mini|Von links nach rechts: Gerald Matt, Brigitte Schenk und Marilyn Manson in der Kunsthalle Wien (2010) Gerald Matt (* 3. November 1958 in Hard) ist ein österreichischer Kulturmanager. Von 1996 bis März 2012 war er Direktor der Kunsthalle Wien. Seit 2015 leitet er das Vienna Art Institute (Institut für Kunst und Welt) und verantwortet die W24-Fernsehsendungen „Matt spricht mit“ und „Der Montagssalon“. Zudem ist er Berater im Kulturmanagement.

Leben Gerald Matt studierte Rechtswissenschaften, Betriebswirtschaft und Kunstgeschichte an der Universität Innsbruck. 1981 schloss er das Studium der Rechtswissenschaften mit einem Doktorat ab. 1985 beendete er ein weiteres Studium der Betriebswirtschaft am Institut für Strategische Unternehmensführung mit dem Mag. rer. soc. oec. und mit einer sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Diplomarbeit zum Kulturmanagement.Thema der Diplomarbeit: Führungsmethoden der Tiroler und Vorarlberger Galeristen. Matt arbeitete 1986 während der sozialliberalen Koalition (Kanzler Sinowatz SPÖ, Vizekanzler Nobert Steger, FPÖ) als Sekretär im Club der FPÖ. Als Jörg Haider Norbert Steger stürzte und Parteichef wurde, verabschiedete sich das Nichtparteimitglied Matt, indem er einen Abgeordneten der FPÖ im Nationalrat mit einer falschen Rede der Peinlichkeit aussetzte. Von 1991 und 1992 war er im österreichischen Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur in der Abteilung Internationale Biennalen, Auslandsausstellungen und kulturpolitische Grundsatzfragen (heute Abteilung V/1) tätig. 1992 gründete er gemeinsam mit Thomas Häusle und Wolfgang Fetz den Vorarlberger Kunstverein-Magazin4 in Bregenz. Ebenfalls 1992 wurde Matt persönlicher Berater der Wiener Kulturstadträtin Ursula Pasterk (SPÖ), die gleichzeitig Präsidentin der Kunsthalle Wien war.

Schaffen

1994 wurde Matt zum Generalsekretär, 1996 zum Direktor der Kunsthalle Wien berufen. Unter seiner Führung zog die Kunsthalle Wien von ihrem provisorischen Bau am Karlsplatz in den Neubau von Ortner und OrtnerNeubau der Kunsthalle Wien im Museumsquartier vom Architekturbüro Ortner und Ortner im Museumsquartier um. Matt vertrat während der Bauphase die Stadt Wien in künstlerischen und infrastrukturellen Belangen gegenüber der Museumsquartierbetriebs- und Errichtungsgesellschaft und gehörte von 1995 bis 2000 deren Aufsichtsrat an.

In Konflikten mit der Museumsquartierleitung verteidigte er als Sprecher der Institutionen im MuseumsQuartier die Unabhängigkeit der Kulturinstitutionen vor Zentralisierungstendenzen der Museumsquartiergesellschaft.Jetzt kommt die „harte Realität“. In: Kurier, 30. Dezember 1996.

So eröffnete er die Kunsthalle im Museumsquartier mit der Schau „Eine barocke Party“ einige Wochen vor der Eröffnung des Gesamtareals. Ebenso gelang es ihm 2000 gegen massive politische Widerstände, den ursprünglichen Standort Karlsplatz durch einen Neubau des Architekten Krischanitz als Projectspace für die Kunsthalle Wien zuFragen, wo der Hase im Pfeffer liegt. In: Tiroler Tageszeitung, 26. April 2005. sichern.

Kontrovers zeigte sich Matt auch mit seinen Ausstellungsprojekten. So stieß die Fahnenaktion des türkisch-deutschen Künstlers Feridun Zaimoglu auf der Fassade der Kunsthalle Wien ebenso auf massive politische Kritik von rechts, wie die Ausstellung der Wiener Gruppe oder jene des Leichentuches von Teresa Margolles. Die Skulptur einer nackten Muslimin im öffentlichen Raum des Künstlers Olaf Metzel, die im Rahmen einer Ausstellung zum Schleier gezeigt wurde, wurde von Unbekannten zerstört und öffentlich heftig diskutiert. Matt bezog auch klar Stellung gegen die 2000 die Regierungsgeschäfte übernehmende ÖVP/FPÖ-Koalition, die erstmals der nationalistischen, Ausländer- und kunstfeindlichen Rechtspartei von Jörg Haider die Regierungsbeteiligung ermöglichte.

Anfang 2001 galt Matt als Kandidat für die Position des Kulturstadtrates der Stadt Wien, 2006 als Kandidat für das Amt des Kulturministers, Positionen, die er jedoch kategorisch zurückwies. Matt erweiterte während seiner Amtszeit nicht nur die Ausstellungsflächen- und Programme der Kunsthalle Wien, er konnte auch den Besucherzuspruch erheblich steigern. Dabei gelang es insbesondere ein junges Publikum anzuziehen; so sind über 80 Prozent der Besucher der Kunsthalle unter 40 Jahre alt.

2007 gelang es Matt, die von einem privaten Verein geführte Kunsthalleholding um die bislang von der städtischen Verwaltung betreute Kunst im öffentlichen Raum (KöR) zu erweitern, deren Co-Geschäftsführer er wurde.

2007 wurde Matt für drei Jahre zum Kurator des österreichischen Parlamentes bestellt. 2007 wird nach dem Vorbild der Kunsthalle Wien von dem Architekten Adolf Krischanitz die temporäre Kunsthalle Berlin am Schlossplatz in Berlin-Mitte errichtet. Matt fungiert dabei als Berater der beiden Initiatorinnen Coco Kühn und Constanze Kleiner sowie der Stiftung Zukunft Berlin und kuratiert die Eröffnungsausstellung 2008 mit der südafrikanischen Künstlerin Candice Breitz.

Matt machte die Kunsthalle Wien zu einem international anerkannten Partner großer internationaler Museen wie dem Guggenheim Museum oder dem Centre Pompidou mit dem die Kunsthalle 2004 die Ausstellung „Lieber Maler, male mir“ produzierte. Gleichzeitig wurde die Kunsthalle zu einem Ort der Produktion von Ausstellungen, von denen einige wie Bruce Conner,Viva la muerte, oder True Romance in ausländischen Institutionen gezeigt werden konnten.

Matt kuratierte in seiner 18-jährigen Tätigkeit für die Kunsthalle Wien zahlreiche Themen- und Personalausstellungen. So konnte man mit Matthew Barney oder Shirin Neshat sehr früh spätere Kunststars in der Kunsthalle Wien sehen. Nicht zuletzt gelang es Matt mit aktuellen Themenausstellungen wie z. B. zum Verbrechen und Bösen („Fahrstuhl zum Schafott“, 2010) zum Krieg („Attack“, 2003) oder zum Phänomen der Superstars („Superstars“, 2005/2006), das Publikum für zeitgenössische Kunst zu erweitern. Besondere Aufmerksamkeit fanden Ausstellungen, die sich mit neuen aufbrechenden Kunsträumen außerhalb der westlichen Welt beschäftigten wie die Ausstellung Kapital und Karma, die sehr früh ein künstlerisches Schlaglicht auf die indische Kunstwelt warf.

Für die junge Wiener Kunstszene wurde die von Matt ins Leben gerufene und von wechselnden ausländischen Kuratoren verantwortete alle fünf Jahre stattfindende Leistungsschau „Lebt und arbeitet in Wien“ zu einem Fixpunkt.15 Jahre Kunsthalle Wien, In: Spike, Dezember 2007. Mit Ausstellungen zu Edward Hopper und die zeitgenössische Kunst, Western Motel oder Salvador Dalí und deren Bedeutung für die zeitgenössische Kunst bescherte Matt dem Haus nicht nur Rekordbesucherzahlen, sondern auch die Konfrontation der Moderne mit der zeitgenössischen Kunst.

Matt kuratierte auch immer wieder Ausstellungen auf Einladung ausländischer Institutionen, unter anderem fanden sein Projekt 1989, mit dem die Villa Schöningen in Potsdam-Berlin unter Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Henry Kissinger und Michail Gorbatschow ihr Haus 2009 eröffnete oder seine Ausstellung „under pain of death“, die er gemeinsam mit Abraham Orden für das österreichische Kulturforum in New York 2008 konzipierte, starke mediale Aufmerksamkeit. 2008 gehörte Matt der Jury der Quadriennale d’arte in Rom gemeinsam mit Suzanne Pagé, Direktorin des Museums Moderner Kunst in Paris und Vicente Todoli, Direktor der Tate Modern in London, an, die die Preise der Quadriennale an Maurizio Cattelan und Adrian Paci vergab.

Matt ist auch der Verfasser oder Herausgeber zahlreicher Schriften zur zeitgenössischen Kunst für die Kunsthalle Wien, die Ursula Blickle Stiftung und freie Verlage. So veröffentlichte er 2001 ein Buch zum Museumsmanagement unter dem Titel „Kunst und Geld“, das ins Polnische, Serbokroatische und ins Ukrainische übersetzt wurde. Dem folgte 2003 das Buch „Kulturmanagement leicht gemacht“.Ratgeber für Kulturberiebler, In: Kleine Zeitung, 3. Februar 2004. Beim Verlag Walter König erschienen 2006 die Bücher „Interview“ 1 und 2, die viele Gespräche Matts mit renommierten Kùnstlern wie Louise Bourgeois, Steve McQueen, Raymond Pettibon oder Isaac Julien enthalten.

Mit der Ursula Blickle Stiftung und der Hochschule für Angewandte Kunst initiierte Matt die Gründung und den Betrieb eines Videoarchivs und einer Videolounge zur Förderung und Vermittlung der Videokunst. Matt kuratierte seit 2001 Ausstellungen wie Vertigo oder Hans-Jürgen Syberberg für die Ursula Blickle Stiftung und gehört seit 2008 ihrem Stiftungsvorstand an.

Zuletzt kuratierte Matt mit Verena Konrad die Ausstellung „Parallelwelt Zirkus“ in der Kunsthalle Wien.

Anfang 2012 wurde Matt nach langen Querelen mit den Grünen und auf deren politischen Druck hin vom Vorstand der Kunsthalle Wien, der Matt dabei gleichzeitig sein volles Vertrauen aussprach, vom Dienst suspendiert. Der grüne Kultursprecher Wolfgang Zinggl warf Matt vielfältige Nebentätigkeiten, autoritäre Führung und finanzielle Unregelmäßigkeiten vor.

Am 24. März 2012 trat Matt von seinem Amt zurück, da er sowohl die Umwandlung der Kunsthalle Wien von einem unabhängigen privaten Verein in eine städtische GesmbH als auch die politische Neubesetzung des Aufsichtsrates sowie die Trennung der künstlerischen und kaufmännischen Leitung nicht hin nehmen wollte. Alle bis dahin durchgeführten Prüfungen ergaben jedoch kein Fehlverhalten von Matt.

Zuletzt stellte Anfang Dezember 2012 die Staatsanwaltschaft die auf Anzeige der Grünen gegen Matt eingeleitete Voruntersuchung ein mit der Begründung, dass sich sämtliche Vorwürfe gegen Matt als falsch erwiesen hätten. Sämtliche bisherige Vorwürfe der Grünen wurden von der Staatsanwaltschaft als haltlos zurückgewiesen. Der Konflikt führte zur Beauftragung eines IT-Sachverständigen zur Überprüfung eines etwaigen Datendiebstahls und damit zu einer parlamentarischen Anfrage zur Aufhebung der Immunität des Abgeordneten der Grünen Wolfgang Zinggl seitens der Abgeordneten der SPÖ Elmar Mayer.

Finanzielle Unregelmäßigkeiten, die den Tatbestand der Untreue dargestellten, werden im von der Stadt Wien veranlassten Prüfbericht ausgeschlossen. Die Inanspruchnahme von Kunsthalle-Mitarbeitern schließlich war dienstvertraglich vereinbart.ORF Radio Ö1 Nachrichten, 7. Dezember 2012, 15h Die Ermittlungsergebnisse bestätigen sohin im Wesentlichen Matts damalige Erklärungen zur Sache.ORF online Kultur

Abschließend verurteilte der Oberste Gerichtshof den Grünen Abgeordneten Wolfgang Zinggl zum öffentlichen Widerruf seiner falschen und rufschädigenden Äußerungen gegen Gerald Matt. Die Tageszeitung Die Presse legte Zinggl in diesem Zusammenhang seinen Rücktritt nahe. Folgende Aussagen darf Zinggl aber weiterhin tätigen: „Matt benutze die Kunsthalle Wien als Selbstbedienungsladen. Matt gehe unter dem Schutzmantel der Kunst seinen teuren Obsessionen nach, indem er unter dem Titel „Dienstreisen“ Ausflüge um die Welt mache und in teuren Luxushotels absteige. Das Parlament habe Matt in Bezug auf Ausstellung und Buch „Österreichs Kunst der 60er Jahre“ persönlich beauftragt und bezahlt, doch offensichtlich hätten Mitarbeiter der Kunsthalle Wien einen Großteil der Arbeit gemacht, was nicht erlaubt sei. Matt habe Förderungsmissbrauch zu verantworten, weil ihm die öffentliche Hand die Kunsthalle Wien mit Fördergeld, Personal- und Infrastruktur anvertraut habe, die er für sich verwendet habe. Und Matt nehme die von der öffentlichen Hand finanzierte Kunsthalle Wien aus wie eine Weihnachtsgans.“

Matt arbeitet seit Sommer 2012 für ein Managementberatungsbüro und hatte für einige Semester ein Lektorat an der Universität für Angewandte Kunst und am Institut für Kunstgeschichte der Universität Innsbruck. Seit Juli 2014 schreibt Matt in der österreichischen Tageszeitung „Heute“ anlassbezogene Kolumnen rund um den Kunstbetrieb.