mini|Elvis Presley (1970)rahmenlos|hochkant|zentriert|klasse=notpageimage|Elvis Presleys Unterschrift
Elvis Aaron Presley (* 8. Januar 1935 in Tupelo, Mississippi; † 16. August 1977 in Memphis, Tennessee), häufig nur Elvis genannt, war ein US-amerikanischer Sänger, Musiker und Schauspieler. Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Rock- und Popkultur des 20. JahrhundertsGeorges Plasketes: Images of Elvis Presley in American Culture. 1977–1997, The Mystery Train, The Haworth Press 1992, S. 2 ff.; Greil Marcus: Dead Elvis. Die Legende lebt. Hannibal Verlag 1997, S. 9 ff.; ferner Susan Doll PhD: Elvis for Dummies. Wiley Publishing, 2009, S. 9 ff., 247 ff. und wird oft als „King of Rock ’n’ Roll“ oder einfach als „The King“ bezeichnet. Eine weitere Betitelung war früher auch „Elvis the Pelvis“, was seinem Hüftschwung bei den Auftritten zu verdanken war. Elvis Presley gilt laut Guinness World Records mit rund einer Milliarde verkauften Tonträgern als der erfolgreichste Solokünstler aller Zeiten.
Aus finanziell ärmlichen Verhältnissen stammend, begann er seine Karriere 1954 als einer der ersten Musiker der Rockabilly-Bewegung, einer Fusion von „weißer“ Country-Musik und „schwarzem“ Rhythm and Blues. Seinen Durchbruch hatte er 1956, als er zur kontrovers diskutierten Identifikationsfigur der Rock-’n’-Roll-Bewegung wurde. Für Furore sorgte er mit seinen ausgesprochen körperbetonten Bühnenauftritten in einer Zeit, in der dies noch nicht zum Standardrepertoire weißer Live-Entertainer gehörte. Presleys Markenzeichen, mit denen er in unterschiedlichen Genres wie Rock, Pop, Country, Gospel und Blues erfolgreich war, waren seine markante, annähernd drei Oktaven umfassende Stimme und sein innovativer, emotionsgeladener Gesangsstil.Vgl. hierzu: Musikhistoriker und -kritiker Henry Pleasants in: The Great American Popular Singers. Simon & Schuster, New York 1974, S. 274 f.; ferner: Charlie Hodge: „Elvis had a three octave range which is a fantastic range for an untrained singer“, zitiert nach Adam Victor: The Elvis Encyclopedia. Overlook Duckworth 2008, S. 560; Elaine Dundy: Elvis and Gladys. University Press of Mississippi 2004 (Erstausgabe 1985), S. 140; Richard Middleton: All Shook Up? Innovation and Continuity in Elvis Presley’s Vocal Style. In: Kevin Quain: The Elvis Reader. St. Martin’s Press, New York 1992, S. 3–12
Bis 1978 wurde Presley 14 Mal für den Grammy nominiert, den er drei Mal für seine Gospelinterpretationen gewann. Im Alter von 36 Jahren wurde er als bis dahin jüngster Künstler mit dem Lifetime Achievement Award ausgezeichnet. Er ist neben Michael Jackson als einziger Künstler in fünf Halls of Fame vertreten: Rock ’n’ Roll,Elvis Presley. In: rockhall.com. Abgerufen am 9. November 2020 (englisch). Rockabilly, Country,Inducted: 1998 – Elvis Presley. In: countrymusichalloffame.org. Abgerufen am 22. November 2020 (englisch). Blues und Gospel. Ferner wurden sechs seiner Songinterpretationen als historisch besonders bedeutsam in die Grammy Hall of Fame aufgenommen. Laut der Recording Industry Association of America (RIAA) erhielten insgesamt 101 seiner Alben eine Goldene Schallplatte in den USA, was ebenfalls einen Rekord darstellt (Stand: April 2025).Nick Keene: In: elvis.com.au. 16. März 2019, abgerufen am 15. März 2023 (englisch). Die RIAA zeichnete ihn wiederholt als „Best Selling Solo Artist in U.S. History“ aus.
In den amerikanischen Billboard-Charts erreichte Presley mit 15 Alben und 16 EPs den ersten Platz. Er ist als einziger Musiker in der US-amerikanischen Chartgeschichte mit Nummer-eins-Hits sowohl in Billboards Pop- (18) als auch Country- (11), Rhythm-&-Blues- (6) sowie Adult-Contemporary-Charts (7) vertreten und führt bis heute Billboards „Liste der 500 erfolgreichsten Künstler ab 1955“ an.Joel Whitburn’s Top Pop Singles, Chart Data Compiled From Billboard’s Pop Singles Charts, 1955–2008, and Bubbling Under The Hot 100 Charts, 1959–2008, 12. Ausgabe, Record Research 2009, S. 1295, 1312; ferner Joel Whitburn Presents Top Pop Albums, Chart Data compiled From Billboards Pop Album Charts 1955–2009 and Bubbling Under The Top Pop Album Charts 1970–1985, 7. Auflage. 2010, S. 951, 962; Joel Whitburn Presents Billboard Top Adult Songs 1961–2006, Record Research 2007, S. 220f, Joel Whitburn Presents Hot Country Songs Billboard 1944–2008, Record Research 2008, S. 329 f. und Joel Whitburns Hot R&B Songs 1942–2010
Zwischen 1956 und 1969 wirkte er zudem in 31 Spielfilmen mit. Von 1969 bis zu seinem plötzlichen Herztod im August 1977 gab er mehr als 1100 Konzerte. Presleys Lebensgeschichte war Stoff für über 1000 Bücher und wurde in zahlreichen Spielfilmen, Fernsehproduktionen und Dokumentarfilmen behandelt. Sein Nachwirken ist Forschungsgegenstand.
Biografie Kindheit und Jugend (1935–1953)
Elvis AaronAls offizielle Schreibweise des zweiten Vornamens gilt heute Aaron, da dies Presleys eigenem Wunsch in späteren Jahren entsprach. Auf der Geburtsurkunde stand jedoch Aron, siehe hierzu: In: www.elvis.com.au. 25. Januar 2008, abgerufen am 15. Januar 2023 (englisch). Presley wurde 1935 in East Tupelo, Mississippi, als Sohn des Landarbeiters Vernon Elvis Presley (* 10. April 1916; † 26. Juni 1979) und der Textilarbeiterin Gladys Love Smith (* 25. April 1912; † 14. August 1958) geboren. Sein Zwillingsbruder Jesse Garon kam tot zur Welt.Bill E. Burk: The Tupelo Years, Propwash Memphis 1994, S. 25 ff.
Die Vorfahren Presleys waren überwiegend westeuropäischer Herkunft: Väterlicherseits stammte er von deutschenWalter D. Kamphoefner: Elvis and Other Germans: Some Reflections and Modest Proposals on the Study of German-American Ethnicity (2009): In: Kluge, Cora Lee (Hrsg.): Paths Crossing: Essays in German-American Studies. Peter Lang, 2010, ISBN 978-3-0343-0221-0, S. 33 oder schottischenElaine Dundy: Elvis and Gladys. S. 60 Einwanderern, mütterlicherseits von schottisch-irischen und französischen Ahnen ab; eine Ururgroßmutter war Cherokee.Elaine Dundy: Elvis and Gladys. S. 13, 16, 20–22, 26Bill E. Burk: The Tupelo Years. Propwash Publishing 1994, S. 35 ff.; zum Stammbaum mütterlicherseits siehe ferner Elaine Dundy: Elvis and Gladys. S. 12 ff.!; vgl. auch
Elvis Presley wuchs als geliebtes und behütetes Einzelkind auf. Eltern und Sohn bildeten einen ungewöhnlich engen Familienverbund, soziale Kontakte spielten sich in erster Linie im Kreis der Familie und der unmittelbaren Nachbarschaft ab.Guralnick, 1994, S. 19. Sie waren nicht wohlhabend und mussten sich oft auf Nachbarn oder staatliche Unterstützung verlassen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.Guralnick, Last Train to Memphis, S. 15–16
Frühe musikalische Einflüsse in Tupelo mini|Das Geburtshaus von Elvis Presley in Tupelo, Mississippi
Für teure Freizeitaktivitäten war kein Geld da, nur wenige Menschen besaßen ein Radio, um das man sich in Gruppen scharte, um vor allem die Country-Stars der Grand Ole Opry zu hören.Peter Guralnick: Last Train to Memphis – Elvis Presley, Sein Aufstieg 1935–1958. Bosworth Music, 2005, ISBN 3-86543-096-1, S. 24. Oft sorgten die Presleys für ihre eigene Unterhaltung, indem sie mit Freunden Gospels sangen, in die ihr Sohn schon als Kleinkind einstimmte.Annie Presleys Aussagen in Bill E. Burks: The Tupelo Years. S. 56.
Ein Onkel von Gladys Presley war Prediger in der Assembly of God Church, die die Presleys regelmäßig besuchten und in der Musik eine große Rolle spielte. Hier sang Elvis Presley schon früh im Chor.Bill E. Burk: The Tupelo Years. S. 105 ff. Auf das Gesangstalent des ansonsten durchschnittlichen und schüchternen Schülers wurde eine Grundschullehrerin aufmerksam, auf deren Initiative hin der Zehnjährige 1945 anlässlich der Mississippi-Alabama Fair and Dairy Show in Tupelo an einem Radio-Talentwettbewerb teilnahm.Elaine Dundy: Elvis and Gladys. S. 102 f.; ferner Guralnick: Last Train to Memphis. S. 19. Nach diesem Auftritt, bei dem er mit dem a cappella gesungenen Stück Old Shep den fünften Platz belegte, bekam er von seinen Eltern die erste Gitarre geschenkt.Guralnick: Last Train to Memphis, S. 20.
Etwa zu derselben Zeit fand Presleys Leidenschaft für Musik weitere Nahrung in seiner Bewunderung für den Country-Musiker Carvel Lee Ausborn. Dieser hatte es als „Mississippi Slim“ mit einem eigenen Programm beim örtlichen Radiosender WELO zu lokaler Berühmtheit gebracht.Burk: The Tupelo Years. S. 179 f. und Guralnick: Last Train to Memphis. S. 23 f. Presley konnte sein musikalisches Vorbild dazu bringen, ihn in der Talentshow seiner Radiosendung singen zu lassen und ihm Gitarrenunterricht zu geben.Guralnick: Last Train to Memphis. S. 22–24; Burk: The Tupelo Years. S. 179 f.; Dundy: Elvis and Gladys. S. 93 ff.
1946/47 zogen die Presleys innerhalb Tupelos mehrfach um, da sie die Hypothek für ihr Haus und die Miete für folgende Unterkünfte nicht regelmäßig zahlen konnten. So wohnte die Familie trotz strenger Rassentrennungsgesetze zeitweise in einem Stadtviertel Tupelos, in dessen unmittelbarer Nachbarschaft viele Afroamerikaner lebten. In dieser Zeit freundete Presley sich mit einem schwarzen Nachbarsjungen an, mit dem er – begeistert von der Gospelmusik – regelmäßig afroamerikanische Gottesdienste besuchte, um dort mitzusingen. Heimliche Ausflüge in die Vergnügungsviertel der schwarzen Bevölkerung Tupelos weckten zudem seine Faszination für den Blues.DVD Elvis: Return to Tupelo. Dokumentation von Michael Rose, 2009; vgl. ferner Guralnick: Last Train to Memphis. S. 27.
Neuanfang in Memphis In der Hoffnung auf eine wirtschaftlich bessere Zukunft zogen die Presleys 1948 nach Memphis in Tennessee. Sie lebten dort zunächst erneut in verschiedenen Pensionen, bis sie die Berechtigung erhielten, ein Apartment in den Lauderdale Courts zu beziehen, einem Viertel des sozialen Wohnungsbaus in der Innenstadt von Memphis, speziell errichtet für Weiße mit niedrigem Einkommen.Guralnick: Last Train to Memphis. S. 34; Burk: The Humes Years. S. 26. Memphis hatte zu dieser Zeit eine sehr lebendige lokale Radioszene, in der „weiße“ und „schwarze“ Radioprogramme nebeneinander existierten.Guralnick: Last Train to Memphis. S. 41 f.
In seinem vorletzten Schuljahr an der Humes High School in Memphis begann Presley sich äußerlich zu verändern, indem er auffällige Kleidung im Stil der Afroamerikaner und lange, schwarz gefärbte Haare mit Koteletten trug. Zudem begeisterte er sich zunehmend für die Gospelquartette der Blackwood Brothers und der Statesmen.s. Guralnick: Last Train to Memphis. S. 50 f.; ferner Burk: The Humes Years. S. 80 ff. Besonders die Statesmen hatten es ihm angetan, die durch ihren emotionalen Gesangsstil, eine mitreißende Bühnenshow und den charismatischen Leadsänger Jake Hess auffielen. Auch ging Presley in dieser Zeit regelmäßig zu den All Night Gospel Singings.Guralnick: Last Train to Memphis. S. 51 f., zudem Burk: The Humes Years, S. 128 f. Sonntags war er mit anderen weißen Teenagern in der East Trigg Baptist Church von Reverend William Brewster auf der Empore – getrennt von den schwarzen Gemeindemitgliedern – zu finden, wo er dem lebhaften Black Gospel lauschte.Bill E. Burk: The Sun Years. Propwash Publishing 1997, S. 23.