und 1838 den Bund der Gerechtigkeit.Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Chronik. Teil 1. Berlin 1965, S. 11 und Martin Hundt, S. 34–46.
Im Bund der Gerechtigkeit Im Artikel drei der Statuen des Bundes der Gerechtigkeit wurde das Ziel des Bundes beschrieben: „Art. 3 Der Zweck des Bundes ist die Befreiung Deutschlands von dem Joche schimpflicher Unterdrückung, Mitwirkung zur Entsklavung der Menschheit und Verwirklichung der Menschen- und Bürgerrechten enthaltenen Grundsätze“.Der Bund der Kommunisten. S. 93.Wermuth, Stieber behaupteten aber das der Zweck des Bundes die „Befreiung Deutschlands und Erreichung eines vollständigen Communismus, und Umwälzung der Verfassung aller Staaten“ bzw. „die allmählige gewaltlose Umgestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse durch Erlangung von Preßfreiheit und des Associationsrechts“ sei. (Wermuth, Stieber: Die Communistischen-Verschwörungen des neunzehnten Jahrhunderts. Theil 1. A. W. Hayn, Berlin 1853, S. 41.) Mäurer, der einer von wenigstens fünf Mitgliedern des obersten Leitungsorgans der „Volkshalle“Abschnitt V. Von der Volkshalle. In: Der Bund der Kommunisten. S. 96. war, war berechtigt neue Mitglieder aufzunehmen.
Mäurer wirkte besonders durch Herausgabe von periodischen Presseorganen für den Bund gemeinsam mit Hermann Ewerbeck und anderen. Karl Schapper war von 1836 bis 1840 Mitglied der Pariser Gemeinde. Mäurer veröffentlichte sogar ein Gedicht Schappers.Armin M. Kuhnigk: Karl Schapper. Ein Vater europäischer Arbeiterbewegung. Camberger Verlag, Limburg 1980, S. 80. Von 1839 bis 1841 war Wilhelm Weitling Mitglied der Pariser Bundesgemeinde. Weitling schreibt „für die Verbreitung des kommunistischen Prinzips wirkten nach dieser Zeit in Paris unter den bekannten Deutschen Mäurer und besonders Arndt“.Wilhelm Weitling: Vorwort zur 3. Auflage. S. 293. Auch Joachim Friedrich Martens war Mitglied der Pariser Gemeinde.John Breuilly, Wieland Sachse: Joachim Friedrich Martens (1806–1877) und die deutsche Arbeiterbewegung. Otto Schwartz & Co, Göttingen 1984 (Göttinger Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Band 8.) Ebenfalls hatte er Kontakt zu Karl Heinzen.