Der Credo-Zyklus in St. Georg ist ein um 1784 entstandener zwölfteiliger Freskenzyklus des Malers Johann Joseph Anton Huber im linken und rechten Seitenschiff von St. Georg, der früheren Stiftskirche der ehemaligen Reichsabtei Ochsenhausen in Oberschwaben. Der Freskenzyklus im Stil des Frühklassizismus ist eine der wenigen Darstellungen der Zwölf Glaubensartikel des apostolischen Glaubensbekenntnisses in der christlichen Malerei.
Darstellungen Je sechs Fresken der Bildfolge befinden sich in den beiden Seitenschiffen des Langhauses der Kirche, in mehreckigen, kunstvoll von Thomas Schaidhauf stuckierten Kartuschen. Der Zyklus beginnt im nördlichen Seitenschiff beim Rosenkranzaltar und verläuft von Ost nach West. Im südlichen Seitenschiff findet er beim Sebastiansaltar in gleicher Richtung seine Fortsetzung. Huber verfertigte die Fresken nach Vorlagen seines Vorgängers und Lehrers Johann Georg Bergmüller.
Erschaffung der Welt mini|Erschaffung der Welt
1. Artikel: Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde
Das Gemälde stellt Gott, den Schöpfer dar, der mitten im Kosmos auf einer Wolke schwebt, gestützt von zwei geflügelten Putten und einem Engel. Der Paradiesgarten ist schon – entsprechend der biblischen Schöpfungsgeschichte nach der Genesiserzählung – komplett gestaltet: Sonne, Mond und Sterne sind am Firmament fixiert, Paradiesströme fließen, Flora und Fauna sind erschaffen.
Wichtige Vertreter der oberschwäbischen Nutz- und Haustierwelt – Schaf, Ziegenbock und Hund – stehen prominent im Vordergrund der Bildkomposition. Auch ein fressender Feldhase und ein ruhender Stier prägen die Idylle. Vögel bewegen sich am Himmel. Adam steht an der Seite von Eva nackt im Garten Eden.
Himmel und Erde gehen auf den Schöpfer zurück, der über seinen Geschöpfen schwebt.
Jesus Christus 2. Artikel: Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn
Christus erscheint hier erst einmal als der Erhöhte, ikonographisch entsprechend dem Pantokrator gestaltet. mini|Jesus Christus Damit ist ein Darstellungstypus gemeint, bei dem Christus oft auf einer Weltkugel sitzt, den Betrachter anschaut, mit der rechten Hand segnet und ein aufgeschlagenes Evangelienbuch in der Hand hält. Hier hat Christus stattdessen ein goldenes Zepter in der Hand!
Der Pantokrator-Typus, der einen langen Weg in der christlichen Kunstgeschichte aufweist, betont vor allem die Gottgleichheit Christi (Gott der Sohn als die Zweite Person der Trinität), seine Weltherrschaft, seine Segensmacht und seine Lehrautorität.
Durchgehendes Kennzeichen des auferstandenen und erhöhten Christus ist das weite, großzügige Tuch in purpurroter Farbe, in welches der Unterkörper Christi gewickelt ist und das dessen Körper locker umweht. Das Tuch verleiht der Bildkomposition dabei eine eigene Dynamik und Kraft. Sowohl das folgende Osterbild als auch das weiterführende Trinitatisbild, und noch das Endgerichtsbild, führen dieses Grundmotiv nur leicht modifiziert fort.
Anbetung der Hirten mini|Anbetung der Hirten
3. Artikel: Empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria
Das Weihnachtsbild folgt in seinen Hauptmotiven dem Lukasevangelium. Das göttliche Kind im Stall von Bethlehem wird von Maria gehalten; an der linken Seite Joseph, zu dessen Füßen ein Korb mit Hühnern. Die hölzerne Krippe ist mit Heu ausgelegt. Ein grauer, Heu fressender Esel wird am linken Bildrand sichtbar. „Weder Stall noch ... Esel sind in der Bibel erwähnt, sie werden in Bezug auf den Propheten Jesaja ... mit der Geburt verbunden: ... der Esel erkennt die Krippe seines Herrn.“ .Sabine Poeschel: Handbuch der Ikonographie. Sakrale und profane Themen der bildenden Kunst. Philipp von Zabern (WBG), Darmstadt 2005, ISBN 3-534-15617-X, S. 141 f.
Die Hirten nahen dem Geschehen mit ihren Hütestecken in der Hand und umgehängten Hirtentaschen von rechts durch eine offene Tür; zwei von ihnen, ein bartloser und ein vollbärtiger, knien schon hinter der Krippe. Auch fallen die muskulösen Arme und Waden auf. Soweit sichtbar, tragen die Hirten, im Unterschied zu den meisten anderen Figuren des gesamten Zyklus, eine Culotte, eine Art farbige Kniebundhose, die Ende des 18. Jahrhunderts auch beim einfachen Volk als Bekleidung üblich war.
Der Himmel steht über dem Raum aus Holz offen. Im Hintergrund schwebt über Maria, in zarten Farben gemalt, der Erzengel Gabriel, der in der Rechten eine Lilie hält, mit der Linken auf die Taube des Heiligen Geistes weist, die schräg über ihm schwebt. Das Motiv der Verkündigung des Herrn (lat. Annuntiatio Domini, auch Mariä Verkündigung) kommt hier gleichzeitig zur Darstellung: Empfangen durch den Heiligen Geist.
Die Schar der Engel, die den Hirten die Ankunft des göttlichen Kindes kundgetan hat, ist über dem Geschehen des Stalls sichtbar. Helles Licht fällt von links oben auf die Szene; rechts führt eine Treppe nach unten, auf der ein junger Mann oder eine junge Frau nach oben kommt.
Mit dem Geheimnis der Weihnacht bzw. der Inkarnation beginnt im Bildzyklus das Geschehen der Erlösung.
Passion und Grablegung Jesu 4. Artikel: Gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben
mini|Passion und Grablegung Jesu
In der linken Bildhälfte steht Pontius Pilatus, der Statthalter des römischen Kaisers. Er ist, wie im 18. Jahrhundert nördlich der Alpen durchaus üblich, „als phantasievoll gekleideter Orientale“ dargestellt,Sabine Poeschel: Handbuch der Ikonographie. Sakrale und profane Themen der bildenden Kunst. Darmstadt 2005, ISBN 3-534-15617-X, S. 173. mit türkisem Turban. Er steht hinter einer Geißelsäule und lässt sich von einer Frau Wasser über seine Hände gießen. „Das Waschen der Hände ... betont die kirchliche Zuweisung der Schuld am Tod Christi an die Juden“. „Mit der Geißelung begann die physische Zerstörung des Gottessohnes. ... Die Folter leitete die Vollstreckung der Kreuzigung ein“.Sabine Poeschel: Handbuch der Ikonographie. Sakrale und profane Themen der bildenden Kunst. Darmstadt 2005, ISBN 3-534-15617-X, S. 174. Allerdings typisch für das Ende des 18. Jahrhunderts: der grausame Vorgang an sich wird nicht mehr dargestellt, sondern nur dezent symbolisch angedeutet. Rutenbündel und Liktorenbeil, Insignien der römischen Weltmacht, liegen bei der Geißelsäule. Dornenkrone und Lanze sind ebenfalls auf dem Bild zu sehen.
Auf einem rückwärtigen Hügel in der Mitte des Bildes finden sich in einiger Entfernung die drei Kreuze von Golgota. Auf der rechten Seite wickeln dagegen Josef von Arimathäa, Maria, Magdalena und Veronika den geschundenen, toten Leib Christi in ein Grabtuch. Durch die dargestellten Frauengestalten am Grabesrand sind auch alle Merkmale einer sogenannten Beweinung Christi in der insgesamt stark verdichteten und zeitlich gerafften Bildkomposition enthalten.
Darüber hinaus erscheinen auf dieser Bildtafel die typischen Leidenswerkzeuge Christi, die als arma Christi in der Ikonographie der Passion Jesu seit dem Mittelalter eine zentrale Rolle spielen.
Die Stimmung des Zerfalls und die Emotion der Trauer werden in dieser Komposition unterstrichen durch eine römische Ruinenlandschaft, die rechts der Golgotakreuze den Bildhintergrund prägt. Abgebrochene Bögen, zerfallende Säulen und ruinöse Bauwerke verstärken indirekt den Eindruck von Leid und Sterben. Auffallend, und doch zugleich typisch für die Zeit, ist der Verzicht auf die direkte Darstellung eines zugerichteten und sterbenden Christus am Kreuz oder gar die Zumutung eines tot am Kreuz hängenden Christus.
Auferstehung Jesu mini|Auferstehung Jesu
5. Artikel: Hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten
Jesus ist wieder hinaufgestiegen in das Reich der Lebenden. Um die Lenden weht das rote Tuch, sein Oberkörper bleibt nackt. Er hält triumphierend die Kreuzesfahne des Sieges über den Tod in der Rechten und segnet – unüblich – mit der linken Hand die entsetzten drei römischen Wächter am Grab. Zwei von ihnen tragen einen Helm aus Metall, ebenfalls sind zwei mit einem Rundschild bewehrt. Einer taumelt und hält sich am Schild fest, der andere staunt über den Lichtglanz und ein dritter zieht sein Kampfschwert. Ein Engel hat den Sargdeckel hochgehoben. Christus ist mit zart angedeuteten Wunden an Händen und Füßen dargestellt, an der rechten Brustseite klafft eine Seitenwunde. Damit ist das Motiv des Osterfestes vor Augen.
Auch dem ersten Teil des fünften Artikels wird Rechnung getragen. Der Abstieg Christi in das Reich des Todes, die sogenannte Höllenfahrt Christi (lat. Descensus Christi ad Inferos), wird thematisiert. Er hat zur Befreiung Adams und seiner Nachkommen geführt, die nun, in blassen Farben gemalt, mit Noah, König David und weiteren biblischen Personen parallel zum sich erhebenden Christus in die Höhe steigen. Adam hält einen Apfel als Attribut in der Hand, zu Noah gehört die Arche, zu David die Königskrone und eine Harfe. Es stellt sich auch ein typologischer Bezug zum Alten Testament ein: Christus, der Davidssohn vollendet die messianische Vision, die sich mit der Figur des König Davids verbindet und stellt zugleich den neuen Adam dar, der den Sündenfall Adams rückgängig macht und das Reich Gottes der Menschheit neu erschließt.
Dreifaltigkeit mini|Dreifaltigkeit: Jesus zur Rechten des Vaters
6. Artikel: Aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters
Der theologische Gedanke der Trinität findet hier eine bildliche Darstellung. Der greise Vater als Schöpfer der Welt, mit goldenem Zepter in der Rechten und der jugendlich dargestellte Sohn, „sitzend zur Rechten des Vaters“, sitzen auf Augenhöhe brüderlich vereint nebeneinander.
Christus, der Gottessohn, lehnt sich an die Wange des Vaters. Gott, der Vater, ist grün gewandet. In dazu passender Komplementärfarbe erscheint Christus: der üppig fallende rote Mantel des Sohnes bedeckt den blauen Erdkreis. Christi Brust ist dabei entblößt. Christi Wunde vom Lanzenstich ist gut zu erkennen, ebenso seine Wundmale an Händen und Füßen. Der erhöhte Christus trägt die Signatur des Gekreuzigten.
Es fällt weiter auf, dass das hölzerne Kreuz von Golgota – stark gedreht – auch im himmlischen Reich des Vaters anwesend ist, ja sogar größer dimensioniert als im vorherigen Passionsbild erscheint. Es wird in diesem Kontext zu einem ewigen Zeichen des Heils und der christlichen Erlösung. Eine eigene Dynamik entsteht durch den Querbalken des Kreuzes, der von einer dunklen Wolke hinterlegt ist.
Der Heilige Geist befindet sich hinter den beiden, in erhöhter Position, so dass in der Bildgeometrie ein gleichschenkliges Dreieck entsteht, das auf den Betrachter Harmonie ausstrahlt. Gott Vater, Gottes Sohn und der Heilige Geist bilden zusammen eine geheimnisvolle Einheit. Vier Putten und zwei Engelsfiguren rahmen im Bild das göttliche Ensemble. Das Bild stellt den Inhalt des Dreieinigkeitsfestes dar.
Auch die Himmelfahrt Christi, der Anfang des sechsten Artikels, ist angedeutet. Unten rechts auf dem Bild sieht man, wie so häufig in der jahrhundertealten Bildtradition, die nackten Fußabdrücke Jesu vom Jerusalemer Ölberg, die hier in klassizistischer Reduzierung als sehr dezenter Hinweis ins Bild gesetzt sind, dass Christus nun vierzig Tage nach Ostern den Bereich des Irdischen verlassen hat und fortan einer anderen, jenseitigen Wirklichkeit angehört.
Die abgerundete Harmonie des Bildinhaltes wird zuletzt auch noch durch die äußere Begrenzung des Bildes verstärkt, das – ähnlich dem letzten Bild im Zyklus – von weißen, kreisbogenförmigen Stuckfeldern gerahmt wird.
Jüngstes Gericht mini|Jüngstes Gericht
7. Artikel: von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten
Der Zyklus setzt sich im rechten Seitenschiff fort.