mini|Vereinigung von Großem (links) und Kleinem Jenissei zum Jenissei mini|Jenissei am Pier von Diwnogorsk mini|Brücke der Transsibirischen Eisenbahn in Krasnojarsk mini|Für Hochseeschiffe schiffbarer Seitenarm des Jenissei bei Igarka mini|Tundra bei Dudinka am Jenissei
mini|Teil des sich nördlich der Brechowski-Inseln (Bildmitte) seeartig aufweitenden Jenissei-Unterlaufs mit am oberen Bildrand gelegenen Südostteil des Jenisseigolfs mini|Sibirien u. a. mit von rechts unten heran fließendem Jenissei und Mündung in den Jenisseigolf der Karasee (Nordpolarmeer) mini|Jenissei-Einzugsgebiet mit einigen Nebenflüssen und Wasserkraftwerken: Bestehende Anlagen sind durch gefüllte Quadrate markiert, geplante durch ungefüllte Der Jenissei (auch Jenissej, ) ist ein 3487 km langer Strom in Sibirien, dem asiatischen Teil Russlands, der zusammen mit seinem rechten Quellfluss Großer Jenissei 4092 km lang ist.
Der Fluss ist der fünftlängste der Erde und hinter dem Jangtsekiang der zweitlängste Asiens. Er bildet eine wichtige Schifffahrtsstraße, die Sibirien von der mongolischen Grenze im Süden bis zur Karasee des Polarmeers im Norden durchquert. Weil er das Land ungefähr in der Mitte entlang des 90. Längengrads durchfließt, wird er auch als „sibirischer Meridian“ bezeichnet.
Geographie Verlauf Ursprung Der Jenissei entsteht etwa im Zentrum der russischen Republik Tuwa, im, zwischen den Südsibirischen Gebirgen Westsajan (bis ) im Nordwesten und Norden, Ostsajan (bis ) im Nordosten und Tannu-ola (bis ) im Süden und Südwesten gelegenen, Tuwinischen Becken durch den am Nordrand der Stadt Kysyl gelegenen Zusammenfluss von Großem Jenissei (s. n.) und Kleinem Jenissei (s. n.), auf etwa 619 mTopographische Karte (1:200.000, Bl. M-46-V, Ausg. 1985), Jenissei-Ursprung (mittig) u. a. aus Zusammenfluss von Großem Jenissei (oben) und Kleinem Jenissei (mittig rechts), von dort nach Westen abfließendem Oberem Jenissei und zudem mit von Süden einmündendem Elegest (links unten) auf map-m46.narod.ru (mit Höhen über Meer) Höhe. In Kysyl befindet sich am südlichen Flussufer ein Obelisk, der laut Inschrift das „Centre of Asia“ markiert. Von der Stadt ist die Nordgrenze der Mongolei in Richtung Süden minimal rund 135 km entfernt.
Übersicht: Quellflüsse Der rechtsseitige Quellfluss Großer Jenissei (russ. Большо́й Енисе́й, Bolschoi Jenissei; 605 km lang), der in der russischen Republik Tuwa nahe der östlich befindlichen Nordgrenze zur Mongolei rund 600 km westlich vom Südende des Baikalsees im Ostsajan dem Kara-Balyk-See () entfließt, verläuft hauptsächlich westwärts und letztlich südwärts nach Kysyl.
Der linksseitige Quellfluss Kleiner Jenissei (russ. Ма́лый Енисе́й, Maly Jenissei; tuwinisch Bii- (Бии-Хем) und Kao-Chem (Каа-Хем); 563 km lang), der sich in den dem Dood-See () in der Nordmongolei entfließenden Hauptquellarm Kysyl-Chem (Кызыл-Хем), im mongolischen Oberlauf unter anderem Schischchid gol (mong. Шишхид гол) genannt, und den kürzeren, in der russischen Republik Tuwa nahe der mongolischen Grenze im Tannu-ola-Gebirge auf rund Höhe entspringenden Balyktyg-Chem (Балыктыг-Хем) aufspaltet, fließt nach der Vereinigung beider Quellarme westnordwestwärts nach Kysyl.
Oberlauf Von der bei Kysyl gelegenen Vereinigung seiner Quellflüsse – Großer und Kleiner Jenissei – heißt der Fluss Oberer Jenissei (russ. Верхний Енисей, tuwinisch Ulug-Chem). Etwas unterhalb davon fließt er – das Tuwinische Becken westwärts verlassend – bei Schagonar in den Südteil des im Westsajan gelegenen, etwa 320 km langen und 621 km² großen Sajano-Schuschensker Stausees (540 m)Dirk Sager: Sibiriens Schicksalsstrom: Der Jenissei. 3sat-Reportage in drei Teilen, ein, um – ab der Mündung des in den Stausee fließenden Chemtschik nur noch Jenissei genannt – im Stausee die Grenze von Tuwa zur Region Krasnojarsk zu kreuzen. Weiter nördlich, kurz vor der 242 m hohen Staumauer, die bei Tscherjomuschki steht, fließt der Jenissei im Rahmen des in einem engen Durchbruchstal liegenden Stausees entlang der Grenze der Region Krasnojarsk zu Chakassien. Unmittelbar westlich vom Südteil des Stausees liegt das Sajano-Schuschensker Naturreservat (1976 gegründet; 3903,68 km²). Unterhalb des Sajano-Schuschensker Stausees verläuft der Jenissei durch den 11,5 km² großen Maina-Stausee (324 m), dessen Staumauer südlich von Maina steht. Direkt östlich beider Stauseen liegt der bis zum weiter flussabwärts gelegenen Schuschenskoje reichende Nationalpark Schuschenski bor (1995 gegründet; 391,7 km²).
Unterhalb der Ortschaft Maina fließt der Jenissei durch das östlich des Kusnezker Alataus (max. 2211 m) gelegene und landwirtschaftlich genutzte Minussinsker Becken, in dem am Fluss unter anderem Sajanogorsk und, etwas weiter nördlich, Minussinsk, Abakan und Tschernogorsk liegen. Bei der Stadt Abakan münden der Jenissei und parallel dazu der Abakan in den Südteil des rund 388 km langen und 2130 km² großen Krasnojarsker Stausees (243 m) ein, dessen Südteil entlang des Flusslaufs auch auf der Grenze von Chakassien zur Region Krasnojarsk liegt und dessen 124 m hohe Staumauer bei Diwnogorsk steht. Vom Minussinsker Becken an ist der Strom schiffbar; möglich wird dies durch ein großes Schiffshebewerk, durch das Binnenschiffe den Höhenunterschied an der Staumauer des Krasnojarsker Stausees überwinden können. In einem Durchbruchstal fließt der Jenissei im Rahmen dieses Stausees, in den unter anderem auch die Tuba mündet, etwa in nördlicher Richtung durch den Nordwestteil des Ostsajangebirges. Im Mittelteil des Stausees erreicht der Fluss endgültig die Region Krasnojarsk. Unterhalb von Staumauer und Diwnogorsk mündet bei Ust-Mana die Mana (142 m) ein. Einiges weiter östlich liegt als größte Ortschaft am Fluss die Großstadt Krasnojarsk (138 m). Dort kreuzt eine Brücke der Transsibirischen Eisenbahn.
Mittellauf Ab Krasnojarsk, wo sich das Flusstal zu einer landwirtschaftlich genutzten Niederung aufweitet, ändert sich das Landschaftsbild: Während der Jenissei dort den Ostsajan verlässt, befindet sich fortan östlich das Mittelsibirische Bergland und westlich das große Westsibirische Tiefland, das zwischen zuletzt erwähntem Bergland und dem weit westlich gelegenen Ural liegt und neben dem Jenissei insbesondere vom viel weiter westlich befindlichem Ob durchflossen wird. Fortan verläuft der Fluss im äußersten Osten des Westsibirischen Tieflands in ausgedehnten Nadelwäldern nordwärts.
Nordöstlich von Krasnojarsk mündet beim Dorf Ust-Kan der Kan (113 m) in den Jenissei. Einiges weiter nördlich fließt bei Strelka die von Osten kommende 1779 km lange Angara (76 m) ein, die ihm nach dem Durchfließen des Mittelteils der Jenisseiberge (max. 1104 m) zufließt. Etwas unterhalb davon passiert der nun nordwestwärts fließende Jenissei Lessosibirsk (72 m) und Jenisseisk (69 m), wonach erst der Kem (68 m), bei Ust-Pit der Große Pit (61 m), bei Nischneschadrino der Kas (48 m) und unterhalb Jartschewo der Sym (43 m) einmünden.
Dann mündet bei Bor die aus dem Mittelsibirischen Bergland kommende, das Nordende der Jenisseiberge passierende und 1865 km lange Steinige Tunguska (27 m) ein; dort bildet der Jenissei eine sehr ausgedehnte Flussschleife. Weiter nordwestlich fließt dem Jenissei unterhalb von Werchneimbatsk der Jelogui (16,5 m) zu, wonach er ab Kangotowo in Richtung Nordnordosten schwenkt. Einiges weiter flussabwärts fließt in den Jenissei, der nun die ausgedehnte nordsibirische Tundra durchfließt, bei Suchaja Tunguska die Trockene Tunguska (7,5 m) ein.
Unterlauf Am Beginn seines Unterlaufs, in dem der nach wie vor im Osten des Westsibirischen Tieflands fließende Jenissei überwiegend nordnordwestwärts verläuft und sich etwas vom Mittelsibirischen Bergland entfernt, mündet direkt oberhalb von Turuchansk die aus dem Mittelsibirischen Bergland kommende und 2989 km lange Untere Tunguska (5,5 m) in den Jenissei und kurz darauf fließt der Turuchan (5 m) ein.
Etwas nach Einmündung der von Nordosten aus dem Putoranagebirge kommenden Kureika (3 m) bei der Siedlung Kureika überquert der Jenissei den nördlichen Polarkreis. Kurz darauf bildet er bei Jermakowo (2 m) eine ausgedehnte Flussschleife. Dort führt die im Bereich dieses ehemaligen Bahndepots fertiggestellte, aber aufgegebene Trasse der niemals durchgängig vollendeten Polarkreiseisenbahn, die in Teilabschnitten von 1947 bis 1953 errichtet wurde, von Südwesten kommend an den Fluss heran. Die Bahnstrecke hätte dort den Fluss auf einer nach Jenisseiskaja führenden Brücke kreuzen sollen, um dann östlich davon in Richtung Norden zum auch am Jenissei gelegenen Igarka (1 m) zu verlaufen, doch das Bauprojekt wurde in dieser Region aufgegeben. Etwas nördlich von Igarka mündet von Osten die aus dem nahe dem Putoranagebirge gelegenen Chantaikastausee kommende Chantaika ein.
Viel weiter nördlich erreicht der nun etwas westlich des Lontokoiski-Kamen-Gebirges verlaufende Jenissei Dudinka, dessen Hafen zur Verschiffung von Bodenschätzen aus Norilsk von Bedeutung ist. Kurz darauf schwenkt der Fluss für einige Kilometer nach Westen, um oberhalb von Ust-Port die Große Cheta (0 m) aufzunehmen. In dieser Region trennt der Fluss das Westsibirische Tiefland vom östlich befindlichen Nordsibirischen Tiefland.
Etwas weiter nordwestlich, ungefähr ab Karaul, bildet der Jenissei viele nordwärts strebende und teils mehrere Kilometer breite Flussarme, die sich teils wieder vereinen und die Brechowski-Inseln bilden. Nach endgültigem Zusammenfluss aller Arme weitet sich der Fluss im Rahmen der westlich befindlichen Brechowski-Untiefe seeartig auf; im Süden dieser Aufweitung sind die westlichen Ufer maximal etwa 40 km von den östlichen Ufern entfernt.
Mündung Nochmals weiter nördlich mündet der zuletzt westwärts fließende Jenissei in den 225 km langen und bis 150 km breiten Jenisseigolf (Jenisseiski Zaliw), der zur Karasee gehört, die wiederum Teil des Nordpolarmeers ist. Der Meeresgolf weist – hervorgerufen durch den einströmenden Jenissei – eine starke nördliche Strömung auf.
Flusslänge Die Länge des Jenisseis kann zum Beispiel auf diese Weisen gemessen werden: 3487 km = Jenissei ohne den 605 km langen Großen Jenissei (längster Quellfluss) 4092 km = Jenissei mit Großem Jenissei ca. 5497 km = Ider–Selenga–Angara–Jenissei (unterhalb der Angara-Mündung) = Gesamtlänge der drei zuerst genannten Flüsse (ca. 452 + 1024 + 1779 km), Länge des Jenissei flussabwärts ab der Einmündung der Angara (ca. 2137 km) und die im Baikalsee befindliche Fließstrecke zwischen dem Selenga-Einfluss in den See und Angara-Ausfluss aus dem See – direkter Weg (etwa Luftlinie) ist rund 105 km; somit ist dieser Flusslauf das längste Fließgewässer Russlands.
Einzugsgebiet, Jahresabfluss und Eisgang Das Einzugsgebiet des Jenissei ist rund 2.580.000 km² (mehr als das 7,2fache der Fläche Deutschlands); oberhalb von Igarka sind es noch 2.440.000 km². Der mittlere Jahresabfluss beträgt etwa 19.600 m³/s, bei Igarka im Januar 1995 lag er bei 7960 m³/s und im Juni 1995 waren es 62.613 m³/s. Der Jenissei gilt als der wasserreichste Fluss Sibiriens. Ab November bildet sich Eis auf dem Jenissei, das nach und nach zu Eisschollen verhärtet, die den Fluss schließlich ganz zufrieren lassen. Dies dauert in der Regel bis Mai, wenn es zu tauen beginnt. Das daraus resultierende Hochwasser, das dem Jenissei auch von seinen Nebenflüssen zufließt, lässt ihn im Ober- und Mittellauf um bis zu zehn Meter, im Unterlauf bis zu 20 m ansteigen.
Quell- und Nebenflüsse Fließgewässer mit Nennung von orographischer Zuordnung (l = linksseitig; r = rechtsseitig), Länge in Kilometern (km), ungefährer Einflussrichtung, Mündungslage und Jenisseiflusskilometer oberhalb der Mündung in die Karasee:
Der Jenissei hat zwei Quellflüsse: r: Großer Jenissei (Bolschoi Jenissei; 605 km), von Norden, in Kysyl; km 3487 l: Kleiner Jenissei (Maly Jenissei; 563 km), von Osten, in Kysyl; km 3487 In den Jenissei münden unter anderem diese Nebenflüsse (solche mit mehr als 1000 km Länge sind fettgedruckt; flussabwärts betrachtet):