mini|Gesamtansicht der Hauptfassade Schloss Lieser ist ein im Stil des Historismus erbautes Schloss im gleichnamigen Weindorf Lieser an der Mosel nahe Bernkastel-Kues, auf dem Mülheim an der Mosel gegenüberliegenden Ufer. Es ist neben der Pfarrkirche St. Peter das markanteste Gebäude im Ort und steht seit 1981 unter Denkmalschutz. Seit Sommer 2019 wird es wieder als Hotel betrieben; es gehört zur Marriott International Gruppe.

Geschichte mini|Schloss Lieser, Frontansicht Der ältere Bauteil entstand von 1884 bis 1887 an der Stelle des 1710 gebauten Hofhauses eines Kirchenguts oder eines ehemaligen kurtrierischen Hofes. Die Entwürfe stammten von dem Frankfurter Architekten Heinrich Theodor Schmidt, der auch die Bauaufsicht ausübte.

Schloss Lieser war der Familiensitz des Unternehmers Eduard Puricelli (1826–1893), der im Gasgeschäft tätig und Miteigentümer einer Hüttengesellschaft war, außerdem Niederlassungen in Trier und in Rheinböllen hatte. Eduard Puricelli war für die Konservative Partei politisch aktiv und wurde 1867 für die Rheinprovinz in den Deutschen Reichstag gewählt. Nach dem gewonnenen Deutsch-Französischen Krieg stimmte er, wohl vor allem aus wirtschaftlichen Gründen, für den Anschluss von Elsass-Lothringen an das Deutsche Reich.

Puricellis beide Söhne starben früh, seine Tochter Maria heiratete 1880 den hohen preußischen Verwaltungsbeamten Clemens Freiherr von Schorlemer-Lieser. Von ihm stammt auch der Name des Schlosses, das Maria 1895 erbte. Nach Schorlemers Wechsel nach Koblenz als Oberpräsident der Rheinprovinz 1905 ließen sie es umfangreich umbauen und erweitern. So gliedert sich das Gebäude heute in zwei Teile: Der ältere, von der Mosel aus gesehen rechte Teil im Stil der Neorenaissance und der jüngere, etwas kleinere im Jugendstil. Der für den Um- und Erweiterungsbau verantwortliche, nicht überlieferte Architekt achtete durch die Wahl des Baumaterials sehr auf ein einheitliches Erscheinungsbild. Nur an stilistischen Details können die unterschiedlichen Bauphasen unterschieden werden.

Kaiser Wilhelm II. schätzte Clemens von Schorlemer-Lieser sehr und war 1906, 1911 und 1913 zu Besuch auf Schloss Lieser. Auch Kronprinz Wilhelm und Prinz Oskar waren dort mehrmals Gäste.

1981 kaufte die Gemeinde Lieser das Anwesen für 600.000 DM von der Familie Schorlemer-Lieser. Letzte Bewohnerin war die Witwe Marliese Freifrau von Schorlemer-Lieser geb. Rheinen. Anschließend stand das Gebäude über zehn Jahre leer, wurde aber einmal jährlich für das zu Pfingsten stattfindende Schlossfest genutzt. Im Februar 2001 kaufte ein aus Bad Salzuflen stammender Investor für zwei Millionen Euro das Haus. Seit 2007 gehört es der Familie Killaars, die außer dem Kaufpreis von 1,2 Millionen Euro weitere 12 Millionen Euro zur Bestandssicherung und für den Umbau in ein Schlosshotel investierte. Für die dazugehörige Tiefgarage musste einer der wohl größten Mammutbäume der Umgebung fallen. Die Hoteleröffnung war für Dezember 2016 geplant.

Nachdem sich kein Betreiber für das geplante Luxushotel gefunden hatte, stand das Schloss erneut zum Verkauf.Winfried Simon: Luxushotel Schloss Lieser steht zum Verkauf. In: Trierischer Volksfreund vom 31. Januar 2018

Am 25. April 2018 berichtete die Tageszeitung Trierischer Volksfreund, dass Schloss Lieser im Oktober 2018 als Luxushotel eröffnen solle.Wilfried Simon: Luxushotel Schloss Lieser an der Mosel soll Oktober öffnen. In: Trierischer Volksfreund vom 25. April 2018. Der Betreiber, die niederländische Odyssey Hotel Group, firmiert unter der Marke Autograph Collection. Küchenchef wurde der ehemalige Souschef des Drei-Sterne-Restaurants Aqua im Ritz Carlton-Hotel in Wolfsburg, Wolfgang Preßler. Die Eröffnung fand aber nach über zehn Jahren Umbau- und Sanierungsarbeiten erst im Sommer 2019 statt.Schloss Lieser: Endlich geht's los. In: Trierischer Volksfreund vom 3. April 2019

Aufbau mini|Südfassade des jüngeren Bauteils Das Gebäude steht zwischen der Uferstraße und dem Lieserer Schlossberg und erstreckt sich nahezu in Ost-West-Richtung. Alle Räume in den verschiedenen Geschossen sind durch den zentralen Flur erschlossen, ein typisches Merkmal englischer Landhäuser. Das Erdgeschoss wurde in rötlichem Sandstein-Mauerwerk erbaut, die darüber liegenden Geschosse mit regionaltypischem Schieferstein. Die Fenstergewände der oberen Geschosse sind aus Udelfanger Sandstein, sämtliche Säulen des Schlosses aus Burgpreppacher Sandstein. Das Dach hat eine Schieferdeckung, dessen Material aus dem Cauber Erbstollen stammt.

mini|hochkant|Zentrales Treppenhaus mini|Esszimmer Um mögliche Hochwasserschäden der damals noch nicht kanalisierten Mosel zu verringern, befanden sich zur Bauzeit im Erdgeschoss nur Wirtschafts- und Lagerräume, wo beispielsweise der Wein in Flaschen abgefüllt wurde. Diese Räume waren schlicht gestaltet, im Gegensatz zu den überaus repräsentativen oberen Geschossen. Verschiedene Stilmittel wie beispielsweise Kachelöfen, Bleiverglasungen und Türbeschläge sind erhalten und sollen auch nach dem geplanten Umbau ihre Funktion behalten. Das Schloss verfügte seit 1901 über ein eigenes Elektrizitätswerk.

Erstes Obergeschoss Das erste Obergeschoss ist die Beletage des Hauses mit vielen unterschiedlich großen Sälen und war für repräsentative Zwecke vorgesehen. Entsprechend aufwändig sind die Gestaltungselemente. Zentraler Raum ist der achteckige Festsaal, der einen unmittelbaren Zugang vom mittleren Treppenhaus hat. Er besitzt eine Holzvertäfelung, Bildhauerarbeiten sowie ein Deckengemälde; auch die anderen Räume sind mit Holz vertäfelt. Im zentralen Treppenhaus befinden sich großflächige Wandmalereien des Frankfurter Malers Karl Julius Grätz, auf denen viele bekannte Baudenkmäler an der Mosel dargestellt sind. Außerdem wurde im Osten eine 19 m² große Kapelle eingerichtet, deren Fußbodenfliesen nach Plänen des Architekten von Villeroy & Boch in Mettlach angefertigt wurden. Auch befanden sich hier zahlreiche Gästezimmer, ein Billardraum sowie eine Küche.

Zur Ausstattung gehört unter anderem eine überlebensgroße Marienstatue an einer Ecke nahe der Schlosskapelle im Osten des Gebäudekomplexes, ein Werk des Bildhauers Peter Fuchs (1829–1898), der lange Zeit an der Dombauhütte des Kölner Doms arbeitete. Ähnlich bedeutend sind die Bilder an der Hauptfassade, die das Leben von Industrie und Landwirtschaft idealisieren.

Zweites Obergeschoss Das zweite Obergeschoss war der Familie des Schlossbesitzers vorbehalten. Hier war das Wohnzimmer mit einem großen Marmortisch und Marmorkamin, die Schlafzimmer, weitere private Gästezimmer sowie die Zimmer für die Hausangestellten. Die Kupferplatte des Kamins ist ein Kunstwerk von Hubert Salentin aus Düsseldorf.

Weingut Schloss Lieser Während der Zeit Schorlemer-Liesers war dem Schloss eine Kelteranlage für die hauseigenen Weine angegliedert. In den 1970er Jahren wurden die 8,5 Hektar großen Weinberge mehrfach verkauft. Die Betriebsleitung wurde 1992 von Thomas Haag übernommen. Er reorganisierte den Betrieb und kaufte ihn im Jahr 1997. Zu dem Weingut gehören die zum Teil bekannten Einzellagen Juffer und Juffer Sonnenuhr (Brauneberg), Himmelreich (Graach), sowie Niederberg-Helden und Schlossberg (Lieser), die ausschließlich mit Riesling bestockt sind. Eine Spezialität des Hauses sind süße Prädikatsweine. Das Weingut ist Mitglied im Verband Deutscher Prädikatsweingüter.

Trivia Das Schloss mit dem Schlossgarten war eine der Kulissen des Films Moselfahrt aus Liebeskummer aus dem Jahr 1953.

Literatur Michael Losse: Familienwohnhaus Puricelli. Das Schloss Lieser an der Mosel. In: Burgen und Schlösser (), 34. Jahrgang 1993, Nr. 2, S. 99–106. (Digitalisat bei der Universitätsbibliothek Heidelberg) Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (Hrsg.), Michael Losse: Lieser an der Mosel. (Rheinische Kunststätten, Heft 384.) Köln 1993, ISBN 3-88094-740-6, S. 12–19. Franz Schmitt: Chronik Weindorf Lieser. Paulinus Druckerei, Trier 1988, S. 456–490. Heinrich Theodor Schmidt: Familienhaus des Herrn Eduard Puricelli zu Lieser a. d. Mosel. In: Deutsche Bauzeitung, 23. Jahrgang 1889, Nr. 36 (vom 4. Mai 1889), S. 209–210. (online als PDF-Dokument bei der BTU Cottbus)

Weblinks

schlosslieser.de

Einzelnachweise F. Schmitt: Chronik Weindorf Lieser, S. 458.

F. Schmitt: Chronik Weindorf Lieser, S. 474. Michael Losse: Familienwohnhaus Puricelli, S. 102 ()

Franz Schmitt: Chronik Weindorf Lieser, S. 487. wein-plus.eu (archive.org)

Kategorie:Schloss im Landkreis Bernkastel-Wittlich Kategorie:Kulturdenkmal in Lieser Schloss Lieser Kategorie:Schorlemer (Adelsgeschlecht) Kategorie:Denkmalzone (Rheinland-Pfalz) Kategorie:Schloss in Europa Kategorie:Autograph Collection