Die Challenge 1932 war der dritte FAI war der zweite internationale Flugzeugwettbewerb der FAI (französisch: Challenge International de Tourisme), der zwischen dem 12. und 28. August 1932 in Berlin, Deutschland stattfand. Insgesamt fand dieser Wettbewerb zwischen 1929 und 1934 viermal statt und war ein großes Luftfahrtereignis im Europa zwischen den Weltkriegen. Es gewann der polnische Pilot Franciszek Żwirko.
Überblick Deutschland organisierte den Wettbewerb, da der deutsche Pilot Fritz Morzik die vorherige Challenge 1930 gewonnen hatte. Die Anzahl der 1932 teilnehmenden Flugzeuge war geringer – 43 gegenüber 60 zuvor, weil der Wettbewerb mit der Zeit sehr viel schwieriger wurde und somit anspruchsvolleres Können der Piloten und höher entwickelte Flugzeuge benötigt wurden. In diesem Jahr entwickelten die meisten Länder Spezialflugzeuge eigens für diese Challenge.
Teams aus sechs Ländern nahmen an der Challenge 1932 teil: Deutschland (15 Crews), Frankreich (8 Crews), Italien (8 Crews), Polen (5 Crews), Tschechoslowakei (4 Crews) und die Schweiz (2 Crews). Die englische Fliegerin Winifred Spooner nahm an dem Wettbewerb im italienischen Team teil. Sie war die einzige Frau unter den Piloten. Der Kanadier John Carberry und der rumänische Pilot Alexander Papană nahmen an dem Wettbewerb im deutschen Team teil.
Die Eröffnungszeremonie fand am 12. August 1932 auf dem Flugplatz Berlin-Staaken statt. Der Wettbewerb bestand aus drei Teilen: Technische Prüfungen, eine Rallye um Europa und einem Höchstgeschwindigkeitstest. Da eines der Ziele des Wettbewerbs war, Fortschritte bei der Entwicklung von Flugzeugen zu fördern, war es nicht nur ein Piloten-Wettbewerb, sondern bestand auch aus technischen Prüfungen und einer Konstruktionsbewertung, welche fortgeschrittene Entwürfe förderte.
Flugzeuge Die Challenge war ein Wettbewerb der Reiseflugzeuge, somit mussten die Flugzeuge in der Lage sein, mindestens zwei Passagiere zu befördern, auf kleinen Flugfeldern starten und landen können und eine gewisse Entfernung mit einer guten Geschwindigkeit bewältigen können. Deutschland, Polen, die Tschechoslowakei und Italien entwickelten moderne Sportflugzeuge speziell für die Herausforderungen der Challenge. Im Vorfeld hatte es dabei Probleme mit der Messerschmitt M29 gegeben, mit der Morzik gemeldet war. Das Flugzeug wurde nicht zum Wettbewerb zugelassen. Um Morzik trotzdem die Teilnahme zu ermöglichen, wurde Elly Beinhorn gezwungen, zu seinen Gunsten auf die Teilnahme zu verzichten und ihm ihr Flugzeug, eine Heinkel He 64, abzutreten.Evelyn Zegenhagen: „Schneidige deutsche Mädel“. Fliegerinnen zwischen 1918 und 1945. Wallstein, Göttingen 2007, ISBN 978-3-8353-0179-5, S. 122f.
Am Anfang des Wettbewerbs wurden die sechs schnellen deutschen Heinkel He 64 als Favoriten angesehen. Am zahlreichsten war der deutsche Dreisitzer Klemm Kl 32 (7 und 1 eines Schweizer Teams). Beides waren hölzerne Tief- und Eindecker. Italien und die Tschechoslowakei entwickelten ähnlich verstrebte Tief- und Eindecker, die Breda Ba.33 und die Praga BH-111. Polen entwickelte den Hochdecker RWD-6 und einen Ganzmetalltief- und Eindecker, die PZL.19. Alle diese Flugzeuge hatten geschlossene Cockpits, festes Fahrwerk und einen fortgeschrittenen Flügelmechanismus (Landeklappen und Vorflügel). Die anderen Flugzeuge, speziell die französischen, veränderte Serienmodelle, waren weniger modern und hatten weniger Chancen bei den technischen Prüfungen.
Teilnehmende Flugzeugtypen: Klemm Kl 32 (8), Breda Ba.33 (8), Heinkel He 64 (6), Praga BH-111 (3), PZL.19 (3), RWD-6 (2), Potez 43 (2), Farman F.234 (2), Farman F.250 (1), Darmstadt D 22 a (1), Raab-Katzenstein RK 25/32 (1), Breda Ba.15S (1), Monocoupe 110 (1), Guerchais T.9 (1), Caudron C.278 (1), Peyret-Mauboussin PM XII (1), Comte AC-12 (1).
Die deutschen Flugzeuge hatten Startnummern in einer Reihe: A4-A9, B1-B9, C2-C8, E1-E2, Französisch: K1-K8, Italienisch: M1-M8, Polnisch: O1-O6, Schweizerisch: S1-S2, Tschechoslowakisch: T1-T4. Die Nummern wurden am Rumpf in einem schwarzen Quadrat angebracht.
Technische Prüfungen Am 13. August fand die technische Bewertung der konkurrierenden Flugzeuge statt. Da es ein Wettbewerb der Reiseflugzeuge war, waren Eigenschaften wie eine komfortable Kabine mit gutem Ausblick, nebeneinanderliegende Sitze, große Anzahl der Anzeigen, moderne Konstruktion, Sicherheitseinrichtungen gefragt. Für faltbare Flügel wurden auch Punkte vergeben. Die meisten Punkte entfielen auf die polnischen Konstruktionen (86 Punkte für die RWD-6 und 84 für die PZL.19), danach folgte die italienische Breda Ba.33 (83 Punkte) und die tschechoslowakische Praga BH-111 (80). Das gab ihnen mehr als zehn Punkte Vorsprung auf die deutschen Flugzeugkonstruktionen (Kl 32 – 71–72 Punkte, He 64c – 66 Punkte) und machte sie in dieser Bewertung zum Favoriten. Die schlechtplatzierten Flugzeuge bekamen 44 Punkte (Caudron C.278 Doppeldecker und Peyret-Mauboussin PM XII).
Am 14. August gab es den Kurzstartdurchgang, welcher von den Crews verlangte, über ein 8 m hohes Tor zu fliegen. Der deutsche Pilot Wolfram Hirth (Kl 32) war der Beste. Er hob in der kürzesten Entfernung ab (91,6 m – 40 Punkte). Zwei Italiener, Colombo und Lombardi, erreichten auch 40 Punkte. Die Klemms und Bredas waren an der Spitze. Die polnischen RWD-6 erreichten 37 Punkte (111,5 m und 115 m). mini|Die RWD-6 von Tadeusz Karpiński beim Kurzstartdurchgang Top-Ergebnisse des Kurzstartdurchgangs Pilot Land Flugzeug Entfernung Punkte 1. Wolf Hirth Kl 32 91,6 m 40 2. Francesco Lombardi Ba-33 97,5 m 40 3. Ambrogio Colombo Ba-33 100 m 40 4. Reinhold Poss Kl 32 100,3 m 39 5. Robert Fretz Kl 32 102,6 m 39 6. Vittorio Suster Ba-33 105,6 m 38
Als Nächstes folgte ein Durchgang für die kürzeste Landung über ein 8 m hohes Tor. Das beste Ergebnis, 92,4 m (40 Punkte), wurde von Winifred Spooner erreicht. Gute Ergebnisse hatten auch die Klemms, Bredas, RWD-6s und die französischen Potez 43. Die Führenden nach der technischen Bewertung und diesen zwei Durchgängen waren: Der Italiener Ambrogio Colombo und der Pole Franciszek Żwirko mit der RWD-6. Sie erreichten jeweils 161 Punkte. Die folgenden Plätze belegten ein italienisches Team, danach kamen die Deutschen und Polen, danach der Rest.
Top-Ergebnisse des Durchgangs für die kürzeste Landung Pilot Land Flugzeug Entfernung Punkte 1. Winifred Spooner Ba-33 92,4 m 40 2. Reinhold Poss Kl 32 97,8 m 40 3. G. Viazzo Ba-33 101,9 m 39 4. Georges Detré Potez 43 102,8 m 39 5. Franciszek Żwirko RWD-6 105,8 m 38 6. Ambrogio Colombo Ba-33 107,3 m 38 7. Robert Fretz Kl 32 107,4 m 38
Am 15. August gab es einen Niedrigst-Geschwindigkeits-Durchgang zur Bewertung der Sicherheit der Flugzeuge. Fliegend am Rande des Strömungsabrisses, war Franciszek Żwirko der langsamste mit 57,6 km/h, zweiter war ein weiterer Pole, der eine RWD-6 flog: Tadeusz Karpiński. Hinter ihnen folgten die Italiener, die deutschen He 64s und der Franzose Raymond Delmotte (C.278) mit guten Ergebnissen zwischen 61,2 und 65,7 km/h, danach der Rest. Die Regularien erwarteten nicht diese langsamen Geschwindigkeiten, und somit erreichten alle sieben Ergebnisse unter 63 km/h 50 Punkte.
Top-Ergebnisse für die niedrigste Geschwindigkeit Pilot Land Flugzeug Geschwindigkeit Punkte 1. Franciszek Żwirko RWD-6 57,6 km/h 50 2. Tadeusz Karpiński RWD-6 60,8 km/h 50 3. Francesco Lombardi Ba-33 61,2 km/h 50 4. Ambrogio Colombo Ba-33 61,4 km/h 50 5. Winifred Spooner Ba-33 61,5 km/h 50 6. Werner Junck He 64c 62,1 km/h 50 7. Hans Seidemann He 64b 62,4 km/h 50
Am 16. August der Durchgang zum schnellsten Falten der Flügel, eine Funktion, um Platz in Hangars zu sparen. Danach kam der Durchgang zum schnellsten Starten des Motors. Die allgemeine Klassifizierung veränderte sich nach diesen Durchgängen wenig, mit den führenden Żwirko und Colombo, die gemeinsam 222 Punkte hatten.
Ein Durchgang zum Kraftstoffverbrauch auf 300 km Entfernung folgte am 19. August, und die deutschen Flugzeuge gewannen in dieser Kategorie. Nach allen technischen Durchgängen führte Ambrogio Colombo in der allgemeinen Klassifizierung mit Franciszek Żwirko als Zweitem und Italiens Francesco Lombardi als Drittem.
Top-Ergebnisse der technischen Durchgänge: Pilot Land Flugzeug Punkte 1. Ambrogio Colombo Breda Ba-33 −247 2. Franciszek Żwirko RWD-6 −245 3. Francesco Lombardi Breda Ba-33 −242 4. Winifred Spooner Breda Ba-33 −241 4.Renato Donati Breda Ba-33 −241 6. Tadeusz Karpiński RWD-6 −238 6. Mario Stoppani Breda Ba-33 −238 8. Vittorio Suster Breda Ba-33 −235 9. Reinhold Poss Klemm Kl 32 −23410. Robert Fretz Klemm Kl 32 −231
Vor dem nächsten Teil, musste Winifred Spooner außerhalb von Berlin wegen Sabotage am Kraftstoff notlanden. Sie entschied sich, aus dem Wettbewerb auszusteigen.
Rallye über Europa Der zweite Teil der Challenge war eine 7363 km Rallye über Europa, en Route: Berlin – Warschau – Krakau – Prag – Wien – Zagreb – Vicenza – Rimini – Rom – Bellinzona – Cannes – Lyon – Stuttgart – Bonn – Paris – Rotterdam – Hamburg – Göteborg – Berlin. 39 Flugzeuge nahmen an dem Rennen teil. Hauptwegepunkte waren Rom und Paris.
Die Rallye begann am 21. August. Von Beginn an versuchten die deutschen Crews, ihren Vorteil in den schnelleren Flugzeugen zu nutzen und den Punkterückstand der technischen Durchgänge aufzuholen. Die Italiener versuchten, im Rennen gegen die Deutschen, die ersten in Rom zu sein. Auf der anderen Seite versuchten die Polen mit langsameren Flugzeugen, eine gute Reisegeschwindigkeit und einen gleichmäßigen Flug zu erreichen, was auch mit Punkten in der Rallye bewertet wurde. Am ersten Tag erreichten die meisten Crews Wien oder Zagreb, während die Italiener Vicenza erreichten. Ambrogio Colombo und drei Deutsche (von Massenbach, Seidemann und Marienfeld) erreichten sogar Rimini. Drei Crews stiegen unterwegs wegen Flugzeugschäden aus.
Am 22. August landeten die Teilnehmer in Rom. Der deutsche Pilot Hans Seidemann war Erster. Nur 33 Crews erreichten Rom; drei hatten eine Bruchlandung, unter anderem der Rumäne Alexander Papană, der eine Monocoupe 110 flog.
Am 23. August starteten die Teilnehmer von Rom aus. An diesem Tag stürzten zwei italienische Bredas wegen der schwachen Flügelkonstruktion ab (ein Mechaniker starb beim Absprung). Das Ergebnis war, dass Italien alle italienischen Teams von der Challenge abzog, wobei Ambrogio Colombo zu dem Zeitpunkt führend war. Am 24. August erreichten die letzten 25 Crews Paris. Am 27. August beendeten die Teilnehmer das Rennen in Berlin. Der erste Pilot in Berlin, und der schnellste im gesamten Rennen, war der Deutsche Hans Seidemann mit einer Reisegeschwindigkeit von 213 km/h. Er flog eine Heinkel He 64b. Die nächsten sieben waren auch Deutsche. Franciszek Żwirko erreichte mit einer Reisegeschwindigkeit von 191 km/h den 11. Platz.
Top-Ergebnisse der Rallye: Pilot Land Flugzeug Durchschnitts-geschwindigkeit Punkte 1. Hans Seidemann Heinkel He 64b 213 km/h −220 2. Wolfgang Stein He 64c 208 km/h −220 3. Dietrich von Massenbach He 64c 206 km/h −220 4. Walter Marienfeld Darmstadt D 22 a 205 km/h −220 5. Wolf Hirth Klemm Kl 32 203 km/h −220 6. Fritz Morzik He 64c 200 km/h −220 7. Otto Cuno Kl 32 198 km/h −218 8. Reinhold Poss Kl 32 197 km/h −217 8. Robert Fretz Kl 32 197 km/h −21710. Robert Lusser Kl 32 193 km/h −21311. Franciszek Żwirko RWD-6 191 km/h −21111. Josef Kalla Praga BH-111 191 km/h −21113. Jerzy Bajan PZL.19 188 km/h −206
Nach den technischen Durchgängen und der Rallye stand Franciszek Żwirko auf dem ersten Platz in der Gesamtwertung mit 456 Punkten, mit Reinhold Poss auf dem zweiten Platz mit 451 Punkten, Wolf Hirth auf dem dritten Platz mit 450 und Robert Fretz (Schweiz) auf dem vierten Platz mit 448 Punkten. Fritz Morzik wurde mit 444 Punkten Fünfter.
Höchstgeschwindigkeitsdurchgang Der letzte Teil der Challenge war ein Höchstgeschwindigkeitsdurchgang, auf einem 300 km Dreieckskurs. Start und Landung waren am 28. August auf dem Flugplatz in Berlin-Staaken.