mini|Segelfregatte; 18./19. Jahrhundert
Als Elbzollfregatte wurden die Wachschiffe bezeichnet, die zwischen der Mitte des 17. und 19. Jahrhunderts bei Stade den Zolldienst und andere hoheitliche Aufgaben versahen. Mit dem Begriff wurde auch die Elbzollstation Brunshausen bei Stade insgesamt angesprochen.
Die Bezeichnung Fregatte wurde ursprünglich in recht allgemeiner Form für verschiedene größere Schiffstypen benutzt, denen nur die Tatsache der Bewaffnung und die Ausstattung mit drei Masten gemein war. Erst im späten 18. Jahrhundert wurde es üblich, kleinere, schnelle Kriegsschiffe mit nur einem Geschützdeck als Fregatte zu bezeichnen. Die auf der Elbe eingesetzten größeren Wachschiffe wurden unabhängig von ihrem Schiffstyp als Zollfregatten oder als Ausweis ihres rechtlichen Status auch als Kron-Schiffe bezeichnet.Richard Graewe: Die zweihundertjährige Geschichte der Elb-Zoll-Fregatte zu Brunshausen und ihrer Kommandanten 1650–1850. 1963.
Zollerhebung auf der Elbe
Vor 1806 gab es etwa 35 Zollstationen entlang des schiffbaren Verlaufs der Elbe, die der Schifffahrt erhebliche Lasten auferlegten. Der Zoll bei Brunshausen wurde als besonders belastend empfunden. Nach der französischen Besetzung und der Kontinentalsperre trat 1819 in Dresden die Elbschiffahrtskommission zusammen, um die Zollerhebung auf der Elbe neu zu regeln. 1821 wurde die Elbschiffahrtsakte beschlossen, aufgrund derer die Zölle gegen eine Schifffahrtsabgabe aufgehoben werden sollten, die dem Erhalt der Fahrwasser dienen sollte. Die Höhe dieser Abgabe war allerdings erheblich und übertraf die alten Zölle. Während einige Staaten wie Preußen bereit waren, die Elbschifffahrt zu erleichtern, bestanden andere, darunter insbesondere das Königreich Hannover als Betreiber der Elbzollstation Brunshausen, auf hohen Abgaben, bis sich die Elbzölle nach dem Deutschen Krieg und der Reichseinigung nach und nach erübrigten.
Elbzollstation Brunshausen mini|Stade um 1640, links oben die Schwingemündung mit der Schwinger Schanze
Die Elbzollstation Brunshausen befand sich bei Brunshausen an der Mündung der Schwinge in die Elbe, heute Teil des Stader Stadtgebiets. Zu der Station gehörten ein zur zivilen Staatsverwaltung gehörender Zolleinnehmer, meist ein größeres, als Zollfregatte bezeichnetes militärisches Wachschiff und zeitweise weitere kleinere Boote. Die Fahrzeuge wurden auch als Auslieger bezeichnet, weil sie außerhalb des Hafens vor Anker lagen und den Verkehr auf dem Fluss beobachteten oder bestimmte Gebiete regelmäßig abfuhren und kontrollierten. Das Zollgebäude befand sich auf der Schwinger Schanze direkt an der Schwinge-Mündung. Zur Behandlung von Zollvergehen und Zollbeschwerden bestand daneben das Elbzollgericht Stade.
Geschichte Überblick Schon seit dem 11. Jahrhundert erhoben die Bremer Erzbischöfe einen Zoll von Schiffen, die die Elbe zwischen Hamburg und der Nordsee passierten und legten dafür zeitweilig Wachschiffe aus.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurden 1648 die vormals kirchlichen Territorien Bremen und Verden zu einem Herzogtum zusammengefasst und kamen unter schwedische Herrschaft. Seit 1650 war die Zollstation permanent mit einem Schiff besetzt. Auch bei den mehrfachen Besitzwechseln des Herzogtums Bremen zwischen Schweden, dem Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg, später dem Königreich Hannover und während der französischen Besetzung blieb die Station aktiv.
Nach der Gründung des Deutschen Zollvereins 1834 verlor der Elbzoll an Bedeutung. Deshalb wurde die Station 1850 aufgegeben, auch wenn das Königreich Hannover dem Zollverein erst 1854 beitrat. Mit der Aufgabe der Station wurde auch das letzte Wachschiff außer Dienst gestellt.
Schwedische Zeit mini|Schwedische Seekriegsflagge
Nachdem Schweden in Stade seine Verwaltung für das Herzogtum Bremen eingerichtet hatte, wurde die Elbzollstation zu einer dauerhaften Einrichtung. Schon 1645 waren einige Schiffe angemietet worden, um den bereits im Zolldienst eingesetzten Bojer bis zum Friedensschluss zwischen Dänemark und Schweden zeitweilig verstärkten. Nach 1646 wurde der Bojer durch eine Speeljacht verstärkt. Weil die Zolleinnahmen deutlich sanken, wurde die Fregatte Naepthunus gekauft, um die Abgaben mit größerem Nachdruck eintreiben zu können. Dieses Fahrzeug kann trotz der Bezeichnung Fregatte nicht sehr groß gewesen sein, da es nur 18 Mann Besatzung hatte. Diese wurden nach kurzer Zeit auf eine Stammmannschaft von nur 5 Mann reduziert. Für die Jahre 1658 bis 1660 sind nur eine Jagt und eine Galiot gemeldet. Danach wurde Stade von Schweden gezwungen, auf eigene Kosten den Zoll zu kontrollieren und einzutreiben. Erst 1663 wurde die schwedische Fregatte St. Margaretha der Zollstation fest zugewiesen. Außerdem gab es eine kleine Jagt, die ebenfalls bewaffnet war.Claus Tiedemann: Die Schiffahrt des Herzogtums Bremen zur Schwedenzeit (1645–1712). Stade 1970, S. 67–73.
Zu Beginn des Nordischen Krieges griffen zwei dänische Kriegsschiffe die Brunshauser Schanze an, konnten jedoch von den schwedischen Kräften abgewiesen werden. Dabei wurde eines der Schiffe versenkt. Über die Beteiligung der Zollfregatte ist nichts bekannt. Als Stade am 13. August 1676 kapitulierte und zeitweise unter braunschweig-lüneburgische Verwaltung kam, fiel die St. Margaretha ebenfalls den neuen Herrschern in die Hände und blieb unter gleichem Namen bis 1679 im Dienst. Nach Kriegsende kehrte sie nach Schweden zurück und wurde dann wieder nach Stade unter dem Hamburger Schiffer Hans Trau versetzt. Es versah bis 1686 seinen Dienst und wurde 1687 unter dem Zollinspektor Johan Dargemann durch die Fregatte mit dem Namen Bremer Schlüssel ersetzt.Die Angaben bei Graewe über das Baudatum sind widersprüchlich und reichen von 1685 bis 1695. Seit 1691 gesellte sich noch eine Jacht unter Schiffer Herman Schlottman dazu.
Während dieser Zeit gehörte es zu den Aufgaben der Fregatte, neben dem allgemeinen Zolldienst den Handel mit Konterbande zwischen Deutschland und dem schwedischen Kriegsgegner Russland zu verhindern. Nach der Niederlage Schwedens in der Schlacht bei Poltawa (1709) im Großen Nordischen Krieg war es so geschwächt, dass es seine deutschen Besitzungen nicht mehr lange gegen dänische Angriffe schützen konnte. 1712 besetzten dänische Truppen das Herzogtum Bremen. Die Zollfregatte Bremer Schlüssel entkam nach Hamburg, wo sie bis 1715 versteckt wurde. Damit endete die schwedische Zeit.
Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg mini|Braunschweig-lüneburgische oder hannoversche Flagge mini|Hannoversche Flaggen, aus H. Grote 1852
1715 erwarb das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg, auch Kurfürstentum Hannover genannt, das seit 1714 in Personalunion mit Großbritannien regiert wurde, das Herzogtum Bremen von Dänemark.
Während mehrerer Kriege des 18. Jahrhunderts wurde die Bekämpfung des Waffenschmuggels eine wichtige Aufgabe der Elbzollfregatte. Das lag vor allem im Interesse der britischen Regierung, die aufgrund der Personalunion mit Hannover auf den Einsatz Einfluss nehmen konnte. Dabei ging es vor allem um Waffenlieferungen an Aufständische wie die Jakobiten in Schottland oder die Siedler in Nordamerika während des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs 1775–83.
Die Regierung in Hannover stellte nach der Übernahme der Herrschaft über das Herzogtum Bremen den Bremer Schlüssel 1716 wieder in Dienst. Das Schiff stand unter dem KommandoRichard Graewe: Gedenktage bedeutender Männer im alten Königreich Hannover. I. Andreas von Schlütter – Zum 100. Todestag des letzten Elb-Zoll-Fregatten-Kommandanten am 24. Februar 1963. In: Alt-Hannoverscher Volkskalender, 1963, 91. Jahrgang, S. 8, 41 des Johann Sonholtz, der 1725 zudem das Quarantäne-Haus bei der Elbzollstation in Brunshausen erwarb.Nieders. Landesarchiv NLA ST ARL 01 Nr. 731; arcinsys.niedersachsen.de abgerufen am 18. August 2021. 1733 war das Schiff verbraucht und zu ersetzen. Als Nachfolger wurde im selben Jahr eine Fregatte in Stade gebaut, die den Namen Weißes Ross erhielt und bis etwa 1757 im Dienst war.
Der Kommandant des Schiffes war zugleich der ranghöchste hannoversche Marineoffizier. Sein Dienstgrad entsprach dem eines Oberstleutnants beim Heer. Seine Unterstellungsverhältnisse waren nicht eindeutig geregelt. In seiner Funktion als militärischer Führer unterstand er direkt der kurfürstlichen Regierung in Hannover und erhielt zum Teil Weisungen vom Hofe in London. In allgemeinen administrativen Angelegenheiten hatte auch die Regierung in Stade eine nachrangige Weisungsbefugnis, was zeitweilig zu Meinungsverschiedenheiten mit dem Kommandanten der Elbzollfregatte führte. Insbesondere der von 1757 bis 1767 im Amt befindliche Kommandant Joachim Wilhelm Brockes lebte im Dauerkonflikt mit dem Stader Regierungspräsidenten Bodo von Bodenhausen, was schließlich zu seiner Ablösung führte.
Der Beginn von Brockes Amtszeit fiel zusammen mit der Außerdienststellung des Weißen Rosses 1757. Als Ersatz wurde ein kleineres Fahrzeug gefunden, das als französisches Kaperschiff bei Juist gestrandet war. Zu dessen Unterstützung im Zolldienst wurden zwei Schaluppen unterhalten. Außerdem war zumindest eine sogenannte Cron-Jagt vorhanden, die für verschiedene Zwecke benutzt wurde. Für diese Fahrzeuge sind keine Namen überliefert.
Als Brockes’ Nachfolger wählte man den Zollbeamten Heinrich Hüge aus, der sich auf seine Zollaufgabe beschränkte und keinen Konflikt mit der Stader Regierung suchte. Allerdings zeigte er sich nicht in der Lage, den 1776 einsetzenden Waffenschmuggel nach Nordamerika zu unterbinden. Dafür fehlte ihm nicht nur die Erfahrung als Seeoffizier, sondern auch eine geeignete Ausrüstung der Elbzollstation. Die vorhandenen Schiffe waren nicht schnell und groß genug, um es mit den schnellen amerikanischen Schiffen aufnehmen zu können. Außerdem war die Bewaffnung der Schwinger Schanze so heruntergekommen, dass kein einziges Geschütz einsatzklar war.
Nach Hüges frühem Tod Ende 1777 übernahm der Christian Gottlieb Daniel Müller die Aufgabe des Kommandanten der Elbzollfregatte. Er hatte sich gegen vier Mitbewerber durchsetzen müssen und wurde am 15. August 1778 durch den König in London ernannt. Seine Dienstzeit dauerte 35 Jahre, während derer er kontinuierlich befördert wurde. Er bewarb sich im Dienstgrad eines Leutnants der britischen Marine für den Dienst, erhielt mit seiner Ernennung 1778 den Rang eines Capitains, 1790 den eines Majors und 1801 den eines Oberstleutnants, wie ihn auch schon Brockes geführt hatte.Die Ränge entsprechen etwa in heutigen Bezeichnungen: Leutnant – Oberleutnant zur See; Capitain – Kapitänleutnant; Major – Korvettenkapitän; Oberstleutnant – Fregattenkapitän.
Im Jahre 1780 unterstanden ihm die Cron-Jagt, zwei Schaluppen, ein Kanonenboot und die Schwinger Schanze. Die Personalstärke betrug 34 Personen, sie wurde während der Kriege mit Frankreich 1792/1793 etwa verdoppelt. Außerdem hatte der Kommandant seit Hüges Zeiten die Aufsicht über das Hannoversche Lotswesen auf der Elbe, eine Aufgabe, die Müller vergeblich abzugeben versuchte. Daneben betätigte sich Müller als Schriftsteller und Verfasser von Lehrbüchern über die Schifffahrt.
Französische Besatzungszeit 1803 wurden die hannoverschen Gebiete durch französische Truppen besetzt und Frankreich übernahm die Verwaltung des Kurfürstentums. 1806 verhängte die französische Regierung eine als Kontinentalsperre bekannte Wirtschaftsblockade gegen Großbritannien. Auch in dieser Zeit wurde die Elbzollstation bei Brunshausen aufrechterhalten. Im März 1813 ist das Vorhandensein zumindest einer im Zolldienst stehenden Jolle überliefert, während die anderen Zollfahrzeuge auf unterschiedliche Weise verloren gegangen waren. Das Wachschiff selber war verbrannt worden, zwei Schaluppen wurden von den Franzosen nach Hamburg gebracht.