Mellrichstadt ist eine Stadt im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld und der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Mellrichstadt.
mini|Häuserzeile am Marktplatz mini|Rathaus fotografiert von Anton Tretter um 1900
Geographie Die Stadt liegt in der Region Main-Rhön an der Streu und am Fuße der Rhön. Durch Mellrichstadt führt der Fränkische Marienweg.
Gemeindegliederung Es gibt neun Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Bahra, Eußenhausen, Frickenhausen, Mellrichstadt, Mühlfeld, Roßrieth und Sondheim. Die Gemarkung Mellrichstadt hat eine Fläche von 19,808 km². Sie ist in 5126 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 3864,28 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Reuthof.
Geschichte Bis ins frühe 19. Jahrhundert Im Jahre 822 wurde Mellrichstadt erstmals als Madalrichistreuua urkundlich erwähnt. Weitere frühe Erwähnungen gab es unter den Namen Madalichesstrouue (845) und Madalrichesstat (889). Der karolingische Königshof Madalrichesstat war Mittelpunkt des fränkischen Westergaues. Im Jahre 1078 fand in der Umgebung des Ortes die Schlacht bei Mellrichstadt zwischen den Anhängern König Heinrich IV. und des Gegenkönigs Rudolf von Rheinfelden statt. Bereits im 13. Jahrhundert war Mellrichstadt Besitz des Hochstiftes Würzburg und blieb es – obschon mehrmals verpfändet und wieder eingelöst – durch die Jahrhunderte. Nach dem Erlöschen der burggräflichen Linie der Grafen von Henneberg um 1219 versuchte der Bischof von Würzburg, die mit dem Burggrafenamt verbundenen Lehen des Hochstifts einzuziehen. Es kam zu einer erbitterten Auseinandersetzung, die mit dem Verzicht des Grafen Poppo von Henneberg auf Mellrichstadt und Meiningen endete.
1232/33 erfolgte die Erhebung zur Stadt, die im Mittelalter Sitz einer bedeutenden Lateinschule war. Ab 1356 ist in Mellrichstadt ein mittelalterliches Leprosorium nachweisbar, das als Siechen- oder Leprosenhaus bezeichnet wurde.siehe Das ehemalige Oberamt Mellrichstadt des Hochstiftes Würzburg wurde nach der Säkularisation 1803 zugunsten Bayerns 1805 Erzherzog Ferdinand von Toskana zur Bildung des Großherzogtums Würzburg überlassen und fiel mit diesem 1814 endgültig an Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde, die auch Sitz eines Landgerichts war.
Ab dem frühen 19. Jahrhundert mini|Mellrichstadt um 1901 Mindestens seit dem 19. Jahrhundert waren jüdische Familien in der Stadt ansässig. 1869 wurde der Jüdische Friedhof des Ortes angelegt. Die an der Hauptstraße 60 errichtete Synagoge wurde am 30. September 1938, noch vor dem Novemberpogrom 1938, von einer Gruppe Sudetendeutscher schwer beschädigt und anschließend abgerissen. An dem an gleicher Stelle errichteten Geschäftshaus erinnert seit 1988 eine mit schwarzer Schrift auf schwarzem Hintergrund ausgeführte GedenktafelGedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation. Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 165., die an der von der Hauptverkehrsstraße kaum sichtbaren Seite des Gebäudes angebracht ist, an dieses Geschehen. mini|Brunnen im Zentrum
Bis zum 30. Juni 1972 war Mellrichstadt die Kreisstadt des Landkreises Mellrichstadt. Seitdem ist Mellrichstadt nach Bad Neustadt und Bad Königshofen die drittgrößte Stadt im Landkreis Rhön-Grabfeld.
Im Kalten Krieg lag Mellrichstadt unmittelbar am Eisernen Vorhang. 1962 wurde die Hainberg-Kaserne der Bundeswehr fertiggestellt. Bis zur Aufgabe am 30. September 2006 waren dort das Panzergrenadierbataillon 352 mit zirka 1000 Soldaten und weitere Einheiten stationiert. mini|Luitpoldbrunnen auf dem Nathan-Stern-Platz vor dem Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Mellrichstadt
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. April 1971 die Roßrieth eingegliedert. Am 1. Januar 1972 kam Frickenhausen hinzu. Bahra folgte am 1. April 1973. Die Reihe der Eingemeindungen wurde mit der Eingliederung von Eußenhausen am 1. Januar 1978 sowie von Mühlfeld und Sondheim am 1. Mai 1978 abgeschlossen.
Einwohnerentwicklung + BevölkerungszahlenStatistik kommunal 2014Statistik kommunal 2018 Jahr 1840 1900 1939* 1950* 1961* 1970* 1987* 1991 1995 2005 2010 2011* 2015 2017 Einwohner 3259 3641 3989 5814 5908 6841 5968 6076 6328 6184 5808 5648 5563 5618
*: Volkszählung/Zensus
Im Zeitraum 1988 bis 2018 sank die Einwohnerzahl von 5901 auf 5525 um 376 Einwohner bzw. um 6,4 %. 1996 hatte die Stadt 6419 Einwohner. Quelle: BayLfStat
Politik Stadtrat mini|alt=Gründeraktie der Malz-Fabrik Mellrichstadt über 500 Mark, ausgegeben am 30. Dezember 1883, original unterschrieben von dem bedeutenden jüdischen Bankier und Politiker Komm.-Rat Dr. Gustav Strupp als Vorsitzender des Aufsichtsrates der Aktiengesellschaft.|Gründeraktie der Malz-Fabrik Mellrichstadt (1883) Die Kommunalwahl am 15. März 2020 führte zu folgender Zusammensetzung des Stadtrats:
Partei / Liste Stimmenanteil Sitze CSU 29,7 % 6 SPD 8,6 % 2 Freie Wählergemeinschaft e. V. 38,7 % 7 Bürgerliste Eußenhausen 8,2 % 2 Bürgerliste Mühlfeld 5,8 % 1 Bürgerliste Frickenhausen 9,1 % 2 Es waren 4.485 Bürger wahlberechtigt, die Wahlbeteiligung lag bei 69 %.
Bürgermeister Vom 1. September 2006 an war Eberhard Streit Bürgermeister. Streit wurde über eine unabhängige Liste, unterstützt von Freien Wählern und SPD, zum Stadtoberhaupt gewählt. Im Juni 2012 wurde er mit 98,2 % der gültigen Stimmen im Amt bestätigt. Bei der Bürgermeisterwahl im März 2020 trat Streit nicht mehr an. In dieser konnte sich der Kandidat der Freien Wählergemeinschaft, Michael Kraus, mit 53,6 % der Stimmen gegen Mitbewerber von CSU und SPD durchsetzen.
Bürgermeister seit 1873 Nikolaus Morelli (Januar 1873 – Dezember 1878) Kaspar Mohr (Dezember 1878 – Dezember 1881) Kaspar Schnarz (Dezember 1881 – Oktober 1905) mini|Traueranzeige von Kaspar Schnarz Thaddäus Sterzinger (Januar 1906 – April 1917) Heinrich Kraus (April 1917 – Juni 1919) Ludwig Heuring (Juni 1919 – Juli 1927) Johann Wiedler (Juli 1927 – April 1933) Hermann Recknagel (April 1933 – September 1935) Heinrich Karl (September 1935 – Dezember 1935) Alfons Halbig (19. Dezember 1935 – 25. Mai 1945) Notar Dr. Nobis (tageweise Frühjahr 1945) Oskar Will (Juli 1945 – September 1947) Oskar Schreiner (November 1947 – Juni 1948) Alfons Halbig (Juni 1948 – Juni 1970) Oskar Herbig (September 1970 – 1994) Helmut Will (1994 – August 2006) Eberhard Streit (August 2006 – Mai 2020) Michael Kraus (seit Mai 2020)
Gemeindefinanzen Im Jahr 2013 betrugen die Gemeindesteuereinnahmen 6.304.000 Euro, davon waren 3.120.000 Euro Gewerbesteuereinnahmen (netto). mini|Beschussamt Mellrichstadt
Wappen
Ämter und Behörden In Mellrichstadt befindet sich eine der drei Kfz-Zulassungsstellen des Landkreises Rhön-Grabfeld. Mellrichstadt ist einer von fünf Standorten bundesdeutscher Beschussämter. Seit dem 30. September 1954 ist das THW mit einem Ortsverband in Mellrichstadt vertreten. Mit Wirkung vom 8. Januar 2015 ist Mellrichstadt Sitz der bayerischen Gebührenabrechnungsstelle für Aussiedler und Asylbewerber. In Mellrichstadt befindet sich mit dem Grundbuchamt eine Außenstelle des Amtsgerichts Bad Neustadt.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Stadtpfarrkirche St. Kilian mini|rechts|Gustav-Adolf-Kirche mini|Frickenhäuser See
Bau- und Bodendenkmäler
Stadtpfarrkirche St. Kilian Kapelle St. Anna Kapelle St. Sebastian Kreuzkapelle Kapelle Liebe Frau vom Großenberg Historische Stadtmauer Luitpold-Brunnen Mittelalterliches Badehaus Fronhof Steinmühle Eichersmühle Seemühle Burgmühle Streumühle Aumühle Wasserschloss Roßrieth Suhlesturm, Bürgerturm, Galgenturm
Naturdenkmäler Frickenhäuser See (Frickenhausen)
Sonstige Sehenswürdigkeiten Wüstung Ellenbach Kreuzweg Frickenhausen
Museen Heimatmuseum Mellrichstadt im Salzhaus Schloss Wolzogen in Mühlfeld Kreisgalerie Mellrichstadt Grenzübergang Eußenhausen/Meiningen und Skulpturenpark Deutsche Einheit Dokumentationszentrum HainbergkaserneOffizielle Website des Dokumentationszentrums Hainbergkaserne
Veranstaltungen mini|Streutalfestival als Autoaufkleber Welt-Dia-Vision (Anfang November) Erlebnisnacht (Ende Oktober) Hallenbadenacht (Anfang November) Historischer Weihnachtsmarkt (am Wochenende zum dritten Advent) Stadtfest (im Sommer) Kulturimpulse (AM und VHS) Bikeweekend am ersten Aprilwochenende (Start der Motorradsaison) Hocke'se oder Stehn'se, gemütliches abendliches Beisammensein bei z. B. Bratwurst und Bier, an unterschiedlichsten Orten in Mellrichstadt, um die aktuellen Baustellen und Umbaumaßnahmen unter die Lupe nehmen zu können bzw. um die Gemeinschaft zu fördern (meist einmal im Monat). 24-Stunden-Schwimmen (alle zwei Jahre) Faschingsumzug durch Mellrichstadt (am Sonntag vor dem Rosenmontag) MET-Theater (mehrmals im Jahr) Gettingtough – Beat the summer Traditionelle Maibaumaufstellung durch die Jungbauern Mellrichstadt e. V. (jährlich am 30. April) Seefest mit Feuerwerk am Frickenhäuser See im Juli Streutalfestival
Freizeitmöglichkeiten Mellrichstadt und das umliegende Streutal bieten eine Vielzahl an Wander- und Radwegen, darunter befindet sich der Main-Werra-Radweg. Unweit der Innenstadt befindet sich die Naherholungsanlage Kirschgarten mit weiten Rasenflächen und einem Kneipp-Becken. Das städtische Hallen- und Wellenfreibad (Sportbad) ist ganzjährig geöffnet, eine weitere Bademöglichkeit besteht am Frickenhäuser See. Weitere Sport- und Freizeitstätten sind vorhanden. Mellrichstadt bietet des Weiteren Vereine wie den Turn- und Sportverein (TSV) Mellrichstadt mit zirka zehn Sparten, einen Tennisclub mit vier Freiplätzen und zwei Hallenplätzen, Tischtennis-, Badminton-, Ju-Jutsu- und Schützenvereine, Obst- und Gartenbauverein, Kapellen, Chöre und Gesangsvereine, einen Kleintierzüchterverein, einen Angelclub, Wasserwacht, Freiwillige Feuerwehren, Pfadfinder usw. Am Bischofsberg befindet sich das Segelfluggelände Bischofsberg, das von der Flugsportvereinigung Mellrichstadt e. V. betrieben wird.
Wirtschaft und Infrastruktur mini|Anzeige des Bankhauses Nathan Stern von 1905
Wirtschaft Es gab 2013 nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft 12, im produzierenden Gewerbe 20818 und im Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe 475 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 761 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 1976. Im verarbeitenden Gewerbe gab es neun Betriebe, im Bauhauptgewerbe vier Betriebe. Im Jahr 2010 bestanden zudem 94 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 4106 Hektar, davon waren 3600 Hektar Ackerfläche und 500 Hektar Dauergrünfläche. Bekanntheit unter den Unternehmen aus Mellrichstadt genießen der Druckluftwaffenhersteller Weihrauch & Weihrauch sowie der Kugellager- und Getriebeteileproduzent Reich GmbH.
Verkehr mini|
Infrastrukturell liegt Mellrichstadt nahe an der A 71 und ist über die Anschlussstelle Mellrichstadt in drei Kilometer Entfernung zu erreichen. Durch Mellrichstadt führt die Staatsstraße 2445 (vormals B 19) (Meiningen–Mellrichstadt–Bad Neustadt–Münnerstadt). Weiterhin ist Mellrichstadt Ausgangspunkt der B 285, die von hier über Ostheim, Fladungen, Kaltennordheim und Dermbach nach Bad Salzungen führt. mini|Gedenktafel jüdische Synagoge Mellrichstadt Die Stadt ist mit der Station Mellrichstadt Bahnhof an das Schienennetz der Deutschen Bahn angeschlossen. Züge verkehren stündlich zwischen 5:00 und 23:00 Uhr in Richtung Würzburg und Erfurt. An der Streutalbahn, welche seit 1976 ohne regelmäßigen Personenverkehr ist, lag außerdem der Haltepunkt Mellrichstadt Stadt. Unter dem Namen Rhön-Zügle fahren saisonal Museumszüge, ohne hier zu halten.