Reutern (fränkisch: RajdanR. Schuh: Gunzenhausen, S. 228. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „raędɒn“.) ist ein Gemeindeteil der Stadt Wolframs-Eschenbach im Landkreis Ansbach (Mittelfranken, Bayern). Die Gemarkung Reutern hat eine Fläche von 5,873 km². Sie ist in 630 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 9322,10 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Bölleinsmühle, Sallmannshof, Utzenmühle und Wöltendorf.
Geographie Durch das Dorf fließt der linke Zufluss Baumbach des an der Mündung noch Mühlbach genannten Erlbachs. Im Nordosten liegt das Bodenfeld. Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Wöltendorf zur Kreisstraße AN 12 (2 km nordwestlich), nach Wolframs-Eschenbach (1,3 km südwestlich) und nach Sauernheim (2 km nordöstlich).
Geschichte Der Ort wurde 1269 als „Rvtherin“ erstmals urkundlich erwähnt. Aus dieser Urkunde geht hervor, dass Burchard von Eschenbach vom Kloster Heilsbronn u. a. Güter in Reutern erhielt.R. Schuh: Gunzenhausen, S. 228. Dem Ortsnamen liegt eine Dativ-Pluralform vom mittelhochdeutschen Wort a) „riuter“ (= der Reuter) oder b) „riute“ (= die Rodung) vor. Im ersten Fall würde der Ortsname bedeuten Zu denjenigen, die roden, im zweiten Fall Zu den Rodungen.R. Schuh: Gunzenhausen, S. 230.
Im Salbuch der Deutschordenskommende Nürnberg von 1343 wurden für den Ort 1 Hof, 5 Huben, 4 Lehen und 1 Hofstatt verzeichnet, die dem Amt Eschenbach unterstanden.Staatsarchiv Nürnberg, Reichsstadt Nürnberg Salbuch 134 (= Gerhard Pfeifer (Bearb.): Die ältesten Urbare der Deutschordenskommende Nürnberg, Neustadt/Aisch 1981, S. 55–78). Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 1, S. 532.
Im 16-Punkte-Bericht des Oberamts Windsbach aus dem Jahr 1608 wurden für Reutern 11 Mannschaften angegeben. Grundherren waren das Kastenamt Windsbach (1 Hof) und das Stadtvogteiamt Eschenbach (5 Höfe und 5 Güter). Außerdem gab es ein Gemeindehirtenhaus. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Kasten- und Stadtvogteiamt Windsbach aus.Staatsarchiv Nürnberg, 16-Punkte-Berichte 43/1, 17. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 732.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Reutern 11 Anwesen und ein Gemeindehirtenhaus. Das Hochgericht übte weiterhin das Kasten- und Stadtvogteiamt Windsbach aus, die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Stadtvogteiamt Eschenbach. Grundherren waren das Stadtvogteiamt Eschenbach (5 Höfe, 2 Güter, 2 Gütlein, 1 Leerhaus) und das Kastenamt Windsbach (1 Hof).M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 902. Es gab zu dieser Zeit 13 Untertansfamilien, von denen 1 ansbachisch war.J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, Bd. 4, Sp. 501. Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Windsbach.
1806 kam Reutern an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Reutern dem 1808 gebildeten Steuerdistrikt Sauernheim und der 1810 gegründeten Ruralgemeinde Sauernheim zugeordnet.Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3850: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Heilsbronn 1810. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 963. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) entstand die Ruralgemeinde Reutern, zu der Bölleinsmühle, Sallmannshof, Utzenmühle und Wöltendorf gehörten. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Heilsbronn zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Windsbach. Von 1862 bis 1879 gehörte Reutern zum Bezirksamt Heilsbronn, ab 1880 zum Bezirksamt Gunzenhausen (1939 in Landkreis Gunzenhausen umbenannt) und zum Rentamt Gunzenhausen (1919 in Finanzamt Gunzenhausen umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1879 beim Landgericht Heilsbronn, von 1880 bis 1973 war das Amtsgericht Gunzenhausen zuständig.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 1007. Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 5,866 km².
Am 1. Januar 1972 wurde die Gemeinde Reutern im Zuge der Gebietsreform in Bayern nach Wolframs-Eschenbach eingemeindet. Seit 1972 gehört Reutern zum Landkreis Ansbach, ein Jahr später wurde es dem Amtsgericht Ansbach und dem Finanzamt Ansbach zugeordnet.
Baudenkmäler Kapelle, die im Rahmen der Dorferneuerung renoviert wurde. Zwei Bildstöcke
Einwohnerentwicklung Gemeinde Reutern Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 Einwohner 219 144 149 153 177 169 149 164 167 181 170 164 155 166 153 172 173 159 141 173 163 149 149 158 HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude. 36 25 27 27 27 27 28 25 26 Quelle Für die Gemeinde Reutern zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Bölleinsmühle (S. 11), Sallmannshof (S. 79), Utzenmühle (S. 97) und Wöltendorf (S. 104).
Ort Reutern Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2012 2014 2020Einwohner 65 61 82 69 86 74 88 76 66 72 63 45 52 54Häuser 12 12 13 13 14 11 12 12 Quelle
Religion Der Ort ist römisch-katholisch geprägt und bis heute nach Liebfrauenmünster (Wolframs-Eschenbach) gepfarrt. Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach Unserer Lieben Frau (Merkendorf) gepfarrt.
Literatur
Weblinks
Fußnoten
Kategorie:Ort im Landkreis Ansbach Kategorie:Geographie (Wolframs-Eschenbach) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Ansbach) Kategorie:Ersterwähnung 1269 Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971 Kategorie:Gemarkung im Landkreis Ansbach