Die SPD Niedersachsen ist der niedersächsische Landesverband der SPD, der durch die vier Bezirke Braunschweig, Hannover, Nord-Niedersachsen und Weser-Ems getragen wird. Neben Hessen ist Niedersachsen das einzige deutsche Bundesland mit mehreren Bezirken, während in den übrigen Ländern der Bezirk jeweils dem Landesverband entspricht. Aktueller Vorsitzender ist seit dem 24. Mai 2025 ist Olaf Lies. Im Landtag stellt die SPD Niedersachsen mit 57 Abgeordneten die größte Fraktion. Seit 2013 stellt sie den Ministerpräsidenten – aktuell mit Olaf Lies in einer Koalition mit den Grünen.
Geschichte → Hauptartikel: Geschichte der deutschen Sozialdemokratie
Vorgeschichte – Die SPD in den Vorgängerländern Niedersachsens Braunschweig mini|hochkant|Wilhelm Bracke Im Herzogtum Braunschweig gründete Wilhelm Bracke am 6. September 1865 eine Ortsgruppe des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins in Braunschweig. 1871 gründete er auch den Braunschweiger Volksfreund, eine der ältesten SPD-Parteizeitungen. Braunschweig war eine Parteihochburg. Der Reichstagswahlkreis Braunschweig wurde langjährig durch Wilhelm Blos gehalten. In den 1880er-Jahren wird in Braunschweig die Parteizentrale, das Volksfreund-Haus, erbaut. Im Jahr 1915 spaltet sich die USPD unter August Merges von der SPD ab. Nach der Novemberrevolution in Braunschweig wurde die Sozialistische Republik Braunschweig ausgerufen. In den Arbeiter- und Soldatenräten war die USPD die bestimmende Kraft. Bei den Landtagswahlen am 22. Dezember 1918 wurde hingegen die MSPD mit 27,7 % der Stimmen und 17 Sitzen die stärkste Kraft. Allerdings lag die Macht überwiegend beim Arbeiter- und Soldatenrat, der von der USPD dominiert wurde. Es kam daher am 22. Februar 1919 zur Bildung einer Koalitionsregierung aus USPD und MSPD unter Sepp Oerter (USPD). Erst nachdem der Spartaktistenaufstand am 17. April 1919 in Braunschweig durch ein Freicorps niedergeschlagen wurde, ging die Macht auf den gewählten Landtag über. Am 30. April wählte der Braunschweiger Landtag mit dem Stimmen von MSPD, USPD und DDP eine Regierung unter Heinrich Jasper (MSPD).
Bei den Landtagswahlen am 16. Juni 1920 erlitten die Sozialdemokraten Verluste und kamen mit 14,8 % und 9 Sitzen nur noch auf den dritten Platz und waren nur noch als Juniorpartner in der Regierung mit der USPD beteiligt. Am 23. Mai wurde eine neue Regierung unter Heinrich Jasper aus MSPD, DDP und DVP gebildet. Nach den Wahlen 1924 (37,4 % der Stimmen und 19 Sitze) musste die SPD erneut in die Opposition. Bei den Landtagswahlen am 27. November 1927 erreichte die SPD 46,2 % der Stimmen und bekam die Hälfte der Sitze. Am 14. Dezember wurde mit Stimmen der SPD und der KPD eine Alleinregierung der SPD unter Heinrich Jasper gewählt.mini|hochkant|Hubert Schlebusch Bei den Landtagswahlen am 14. September 1930 büßte die SPD ihre Mehrheit ein. NSDAP und die bürgerlichen Parteien bildeten eine Regierung. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurde das Volksfreundehaus am 9. März 1933 verwüstet, die SPD am 22. Juni 1933 verboten und Heinrich Jasper am 19. Februar 1945 im Konzentrationslager umgebracht.
Mit einer Funktionärssitzung am 24. September 1945 erfolgt die Neugründung des Landesverbandes der SPD nach dem Krieg in Braunschweig. Vom 24. April 1945 bis Januar 1946 war Hubert Schlebusch (SPD) und danach bis zur Gründung des Landes Niedersachsen Alfred Kubel (SPD) ernannter Ministerpräsident in Braunschweig. Mit 29 Abgeordneten stellte die SPD die mit Abstand größte Fraktion im Ernannten Braunschweigischen Landtag.
Hannover In der preußischen Provinz Hannover verfügten die Sozialdemokraten über eine starke Stellung. Von 1920 bis 1933 war Gustav Noske (SPD) Oberpräsident der Provinz Hannover. Im Provinziallandtag waren die Sozialdemokraten in allen freien Wahlen stärkste Kraft (1921: 34,7 % und 37 Sitze, 1925: 32,9 % und 37 Sitze, 1929: 34,8 % und 39 Sitze). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde zunächst das Land Hannover gebildet, Hinrich Wilhelm Kopf (SPD) wurde zum Ministerpräsidenten ernannt. Anschließend wurde das Land Niedersachsen gebildet. Im Ernannten Hannoverschen Landtag waren 38 Sozialdemokraten vertreten und bildeten dort die mit Abstand größte Fraktion. Am 17./18. August 1946 fand in Barsinghausen der erste Bezirksparteitag der SPD Hannover nach dem Krieg statt.
Oldenburg mini|SPD-Fraktion im oldenburgischen Landtag 1916 mini|hochkant|Paul Hug Im Großherzogtum Oldenburg wurde mit Paul Hug 1899 der erste Sozialdemokrat in den Landtag gewählt. 1902 war die Fraktion der SPD bereits auf sechs Abgeordnete angewachsen. Im 32. Landtag von 1911–1916 stellte die SPD zwölf Abgeordnete bei einer Gesamtzahl von 45 Abgeordneten. Nach der Novemberrevolution übernahm der Arbeiter- und Soldatenrat (21er-Rat) die Macht in Oldenburg. Präsident der Revolutionsregierung war Bernhard Kuhnt (USPD). Die SPD war in der Regierung mit Paul Hug vertreten. Am 23. Februar 1919 (bzw. 9. März 1919 für den Landesteil Birkenfeld) erfolgte die Wahl zur verfassunggebenden Landesversammlung. Mit 33,44 % und 16 Mandaten war die SPD die stärkste Partei geworden. Ministerpräsident einer Allparteienregierung wurde jedoch der Liberale Theodor Tantzen. Die SPD war im Kabinett mit dem Sozialminister Julius Meyer vertreten. Im Oldenburgischen Landtag im Freistaat Oldenburg blieb die SPD zunächst stärkste Kraft. Bis auf die Wahl 1928 sank jedoch der Anteil der SPD kontinuierlich (1920: 25,87 % und 13 Sitze; 1923: 23,76 % und 12 Sitze; 1925: 22,46 % und 9 Sitze; 1928: 28,86 % und 15 Sitze; 1931: 20,90 % und 11 Sitze; 1932: 18,75 % 9 Sitze). Nach 1922 war die SPD nicht mehr an der Regierung beteiligt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg setzten die Siegermächte das Kabinett Tantzen II als neue Landesregierung ein, in der die SPD mit Harald Koch (Wirtschaft und Finanzen) und Fritz Kaestner (Kirchen und Schulen) zwei Ressorts besetzte. Im ernannten oldenburgischen Landtag waren 13 Sozialdemokraten. Karl Hoopts war Sprecher der Fraktion.
Die SPD in Niedersachsen Der erste Bundesparteitag der SPD nach dem Krieg fand am 9. Mai 1946 in Hannover statt. Kurt Schumacher wurde zum Bundesvorsitzenden gewählt.
Regierungsbeteiligungen Ministerpräsident Kabinett Beteiligte Parteien AmtszeitHinrich Wilhelm KopfKopf ISPD, CDU, FDP, NLP, KPD1946–1947Hinrich Wilhelm KopfKopf IISPD, CDU, FDP, DP, Zentrum, KPD1947–1948Hinrich Wilhelm KopfKopf IIISPD, CDU, Zentrum1948–1951Hinrich Wilhelm KopfKopf IVSPD, GB/BHE, Zentrum1951–1955DP, SPD, GB/BHE (bis 1957), CDU, FDP (bis 1957)1955–1959Hinrich Wilhelm KopfKopf VSPD, FDP, GB/BHE1959–1961Georg DiederichsDiederichs ISPD, FDP, GB/BHE1961–1963Georg DiederichsDiederichs IISPD, FDP1963–1965Georg DiederichsDiederichs IIISPD, CDU1965–1967Georg DiederichsDiederichs IVSPD, CDU1967–1970Alfred KubelKubel ISPD1970–1974Alfred KubelKubel IISPD, FDP1974–1976Opposition (Regierung: CDU, FDP (1977–1978, 1986–1990))1976–1990Gerhard SchröderSchröder ISPD, Grüne, parteilos1990–1994Gerhard SchröderSchröder IISPD, parteilos1994–1998Gerhard SchröderSchröder IIISPD1998Gerhard GlogowskiGlogowskiSPD1998–1999Sigmar GabrielGabrielSPD, parteilos1999–2003Opposition (Regierung: CDU, FDP)2003–2013Stephan WeilWeil ISPD, Grüne2013–2017Stephan WeilWeil IISPD, CDU2017–2022Stephan WeilWeil IIISPD, Grüne2022–2025Olaf LiesLiesSPD, Grüneseit 2025
Struktur Organisation Die Satzung der Bundes-SPD kennt nur Bezirke, Unterbezirke und Ortsvereine. In den meisten Ländern, außer Hessen und Niedersachsen, entspricht das gesamte Land einem Bezirk. In Niedersachsen existieren traditionell jedoch vier Bezirke, welche den Landesteilen vor der Landesgründung entsprechen. Der Landesverband Niedersachsen wird durch die vier Bezirke rechtlich und finanziell gemäß der Landesverbandssatzung der SPD getragen, um landespolitische Themen, Programme sowie Wahlen gemeinsam zu koordinieren.
Die Bezirke in Niedersachsen untergliedern sich in 44 Unterbezirke, die weitgehend den Landkreisen bzw. kreisfreien Städten in Niedersachsen entsprechen. Diese wiederum untergliedern sich in Ortsvereine, welche einzelnen Gemeinden, Gemeindeverbänden bzw. in Städten, Stadtteilen oder Siedlungen entsprechen. Zusätzlich können Ortsvereine zur besseren Arbeit in lokale Abteilungen unterteilen. In den großen Städten bilden die Ortsvereine Stadtverbände.
Landesparteitag Der Landesparteitag der SPD Niedersachsen ist das oberste Beschlussorgan des Landesverbandes der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands in Niedersachsen. Auf ihm beraten und entscheiden die 200 Delegierten aus den Bezirken sowie die Mitglieder des Landesvorstandes der Partei über programmatische, organisatorische und personelle Fragen des Landesverbandes. Zu den Aufgaben des Landesparteitags gehören unter anderem die Wahl des Landesvorstands, die Beratung politischer Anträge sowie die Festlegung zentraler Positionen für die Landespolitik. Außerdem beschließt er über die Landessatzung. Der ordentliche Landesparteitag tagt alle zwei Jahre, zuletzt am 24. Mai 2025.
Landesparteirat Nach dem Landesparteitag tagt der Landesparteirat jährlich in Jahren ohne Landesparteitag. Er besteht aus 100 Delegierten, die in den Unterbezirken der SPD Niedersachsen gewählt werden. Seine Aufgabe ist die Antragsberatung.
Landesvorstand Der Landesvorstand leitet die Amtsgeschäfte zwischen den Parteitagen, er besteht aktuell aus 27 stimmberechtigten Mitgliedern. Aus dem Landesvorstand geht als geschäftsführender Vorstand das Landespräsidium hervor, dem der Vorsitzende, die stellvertretenden Vorsitzenden, die Generalsekretärin, der Schatzmeister sowie drei weitere aus der Vorstandsmitte gewählte Beisitzerinnen angehören.
Arbeitsgemeinschaften Die SPD hat für eine Reihe von Zielgruppen und Themenbereichen Arbeitsgemeinschaften eingerichtet; diese haben Antragsrecht zu den Parteitagen der SPD und arbeiten teilautonom. Mitglied bei den Jusos ist jedes SPD-Mitglied automatisch, das jünger als 35 Jahre ist. Den SPD Frauen gehören alle weiblichen Mitglieder der SPD an, der AG 60 plus automatisch alle SPD-Mitglieder, die älter als 60 Jahre sind. Die Mitgliedschaft bei allen anderen Arbeitsgemeinschaften ist nicht automatisch oder verpflichtend. Bei allen Arbeitsgemeinschaften besteht die Möglichkeit, vollberechtigtes Mitglied zu werden, ohne der SPD anzugehören (sogenannte Unterstützermitgliedschaft). In der SPD Niedersachsen sind folgende Arbeitsgemeinschaften aktiv: AG der Jungsozialistinnen und Jungsozialisten (Jusos) AG für Arbeit (AfA) AG sozialdemokratischer Frauen (SPD Frauen) AG SPD 60 plus AG der Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen (ASG) AG für Bildung (AfB) AG sozialdemokratischer Juristinnen und Juristen (ASJ) AG Selbst Aktiv
Wahlergebnisse der Landtagswahlen
Wahl Spitzenkandidat Prozent Sitze 1947 Hinrich Wilhelm Kopf 43,4 65 1951 Hinrich Wilhelm Kopf 37,7 64 1955 Hinrich Wilhelm Kopf 35,2 59 1959 Hinrich Wilhelm Kopf 39,5 65 1963 Georg Diederichs 44,9 73 1967 Georg Diederichs 43,1 66 1970 Alfred Kubel 46,3 75 1974 Alfred Kubel 43,1 67 1978 Karl Ravens 42,2 72 1982 Karl Ravens 36,5 63 1986 Gerhard Schröder 42,1 69 1990 Gerhard Schröder 44,2 71 1994 Gerhard Schröder 44,3 81 1998 Gerhard Schröder 47,9 83 2003 Sigmar Gabriel 33,4 63 2008 Wolfgang Jüttner 30,3 48 2013Landtagswahl am 20. Januar 2013 in Niedersachsen, wahlrecht.de Stephan Weil 32,6 492017 Stephan Weil 36,9 552022 Stephan Weil 33,4 57
Fett = Regierungspartei für die folgende Legislaturperiode
(Nach der Wahl 1974 war die SPD nur bis 1976 Regierungspartei)
Personen Parteivorsitzende Vorsitzende des Landesausschusses Bruno Leddin (1949–1950) Egon Franke (1950–1970) Peter von Oertzen (1970–1978)
Landesvorsitzende +BildNameAmtszeitBemerkungzentriert|rahmenlos|160x160pxKarl Ravens1979–1984Johann Bruns1984–1994rand|zentriert|185x185pxGerhard Schröder 1994–1998Ministerpräsident von Niedersachsen (1990–1998),