mini|hochkant|Julius Schindler, 1920er Jahre Julius Schindler (geboren am 30. Mai 1878 in Mährisch-Trübau, Schönhengstgau, Österreich-Ungarn; gestorben am 29. Dezember 1941 in Great NeckFür das Sterbedatum werden in den unterschiedlichen Quellen sowohl der 20., der 28. und der 29. Dezember 1941 genannt. Der hier angegebene 29. Dezember 1941 beruht auf den amtlichen Unterlagen, namentlich der Sterbeurkunde, die der jüngste Sohn Fredrick Charles Schindler, genannt Fritz, im Jahr 2008 vor dem Claims Resolution Tribunal (CRT) vorgelegt hat, dessen Protokoll als Beleg 3 in dieser Kurzbiographie zitiert wird.Petroleum Facilities of Germany (PDF-Datei; 3,1 MB), prepared by the Enemy Oil Committee for the Fuels and Lubricants Division – Office of the Quartermaster General, March 1945 (confidential). S. 15, 115, 135, auf: fischer-tropsch.org, New York, Vereinigte Staaten) war ein österreichisch-tschechischer Kaufmann, Unternehmer und Mäzen.Claims Resolution Tribunal – In re Holocaust Victim Assets Litigation, Case No. CV96-4849 (PDF-Datei; 74 kB), 17. März 2008, auf: crt-ii.orgJulius Schindler. In: Hamburgische Wissenschaftliche Stiftung, Ekkehard Nümann (Hrsg.): Die Begründer der Hamburgischen Wissenschaftlichen Stiftung. 3., komplett überarbeitete und ergänzte Auflage, Books on Demand, Norderstedt 2019, ISBN 978-3-943423-69-3, S. 97.Julius Schindler auf hamburgerpersoenlichkeiten.de

Familie mini|hochkant|Julius, Anni, Irma und Gustav Schindler, um 1917 mini|hochkant|Julius Schindler mit seinem jüngsten Sohn Fritz, um 1926 Julius Schindler war ein Sohn des böhmisch-mährischen Textilfabrikanten Gustav Schindler und dessen Ehefrau Julie Schindler geborene Weiß. Er hatte fünf Geschwister, drei ältere und zwei jüngere:

Adolf (geboren am 24. August 1872 in Mährisch-Trübau; gestorben am 13. Mai 1950 in Santa Barbara, Kalifornien, USA) Rosa (geboren am 1. Juni 1874 in Mährisch-Trübau; gestorben am 7. August 1942 im Ghetto Theresienstadt)Rosa, Kürti. In: Institut Terezínské iniciativy, auf: holocaust.czRosa Kohn Kurti. In: Yad Vashem – Internationale Holocaust-Gedenkstätte, auf: yadvashem.org, verheiratet mit Armin Kohn Kürti (geboren am 17. Oktober 1865 in Tyrnau, Österreich-Ungarn; gestorben am 18. Juni 1916 in Kaltenleutgeben, Österreich-Ungarn) Eduard (geboren am 8. September 1876 in Mährisch-Trübau; gestorben am 13. März 1944 in Shanghai, China) Isidor (geboren am 28. Februar 1881 in Mährisch-Trübau; gestorben am 26. März 1943 im Vernichtungslager Sobibór)Schindler, Isidor, geboren am 28. Februar 1881 in Mährisch-Trübau. In: Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945, auf: bundesarchiv.deSchindler, Isidor, geboren am 28. Februar 1881 in Mährisch-Trübau. In: United States Holocaust Memorial Museum, auf: ushmm.orgIsidor Schindler. In: Yad Vashem – Internationale Holocaust-Gedenkstätte, auf: yadvashem.org Ignaz (geboren am 15. September 1882 in Mährisch-Trübau; gestorben am 7. Februar 1962 in Santa Barbara, Kalifornien, USA)

Julius Schindler heiratete am 2. April 1905 Irma geborene Spitzer (geboren am 1883 in Teschen, Schlesien, Österreich-Ungarn; gestorben am 27. Juli 1954 in Grasse, Frankreich), die aus der ersten Ehe ihres Vaters, des Teschener Lederwaren-Händlers Hermann Spitzer (geboren am 30. August 1850 in Tierlitzko, Österreichisch-Schlesien; gestorben am 14. Oktober 1917 in Teschen), mit der früh verstorbenen Anna Spitzer (gestorben am 4. November 1891 in Teschen) stammte. Sie hatte einen älteren und einen jüngeren Bruder sowie zwei Halbschwestern aus der zweiten Ehe ihres Vaters.

Aus der Ehe von Julius und Irma Schindler gingen drei Kinder hervor: Anni (geboren am 27. März 1906 in Hamburg; gestorben am 18. September 1999 in Haifa, Israel), in erster Ehe verheiratet mit dem promovierten Arzt Henri Marcel Schwabacher (geboren am 15. März 1895 in Paris; gestorben am 1967 in Ascona, Tessin, Schweiz), in zweiter Ehe ab Mai 1939 mit dem promovierten und habilitierten Pathologen und Hochschullehrer Julius KleebergPalestine Post (Jerusalem) vom 12. Mai 1939 – vgl. Jürgen Hartmann: Die Erinnerungen Julius Kleebergs an seine Kindheit und Jugend in Salzuflen und Bösingfeld 1899–1908. In: Rosenland, Zeitschrift für lippische Geschichte, Jahrgang 2010, Nr. 10, S. 5. Gustav (geboren am 20. März 1910 in Hamburg; gestorben am 4. Juli 1988 in Cannes, Frankreich), Namensänderung nach Emigration: Gustave Schindler Fritz (geboren am 30. Januar 1920 in Hamburg; gestorben am 5. Februar 2016 in Straßburg, Elsass, Frankreich), Namensänderung nach Emigration in die USA: Frederick Charles Schindler

Seinem jüngsten Sohn Fritz ermöglichte Julius Schindler, nach dem Besuch der privaten Vorschule von Fräulein Cläre Lehmann (Heilwigstraße 46 in Hamburg-Harvestehude) das von Martin Luserke geleitete reformpädagogische Landerziehungsheim Schule am Meer auf der ostfriesischen Insel Juist zu besuchenSchülerbuch der Schule am Meer, Juist, Blatt 156 (Fritz Schindler, geboren am 30. Januar 1920 in Hamburg, Sohn des Kaufmanns Julius Schindler, Hamburg). In: Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek Kiel, Handschriftenabteilung, Nachlass Luserke, Martin, Signatur Cb 37., wo Fritz sich mit Hagen Distelbarth (1918–1941) anfreundeteSchülerbuch der Schule am Meer, Juist, Blatt 165 (Paul Hagen Distelbarth, geboren am 24. Juni 1918 in Morgenstern bei Gablonz an der Neiße, Böhmen, Österreich-Ungarn, Sohn des Landwirts Paul Distelbarth, Rittelhof, Löwenstein bei Heilbronn, Württemberg). In: Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek Kiel, Handschriftenabteilung, Nachlass Luserke, Martin, Signatur Cb 37., einem Sohn von Paul Distelbarth.

Schule und Ausbildung Julius Schindler absolvierte das örtliche Gymnasium seiner Heimatstadt Mährisch-Trübau. Als er 14 Jahre alt war, starb sein Vater, als er 17 Jahre alt war, auch seine Mutter. Mit dem Abiturzeugnis in der Tasche zog er 1892 in Österreich-Ungarns Hauptstadt Wien und absolvierte dort eine kaufmännische Lehre.Theo Müller, Annette Schlapkohl: 100 Jahre Schindler. Chronik einer Hamburger Firma. Husum-Druck- und Verlags-Gesellschaft, Husum 2008, ISBN 978-3-89876-426-1, S. 9–14.

Wirken mini|hochkant|Gustav Schindler, dahinter eine Hausangestellte vor dem im Souterrain gelegenen Dienstboteneingang, im Vorgarten der Stadtvilla Nonnenstieg 19 in Hamburg-Harvestehude, um 1920 mini|Firmenschild am Haus Hohe Bleichen 28, ab 1920 mini|hochkant|Marmortafel in der Universität Hamburg mit dem Namen Julius Schindlers mini|Julius Schindler (2. von rechts) während einer Geschäftsreise in den USA, um 1920 mini|hochkant|Julius Schindler mit Hut auf dem Schoß während einer Dampferfahrt auf der Elbe, um 1921 mini|Die „Sommerfrische“ der Familie Schindler auf dem Anwesen Tannenhof in Rissen bei Altona, ab 1926 Anschließend war er dort als Angestellter höchstwahrscheinlich für Mineralöl-Handelsgesellschaften tätig, denn im Jahr 1901 ging er nach Belgien, wo er bis 1905 in leitender Position für Ölraffinerien in Antwerpen fungierte. Im Jahr 1905 wechselte er nach Deutschland und wurde in Hamburg Prokurist der Oelwerke Stern-Sonneborn AG (Ossag), einer der ersten deutschen Schmierölfabriken, mit Sitz Werftstraße 21/26 auf dem Kleinen Grasbrook.Oelwerke Stern-Sonneborn Aktiengesellschaft, Vaseline-Fabrik, Oelraffinerie, Fettfabrik, kl. Grasbrook, Werftstr. 21/26, Directoren: Leo Stern u. Jacques Sonneborn [Auszug]. In: Hamburger Adressbuch 1905, Personen- und Firmenverzeichnis: zweiter Abschnitt. S. 467–II, Spalte 2. Als deren Handlungsreisender mit Zuständigkeit für den gesamten europäischen Markt erwarb er sich umfängliche Erfahrungen, wobei ihm seine erlernten und erworbenen Sprachkenntnisse in Englisch und Französisch zugutekamen.

Ab diesem Zeitpunkt wohnte er zunächst im Haus Stadtdeich 57 in Hamburg, ab 1907 im Haus Wrangelstraße 22.Schindler, Julius, Wrangelstr. 22. In: Hamburger Adressbuch 1908, Personen- und Firmenverzeichnis: Zweiter Abschnitt, S. II–680, Spalte 4.

1908 machte er sich selbständig und gründete in Neuhof bei Wilhelmsburg ein eigenes Handelsunternehmen unter der Firma Julius Schindler Mineralöle, mit dem Verwaltungssitz im Haus Stadthausbrücke 3.Julius Schindler Mineralöle, Stadthausbrücke 3, P. 36. Telefon 1.2093. In: Verzeichnis der Teilnehmer an dem Fernsprechnetz im Ober-Postdirektionsbezirk Hamburg, Oktober 1913. Personen- und Firmenverzeichnis: I. Hamburg. S. 301, Spalte 2.

Er fungierte als weltweiter Alleinverkäufer einer der bedeutendsten Raffinerien des Russischen Zarenreichs in Riga. Als einer der ersten Unternehmer überhaupt führte er Maschinenöl aus Russland in gewaltigen Größenordnungen in die Vereinigten Staaten ein. Zu diesem Zweck hatte er seine Handelsbeziehungen in die USA ab etwa 1910 durch wiederholte Schiffsreisen über den Atlantik selbst entwickelt und aufgebaut.

Mit zunehmendem Status, Vermögen und größer werdender Familie zog er in das Haus Innocentiastraße 61Julius Schindler (Privatwohnung), Innocentiastr. 61, P. 37. Telefon 5.3701. N.3. In: Verzeichnis der Teilnehmer an dem Fernsprechnetz im Ober-Postdirektionsbezirk Hamburg, Oktober 1910. Personen- und Firmenverzeichnis: I. Hamburg. S. 260, Spalte 2., dann in das Haus Innocentiastraße 51.Julius Schindler (Wohn.), Innocentiastr. 51, P. 37. Telefon 6.305. In: Verzeichnis der Teilnehmer an dem Fernsprechnetz im Ober-Postdirektionsbezirk Hamburg, Oktober 1913. Personen- und Firmenverzeichnis: I. Hamburg. S. 301, Spalte 2.

Er importierte große Mengen von Mineralöl aus den Vereinigten Staaten nach Europa. Diese Im- und Exporte von Russland in die USA und von den USA nach Europa endeten aus politischen Gründen, als der Erste Weltkrieg ausbrach. Als Ausgleich für diese ausbleibenden Ressourcen sicherte sich Schindler Mineralöle aus österreichisch-ungarischer und rumänischer Förderung, die für den Kriegsverlauf auf Seiten der k.u.k. Truppen und ihres Verbündeten, des Deutschen Kaiserreichs, von Bedeutung waren. Zusätzlich investierte Schindler in Erdölgewinnung auf deutschem Boden, im weiteren Kriegsverlauf auch auf dem Boden des zu Österreich-Ungarn zählenden Galizien.

Ab 1916 lebte Julius Schindler mit seiner Familie in der Stadtvilla Nonnenstieg 19 in Harvestehude mit zwölf Zimmern und drei Hausangestellten.Schindler, Julius (s. auch unter Ölwerke Julius Schindler, Wohn. Nonnenstieg 19, P 37. Merkur 305). In: Amtliches Fernsprechbuch für den Oberpostdirektionsbezirk Hamburg, Oktober 1921. Personen- und Firmenverzeichnis: I. Hamburg. S. 439, Spalte 2.Schindler, Julius, Kaufm., H 4, No 805, Nonnenstieg 19, Post 87 In: Hamburger Adreßbuch 1931. Personen- und Firmenverzeichnis: Zweiter Abschnitt. S. II – 1071, Spalte 4.

Während des Krieges erwarb er ab 1917 mehrere Mineralölwerke, zunächst die Mineralölwerke Peine, die neben dem kriegswichtigen Schmieröl für Radachsen von Dampflokomotiven und Waggons auch Petroleum für den Betrieb von Petroleumlampen herstellten. Nach diesem Erwerb firmierte sein Unternehmen ab dem 24. September 1917 unter Oelwerke Julius Schindler GmbH. Der Verwaltungssitz befand sich zunächst im Gebäude Mönckebergstraße 22, ab dem Jahr 1920 im Kontorhaus Hohe Bleichen 28Oelwerke Julius Schindler, †), Hohe Bleichen 28, P 36. Hansa 2093, 3504, Nur f. Exp. Hansa 3501. Nur f. Fbr. i. Neuhof. Elbe 4307. †) Neuhof, Brückenstr. P. Wilhelmsburg E) 4. Elbe 3903. †) Hohe Bleichen 28. P. 36. Elbe 3901. N1. In: Amtliches Fernsprechbuch für den Oberpostdirektionsbezirk Hamburg, Oktober 1921. Personen- und Firmenverzeichnis: I. Hamburg. S. 369, Spalte 2., an dessen Hausfassade direkt neben dem Eingangsportal noch heute die Inschrift Oelwerke Julius Schindler zu sehen ist.