Wildenbruch ist ein Ortsteil der Gemeinde Michendorf im Landkreis Potsdam-Mittelmark in Brandenburg.
Der Ort hat einschließlich der Gemeindeteile Wildenbruch-Bergheide, Wildenbruch-Lehnmarke und Wildenbruch-Six 2.615 Einwohner (Stand 31. Dezember 2025) auf einer Fläche von 11,22 km² und liegt an der Landesstraße 73 zwischen Michendorf und Luckenwalde am Rande des Naturparks Nuthe-Nieplitz. Der Ortsteil erstreckt sich auf dem Gebiet zwischen der Bundesstraße 2 im Westen, der Bundesautobahn 10 im Norden und dem Großen Seddiner See im Süden.
Regional bekannt ist der Ort unter anderem durch seine wuchtige Feldsteinkirche und den Golf- und Countryclub Seddiner See, dessen zwei 18-Loch-Golfplätze sich am Nordufer des Sees vollständig auf dem Gebiet Wildenbruchs erstrecken. Das Dorf hatte im Mittelalter eine wichtige strategische Funktion zum Schutz der Heer- und Handels- sowie späteren Poststraße Leipzig–Berlin und wurde bei der Deutschen Ostsiedlung entsprechend großzügig ausgestattet.
Geologische Lage Wildenbruch liegt am Rand einer weichselglazialen Schmelzwasserabflussbahn, deren Wasser von Ferch, im Ostteil der Zauche, über den (jeweils heutigen) Großen und Kleinen Lienewitzsee sowie den Karinchensee zunächst nach Süden, dann über das Seddiner Fenn, die Seddiner Seen und den Langen Grund durch die Fresdorfer Heide nach Osten Richtung SaarmundBrigitte Nixdorf, Mike Hemm u. a.: Dokumentation von Zustand und Entwicklung der wichtigsten Seen Deutschlands, Teil 5, Brandenburg. (PDF; 1,9 MB) Umweltforschungsplan des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Abschlussbericht F&E Vorhaben FKZ 299 24 274, im Auftrag des Umweltbundesamtes am Lehrstuhl Gewässerschutz der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus, 2004. Kapitel 1.6 Großer Seddiner See, S. 26–30 in die Trebbin-Potsdamer Abflussbahn strömten. In dieser Ebene zwischen dem Saarmunder Endmoränenbogen und dem Teltowplateau fließen heute die Nuthe und Nieplitz.Olaf Juschus: Das Jungmoränenland südlich von Berlin – Untersuchungen zur jungquartären Landschaftsentwicklung zwischen Unterspreewald und Nuthe, S. 2. Dissertation, Humboldt-Universität Berlin, 2001. Siehe Abbildung 2 Platten und Urstromtalungen im Jungmoränenland südlich Berlins. online Auch in: Berliner Geographische Arbeiten 95, ISBN 3-9806807-2-X, Berlin 2003 Die Rinnenbeckenseen der Seddiner Seenkette bilden ein Relikt der eiszeitlichen Abflussbahn. Der Seddiner See bildete sich an einer untergeordneten Lobennaht heraus. Am Nordostrand der Wildenbrucher Bucht des heute 218 Hektar umfassenden Großen Seddiner Sees liegt der Dorfkern Wildenbruchs auf einer Höhe von . Die höchste Erhebung bildet mit der Michendorfer Berg am Ostrand der Siedlung Bergheide.
Geschichte Etymologie und urkundliche Ersterwähnung Der Name Wildenbruch verweist auf die auch heute noch zum Teil sumpfige Umgebung des Dorfes. Wildenbruch wurde erstmals 1375 im Landbuch Karls IV. als Wildenbruke urkundlich erwähnt. Reinhard E. Fischer führt die Bezeichnung auf eine Namensübertragung des belgischen Ortes Willebroek zurück, der 1180 als Wildebroc vermerkt ist. „Dieser Name bezeichnet eine Siedlung bei einem wilden, öden Sumpf“ beziehungsweise Bruch.Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, S. 181, ISBN 3-937233-30-X, Das Landbuch erfasst Wildenbruch mit einem umsatzstarken Krug an einer Handelsstraße. Auch die heutige Ortslage Lehnmarke ist 1375 als Wohnort bereits vermerkt. Die Ortslagen Six und Bergheide entstanden nach 1928 als reine Waldsiedlungen.Gemeinde-Michendorf: Wildenbruch, eine Ortschaft im Kerngebiet der Mark Brandenburg.
Frühe Besiedlung, Germanen und Slawen Bodenfunde an den Seddiner Seen deuten auf erste saisonale Ansiedlungen vor mehr als 10.000 Jahren hin, der Übergangszeit jungsteinzeitlicher Jäger- und Sammlerkulturen zu sesshaften Bauern mit domestizierten Tieren und Pflanzen. Funde von Tonscherben auf dem Wildenbrucher Rötberg und bei der Restaurierung der Kirche legen nahe, dass die Region von den Semnonen, dem germanischen Zweigstamm der elbgermanischen Sueben, bewohnt war. Nach der Wanderung der Germanen ab dem 3. und 4. Jahrhundert in Richtung Schwaben zogen in den wahrscheinlich weitgehend siedlungsleeren ostelbischen Raum im 6. und 7. Jahrhundert Slawen ein. Zahlreiche Bodenfunde in Wildenbruch belegen die slawische Siedlungstätigkeit. Dabei zählten die Zauche und die Seddiner Seen zur spätslawischen Siedlungsbewegung:
mini|Die Landenge zwischen dem Großen Seddiner und Kähnsdorfer See mit der ehemaligen Handels- und Poststraße auf dem Gemälde Am Seddiner See bei Kähnsdorf von Carl Schuch von 1880
Deutsche Ostsiedlung und strategische Bedeutung (12. bis 14. Jahrhundert) Wann genau die Deutsche Ostsiedlung nach der Gründung der Mark Brandenburg durch Albrecht den Bären im Jahr 1157 in Wildenbruch einsetzte, ist nicht bekannt. Angeblich gibt es Hinweise auf eine Besiedlung bereits um 1175, womit die spätslawische und die deutsche Siedlung fast zeitgleich erfolgt wären. Bei der askanischen Landteilung 1258 zwischen der Ottonischen und Johanneischen Linie fielen die Zauche und damit auch Wildenbruch an Markgraf Otto III. Das Landbuch von 1375 gibt für Wildenbruch 59 Hufen Acker- und Weideland an. Diese wie im Nachbardorf Fresdorf großzügige Ausstattung mit Land und überdurchschnittliche Ansiedlung mit Bauern war strategisch begründet.Christa und Johannes Jankowiak: Unterwegs an Nuthe und Nieplitz. Porträt einer märkischen Landschaft. Auf alten Spuren und neuen Wegen. Stapp Verlag, Berlin 1995, S. 42 f., ISBN 3-87776-061-9. Wildenbruch und Fresdorf sollten eine Heer- und Handelsstraße insbesondere an ihrer gefährdetsten Stelle, der Landenge zwischen dem Kähnsdorfer See und dem Seddiner See, sichern.Georg Klünder: Untersuchung über die Geschichte Wildenbruchs. In: Blickpunkt Spezial, 2002, Dies wird auch durch die Flur Burgwall dokumentiert, ein annähernd rechteckiges Ackerstück, allerdings ohne Befestigungsspuren, das 200 m westlich des Ortes in sumpfigem Wiesengelände liegt. Es handelt sich wahrscheinlich um eine frühdeutsche Anlage.Joachim Herrmann: Die vor- und frühgeschichtlichen Burgwälle Gross-Berlins und des Bezirkes Potsdam. Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin Schriften der Sektion für Vor- und Frühgeschichte, 9: 1-229, Berlin 1960. Die spätere Poststraße bestand in Wildenbruch bis zum Dammbau durch den Seddiner See im Jahr 1804, der die vorherige umständliche Nordverbindung von Treuenbrietzen über Beelitz, Kähnsdorf, Wildenbruch, Saarmund, Michendorf nach Potsdam mit der Direktverbindung Beelitz – Michendorf (heutige B 2) deutlich abkürzte.Lutz Partenheimer: Beelitz. In: Evamaria Engel, Lieselott Enders, Gerd Heinrich, Winfried Schich (Hrsg.): Städtebuch Brandenburg und Berlin (Deutsches Städtebuch. Handbuch städtischer Geschichte. Neubearbeitung. Bd. 2: Brandenburg und Berlin). Stuttgart/Berlin/Köln 2000, ISBN 3-17-015388-9, S. 26–30, Abschnitt 2b, Verkehrslage. (PDF; 99 kB; S. 1) Verwaltungsportal Die heutige Alte Poststraße in Wildenbruch ist ein Teil der historischen Wegeverbindung.
Wildenbruch im Konflikt zwischen Landesherrschaft und Landadel Überregional verband der Handelsweg Leipzig und Wittenberg mit Berlin. Im 15./16. Jahrhundert spielte seine Sicherung in den Konflikten der Landesherren mit dem plündernden und raubenden landständischen Adel eine große Rolle.
Blockierung der Nordroute durch die Quitzows (15. Jahrhundert) mini|Hof in der Dorfstraße
In der Endphase der Luxemburger Herrschaft unter Jobst von Mähren um 1410 beherrschten die Quitzows die wichtigen Burgen Rathenow, Friesack, Bötzow, Köpenick und Saarmund und damit alle Zugänge nach Berlin/Cölln.Stephan Warnatsch: Geschichte des Klosters Lehnin 1180–1542, Studien zur Geschichte, Kunst und Kultur der Zisterzienser, Band 12.1, Lukas Verlag, Berlin 2000 (zugleich: Berlin, Freie Universität, Dissertation, 1999), S. 75, ISBN 3-931836-45-2. Damit war auch die Nordroute zwischen Wildenbruch und Saarmund unterbrochen. Wildenbruch war zu dieser Zeit wahrscheinlich an Beelitz gebunden. So teilt Riedel im Codex diplomaticus Brandenburgensis mit, dass „das Dorf Wildenbruch an mehre[re] Bürger zu Beelitz im Ganzen 7 Mandel Groschen jährlich entrichten und daß die Bauern neben Körner-Abgaben auch noch an Zins drei Beelitzsche Schillinge auch drei Münzpfennige zu geben hatten.“Zitiert nach: Carl Schneider: Chronik der Stadt Beelitz und …, S. 10. Beelitz gehörte zu dem märkischen Städtebund, der sich 1393 zur Landfriedenswahrung zusammengeschlossen hatte und in dem sich die Städte urkundlich verpflichteten, je nach ihrer wirtschaftlichen Kraft Gewaffnete und Schützen auszurüsten.Felix Escher: Der Wandel der Residenzfunktion. Zum Verhältnis Spandau – Berlin. Das markgräfliche Hoflager in askanischer Zeit. In: Wolfgang Ribbe (Hrsg.): Slawenburg, Landesfestung, Industriezentrum. Untersuchungen zur Geschichte von Stadt und Bezirk Spandau. Colloquium, Berlin 1983, S. 167, ISBN 3-7678-0593-6. Am 30. Oktober 1412 beschied Sigismund von Luxemburg die beiden Quitzow-Brüder und ihren Verbündeten Kaspar Gans zu Putlitz vor sein Hofgericht. Am 4. und 5. April 1413 wurde vertraglich festgelegt, dass Johann „Hans“ von Quitzow seine Burgen behalten durfte, die Burg und Stadt Saarmund aber herausgeben musste – die Nordroute war wieder offen.Jan-Michael Feustel: Die Quitzows. Raubritter und Gutsherren. Hendrik Bäßler Verlag, Berlin 1998, S. 46, ISBN 3-930388-13-8
Am 25. November 1420 verpfändete Kurfürst Friedrich I., der erste regierende Hohenzoller in der Mark Brandenburg, dem Amtmann von Wittbrietzen, Trebbin und Beelitz einige Hebungen von Beelitz und den Dörfern Schönefeld und Wildenbruch. Friedrich II. („Der Eiserne“) übereignete am 4. Februar 1454 der Beelitzer Kirche und am 27. März 1454 auch der Elenden-Gilde in Beelitz einige Zinsen und Renten von Wildenbruch.Carl Schneider: Chronik der Stadt Beelitz und …, S. 13 f., 16 f.
Landreiter zum Wegeschutz (16. Jahrhundert) 1550 war das Dorf ein Pfandstück der Adelsfamilie von Rochow, die im Spätmittelalter zu den einflussreichsten Familien in der Zauche gehörte. Die Nachbardörfer Michendorf, Fresdorf und Langerwisch gehörten hingegen zum kurfürstlichen Amt Saarmund. Allerdings forderte das Amt die Wildenbrucher Bauern 1563 auf, Hand- und Spanndienste zu leisten.Wildenbruch – eine Zeitreise. …. Im 16. Jahrhundert gewann die Sicherung der Handelsstraße erneut Bedeutung.
mini|Alte Poststraße, südöstlich des Wildenbrucher Dorfkerns
1599 ließ Joachim Friedrich die Mittelmark in sechs Landreiter-Bezirke, sogenannte Beritte, teilen, darunter den Beritt Beelitz. Die Landreiter sicherten die Straßen und hatten zudem Befugnisse zum Einzug von Steuern und weiteren Abgaben. Spätestens 1608 war Wildenbruch Teil des Kreises Zauche im Beritt Beelitz.
Dreißigjähriger Krieg, Pest und Erholung durch das Handwerk (17./18. Jahrhundert) Im Dreißigjährigen Krieg schlug ein Teil der Schwedischen Armee 1630/31 bei Tremsdorf ein festes Lager auf und forderte von den umliegenden Dörfern Kriegstribute. Ab 13. Januar 1631 plünderten 1000 Schweden drei Tage lang Wildenbruch, schlachteten Rinder und konfiszierten elf Pferde. Am 24. Oktober 1631 kamen die Schweden erneut in den Ort und brannten nach einem Zechgelage den Dorfkrug nieder. Zeitgleich fiel ein Drittel der Einwohner (51 von rund 150) der Pestwelle zum Opfer. 1637 wütete die Pest erneut im Dorf und schwedische Söldner zogen weiterhin durch Wildenbruch. Zum Ende des Krieges 1648 waren von 18 Bauern- und Kossätenhöfen 6 verblieben. Erst rund 50 Jahre später, 1694, wurde der verwüstete Dorfkrug wieder aufgebaut.