mini|hochkant|Adèle Haenel (2017) Adèle Haenel (* 11. Februar 1989 in Paris) ist eine französische Schauspielerin, die von 2002 bis 2021 in über 30 Spielfilmen mitwirkte und zweimal mit dem Filmpreis César ausgezeichnet wurde. Sie ist eine der Protagonistinnen der französischen MeToo-Bewegung und engagiert sich öffentlich gegen Sexismus und Diskriminierungen.
Leben Adèle Haenel ist die Tochter einer französischen Lehrerin und eines aus Graz stammenden österreichischen Übersetzers. Sie besuchte Theaterkurse in Montreuil und bekam mit 13 Jahren die Hauptrolle in Kleine Teufel.
Bekannt wurde sie 2007 durch ihre Rolle der Floriane in dem Film Water Lilies, dem Debütfilm der Regisseurin Céline Sciamma, für den sie 2008 als beste Nachwuchsdarstellerin für den César nominiert wurde. 2009 wurde sie für die Rolle der Lucie in dem Filmdrama Frau und frei! mit dem Darstellerpreis auf dem Festival Cinéma tous écrans de Genève ausgezeichnet.
2012 wurde Haenel von der European Film Promotion zum französischen „Shooting Star“ ernannt und für ihre Darstellung einer jungen Prostituierten in Bertrand Bonellos Historienfilm Haus der Sünde erhielt sie eine weitere César-Nominierung. 2014 gewann sie den César als beste Nebendarstellerin für ihre Rolle in dem Film Die unerschütterliche Liebe der Suzanne. Während ihrer Dankesrede outete sie sich als lesbisch und dankte ihrer damaligen Lebensgefährtin Céline Sciamma. Im Folgejahr gewann sie einen César als Beste Hauptdarstellerin für Liebe auf den ersten Schlag.
mini|Adèle Haenel 2017 an der Österreichpremiere von „Die Blumen von Gestern“
2019 spielte sie an der Seite von Noémie Merlant eine der beiden Hauptrollen in Porträt einer jungen Frau in Flammen von Céline Sciamma. mini|Adèle Haenel und Céline Sciamma 2019
mini|rechts|Plakat mit Inschrift „Wir stehen auf und hauen ab“ in Anspielung auf Haenels Reaktion bei der César Verleihung 2020, als Zitat aus Virginie Despentes Text zur Würdigung dieses Schrittes.
Die Schauspielerin wandte sich aus politischen Gründen zunehmend von der Filmbranche ab. Ende Juni 2020 wurde Haenel eingeladen, Mitglied der Academy of Motion Picture Arts and Sciences zu werden. Nach eigener Aussage nahm sie die Einladung nicht an.Academy Invites 819 To Membership. In: oscars.org, 30. Juni 2020.
2021 wurde der Dokumentarfilm Retour à Reims (Rückkehr nach Reims) nach einem autobiographischen Buch von Didier Eribon in Cannes vorgestellt. Haenel übernahm den gesprochenen Part im Film.
Von 2021 bis 2022 spielte Adèle Haenel in dem Theaterstück L’Étang / Der Teich, einer Inszenierung von Gisèle Vienne nach Robert Walser, zugleich den Teenager Fritz und dessen Geschwister. Fritz versucht die Liebe seiner Mutter durch einen vorgetäuschten Suizid auf die Probe zu stellen. Haenel erhielt für ihre Darbietung, die im deutschsprachigen Raum unter anderem bei den Wiener Festwochen gezeigt wurde, begeisterte Kritiken.
MeToo und Aktivismus Im November 2019 gab Haenel der französischen Internet-Zeitung Mediapart ein Interview, in dem sie von sexuellen Belästigungen durch den Kleine-Teufel-Regisseur Christophe Ruggia zwischen ihrem 12. und 14. Lebensjahr berichtete. Sie wurde damit zu einer der Protagonistinnen der französischen MeToo-Bewegung. In dem Interview betonte sie auch, dass es ihr mehr um die Änderung des Gesellschaftssystems als um die Verurteilung einzelner Individuen gehe; es gebe keine Monster, sondern die Gesellschaft ermögliche und fördere gewisse Handlungen. Haenel verklagte Ruggia im Verlauf des Jahres 2019. Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete eine Voruntersuchung wegen sexueller Belästigung und sexueller Nötigung „einer minderjährigen Person unter 15 Jahren durch eine Person in Autoritätsposition“ ein und beauftragte damit die Zentraldirektion der Kriminalpolizei. Daraufhin reichte Haenel eine Klage gegen Ruggia ein, der am 16. Januar 2020 wegen „sexueller Nötigung eines 15-jährigen Minderjährigen durch eine Person mit Autorität über das Opfer“ angeklagt wurde.Sexueller Übergriff: Christophe Ruggia, von Adèle Haenel beschuldigt, in Polizeigewahrsam genommen. Le Parisien (französisch). 14. Januar 2020 Im Jahr 2024 stand Ruggia wegen Missbrauchs von Haenel vor Gericht. Ihm drohte eine fünfjährige Haftstrafe. Am 3. Februar 2025 wurde Ruggia wegen sexueller Nötigung für schuldig befunden und zu vier Jahren Haft verurteilt, von denen zwei zur Bewährung ausgesetzt wurden und zwei unter Hausarrest zu verbüßen waren. Außerdem wurde er zu einer Entschädigungszahlung in Höhe von 15.000 Euro an Haenel und 20.000 Euro für die Behandlung, die sie in mehreren Jahren psychologischer Therapie erhalten hatte, verurteilt.Kim Willsher: Französischer Regisseur wegen sexueller Nötigung für schuldig befunden. The Guardian vom 3. Februar 2025 (englisch)
Als Roman Polanski 2020 den César in der Kategorie Beste Regie erhielt, erhob sich Haenel und verließ, begleitet von Sciamma und anderen, mit dem Ausruf „la honte!“ („Schande!“) den Saal. Polanski wurde bereits mehrfach wegen sexueller Belästigung und Pädophilie angeklagt. Sciamma war für den Film Porträt einer jungen Frau in Flammen, ein Drama über die Liebesbeziehung zwischen zwei Frauen im 18. Jahrhundert, ebenfalls für den Preis für die beste Regie nominiert, Haenel für den César als Beste Hauptdarstellerin. Die Geste wurde in den französischen Medien kontrovers diskutiert. Haenel erfuhr breite Unterstützung unter anderem durch den Philosophen Paul B. Preciado und die Schriftstellerin Virginie Despentes.
Im Mai 2022 gab Haenel dem Wiener Magazin FAQ ein Interview, in dem sie ihre Kritik an den Strukturen der Filmbranche ausführte und bestätigte, dass sie dem Kino aus politischen Gründen bewusst den Rücken kehre, um sich dem Theater und weiteren Projekten mit Gisèle Vienne zu widmen. Sie könne trotz aller Lippenbekenntnisse keinen Wandel in der Filmbranche ausmachen. Am Theater seien die finanziellen Einsätze geringer und damit die Freiräume etwas größer. „Wenn ich heute in dieser Kinobranche bleiben würde, würde ich zu einer Art feministischer Garantie für diese männliche und patriarchalische Industrie. Mein Traum ist es, klar zu machen: Diese Industrie verteidigt eine kapitalistische, patriarchalische, rassistische, sexistische, generell strukturelle Welt der Ungleichheit.“ Mit ausschlaggebend für die Entscheidung sei eine kürzliche Zusammenarbeit mit dem Filmregisseur Bruno Dumont gewesen, der nicht bereit war, auf die große Zahl von Witzen über Cancel Culture und sexuelle Gewalt im Drehbuch zu verzichten. Für filmische Zusammenarbeiten mit aktivistischen Regisseuren und mit Regisseurinnen wie Céline Sciamma oder Gisèle Vienne sei sie jedoch jederzeit offen.
Im September 2025 nahm Haenel an der Globalen Sumud Flottille teil.
Filmografie 2002: Kleine Teufel (Les diables) – Regie: Christophe Ruggia 2007: Water Lilies (Naissance des pieuvres) – Regie: Céline Sciamma 2007: Les solitudes – Regie: Frédéric Guelaff (Kurzfilm) 2008: Le bel esprit – Regie: Frédéric Guelaff (Kurzfilm) 2009: Les grandes forêts – Regie: Frédéric Guelaff (Kurzfilm) 2009: Frau und frei! (Déchaînées) – Regie: Raymond Vouillamoz 2009: Pauline – Regie: Céline Sciamma (Kurzfilm) 2010: Adieu Molitor – Regie: Christophe Régin (Kurzfilm) 2011: Une heure avec Alice – Regie: Jean-Paul Civeyrac (Kurzfilm) 2011: Les enfants de la nuit – Regie: Caroline Deruas (Kurzfilm) 2011: Haus der Sünde (L’apollonide (Souvenirs de la maison close)) – Regie: Bertrand Bonello 2011: Apres le sud – Regie: Jean-Jacques Jauffret 2011: En ville – Regie: Valérie Mréjen, Bertrand Schefer 2011: Confession of a Child of the Century – Regie: Sylvie Verheyde 2012: Folks – Regie: Frédéric Guelaff (Kurzfilm) 2012: Alyah – Regie: Elie Wajeman 2012: Trois mondes – Regie: Catherine Corsini 2013: Die unerschütterliche Liebe der Suzanne (Suzanne) – Regie: Katell Quillévéré 2014: Liebe auf den ersten Schlag (Les combattants) – Regie: Thomas Cailley 2014: L’homme qu’on aimait trop – Regie: André Téchiné 2015: The Forbidden Room – Regie: Guy Maddin, Evan Johnson 2015: Les ogres – Regie: Léa Fehner 2016: Das unbekannte Mädchen (La fille inconnue) – Regie: Jean-Pierre und Luc Dardenne 2016: Die Blumen von gestern – Regie: Chris Kraus 2017: Rastlos, Renée (Orpheline) – Regie: Arnaud des Pallières 2017: 120 BPM (120 battements par minute) – Regie: Robin Campillo 2018: Lieber Antoine als gar keinen Ärger (En liberté!) – Regie: Pierre Salvadori 2018: Ein Volk und sein König (Un peuple et son roi) – Regie: Pierre Schoeller 2019: Monsieur Killerstyle (Le daim) – Regie: Quentin Dupieux 2019: Heroes Don't Die (Les héros ne meurent jamais) – Regie: Aude Léa Rapin 2019: Porträt einer jungen Frau in Flammen (Portrait de la jeune fille en feu) – Regie: Céline Sciamma 2021: Retour à Reims (Fragments) – Regie: Jean-Gabriel Périot
Auszeichnungen (Auswahl) mini|Adèle Haenel beim César 2015 2008: César-Nominierung, Beste Nachwuchsdarstellerin, für Water Lilies 2012: César-Nominierung, Beste Nachwuchsdarstellerin, für Haus der Sünde 2012: Französischer „Shooting Star“ der European Film Promotion 2012: Prix Lumières, Beste Nachwuchsdarstellerin, für Haus der Sünde 2014: César, Beste Nebendarstellerin, für Die unerschütterliche Liebe der Suzanne 2015: César, Beste Hauptdarstellerin, für Liebe auf den ersten Schlag 2015: Romy-Schneider-Preis 2015: Nominierung Prix Lumières, Beste Darstellerin, für Liebe auf den ersten Schlag und L’homme qu’on aimait trop 2018: César-Nominierung, Beste Nebendarstellerin, für 120 BPM 2019: César-Nominierung, Beste Hauptdarstellerin, für Lieber Antoine als gar keinen Ärger 2019: Nominierung Europäischer Filmpreis, Beste Darstellerin, für Porträt einer jungen Frau in Flammen (mit Noémie Merlant) 2020: César-Nominierung, Beste Hauptdarstellerin, für Porträt einer jungen Frau in Flammen
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Agentur von Adèle Haenel
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