Disco Volante ist das zweite Studioalbum der Jazzcoreband Mr. Bungle. Das Album wurde im Oktober 1995 veröffentlicht.
Neben musikalischen Einflüssen von Jazz, Metal und Filmmusik orientierten sich die Musiker an Themen aus den Bereichen Literatur, Philosophie, Film und Kunst, insbesondere jener des Surrealismus.
Das Album gilt als das ideenreichste, vielfältigste und wichtigste der Band.Wolf Kampmann: visions.de 30. November 1999 (abgerufen am 12. Mai 2010) Es wird gelegentlich als eines der innovativsten der 1990er Jahre bezeichnet; kommerziell war es hingegen im Vergleich mit den weiteren Veröffentlichungen der Band und deren Musiker ein Misserfolg.
Vorgeschichte Nach der Tour zum selbstbetitelten Debütalbum von 1991 waren die meisten Mr.-Bungle-Mitglieder in anderen Bands und Projekten aktiv. Sänger Mike Patton arbeitete bereits seit 1989 mit Faith No More und lud den Gitarristen Trey Spruance nur wenige Monate vor der Produktion von Disco Volante als Ersatz für Jim Martin hinzu. Gemeinsam veröffentlichten sie mit Faith No More das Album King for a Day… Fool for a Lifetime. Schlagzeuger Danny Heifetz engagierte sich bei den Bands Dieselhed und Neil Hamburger and the Hungry Man Band. Der Bassist Trevor Dunn und der Saxophonist Clinton McKinnon spielten derweil unabhängig voneinander als Studio- und Ensemblemusiker im Großraum San Francisco. Im Nachhinein bezeichnete der Schlagzeuger Danny Heifetz Disco Volante daher als „Renaissance“ der Band, womit er sich jedoch auch zusätzlich auf die Rückbesinnung auf frühere Demoarbeiten der Band bezog. Diese Rückbesinnung hob auch Trey Spruance hervor.
Entstehung Die Band schilderte das Songwriting zu Disco Volante als schwierigen Prozess. Trey Spruance erklärte, dass die meisten Songs in mehreren Etappen entstanden. Der erste Schritt der Aufnahme der von ihm verfassten Titel bestand aus einer Vierspuraufnahme vornehmlich der Gitarre. Anschließend sollte die Rhythmusgruppe einen der Gitarre entsprechenden Part spielen, welchen er mit aufnahm und abmischte. Im Anschluss fügte er der bisherigen Aufnahme den Keyboardteil hinzu. Erst mit dieser Rohfassung begann die Band mit den Aufnahmen.
Trevor Dunn hingegen spricht ebenso von einer Jam-Session, um die Ideen seiner Titel zu vervollständigen. Diese Auseinandersetzung der Band mit den geschaffenen Ideen der anderen Mitglieder betitelte er als traditionelle Mr.-Bungle-Methode, so dass nahezu alle Mitglieder an den einzelnen Titeln zumindest geringfügig beteiligt waren.
Der Anteil ihres Plattenlabels Warner Bros. Records bestand Spruance zufolge einzig in dem Geldvorschuss zur Produktion des Albums. Warner stellte Mr. Bungle eine Summe zwischen 80.000 und 100.000 US-Dollar zur Verfügung.Spruance im Interview (abgerufen am 12. Mai 2010)
Anders als das selbstbetitelte Vorgängerwerk wurde Disco Volante nicht von dem mit der Band befreundeten Jazzmusiker John Zorn produziert. Stattdessen wurde das Album, ebenso wie der Nachfolger California, von Billy Anderson produziert und abgemischt. Anderson hatte sich bereits zuvor über seine Arbeiten für Neurosis’ Enemy of The Sun, The Melvins’ Houdini und Sick of It Alls Scratch the Surface Bekanntheit verschafft. Der gelernte Toningenieur Anderson galt damals schon als wichtiger Produzent für Undergroundmetal und war populär für einen sehr rohen und aggressiven Klang. Trotz seiner Fülle an weiteren populären Alben bezeichnete Anderson seine Arbeit mit Mr. Bungle als jene, welche ihn am meisten mit Stolz erfülle, und hob dabei die Länge der Arbeit an Disco Volante hervor. Von den ersten Aufnahmen bis zum fertigen Album arbeiteten Band, Gastmusiker und Produzent neun Monate an den einzelnen Stücken.
Stil Mr. Bungle entfernten sich auf ihrem zweiten Studioalbum von dem durch Ska, Punkrock, Funk Metal und Hard Rock dominierten Stil des selbstbetitelten Albums und kehrten nach eigener Aussage näher zu ihren Wurzeln zurück. Die als Death-Metal-Band gegründete Formation nahm neben Doom- und Deathelementen jedoch auch Klangelemente aus Avantgarde-Jazz, Klezmer, Neuer Musik und Filmmusik auf.Disco Volante auf den Babyblauen Seiten (abgerufen am 12. Mai 2010)
Neben dem durchgehend dominanten Metal und Hardcore kommen auch Fragmente und Strukturen aus Easy Listening, Tango, Swing, Folklore oder Techno zum Tragen.Disco Volante auf SputnikMusic.com (abgerufen am 12. Mai 2010)
Die Stücke erweisen sich als besonders wechselhaft und komplex. Obwohl sich auf dem Album keine Improvisationen finden, setzt sich die Melange aus Lärm und Musik stets aus einer Mixtur aus Free Jazz und diversen Bereichen des Metals zusammen.
Auffällig im Gesamtklang des Albums ist sowohl die häufige Nutzung einer elektronischen Orgel als auch die diverser Stimmeffekte. Ebenso ungewöhnlich für das Metal- und Hardcoregenre ist die wiederholte Nutzung des Scat-Gesangs und der sinfonischen Dichtung. Nahezu alle Titel werden von Brüchen durchzogen, die meist das gesamte Songgerüst zumindest kurzfristig variieren oder zerstören. Der Titel „Merry Go Bye Bye“ vollzieht diesen Wechsel vom Surfrock über Noise und Death Metal zum Pop der 1950er Jahre, ist dabei aber vergleichsweise wenig verschachtelt. Andere Titel enthalten weniger offensichtliche Brüche wie das an Doom- und Sludge Metal angelehnte „Everyone I Went To High School With Is Dead“, welches sich zum Ende überschlägt und zu einer Melange aus Avantgarde Jazz und Noise zerfällt. Hinzukommend wird das gesamte Album von Geräuscheffekten und Klangsamples durchzogen, welche den jeweiligen Titel inhaltlich unterstützen oder ebenfalls kurzfristig brechen.
Titel Disco Volante bedeutet wörtlich übersetzt „fliegende Scheibe“, stellt jedoch wie der deutsche Ausdruck „fliegende Untertasse“ auch ein italienisches Synonym für ein UFO dar.Übersetzung des Begriffs (abgerufen am 12. Mai 2010) Den Titel „Disco Volante“ trugen ebenfalls ein italienischer komisch-grotesker Science-Fiction-Film aus dem Jahr 1964 und ein fiktives Tragflügelboot aus dem 1961 von Ian Fleming geschriebenen und 1965 verfilmten James-Bond-Film Feuerball.Thunderball in der IMDb Mr. Bungle coverten bereits Ende der 1980er Jahre, den von Tom Jones im Original gesungenen Titelsong.Aufnahme eines frühen Liveauftritts (abgerufen am 27. August 2013) Sowohl Dunn als auch Spruance und Patton betonten ihren Hang zu Surrealismus und Kinofilmen, besonders B-Movies,Spruance im Interview (abgerufen am 12. Mai 2010)Patton auf laut.de; abgerufen am 12. Mai 2010. woraus sich die Namensgebung des Albums erklärt. (abgerufen am 12. Mai 2010) John Zorn benannte einen Song der 1997er Neuauflage seines 1990 erschienenen Albums Locus Solus nach dem Album von Mr. Bungle.
Gestaltung mini|Der Kopf eines Viperfisch. Das Artwork wurde von der Band, dem australischen Comedian und Post-Punk-Musiker Gregg Turkington und der Musikerin Margaret Muffay entworfen.Disco Volante auf Discogs; abgerufen am 12. Mai 2010. Das Artwork basiert auf dem Titel „The Bends“ und nimmt Ideen der Surrealisten und Jules Vernes 20.000 Meilen unter dem Meer sowie Ian Flemings Thunderball auf.
Das Coverphoto zeigt einen getrockneten Viperfisch, der das Auge einer jungen Frau umschließend von ihr gehalten wird. Das Bild erinnert über den Ausschnitt und die blassgrüne Farbigkeit an die markante Szene des Films Ein andalusischer Hund, in der einer Frau vermeintlich mit einem Rasiermesser ins Auge geschnitten wird.Disco Volante auf Guts of Darkness; abgerufen am 12. Mai 2010. Den Film benannte Dunn unter anderem als einen seiner wichtigsten nichtmusikalischen Einflüsse. Das Foto stammt von Arthur Hertz, einem der Direktoren des Wometco Enterprises Miami Seaquarium. (abgerufen am 12. Mai 2010) Die weiteren Fotos unterstreichen ebenfalls den surrealen Aspekt des Albums. Die Bookletrückseite ziert eine Illustration des National-Geographic-Illustrators Davis Meltzer,Die Bilder des National Geographic, S. 492. eine dunkel gehaltene Unterwasserszene mit mehreren Tauchern und einigen technischen Apparaturen inklusive einer auf dem Boden verankerten Luftkuppel. Dabei weisen die roten Taucheranzüge und die Illustration deutliche Ähnlichkeit zum Look Down/Underwater Battle Plakat des James-Bond-Films Feuerball von Frank McCarthy aus dem Jahr 1965 auf.Das Plakat ohne Aufschriften (abgerufen am 12. Mai 2010)
Die Rückseite der Hülle enthält die Titelangaben ohne die versteckten Stücke in grüner Schrift auf schwarzem Grund, Band- und Albumnamen sowie eine Unterwasseraufnahme. Das Bild zeigt einen Helmtaucher. Dieser wird jedoch anstatt über einen Helm über einen durchgehenden Schlauch beatmet, der das Gesicht mit einschließt und keinen Sichtbereich freilässt. Der Taucher trägt schlichte Kleidung, geht auf dem Grund, trägt einen Beutel und hält eine Hellebarde. Das Bild stammt von dem Fotografen Joseph A. Tompson.
Das Booklet der CD enthält darüber hinaus zu jedem Titel eine grafische Aufarbeitung. Alle Bilder sind in Schwarzweiß gehalten und vermitteln eine düster-aggressive und surreale Stimmung. Darunter sind ebenso ein blutverschmiertes Highschooljahrbuch, ein fragmentierter Unterkiefer oder Collagen von Tatortfotos wie gezeichnete surreale Figuren und Landschaften enthalten.
Bookletangaben mini|links|Der Bassist Trevor Dunn spielt laut Bookletangaben „Niedertracht“ und „Abscheulichkeit“. Neben den üblichen Angaben über Artwork und Studios enthalten die Bookletangaben einige Besonderheiten. Danny Heifetz wird im Booklet als I Quit (Ich gebe auf) geführt, mit einem Holzblock als einziger Instrumentenangabe.Angaben im Albumbooklet Heifetz äußerte hierzu, dass der nihilistische Name seiner damaligen Gemütsverfassung entsprach und er für den eventuellen Fall eines tatsächlichen Ausstiegs seine 30-Tage-Frist einer Kündigung eingehalten hätte. Dass nur der Holzblock angeführt wurde, erklärte Heifetz hingegen mit den Worten: „I played the fuck out of that woodblock“ („Ich habe die Scheiße aus diesem Holzblock herausgespielt“). (abgerufen am 12. Mai 2010)
Trey Spruance hingegen wird als Uncooked Meat Prior To State Vector Collapse angegeben, was übersetzt bedeutet: Rohes Fleisch kommt dem Kollaps der Wellenfunktion zuvor. Dem Bassisten Trevor Dunn werden im Booklet keine Instrumente zugeordnet, sondern Niedertracht (base) und Abscheulichkeit (vile). Die Bandmitglieder äußerten sich nicht zu den Angaben zu Spruance und Dunn. Dunns „Base“ und „Vile“ werden jedoch meist den von Dunn gespielten Instrumenten „Bass“ für E-Bass und „Viol“ für Kontrabass gegenübergestellt.
Die im Booklet abgedruckte Titelliste enthält nach dem zwölften Stück „Merry Go Bye Bye“ den Titel „Nothing“ (nichts) ohne eine zugehörige Titelnnummer. Obwohl sich hinter dem Stück „Merry Go Bye Bye“ eine unbetitelte Noisepassage befindet, ist diese nicht das Stück „Nothing“. Stattdessen dient der Titel der Erwähnung der beiden Bandmitglieder Theo Lengyel und Danny Heifetz als Liedschreiber, die ansonsten an keinem Songwriting beteiligt waren und somit auf Disco Volante „nichts“ geschrieben haben.
Vermarktung mini|Trey Spruance bei einem Liveauftritt der Secret Chiefs 3 aus dem Jahr 2009 Nach der Veröffentlichung wurde Disco Volante nicht durch das Label gefördert. Werbeanzeigen in Printmedien oder die Produktion von Musikvideos blieben aus;Danny Heifetz im Interview mit Stalkers and Star Trek (abgerufen am 9. Juni 2010) zudem wurden keine Singles ausgekoppelt. Kommerziell war das Album folglich ein Misserfolg. Während Danny Heifetz den Mangel an Kommunikation und Interesse von Seiten des Labels anprangerte, gab Trey Spruance sich zufrieden mit dessen vermeintlichem Desinteresse.
Auch ohne die Unterstützung der Plattenfirma erreichte Disco Volante den vierten Platz der Billboard Heatseeker Charts.Mr.Bungle im Billboard magazine. Abgerufen am 28. August 2013. Die Heatseeker Charts sind spezielle Charts des US-amerikanischen Billboard Magazines, welche Veröffentlichungen von Künstlern ohne bisherigen Charterfolg hervorheben.