Der 94. Giro d’Italia fand vom 7. bis 29. Mai 2011 statt. Die Veranstaltung stand im Zeichen des 150-Jahre-Jubiläums der Staatsgründung ItaliensGiro d'Italia 2011 im Zeichen des 150 Jahr Jubiläums der Staatsgründung Italiens (das Land Italien besteht seit dem Beginn der Regentschaft von König Viktor Emanuel II. – großteils – in seiner heutigen Form). Dem ursprünglichen Sieger Alberto Contador wurde der Titel mit der nachträglichen Dopingsperre vom 6. Februar 2012 für ein Dopingvergehen bei der Tour de France 2010 aberkannt.Pressemitteilung Internationaler Sportgerichtshof: (Englisch, PDF; 187 kB). tas-cas.org, 6. Februar 2012. Abgerufen am 6. Februar 2012.
Das Radrennen wurde in 21 Etappen über 3479 km von ursprünglich geplanten 3522,5 km ausgetragen und führte durch 17 der 20 Regionen Italiens (nicht angefahren wurden Sardinien, Apulien und das Aostatal). Damit war die Rundfahrt ungefähr 60 Kilometer länger als die Ausgabe von 2010. Der Giro startete mit einem Mannschaftszeitfahren in Turin und endete zum 74. Mal in Mailand mit einem Einzelzeitfahren. Das Rennen führte nach dem Start in Turin an der Westseite Italiens nach Süden bis nach Sizilien, wo der Ätna zweimal erklommen wurde. Danach ging es auf der Ostseite Italiens nach Norden, wo mit schwierigen Etappen in Dolomiten und Alpen die Entscheidung in der Gesamtwertung fallen sollte.
Tödlicher Unfall von Wouter Weylandt Überschattet wurde das sportliche Geschehen vom tödlichen Unfall des belgischen Profis Wouter Weylandt vom Team Leopard Trek während der dritten Etappe. Aufgrund dieses tödlichen Unfalls wurde seitens der Organisatoren beschlossen, die vierte Etappe zu neutralisieren. Im Gedenken des Toten wurde die Etappe Wouter Weylandt und dem Team Leopard Trek gewidmet. Das Team Leopard Trek überquerte gemeinsam mit Weylandts bestem Freund Tyler Farrar von Team Garmin-Cervélo im Gedenken an den Verstorbenen geschlossen und in Distanz zum restlichen Feld die Ziellinie. Zwei Tage nach dem Unfall verließ das gesamte Team Leopard Trek den Giro.Leopard-Trek verlässt den Giro d’Italia auf radsport-news.com, abgerufen am 11. Mai 2011 Auch Tyler Farrar stieg nach der neutralisierten vierten Etappe aus Trauer um seinen Freund aus dem Rennen aus.Radsport-News: Eine Etappe voller Trauer.
Panne bei der Siegerehrung Bei der Siegerehrung für den spanischen Gesamtsieger Alberto Contador in Mailand unterlief den Veranstaltern eine peinliche Panne: Irrtümlich wurde die Nationalhymne Spaniens aus der Zeit der Diktatur von General Franco gespielt. Die spanische Regierung legte Beschwerde ein, und die Giro-Veranstalter entschuldigten sich.„Veranstalter spielt alte Franco-Hymne für Contador“ auf radsport-news.com, abgerufen am 30. Mai 2011
Teilnehmerfeld Der Veranstalter RCS lud neben den 18 ProTeams auch noch fünf Professional Continental Teams ein. Jedes Team schickte neun Fahrer an den Start, womit insgesamt 207 Radprofis am Giro teilnahmen. Mit dabei waren sechs Deutsche, sieben Schweizer, zwei Luxemburger und ein Österreicher. + Eingeladene Teamshttps://www.gazzetta.it/Speciali/Giroditalia/2011/it/squadre.shtml?lang=it Teamliste auf der offiziellen WebseiteUCI ProTeams UCI Professional Continental Teams
→ Detaillierte Starterliste: Fahrerfeld 2011
Als großer Favorit auf den Gesamtsieg galt der dreimalige Tour-de-France-Sieger Alberto Contador aus Spanien, der den Giro d’Italia 2008 für sich entschieden hat. Als seine größten Konkurrenten wurden der Vorjahresdritte und Sieger der Vuelta a España 2010, Vincenzo Nibali, Denis Menschow, Sieger des Giro 2009 und der Vorjahresvierte Michele Scarponi eingestuft.
Mit Mark Cavendish stand ein mehrmaliger Tour-de-France-Etappensieger in Massensprints am Start, aufgrund von fehlenden guten Resultaten im bisherigen Saisonverlauf wurde er aber bei Start der Rundfahrt ebenso wie Tyler Farrar (zwischenzeitlich ausgestiegen), zweimaliger Etappensieger 2010, nicht als aussichtsreichster Kandidat auf Tageserfolge auf den Flachetappen angesehen. Stattdessen galt Alessandro Petacchi als Favorit in den Sprints. Neben seinem Anfahrer Danilo Hondo waren auch Gerald Ciolek gute Ergebnisse in den Massenspurts zuzutrauen.
Matthew Lloyd, der Titelverteidiger in der Bergwertung, stand nicht am Start. Einen eindeutigen Favoriten auf den Gewinn des Grünen Trikots gab es daher nicht.
Ältester Teilnehmer war der Italiener Andrea Noè mit 42 Jahren bei seiner 16. Giro-Teilnahme. Ältester Deutscher war Danilo Hondo mit 37 Jahren, der zum fünften Mal am Start stand. Jüngster Starter war der 21-jährige Kolumbianer Carlos Betancur. Insgesamt 47 Teilnehmer fielen in die Nachwuchswertung der unter 25-Jährigen.
Etappen → Detaillierte Etappenübersicht mit Ergebnissen: Giro d’Italia 2011/Etappen
Der Etappenplan wurde am 23. Oktober 2010 vorgestellt. Das Rennen startete in Turin und führte nach mehrjähriger Pause auch durch Kalabrien und Sizilien. Zwei Etappen führten auch nach Österreich.Vorstellung der Strecke in derstandard.at, 23. Oktober 2010
Der Giro 2011 galt als der härteste seit Jahren, da neben fünf flachen Abschnitten und drei Zeitfahren (davon ein Bergzeitfahren) vier Mittelgebirgsetappen sowie acht Bergetappen mit sieben Bergankünften auf dem Plan standen. Insgesamt elf Bergwertungen der 1. und höchsten Kategorie wurden ausgefahren.
Nach dem Start in Turin, der ersten Hauptstadt des geeinten Italien, führte die Route an der tyrrhenischen Küste südwärts. Nachdem zu Beginn recht flache Abschnitte warteten, auf denen die Sprinter zum Zug kommen können, wurde vor allem auf der fünften Etappe, die zudem mit einem Abschnitt der toskanischen Schotterstraße „Strade Bianche“ aufwartet, das Terrain welliger. In Montevergine di Mercogliano erfolgte zwei Tage später die erste Bergankunft des Rennens, bevor am neunten Tagesabschnitt der südlichste Punkt des Giro auf Sizilien erreicht war, wo der Ätna zweimal bezwungen werden musste.
Nach einem Ruhetag führte die Strecke am adriatischen Meer entlang wieder nach Norden. Die entscheidende Phase erreichte die Rundfahrt, wenn während der 13. Etappe erstmals die Alpen passiert wurden, dann geht es nach Österreich auf den Großglockner. Auf den folgenden Tagesabschnitten warteten unter anderem der Monte Zoncolan, ein Bergzeitfahren und der Colle delle Finestre am vorletzten Tag. Der Giro endete schließlich mit einem Einzelzeitfahren in Mailand.
Etappe Typ Tag Start–Ziel km Etappensieger 20px|Trikot Maglia Rosa 1. link=Mannschaftszeitfahren 7. Mai Venaria Reale–Turin MZF 19,3 2. Flachetappe 8. Mai Alba–Parma 244 3. Bergetappe 9. Mai Reggio nell’Emilia–Rapallo 173 4. Bergetappe 10. Mai Quarto dei Mille–Livorno 216 neutralisiert 5. Bergetappe 11. Mai Piombino–Orvieto 191 6. Bergetappe 12. Mai Orvieto–Fiuggi Terme 216 7. Hochgebirgsetappe 13. Mai Maddaloni–Montevergine di Mercogliano 110 8. Flachetappe 14. Mai Sapri–Tropea 217 9. Hochgebirgsetappe 15. Mai Messina–Ätna 169 R Ruhetag 16. Mai 1. Ruhetag 10. Flachetappe 17. Mai Termoli–Teramo 159 11. Bergetappe 18. Mai Tortoreto Lido–Castelfidardo 142 12. Flachetappe 19. Mai Castelfidardo–Ravenna 184 13. Hochgebirgsetappe 20. Mai Spilimbergo–Großglockner 167 14. Hochgebirgsetappe 21. Mai Lienz–Monte Zoncolan 172 15. Hochgebirgsetappe 22. Mai Conegliano–Gardeccia 229 R Ruhetag 23. Mai 2. Ruhetag 16. link=Einzelzeitfahren 24. Mai Belluno BZF 12,7 17. Hochgebirgsetappe 25. Mai Feltre–Tirano 230 18. Bergetappe 26. Mai Morbegno–San Pellegrino Terme 151 19. Hochgebirgsetappe 27. Mai Bergamo–Macugnaga 209 20. Hochgebirgsetappe 28. Mai Verbania–Sestriere 242 21. link=Einzelzeitfahren 29. Mai Mailand EZF 26
Wertungen im Rennverlauf Die Tabelle zeigt den Führenden der jeweiligen Gesamtwertung nach Abschluss der Etappe an. Für diese und zahlreiche andere Sonderwertungen wurden insgesamt 1,4 Millionen Euro ausgeschüttet.
Etappe 20px|Trikot Rosa Trikot (Gesamtwertung) 20px|Trikot Rotes Trikot (Punktewertung) 20px|Trikot Grünes Trikot (Bergwertung) 20px|Trikot Weißes Trikot (Nachwuchswertung) Teamwertung 1. Marco Pinotti nicht vergeben nicht vergeben Bjorn Selander HTC-Highroad 2. Mark Cavendish Alessandro Petacchi Sebastian Lang 3. David Millar Gianluca Brambilla Jan Bakelants Team Garmin-Cervélo 4. 5. Pieter Weening Martin Kohler Steven Kruijswijk Movistar Team 6. 7. Bart De Clercq 8. 9. Alberto Contador Alberto Contador Filippo Savini Roman Kreuziger Pro Team Astana 10. Alessandro Petacchi 11. 12. 13. Alberto Contador Alberto Contador 14. 15. Stefano Garzelli 16. 17. 18. 19. 20. 21. Sieger Alberto Contador Alberto Contador Stefano Garzelli Roman Kreuziger Pro Team Astana Endstände
Berichterstattung Erstmals erschien im Vorfeld des Giro ein deutschsprachiges Programmheft, das der Veranstalter in Kooperation mit der Fachzeitschrift Procycling erstellte. Der Fernsehsender Eurosport übertrug jeden Nachmittag mehrere Stunden live von den Etappen und sendete verkürzte Wiederholungen von diesen.
Siehe auch Tour de France 2011 Vuelta a España 2011
Weblinks
Offizielle Internetseite des Giro d’Italia Reglement des Giro d’Italia 2011 (italienisch; PDF; 233 kB), abgerufen am 9. Mai 2011 Die Etappe zu Ehren von Wouter Weylandt
Einzelnachweise
Kategorie:Radrennen 2011 #2011