Der 56. Eurovision Song Contest fand vom 10. bis 14. Mai 2011 in der Merkur Spiel-Arena (für den Zeitraum der Veranstaltung: Düsseldorf Arena) in Düsseldorf statt. In: ndr.de. Nachdem der deutsche Beitrag Satellite von Lena Meyer-Landrut im Jahr zuvor den 55. Eurovision Song Contest in Oslo gewonnen hatte, wurde Deutschland zum dritten Mal nach 1957 und 1983 mit der Ausrichtung des Musikwettbewerbs beauftragt. Das offizielle Motto der Veranstaltung 2011 lautete Feel Your Heart Beat! (Englisch, etwa „Fühl’ dein Herz schlagen!“).
Der von Ell & Nikki vorgetragene aserbaidschanische Beitrag Running Scared, belegte den ersten Platz. Italien kehrte nach einer Pause von 14 Jahren wieder zum Wettbewerb als Big-Five-Mitglied zurück und belegte den zweiten Platz. Lena, die Deutschland in diesem Jahr mit dem Lied Taken by a Stranger erneut vertrat, erreichte im Finale Platz 10. Die österreichische Vertreterin Nadine Beiler belegte im Finale mit ihrem Lied The Secret Is Love den 18. Platz, während die Schweiz mit Anna Rossinelli auf Platz 25 Letzte im Wettbewerb wurde.
Austragungsort Vorbereitung
Stadt Austragungsort Kapazitätbei Konzerten Eigentümer Bemerkungen Berlin Zelt auf dem Gelände des Flughafens Berlin-Tempelhof max. 10.000 Stadt Berlin keine Halle, sondern Zelt Düsseldorf ESPRIT arena max. 66.000 Multifunktionsarena Immobiliengesellschaft mbH & Co. KG Spielstätte vonFortuna Düsseldorf Hamburg Hamburg Messe max. 10.000 Hamburg Messe GmbH Hannover Messe Hannover max. 10.000 Deutsche Messe AG Austragungsort der Expo 2000
Insgesamt reichten 23 Städte eine Bewerbung für eine Austragung des Eurovision Song Contest ein, von denen Acht, darunter Berlin, Hamburg, Hannover, Gelsenkirchen, Düsseldorf, Köln, Frankfurt am Main und München, die geforderten Bedingungen des Anforderungskataloges erfüllen konnten. Bis zum Ende der Bewerbungsfrist am 20. August 2010 lagen dem für die ARD federführenden Norddeutschen Rundfunk (NDR) Angebote von vier Städten (Berlin, Düsseldorf, Hamburg und Hannover) vor, den Wettbewerb im Jahr 2011 auszutragen. mini|Die Bühne bei der letzten Probe zum ESC-Intro
Berlin sah die Austragung in einem Zelt auf dem Gelände des stillgelegten Flughafens Tempelhof vor. Düsseldorf bewarb sich mit der ESPRIT arena als Veranstaltungsort. Hamburg warb für die Veranstaltung mit der 9000 Plätze bietenden Halle A1 auf dem Gelände der Hamburg Messe. Hannover, die Heimatstadt Lena Meyer-Landruts, wollte den Contest in Messehalle 2 auf dem Messegelände Hannover durchführen.
Am 12. Oktober 2010 gab der NDR den Austragungsort Düsseldorf bekannt. Schon Tage vor der offiziellen Verkündung hatte dies die WAZ-Mediengruppe im Internet gemeldet. Die Entscheidung wurde unter anderem aus finanziellen Gründen getroffen. Während für die Düsseldorfer ESPRIT arena rund 36.000 Plätze vergeben werden können, In: RP Online. hätten beispielsweise in Berlin in einem Sonderbau auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof nur 8.800 Plätze bereitgestanden.Meldung im rrb, 12. Oktober 2010, 17:00 Uhr
Die Düsseldorf Arena war für Einrichtung, Umgestaltung, Proben, Veranstaltungstage sowie den Abbau etwa sechs Wochen lang belegt. Die rund 36.000 Plätze verteilten sich auf etwa 6.000 im Innenraum und etwa 30.000 auf den Tribünen.
Das erste Kontingent von 32.000 Eintrittskarten für das Finale am 14. Mai 2011 war schon am ersten Verkaufstag, dem 12. Dezember 2010, vergriffen. Auch das erste Kartenkontingent für die Final-Generalprobe am 13. Mai 2011, das sogenannte Jury-Finale, war im Dezember 2010 nach wenigen Tagen verkauft. Nach Abschluss der Umbauarbeiten an der Arena waren für das Finale und das Jury-Finale jeweils noch etwa 1.000 Karten erhältlich.
Da die Handelsgruppe Esprit, Namensgeberin der ESPRIT arena, keine Werbepartnerin der Veranstaltung war, wurde die Austragungshalle für den Zeitraum der Veranstaltung in „Düsseldorf Arena“ umbenannt.
Moderatoren der Veranstaltung waren Anke Engelke, Judith Rakers und Stefan Raab. eurovision.de
Technik Für die Veranstaltung und die Übertragung wurde die „Arena“ bereits seit April umgebaut. So kamen 2200 Scheinwerfer, 27 Kameras und 90 Mikrofone zum Einsatz. Die Bühne zwischen den Zuschauerreihen hatte einen Durchmesser von 13 Metern, nach ESC-Reglement dürfen pro Auftritt höchstens sechs Personen auf der Bühne sein. Im Hintergrund war die LED-Wand mit 18 Metern Höhe und einer Breite von 60 Metern für Lichteffekte installiert.Arena 1. In: VDI-Nachrichten, 13. Mai 2011, Nr. 19, S. 10. Während der ESC-Veranstaltungen war der Verkehr mit der Messe „Interpack“ zu koordinieren. Dazu wurde ein Konzept zwischen Ämtern und Verkehrsträgern abgestimmt.
Die vorher für den ESC-Zeitraum geplanten Veranstaltungen mussten an andere Orte verlegt werden. So trug der Fußballverein Fortuna Düsseldorf drei seiner Heimspiele in einem mobilen Stadion mit 20.168 Plätzen im benachbarten Arena-Sportpark aus.. In: stadionwelt.de, 23. Februar 2011. Innerhalb von acht Wochen erstellten dort bis zu 80 Arbeiter ein funktionsfähiges, DFL-gerechtes Fußballstadion auf dem 43.000 Quadratmeter großen Sportparkgelände. Hierfür waren die Sicherheitsanforderungen sowie Platz für Fernsehkameras und Journalisten nötig. Dafür wurden 2,8 Millionen Euro veranschlagt.
Finanzierung Der Großteil der Kosten wurde durch Rundfunkgebühren der ARD übernommen. Die Vorsitzende Monika Piel bezifferte die Kosten auf rund 12,1 Millionen Euro. Zum Vergleich: Das norwegische Fernsehen hat beim ESC 2010 etwa 16,25 Millionen Euro ausgegeben, ARD-Vorsitzende Monika Piel in einer Pressemeldung vom 13. Mai 2011. und Moskau stellte 2009 einen Kostenrekord von rund 42 Millionen Euro auf.ESC kostet den Deutschen 2011 weniger als 2010 den Norwegern In: digitalfernsehen.de. 13. Mai 2011. Piel wies darauf hin, dass Deutschland bisher von den Ausgaben anderer Länder profitierte, die 52 Contests ausrichteten (Deutschland bisher erst drei).
Zur Finanzierung der Veranstalter stellte die Stadt Düsseldorf 10 Millionen Euro bereit. Erwartet wurden im Vorfeld Kosten von bis zu 7,8 Millionen Euro. Darin enthalten ist der Umzug von Fortuna Düsseldorf in ein temporäres Ausweichstadion, weil das angestammte für sechs Wochen blockiert war, sowie Kosten städtischer Töchter wie die Düsseldorf Marketing & Tourismus GmbH. Weitere teure Posten waren die Sicherheitsmaßnahmen sowie Pressearbeit. Allerdings konnten diese Kosten durch erwartete Sponsorengelder sowie die Eintrittsgelder refinanziert werden – sie sind noch nicht einberechnet.ESC kostet Düsseldorf 7,8 Millionen Euro, Westdeutsche Zeitung am 5. November 2010
Format Motto Mit dem Motto „Feel your heart beat!“ wurde ein Slogan gewählt, der Bezug zu Gefühlen nimmt, die Musik auslösen kann. Gefühle wie Begeisterung, Herzklopfen, Mitfiebern, Liebe und Leidenschaft sind typisch für den ESC und sollten in dem Motto ausgedrückt werden. Es steht damit auch für das Überwinden von Grenzen und Sprachbarrieren, die durch Gefühle überwunden werden. „Feel your heart beat!“ nimmt zudem die verschiedenen Rhythmen auf, die jedes Lied einzigartig machen.
Logo Das Logo besteht aus einem pulsierenden Herz aus verschieden farbigen Lichtstrahlen. Die Farben und Lichter verbinden die Länder, Menschen und Lieder. Durch Anpassen der Farben können mit dem Logo die Flaggen der Teilnehmerländer dargestellt werden. 2010 hat Lena in Oslo bei der Punktevergabe in einem Live-Gespräch mit dem Moderator ein Herz in die Luft gezeichnet, um sich für die bisher erhaltenen Punkte zu bedanken. Dieser Moment wurde mit der Formauswahl des Logos aufgegriffen. Das Herz wurde zudem als international anerkanntes Symbol zur Unterstreichung des diesjährigen Mottos gewählt.
„Postkarten“ Die Postkarten in Form kurzer Einspielfilme zwischen den Liveauftritten zeigten verschiedene Kulissen aus Deutschland. Dabei wurde die Tilt-Shift-Technik verwendet, um die Szenen wie ein Miniaturland aussehen zu lassen. In den Ausschnitten sind Menschen aus den jeweiligen Wettbewerbsländern zu sehen, die das Motto „Feel your heart beat!“ in die jeweilige Landessprache übersetzen. Die Postkarten wurden mit dem Lied „Wonderful“ von Gary Go unterlegt.
Im Folgenden eine Auflistung der Postkarten:
Land Kulisse Ort Person Ostseeinsel Usedom Jozita & Fadil Nordseeinsel Langeoog Rober & Hacik Mittelalterliche Gebäude Rothenburg ob der Tauber Kamilla & Djeila Industriedenkmal Ruhrgebiet Norbert & Guido, Taucher Internationales Eishockey-Match in der LANXESS Arena Köln Eishockey-Fans Meyer-Werft Papenburg Darko, Schiffsingenieur Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Heidelberg Vesselina, Astrophysik-Postgraduierte Ostseeküste Rügen Olympische Segelmannschaft von Dänemark Düsseldorf Arena Düsseldorf Anke, Judith und Stefan Deutsche Börse Frankfurt am Main Mart, Börsenmakler Berliner Philharmonie Berlin Janne, Mitglied der Berliner Philharmoniker Hohenzollernbrücke Köln Frédéric Spielplatz Berlin Sofie & Richard Berlin-Marathon Berlin Anastasios, Läufer Reeperbahn Hamburg Sarah & Band Motorworld München München Alfredo & sein Sohn Altonaer Fischmarkt Hamburg Hinrik Alba Berlin Berlin Muli, Trainer Alpiner Skiweltcup Garmisch-Partenkirchen Ana, Slalomläuferin Flughafen Frankfurt Main Frankfurt am Main Laura, Austausch-Studentin Nebelhornbahn Oberstdorf Kristina, Ski-Lehrerin Alexanderplatz Berlin Christian Deutsche Oper Berlin Joseph, Operntenor Hamburger Hafen Hamburg Dave, Kranfahrer Zoo Leipzig Leipzig Taijana & ihre Töchter Zugspitze Garmisch-Partenkirchen Øystein, Kletterer Elbsandsteingebirge Sächsische Schweiz Koni & Marc, Freikletterer Wuppertaler Schwebebahn Wuppertal Paulina & Thomas Herrenhäuser Gärten Hannover Janine & Diego East Side Gallery Berlin Patrick & Andreas, Graffiti-Künstler Semperoper Dresden Elena, Ballett-Tänzerin Echowand Schönau am Königssee Sarah & Matteo Kölner Karneval Köln Peter Nürburgring Nürburg Schweizer Rennmannschaft Eisbach München Simon, Surfer Windpark Eilsleben Stane, Basejumper Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland Bonn Mitar & Branka Bolzplatz Dortmund Antonio Gemäldegalerie Alte Meister Dresden Güven, Künstler Viktualienmarkt München Lazlo, Koch Englischer Garten München Studenten Außenalster Hamburg John, Ruderer Frühlingsfest Hamburg Nastasia & Nektarios
Teilnehmer mini|hochkant=1.3|Länder, die im Jahr 2011
Länder mini|hochkant=1.3|Die aserbaidschanische Delegation nach ihrem Sieg, in der Mitte das Duo Ell & Nikki
Nach den Regeln der Europäischen Rundfunkunion (EBU) können maximal 45 Länder bei einem Song Contest vertreten sein. Am Eurovision Song Contest 2011 nahmen 43 Länder teil, so viele wie zuvor nur 2008.
Direkt gesetzte Finalteilnehmer Grundsätzlich sind bis zu sechs Länder direkt für die Finalrunde gesetzt: das jeweilige Gastgeberland und die sogenannten Big Five – die fünf finanzkräftigsten Mitglieder der Europäischen Rundfunkunion. Dies waren in Düsseldorf:
Die Gruppe der direkt gesetzten Finalteilnehmer umfasste 2011 nur fünf Länder, weil das Gastgeberland Deutschland zu den Big Five gehörte. Italien nahm erstmals seit 1997 wieder teil und entsandte Raphael Gualazzi, den Gewinner der Newcomer-Kategorie des Sanremo-Festivals 2011.
Wie im Vorjahr wurde Deutschland von der Sängerin Lena vertreten.NDR bestätigt: Lena tritt 2011 noch einmal an (Hamburger Abendblatt vom 30. Juni 2010, abgerufen am 30. Juni 2010) Es war das dritte Mal nach Lys Assias Sieg 1956 und Corry Brokkens Sieg 1957, dass die Interpretin eines Siegerliedes im Folgejahr wieder antrat. Lys Assia wurde 1957 Achte und Corry Brokken 1958 Neunte von je zehn Kandidaten, Lena wurde 2011 Zehnte von fünfundzwanzig Finalteilnehmern.
Wiederkehrende Teilnehmer
Einige der Interpreten nahmen nach früheren Teilnahmen am Eurovision Song Contest im Jahr 2011 erneut am Wettbewerb teil; unter anderem Dana International aus Israel, die den Wettbewerb 1998 gewinnen konnte, und die deutsche Vorjahressiegerin Lena.